Chapter 46
Ich kann schon fast Heimat riechen. grinste Cat müde und warf einen beiläufigen Blick aus dem Fenster, auf die vorbeiziehenden Wolken unter sich.
Noch drei Shows, Baby
dann ist erstmal Ruhe.
Am vergangenen Abend hatten die Jungs ihr letztes Konzert in Deutschland gespielt und mittlerweile sehnte sich jeder nach seinen eigenen Vier Wänden, seinem eigenen Bett, der eigenen Dusche, den daheim gebliebenen Freunden
Sie hatten kurzfristig entschieden, den letzten Abend nicht gleich weiterzufahren sondern noch in Deutschland zu bleiben, um dort mit der ansässigen Crew und allen Beteiligten die in Deutschland mit angefasst hatten noch ein wenig zu feiern, und erst am nächsten Tag nach Spanien weiter zu fliegen, wo sie noch zwei Shows hatten ehe es zur letzten Show, für Europa, in Portugal ging.
Naja, kann man relativ sehen., gähnte Cat, Euer Terminplan hat nur andere Pläne mit euch als jeden Abend in einer anderen Stadt Shows zu spielen.
Ruhiger wird es trotzdem, glaub mir. Viel Zeit um Weihnachtseinkäufe zu erledigen und meine Mum von ihrem &Mac226;Oh-mein-Gott-ich-werde-GroßmutterTrip runterzuholen.
Cat kicherte leise. Ich hab wohl Glück gehabt, dass ich einen relativ guten Eindruck hinterlassen habe, huh?
Meine Mom mag dich wirklich. Sie war ein bisschen erschrocken darüber, dass wir das Kind unbedingt zeugen mussten noch ehe wir überhaupt eine Beziehung geführt haben, aber ich glaube, mittlerweile überwiegen bei ihr wirklich die Großmutterfreuden.
Apropos, sag mal
was machen wir eigentlich Weihnachten mit deiner Mom und Tony?
Ich schätze, dass sie nach LA kommen
AJ warf Cat einen belustigten Blick zu. Ich vermute, Mom möchte der werdenden Mutter nicht zuviel zumuten.
Es ist noch nicht mal ein Bauch zu sehen. empörte sich Cat. Und bis Weihnachten kann man denken, ich habe lediglich zu viel gegessen.
Das erzähl mal meiner Mom. Ich wette, sie wird mindestens zwei bis fünf mal versuchen uns davon zu überzeugen, schon jetzt das Kinderzimmer einzurichten und deine Tasche fürs Krankenhaus zu packen. AJ grinste bei dem Gedanken.
Na, da kann ich mich ja jetzt schon auf den Besuch freuen. Bis dahin hab ich mich wohl grade davon erholt, dass ihr und die Crew mir ständig ein Kissen an den Hintern tackern wolltet. Cat verzog genervt das Gesicht und begann damit, ihre Handtasche zusammenzupacken, da sie bald in Barcelona landen würden.
Sie war sich noch nicht schlüssig, ob sie sich auf Asien und Australien freuen sollte oder nicht.
Zwar lagen die Shows nicht so nah beieinander, aber die Luft war raus. Sie waren kaputt, allesamt. Die Crew, die Jungs, die Bodyguards
Cat hoffte inständig, dass der Break und die wenigen Termine, die dazwischen lagen, ihnen allen wieder ein wenig auf die Beine helfen, und sie die letzten Shows der Tour anständig über die Bühne bringen würden.
Was danach kam
davor hatte Cat noch ein wenig mehr Angst. Dennoch hatte sie langsam die Nase voll vom Tourleben.
Vor einiger Zeit hatte sie bereits mit AJ besprochen, dass sie nach der Tour zu ihm nach LA ziehen würde, wo auch das Kind zur Welt kommen sollte.
Sie wusste nicht, ob sie sich dafür bereit fühlte, doch sie liebte AJ und sie wollte nicht in Florida wohnen bleiben, während der Vater in Kalifornien drum weinte, dass er seine Frau und sein Kind nie sah.
Sie machte sich selbst ein wenig Mut damit, dass sie diese Tour gemeinsam überstanden hatten, was an sich schon an ein Wunder grenzte. Da konnte es nicht mehr viel schlimmer werden.
***
Baby, bist du sicher, dass du alles hast? Ich hab keine Lust nachher rumzutelefonieren wo deine Sachen geblieben sind. Ein wenig genervt warf Cat einen Blick auf die Uhr.
Eigentlich wollte sie bereits seit einer Stunde zuhause sein, doch warum sollten sich einige Dinge auch nach Ende der Europatour ändern?
Sie seufzte, als AJ noch immer mit der Nase in diversen Taschen steckte.
Alex!
Ja, ich bin in einer Minute fertig.
Schon seit Ewigkeiten wurden Taschen, Koffer, Rucksäcke und diverser Kleinkram von A nach B sortiert und wieder zurück gereicht.
Nick hatte derweil schon drei Koffer und zwei Reisetaschen geöffnet und wieder geschlossen, mit den lapidaren Begründungen, dass er glaubte, dass es seine wären oder er seine Glücks-Shorts suchen würde.
Cat glaubte allerdings eher, dass er sich bloß mal die Unterwäsche ihrer Stylistin genauer ansehen wollte und war bereits zweimal dazwischen gegangen, als AJ auch noch seine Nase mit in die Taschen gesteckt hatte.
Brian und Leighanne blieben mit Baylee ein wenig abseits stehen und warteten geduldig bis man ihnen ihre Taschen reichte, die irgendwann als &Mac226;langweilig geoutet wurden und somit uninteressant geworden waren.
Howie hingegen stand mitten in dem Chaos, Berge an Taschen und Koffern um sich herum, und versuchte halbherzig Nick und AJ davon abzuhalten immer neue Koffer zu öffnen und darin herumzuwühlen.
Seine eigenen Sachen hatte Howie allerdings auch noch nicht gefunden und stand den beiden somit in nichts nach.
Cat wusste, warum sie den Jungs geraten hatte bereits vorher all ihre Taschen zu sortieren, damit am Flughafen nicht unnötig Stress ausbrach wenn jeder seine Sachen zusammensuchte, doch mit Beendigung des letzten Europakonzertes schien plötzlich niemand mehr auf sie zu hören.
Vielleicht überwog auch die Freude aller, ein wenig Freizeit zu haben und die anderen über Weihnachten nicht sehen zu müssen. Cat war sich nicht ganz sicher.
He Chef
Marcus trat auf Cat zu und legte ihr einen seiner großen Arme um die schmalen Schultern.
Hey Marc... was gibts?
Nichts, ich hab nur gedacht, du möchtest dich irgendwo anlehnen bis die Chaoten hier fertig sind. Das ist nichts neues, dass ihnen auf den letzten Drücker einfällt was sie dem anderen noch geliehen haben und jetzt plötzlich wiederhaben wollen. Das war nach Amerika und vor Europa doch auch nicht anders.
Seufzend ließ Cat sich gegen Marcus Brust sinken.
Ich glaub es gibt einfach Dinge, an die ich mich nicht gewöhnen werde
kann ich meinen Missmut über diese Zustände nicht einfach auf Stimmungsschwankungen schieben?
Marcus grinste schief. Ich glaube, dafür ist es zu spät. Schließlich hast du dich am Anfang auch nicht beschwert.
Da war ich nicht schwanger und wusste nicht auf was ich mich einlasse, da war ich auch noch weitaus geduldiger.
Cats Blick schweifte über das Taschen- und Koffermeer vor sich und die Leute, die hektisch selbige in Taxen, Busse und Autos hievten, und musterte erneut Nick, der triumphierend eine Reisetasche in die Höhe hielt von der Cat genau wusste, dass es nicht seine war.
Nimms nicht so schwer, Kleines
in ein oder zwei Stunden seid ihr zuhause. Du kannst die Füße hoch und deinen Terminkalender beiseite legen und dich einfach mal ein paar Tage mit Alex zurücklehnen und entspannen. Da kommts auf die eine Stunde jetzt auch nicht mehr an.
Ja, ich weiß, aber ich hab euch jetzt wirklich lange genug ertragen. Ich bin froh wenn ich euch mal ein paar Tage nicht sehen muss. Cats Blick blieb an Kevin hängen, der etwas abseits des Chaos an einen Stützpfeiler aus Beton gelehnt stand, die Hände tief in den Taschen vergraben und mit den Gedanken scheinbar weit weg.
Marcus schnaufte. Hey, ich hab gedacht wenigstens ich wäre nett zu dir gewesen.
Cat sah zu ihm auf und grinste. Einem Impuls folgend schlang sie ihre schlanken Arme um Marcus Taille und drückte ihn einen Moment, was er überrascht erwiderte.
Das warst du auch. Deshalb erwarte ich auch, dass wir uns irgendwann zu den Feiertagen sehen und gemeinsam Essen. Sie zwinkerte Marcus grinsend zu. Entschuldige mich bitte einen Moment.
Sie vergrub die Hände in den Taschen ihrer Jeansjacke und stieg desinteressiert über ein paar Gepäckstücke, ehe sie Nick beiseite schob, ihm, ohne ihn eines Blickes zu würdigen, die Tasche aus seiner Hand nahm und sie wieder auf den Kofferberg schleuderte, und zu Kevin hinüber schlenderte.
Hey
sagte sie leise, bei ihm angekommen.
Erwartungsgemäß kam keinerlei Reaktion.
Cat lehnte sich auf die andere Seite des massigen Betonpfeilers und sah wieder hinüber zu AJ, der gerade einen Koffer geöffnet, als &Mac226;nicht eigen erkannt hatte und nun versuchte ihn mit Gewalt wieder zu schließen, indem er darauf kniete und Howie anfeuerte, damit dieser die Verschlüsse wieder schloss.
Ist es nicht schön, endlich wieder amerikanischen Boden unter den Füßen zu haben?
Morgen ausschlafen
den ganzen Tag auf der Couch gammeln und in Selbstmitleid versinken
Cat warf aus dem Augenwinkel einen Blick auf Kevin, doch der rührte sich noch immer nicht. Wusstest du, dass es morgen Frösche regnen soll?... Nicht?... Naja, weil doch übermorgen der Tag vor gestern ist und sich meine Umzugskartons in Florida auch schon von allein packen und hierher laufen. Ist doch nett von ihnen, oder?
Cat löste sich von dem Pfeiler und trat einen Schritt näher auf Kevin zu.
Oder was meinst du
Kevin!
Erst bei dem Nachdruck, den Cat ihrer Stimme bei seinem Namen verliehen hatte, zuckte er kurz zusammen und sah auf sie herab.
Cat
sagte er müde und blinzelte ein paar Mal.
Seine sonst so durchdringend, grünen Augen waren müde, matt und sahen glattweg durch sie hindurch.
Oder was meinst du? Ist doch nett von ihnen, oder? hakte Cat unbeirrt nach.
Was? Kevin blickte verwirrt auf seine Freundin hinab. Er hatte nicht ein Wort von dem mitbekommen, was sie gesprochen hatte. Wie lang stand sie überhaupt schon dort?
Ja... ja, das ist total nett. beeilte er sich zu sagen, in der Hoffnung dass es die richtige Antwort war.
Cat grinste matt über die Bestätigung ihrer dusseligen Worte und schüttelte innerlich den Kopf.
Versprich mir, dass wir uns zwischendurch sehen und du dich meldest wenn was ist, ja? Egal was. sagte sie leise, lehnte sich unvermittelt an Kevins Brust und schmiegte sich leicht an ihn.
Du weißt wo wir sind und du weißt, unser Haus steht dir jederzeit offen
Sie erwartete keine Antwort von Kevin. Du kannst mich nicht die ganze Zeit bis Asien mit ihm allein lassen. Nick kommt Weihnachten auch noch vorbei... Ich ertrag die Beiden nicht ohne seelischen Beistand.
Ein kaum merkliches Lächeln stahl sich auf Kevins Lippen. Er konnte sich in etwa ausmalen was es hieß, Nick zu Weihnachten um sich zu haben.
Ich
Er räusperte sich und nahm endlich die Hände aus den Hosentaschen, um die Arme um Cat zu legen. Ich verspreche, dass ich mich zwischendurch &Mac226;lebend melden werde.
Cat grinste an Kevins Brust. Das war schon fast mehr als sie sich erhofft hatte.
Doch sie hatte mit den Jungs längst einen perfekt ausgearbeiteten Plan erstellt, wer wann bei Kevin anrief, plötzlich vor der Tür stand, Karten und Geschenke schickte
Weihnachten würde hart für ihn werden. Das war ihnen allen klar
und sie wussten, dass sie ihm nicht helfen konnten. Sie konnten nur für ihn da sein. Ihn auffangen und stützen, wenn er es brauchte. Doch so weit es ging, wollten sie versuchen ihn von den schwarzen Wolken und trüben Gedanken fernzuhalten, auch wenn es vermutlich meist schon im Ansatz scheitern würde.
Aber Kevin würde die Bemühungen zu schätzen wissen
auch wenn er sie wohl erst später wahrnehmen würde.