Chapter 58

„Hey Schatz, magst du mir noch einen Kaffee mitbringen?“ bat Cat und hielt AJ ihrer Kaffeetasse entgegen ohne von ihrer Tageszeitung aufzusehen.
„Honey… du sollst doch nicht mehr so viel Kaffee trinken…“ mahnte AJ, erntete jedoch nur einen bösen Blick von Cat, die ihm noch immer ihre Kaffeetasse entgegen hielt.
„AJ, hör auf meinen Babysitter zu spielen. Von Zwei Tassen Kaffee am Tag wird dein Kind schon nicht hyperaktiv werden.“
AJ seufzte hörbar auf und nahm Cats Tasse an sich. Es war jeden morgen der gleiche Kampf.
Manchmal konnte Brian sie überreden statt Kaffee eine Tasse Tee zu trinken, allerdings ließ dieser an diesem freien morgen auf sich warten.
Lediglich Howie und Keith waren ihm bereits auf dem Flur begegnet. Der Rest schien noch zu schlafen und auch AJ würde liebend gern noch ein Stündchen im Bett verweilen, doch Cat hatte seit neuestem die Angewohnheit zu den unmenschlichsten Uhrzeiten aufzustehen.
Hätte AJ vorher gewusst wie anstrengend so ein Kind bereits vor der Geburt ist… er hätte sich die Sache mit dem Sex im Allgemeinen zweimal überlegt.
„Hey…“ Marcus’ kurze und etwas lahme Begrüßung riss AJ aus seinen Gedanken.
„Guten morgen“ begrüßte er seinen Bodyguard „schon ausgeschlafen oder haben sie dich jetzt schon aus dem Bett geholt weil wir irgendwann heute Abend im Flieger sitzen müssen?“
AJ würde im Leben nicht verstehen warum die Crew schon einen halben Tag vor Abflug Spalier stand.
„Nein, ich hab einfach schlecht geschlafen. Frag mich nicht warum, aber ich habe das Gefühl das heute einer der schlechten Tage ist.“
AJ zog die Stirn in Falten „Wir haben frei und jede menge Zeit bis wir zum Flieger müssen… was soll passieren?“
Marcus zuckte unschlüssig mit den Schultern, nahm sich noch zwei Brötchen aus einem Korb und folgte AJ an den Tisch zurück zu Cat, die er mit einem kurzen Kuss auf die Wange begrüßte.
„Hey Chef, was liegt an?“ fragte er mehr in Bezug auf die aktuelle Presse als auf die bevorstehenden Termine.
Cat seufzte und faltete nun endlich auch ihre Zeitung wieder zusammen.
„Nichts weiter, Gott sei dank. Die Nummer gestern hat mir gereicht. Wenn das so weiter geht müssen wir uns dringend was einfallen lassen um Kevin aus der Schussbahn zu holen.“
Marcus’ und AJ nickten einvernehmend.
„Schon eine Idee?“ fragte Marcus und sah abwechselnd zwischen seinen Tischnachbarn hin und her.
Cat nickte, AJ schüttelte den Kopf.
Marcus grinste „Na Hauptsache ihr seid euch einig.“
„Tjaaaa…“ sagte Cat lang gezogen „Im Zweifelsfalle wird wohl das Baby herhalten müssen.“
AJ glaubte sich verhört zu haben und verschluckte sich fast an seinem Kaffee „Was?“
„Naja, wenn die Presse nicht von Kevin ablässt ist die einzige Option von ihm abzulenken momentan das Baby… Ich meine ahnen tun es eh schon alle und über kurz oder lang wirst du dein Spross eh nicht von Fans und Öffentlichkeit fern halten wollen und können.“
AJ schwieg, Marcus’ nickte verstehend.
„Das wäre tatsächlich eine Möglichkeit…die Presse stürzt sich natürlich lieber auf etwas Offensichtliches und offizielles, als auf etwas über das sie nur Spekulieren können. Und da ist eine neue Frau und ein Baby natürlich wesentlich interessanter.“
Cat nickte und nahm einen Schluck von ihrem Kaffee.
„Ich hab was von Frau und Kind gehört… Was hat mein Weib angestellt?“ grinste Brian der just im Moment an den Tisch getreten war.
„Deine Frau hat gar nichts angestellt. Aber meine ist kurz davor…“ Murmelte AJ dem die Idee Cat in der Öffentlichkeit zur Schau zu stellen so gar nicht gefiel.
„Sag Mal, Bri… Leigh ist nicht zufällig wieder Schwanger, oder?“ fragte Marcus und biss unbeeindruckt von seinem Brötchen ab.
„Nicht das ich wüsste…“ gähnte Brian und nahm neben Cat am Tisch platz. „Oder weiß jemand von euch mehr als ich?“ grinste er und warf Cat einen fragenden Blick zu.
„Also was mich betrifft wasche ich meine Hände in Unschuld.“ Lächelte Cat und blinzelte Brian amüsiert zu.
Brian lag eine Spitze Bemerkung in Bezug auf den Zeitungsartikel vom vergangenen Tag auf der Zunge, doch bei Anblick des völlig in sich gekehrten AJ’s hielt er lieber seinen Mund und griff stattdessen nach Cats Kaffeetasse.
„Du sollst doch nicht mehr so viel Kaffee trinken.“ Grinste er und nahm demonstrativ einen Schluck.
Cat zog die linke Augenbraue in die Höhe sagte jedoch nichts.
„Die beiden überlegen ob sie der breiten Öffentlichkeit von dem Baby erzählen um die Aufmerksamkeit von Kevin abzulenken.“ Erklärte Marcus.
„Nicht &Mac226;die beiden’… SIE.“ Fuhr AJ auf und deutete auf seine Freundin die augenblicklich mit den Augen rollte.
„Alex… wie viel willst du Kevin noch zumuten?“ Schimpfte Cat „Ich denke er ist längst am ende seiner Kräfte und Gott weiß was morgen in der Presse steht. Wenn wir mit dem Baby davon ablenken können, können wir froh sein das wir diesen Plan B noch haben.“
„Hey, beruhigt euch.“ Versuchte Brian zu schlichten und legte Cat eine Hand auf den Arm. „Sprecht doch einfach mit Kevin. Schaut wie es ihm geht und ob er dem ganzen noch stand hält oder ob er euch eventuell sogar dankbar dafür wäre wenn ihr ihm ein bisschen ruhe verschafft.“
„Brian… wir können doch nicht wegen jeder Kleinigkeit zu ihm rennen. Er hat genug andere Sorgen. Außerdem würde er es vermutlich nicht zulassen das ich mich dem Stress aussetze nach den Dramen die sich wegen und während dieser Schwangerschaft schon zugetragen haben. Aber es geht mir gut und wenn wir ihm damit ein wenig Zeit und Ruhe verschaffen können dann tu ich das gerne. Ich denke nicht das es nötig ist ihm dann auch noch Schuldgefühle zu machen weil ich wegen ihm meinen Bauch in die Kameras halte.“
„Aber du hast keine Vorstellung davon was für ein Rummel herrschen wird, wenn rauskommt das meine neue Freundin mit der ich gerade einmal vier Monate zusammen bin bereits im Fünften Monat von mir Schwanger ist. Du weißt was der Arzt gesagt hat über Stress und…“
„Jetzt mach aber mal nen Punkt. Der Arzt hat gesagt dass es mir und dem Baby prächtig geht und dass es sich ganz normal entwickelt. Das ich mir keine Sorgen machen muss und solange ich mich gut fühle geht es auch dem Baby gut also halt die Luft an.“ Cat war wütend und verstand nicht weshalb AJ jetzt so ein Aufhebens machte. Wollte er sich nicht mit ihr in der Öffentlichkeit sehen lassen? War ihm irgendwas an ihr peinlich? Es konnte doch nicht einzig an der Sorge um sie und das Baby liegen. Sie beschloss sich erst einmal abzureagieren.
„Ich werd nach oben gehen, ein heißes Bad nehmen und anschließend mal nach Kevin schauen. Marcus kümmere dich bitte darum dass nachher alle pünktlich in der Lobby sind. Wenn wir den Flieger heute Nachmittag verpassen kriegen wir morgen ein echtes Zeitproblem.“
Marcus nickte lediglich und nahm das davon rauschen von Cat kommentarlos hin, während Brian und AJ sich augenblicklich in eine heiße Diskussion lieferten.
Während ihres heißen Bades und einer Tasse Tee hatte Cat sich soweit wieder beruhigt das sie beschlossen hatte etwas für sich und die Allgemeinheit zu tun und hatte sich selbst ein kleines Beauty Programm gegönnt.
Vielleicht hatte sie sich in den letzten Tagen und Wochen ja wirklich etwas gehen lassen und AJ wollte sie deshalb nicht der Öffentlichkeit als die offizielle Frau an seiner Seite vorstellen.
Ständig war sie ungeschminkt gewesen, hatte weite Baggys und einfache Tops getragen, doch damit war jetzt Schluss.
Sie hatte wieder Make up aufgelegt, ihrer Haare hoch gesteckt und kämpfte nun mit ihrer Jeans.
„Oh man das darf nicht wahr sein. Die hat doch letzte Woche noch gepasst.“ Erneut versuchte sie den Knopf ihrer Hose zu schließen, doch vergebens.
Frustriert gab sie schließlich auf und griff zu dem weißen Rock mit dem Gummibündchen.
„Wenn du mir die Figur ruinierst verzeihe ich dir das nie und werds dir ein leben lang vorhalten. Nur damit da klar ist.“ Schimpfte sie mit ihrem stetig wachsenden Bauch und striff sich die Bluse über die Leighanne ihr beim letzten Aufeinander treffen geschenkt hatte.
„Naja, nicht perfekt aber so gut wie es eben geht.“ Bemerkte sie mit einem Blick in den Spiegel und beschloss dass es Zeit wurde Kevin nach der Tagesstimmung zu befragen.
Seit einiger Zeit hatte es sich eingespielt das Cat morgens als erste antestete wie Kevins Stimmung war.
Mit Rücksicht auf ihren &Mac226;Zustand’ war Kevin ihr friedlich gesonnen und sprach gelegentlich mit ihr. Der Rest der Jungs und der Crew konnten nur hilflos dabei zusehen wie Kevin… funktionierte.
Mit einem leisen seufzen öffnete Cat die Tür zu ihrem Zimmer, setzte ein seichtes Lächeln auf und schlenderte die wenigen Schritte bis zu Kevins Tür.
Energisch klopfte sie „Kevin… Zeit zum aufstehen. Du musst noch packen.“
Doch im inneren des Zimmers rührte sich nichts. Cat horchte aufmerksam, doch es blieb alles ruhig.
Schulterzuckend machte sie kehrt um nach Kevin zu suchen.
Doch sie fand ihn weder in der Lobby, noch im Frühstücksraum. Als sie Keith auf dem Weg in den Fitnessbereich traf bestätigte auch dieser dass er Kevin noch nicht gesehen hatte.
Besorgt machte sie sich auf den Weg zurück in ihr Zimmer und versuchte Kevin immer wieder auf seinem Handy zu erreichen während sie ihre Sachen packte. AJ’s Klamotten ließ sie aus Trotz auf dem Boden liegen. Sollte er seine Koffer doch selber packen. Sie war schließlich Schwanger.
„He Cat, hast du Kevin mittlerweile gefunden? Wir müssen in einer Stunde los zum Flughafen.“ Erinnerte Marcus als Cat ihm in der Lobby fast in die arme rannte.
„Nein, ich habe keine Ahnung wo er steckt. Er geht nicht ans Handy… sein Zimmertelefon ist daneben gelegt aber öffnen tut niemand. Ich wollte mir grad eine Zweitkarte besorgen um zu schauen ob er überhaupt noch da ist oder ob er letzte Nacht die Koffer gepackt hat.“
„Mach das. Ich geh Nick wecken.“
„Nick schläft noch?“
Marcus grinste „Kennst du ihn anders?“
„Ich hasse diesen Tag schon jetzt.“ Fluchte Cat leise und trat an die Rezeption.
Keine Minute später hatte sie eine Zweite Zimmerkarte und wartete zum wiederholten male an diesem Tag in den Fahrstuhl.
Als sich die Türen öffneten sah sie in das ziemlich zerknirschte Gesicht von AJ, der schon seit einiger Zeit auf der Suche nach seiner Freundin war um sich bei ihr für seinen Ausbruch beim Frühstück zu entschuldigen.
„Cat… ich…“
„Hast du schon gepackt? Wir müssen in ner Stunde los zum Flughafen.“
„Honey, es tut mir leid…“
„Hast du zufällig Kevin gesehen?“ fragte Cat ohne auch nur ansatzweise auf AJ einzugehen.
„Nein, ich…“
„Hab ich mir gedacht.“ Ohne sich noch einmal umzudrehen stieg Cat in der Zwölften Etage aus und klopfte erneut an Kevins Tür.
„Cat, hör mir doch mal für einen Moment zu, bitte.“ AJ war ihr gefolgt und fasste sie am Arm.
„Alex, ich hab jetzt keine Zeit für so was. Wir müssen in Zweieinhalb Stunden im Flieger nach Manila sitzen und ich habe keine Ahnung wo Kevin steckt. Geh packen. Wir unterhalten uns später.“
„Wie? Du hast keine Ahnung wo Kevin steckt?“ Überrascht sah AJ auf. Er hatte plötzlich das Gefühl eine menge verpasst zu haben.
„Es hat ihn noch niemand gesehen heute. Ans Telefon geht er auch nicht.“ Klärte Cat auf und klopfte erneut gegen die Holztür „Kevin, wenn du da bist mach bitte endlich auf, sonst komm ich rein.“
Atemlos horchten sowohl Cat als auch AJ, doch im inneren des Zimmers blieb es ruhig.
„Ob er wieder was angestellt hat?“ wollte AJ wissen und trat ein wenig näher an Cat heran, doch die warf ihm lediglich einen verständnislosen Blick zu.
„In drei Gottes Namen, geh endlich deine Koffer packen. Wenn ich Hilfe brauche werd ich mich schon melden.“
„Aber…“
„Alex…“ Cat holte tief Luft „Wenn ich dir für heute einen guten Rat geben darf… streite dich nicht mit mir. Meine Hormone sind mir momentan nicht besonders gnädig, ich bin heute gefühlte hundertmal vom Zwölften Stock in die Lobby und wieder hochgefahren. Deinem Blag ist mittlerweile schlecht, mir ist schlecht, ich hatte noch kein Mittagessen, weil ich seit geschlagenen Drei Stunden nach Kevin suche und wenn du nicht augenblicklich auf das hörst was ich dir als deine Tourmanagerin sage, schwöre ich kriegen wir beide heute noch ein Riesen Problem.“ Mit ihrem Blick ließ Cat AJ nicht eine Sekunde an der Ernsthaftigkeit ihrer Worte zweifeln.
Er öffnete den Mund um noch etwas zu sagen, doch ein Schnauben von Cat ließ ihn seine Worte hinunterschlucken.
Einen momentlang sah er noch auf sie hinunter, ehe er sich umdrehte und sich schließlich auf den Weg zu seinem Zimmer machte.
Erst als Cat ihn nicht mehr sehen konnte klopfte sie erneut an Kevins Zimmertür.
„Ich komm jetzt rein Kev.“
Mit einem mulmigen Gefühl zog sie die Zimmerkarte durch und öffnete die Tür.
Das Zimmer lag komplett im dunklen.

„Kevin?“ Mit angehaltenem Atem trat Cat tiefer in das Zimmer ein und sah sich um. Entgegen ihrer Befürchtung dass Kevin sich aus dem Staub gemacht hatte fand sie als erstes seine geöffneten Koffer und ein Hemd das achtlos über den Stuhl geworfen war.
Nur langsam gewöhnten sich ihr Augen an die dunkle Umgebung und ließ eine Wölbung unter der Bettdecke erkennen.
Cat warf einen hektischen Blick durchs Zimmer auf der Suche nach Alkoholika. Konnte allerdings nichts entdecken und atmete erleichtert auf während sie sich auf das Fußende von Kevins Bett sinken ließ und sanft eine Hand dort platzierte wo sie Kevins Bein vermutete.
„Schatz, du musst aufstehen wir müssen in einer Stunde zum Flughafen.“
Doch Kevin rührte sich nicht.
Er hatte zwar gehört, dass jemand immer wieder geklopft hatte, doch er hatte sich nur die Decke über den Kopf gezogen, weil er sowieso nicht aufstehen konnte. Er schwebte in einer grauen Wattewelt, hier war es still, seine Gedanken und Gefühle gedämpft. Ein angenehmer Zustand zwischen Schlafen und Wachen, aus dem er nicht heraus konnte. Oder wollte. So genau wusste er das nicht. Im Halbschlaf konnte er zwar nicht vergessen, dass er ganz allein war, aber es war nicht ganz so wichtig. Zumindest solange seine trägen Gedanken nicht zu diesem Punkt wanderten und an ihm kratzten, wie an einer frisch verschorften, juckenden Wunde.
Als schließlich jemand hereinkam und mit ihm sprach, sich die Hand auf sein Bein legte, unternahm er nicht den Versuch sich zu bewegen. Warum auch, er wusste ja er konnte es nicht. Es war zu schwer, einfach zu mühselig. Seine Knochen waren wie aus Blei und brannten leicht, zugleich schienen sie die Kälte anzuziehen wie ein Magnet. Er erkannte Cats Stimme, konnte aber nicht gleich einen Sinn in ihre Worte bringen. Am besten war es, wenn sie wieder ging, dachte er sich und blieb teilnahmslos liegen.
„Kev, hey… du willst mir doch nicht weiß machen das du noch schläfst.“ Sagte Cat und rüttelte ein wenig halbherzig an Kevins Bein, ehe sie aufstand und die schweren Gardinen vor den Fenstern aufzog.
Sie warf erneut einen Blick auf das Bett, konnte aber nicht einmal Kevins Haarschopf ausmachen und ließ sich erneut neben ihn auf die Bettkante sinken.
„Scheiß Tag?“ fragte sie sanft und all das Mitleid das sie für Kevin und seine Situation hatte keimte in ihr auf. Vorsichtig griff sie nach der Decke und hob sie von seinem Gesicht.
Er gab sich nicht die Mühe die Augen überhaupt zu öffnen.
„Ich weiß das es Tage gibt an denen man nicht einmal daran denken mag aufzustehen, aber du musst Kevin. Wir müssen bald zum Flughafen und du bist noch nicht geduscht und deine Sachen nicht gepackt. Komm steh auf… bitte.“ Sanft strich sie ihm über die Wange, doch die Augen blieben auch weiterhin geschlossen.
Kevin wollte sich nicht bewegen. Vielleicht würde sie gehen, wenn er sie fort dachte, weg von dem Bett. Sie gehörte nicht in die graue Wattewelt in die sie durch die Berührung eindrang, er wollte in Ruhe gelassen werden. Wenn er sich schon so schrecklich allein fühlte, wollte er es auch wirklich sein.
Aber sie ging nicht... Egal wie sehr er sich vorstellte allein zu sein, die Hand war hartnäckig.
"Geh weg." raunzte er sie schließlich mit noch immer geschlossenen Augen an, wenn auch nicht mit halb so viel Nachdruck, wie er sich gewünscht hätte zustande zu bringen.
Cat seufzte. Es beschlich sie das Gefühl das dies noch ein anstrengender Tag werden würde.
„Nein ich werde nicht gehen und du wirst gleich aus diesem Bett steigen, sonst sorg ich dafür dass dich einer raus holt und du weißt ich scherze nicht wenn wir noch was zu erledigen haben. Und in diesem Fall ist es ein Sechs Stunden Flug nach Manila den wir nicht verpassen dürfen. Also sieh zu.“
Mitleidig aber dennoch genervt stand Cat auf und begann damit erst ein paar frische Sachen aus dem Koffer zu pulen ehe sie alles andere darin verstaute was sie finden konnte.
Immer wieder bat Cat Kevin aufzustehen und kam sich vor wie ihre eigene Mutter wenn sie morgens für die Schule nicht aufstehen wollte und ihre Mutter sie immer wieder ermahnt hatte bis Cat sich schließlich aus dem Bett gequält hatte und darauf folgend ständig zu spät zur Schule kam.
Mit einem Blick zur Uhr forderte sie Kevin schließlich erneut auf. Sie hatten nur noch gut eine halbe Stunde.
„Kevin ich geb dir noch 5 Minuten, wenn du dann nicht aufgestanden bist hole ich Keith und einen Eimer kaltes Wasser, an deiner Stelle würde ich freiwillig aufstehen.“
Sie machte Krach, der Kevin immer wieder aus dem Schwebezustand riss, schimpfte und klapperte und wühlte in seinen Sachen herum. Eigentlich hasste er es, wenn jemand das ungefragt tat, aber heute sah er teilnahmslos zu. Was spielte es auch für eine Rolle. Er hielt seine Augen einen Spalt offen, warum wusste er nicht so genau. Es war zu laut hier um wegzudämmern, er zu lethargisch um aufzustehen und sich einen ruhigeren Ort zu suchen, also würde er es wohl aussitzen müssen.
Die Sonne schien herein, doch irgendwie war ihr Licht grau... Langsam glitten Kevins Finger suchend über die Decke, um die Ecke zu finden und sie wieder auszusperren.
Cat bat nicht noch einmal sondern griff stattdessen zu ihrem Handy und wählte Keith’ Nummer, der augenblicklich abhob, kaum das es angefangen hatte zu klingeln.
„Ja?“
„Keith… Ich hab da nen Job für dich.“ Maulte Cat mittlerweile deutlich genervt.
„Der da wäre?“
„Kevin aus dem Bett holen!“
„Kevin liegt noch im Bett? Wir müssen in einer halben Stunde los.“ Keith stellte Brians Koffer ab den er gerade in einem der Vans verstauen wollte.
„Würde ich es sagen wenn dem nicht so wäre?“
„Ich komme hoch.“ Keith wartete nicht auf eine Reaktion von Cat sondern legte ohne ein weiteres Wort auf und machte sich auf den Weg zum Lift.
Derweil schnaufte Cat laut und vernehmlich und entzog Kevin aufs Neue seine Bettdecke.
„Kevin.. ich weiß dass du es wahrscheinlich nicht mit Absicht machst um mich zu reizen, aber langsam werde ich sauer. Steh auf! Du kannst im Flugzeug schlafen wenn du das unbedingt willst und in Manila kannst du meinetwegen bis zum Soundcheck morgen im Bett bleiben, aber jetzt müssen wir einen Flieger kriegen.“
Kevin tastete erneut nach der Decke, die ihm so brutal entzogen worden war, und gab es auf als Cat ihn mit einem Ruck ganz aufdeckte. Mit einem leisen Stöhnen legte er einen Arm über seine Augen, doch es hatte nicht dieselbe Wirkung. Erst recht nicht, weil der Lärmpegel um ihn plötzlich um ein vielfaches in die Höhe schnellte...
Dunkel kam ihm die neue Stimme bekannt vor, die viel tiefer als Cats klang, doch er ließ den bleischweren Arm über seinen Augen liegen.
"Was ist mit ihm?"
"Verdammt, wenn ich das wüsste!"
Jemand nahm ihn am Handgelenk und hob seinen Arm mit einer Leichtigkeit an, die Kevin nur bewundern konnte. Ein breites Gesicht mit roten Bartstoppeln schob sich in sein Gesichtsfeld. Keith.
"Kev, was ist los?" Keiths Augen wanderten suchend über sein Gesicht. "Kev?"
"Lasst mich in Ruhe..." ächzte Kevin und versuchte sich wegzudrehen, doch Keith hielt ihn fest.
"Betrunken oder verkatert ist er nicht..." stellte Keith, an Cat gewandt, fest.
"Was ist es dann?" fragte Cat besorgt nach. "Er hat sich nicht mal die Jeans ausgezogen vor dem Schlafengehen..."
"Wenn ich das wüsste... Wenn er noch lange in diesem Zustand bleibt, schleppe ich ihn spätestens morgen zu einem Arzt."
Grimmig sah Keith auf Kevin herunter, der den Kopf weggedreht und die Augen geschlossen hatte.
"Das hilft mir aber jetzt herzlich wenig!" schimpfte Cat. "Was sollen wir..."
"Lass mich das machen."
Kevin wurde plötzlich gepackt und hochgezogen, neben dem Bett einen Moment lang auf die Füße gestellt, und dann kurzerhand über eine Schulter geworfen. Verwirrt über die Schnelligkeit der Geschehnisse, starrte Kevin auf das Hinterteil, das sich direkt vor seiner Nase befand.
"Tut mir leid, Alter, aber unsere fünfundzwanzigjährige Freundschaft, mein Job und meine Achtung vor eurem Job zwingen mich dazu."
Im nächsten Moment landete Kevin unsanft in der Badewanne, mitten unter dem eiskalten Duschstrahl...
Geschockt von der plötzlichen Kälte, japste Kevin nach Luft und versuchte hochzukommen, doch
Keith hielt ihn fest wo er war, schlimmer noch, er drückte Kevins Kopf unter den Duschstrahl.
Die grauen Schleier zerrissen, Kevins Herz raste und sein Körper begann vor Kälte zu zittern.
"Du gottverdammter Mistkerl!" schrie er Keith an, den kurzen Moment den es ihm gelang das Gesicht aus dem Wasserstrahl zu drehen.
Prompt wurde das Wasser abgedreht und Keith zog ihn in der Wanne auf die Füße, um ihm eindringlich in die Augen zu sehen.
"So ist das viel besser." meinte er trocken. Dann warf er Kevin ein Badetuch um die Schultern und fing an ihn aus der klatschnassen Hose zu schälen.
Cat stand mit verschränkten Armen in der Badezimmertür und musterte Kevin argwöhnisch.
„Das hast du dir selbst zuzuschreiben. Ich hab dir gesagt das ich jemanden hole der dich aus dem Bett holt. Putz dir die Zähne ich hol trockene Sachen.“ Sagte Cat trocken, nahm die Nasse Jeans die Keith ihr reichte an sich und wandte sich ab um die bereits zu Recht gelegten Sachen für Kevin zu holen.
Als sie ins Bad zurück kam stand Kevin vor Kälte leicht zitternd und nur mit einem Handtuch bekleidet vor dem Spiegel und putzte sich widerwillig die Zähne, während Keith auf dem Toilettendeckel saß und darauf achtete das Kevin nicht auf die Idee kam sich in die Badewanne zu legen um dort weiter in Selbstmitleid zu zergehen.
Während Cat Keith die trockenen Sachen reichte und Kevins nasse Shorts an sich nahm um auch diese im Koffer zu verstauen klopfte Marcus energisch an die Tür.
„Wir kommen gleich.“ Rief Cat ohne sich die Mühe zu machen die Tür zu öffnen. Doch das Klopfen erstarb augenblicklich und binnen Minuten war Kevin abfahrtbereit und die Koffer gepackt.

Als endlich alle im Flieger saßen war Cat völlig genervt und müde als hätte sie einen 24 Stunden Tag hinter sich. Dabei hatten sie noch 6 Stunden im Flieger und die Fahrt zum Hotel vor sich ehe an ein bisschen ruhe überhaupt zu denken war.
Sie verschanzte sich hinter ihrem Laptop um nicht mit AJ über ihren kleinen Zwiespalt am morgen sprechen zu müssen und war dankbar dass Kevin augenscheinlich schlief. Während die anderen sich mit Lesen, Musik hören oder Board Kino beschäftigten, so konnte wenigstens niemand etwas anstellen und Cat seufzte leise auf.
In letzter Zeit hatte sie das Gefühl das die freien Tage wesentlich anstrengender waren als die Konzerttage.
Cat war so in Gedanken versunken das sie kaum merkte dass sie eine Netzwerknachricht auf ihren Laptop bekam.
&Mac226;Sprich mit Alex. Er hat’s doch nicht böse gemeint’
Überrascht sah Cat auf und blickte sich um. Sie konnte erkennen das Nick, zwei Reihen vor ihr ebenfalls seinen Laptop auf dem Schoß hatte.
Wieder einmal verfluchte Cat die Technik und schrieb zurück.
&Mac226;Erstens hör auf ständig mein Netzwerk auszutricksen und sämtliche Sicherheitsschranken zu umgehen um mir nachrichten zu schicken und zweitens… Ich habe Alex nichts getan, er ist derjenige der sich verweigert Kevin zu helfen.’
&Mac226;Ich muss da nicht viel Austricksen… Bluetooth sei dank und was Alex angeht… es geht nicht darum das er Kevin nicht helfen will sondern mehr darum das er dich beschützen möchte.’
&Mac226;Wovor?’
&Mac226;Vor der Presse, der Öffentlichkeit, dem Druck allen gerecht zu werden. Er hat angst um dich und das Baby.’
&Mac226;Dem Baby und mir geht es gut. Vielen Dank.’
Nick rollte genervt mit den Augen &Mac226;Du hast keine Ahnung wie es ist die feste Freundin von einem von uns zu sein. Heute bist du niemand und morgen zerreißt sich die ganze Welt das Maul über dich.’
&Mac226;Danke, ich denke ich bin alt genug um auf mich aufzupassen’
&Mac226;Cat… glaub mir. Du weißt nicht worauf du dich einlässt’
&Mac226;Und ich glaube das ich weiß worauf ich mich einlasse und das du mir keine Beziehungstipps geben musst.’
&Mac226;Shark0180 hat die Verbindung getrennt.’

Cat schnaubte und klappte nachdrücklich ihren Laptop zu.
Warum war eigentlich jeder der Meinung das sie, seit sie Schwanger war, keine Ahnung mehr von dem hatte was sie tat und entschied?
Wütend packte sie ihren Laptop und ihre unterlagen zusammen und in ihre Tasche.
Sobald sie in Manila gelandet waren würde sie das ein oder andere ernste Gespräch führen. Sie hatte endgültig die Nase voll von allen und jedem Bevormundet zu werden. Sie war Schwanger nicht geistig Verwirrt und das würde sie jetzt ein für alle mal klar stellen.

Chapter 59