Chapter 44

„… Abschließend wünsche ich euch allen einen schönen freien Tag. Genießt ihn, es wird einer eurer letzten sein. Leighanne und ich werden jetzt in die City gehen und uns mit der neuesten Babymode vertraut machen.“ Cat grinste und klappte beim Aufstehen ihren Laptop zu.
Während sie ihre Papiere sortierte und hier und da noch einmal zum Abschied nickte, trat AJ an sie heran.
„Und ich darf wirklich nicht mitkommen?“ fragte er ein wenig schmollend und schob die Unterlippe vor.
Cat schmunzelte und strich ihrem Freund sanft über die Wange.
“Nein, darfst du nicht. Du gehst schön mit den Jungs Golfen und erholst dich ein bisschen, während Leigh und ich uns einen Weibertag machen und ich mich endlich mal aus meiner Watte befreie, in die ihr mich alle gepackt habt. Wenn wir wieder Zuhause sind, darfst du sicherlich auch mal mitkommen. Aber bis dahin….“ Sie gab ihm einen sanften Kuss, nahm ihren Laptop vom Tisch und nickte Brians Frau vergnüglich zu.
Cat war froh in Irland zu sein. Endlich konnte sie sich wieder verständigen und verstand vor allem auch die Menschen um sich herum wieder.
In Brüssel waren Leighanne und Baylee wieder zu ihnen gestoßen. Sehr zu Brians Freude, der seit ein paar Tagen offensichtlich nicht mehr allzu gut schlief und dementsprechend übernächtigt aussah, was sich deutlich an seiner Laune äußerte.
Den freien Tag hatten die Mädels kurzfristig auserkoren, um sich mal in aller Ruhe nach einer Erstausstattung umzusehen.
Cat hatte Leighanne darum gebeten, war es doch bei ihr noch nicht allzu lang her, dass sie sich selbst damit auseinandersetzen musste. Und auch wenn bei Cat noch nicht einmal ein Bauchansatz zu sehen war, so hatte sie doch beschlossen, dass sie irgendwann anfangen musste sich damit auseinanderzusetzen, schließlich würde sie schneller die Dynamik einer Schildkröte in Rückenlage haben, als ihr lieb war.
Außerdem wollte sie sich endlich mal mit einer Frau über die körperliche und auch seelische Veränderung unterhalten.
Trotz aller Bemühungen der Männer um sie herum, es ihr an nichts mangeln zu lassen, fehlte Cat in stillen Momenten doch eine Freundin an ihrer Seite, die sie verstand, nicht wie ein rohes Ei behandelte und mit der sie einfach ein wenig über ihre Hormonschwankungen und heimlichen Gelüste tratschen konnte.

„Und? Froh den Kerlen mal für ein paar Stunden zu entkommen?“ fragte Leighanne belustigt, als die beiden Frauen vor dem Hotel in ein Taxi stiegen und dem Fahrer ihr Fahrziel nannten.
„Du hast keine Ahnung wie sehr.“ stöhnte Cat und reichte Baylee einen Lolli, den sie für ihn ausgewickelt hatte. „Die machen mich wahnsinnig. Hast du gesehen, dass sie mir gestern sogar ein Kissen mit meinem Namen drauf hinter die Bühne gelegt haben? Ich hab gedacht ich spinne. Waren die bei dir auch so nervtötend?“
„Es ging. Ich hatte nicht so viele davon um mich rum, aber im Großen und Ganzen… ja… schon. Ich glaube, sie können einfach nicht anders. Sie freuen sich halt.“
„Das tue ich mittlerweile ja auch, aber deshalb müssen sie nicht jetzt schon so tun als würde es jeden Moment so weit sein. Und wo zum Teufel nimmt dein Mann immer aus dem Stehgreif, egal wo wir grade sind, einen Stuhl her damit ich mich setzen kann?“
Leighanne lachte auf. „Oh, das konnte er schon damals gut, als ich mit Baylee schwanger war. Ich glaube, den trägt er den ganzen Tag mit sich herum. Ich erinnere mich, da muss ich so im achten oder neunten Monat gewesen sein, da waren wir in der Stadt und wollten irgendwas fürs Baby besorgen. Haben’s aber nicht gefunden… ich glaube eine passende Wickelauflage haben wir gesucht, weil mir die, die wir vorher gekauft hatten, schon wieder nicht mehr gefiel… und ich sagte nach zwei oder drei Stunden die wir unterwegs waren, dass mir die Füße wehtun würden… ob du es glaubst oder nicht... Er hat mich stehenden Fußes mitten auf der Strasse stehen lassen, ist über eine sechsspurige Hauptverkehrsstrasse gerannt, mitten in der Rush Hour, und hat sich einen Stuhl aus dem Cafe gegenüber geliehen und ihn mir mitten auf den Bürgersteig gestellt.“
Cat begann schallend zu lachen. „Du scherzt?!“
“Hey, sehe ich so aus als würde ich Scherze mit schwangeren Frauen machen?... Wenn es um DIE Jungs geht?“
Cat wischte sich eine Lachträne aus dem Augenwinkel.
„Oh Gott, was mache ich bloß mit denen gegen Ende der Tour? Da bin ich dann im fünften Monat.“
„Du kannst froh sein, wenn sie dich solange arbeiten lassen. Sobald Bauch zu sehen ist, werden sie ganz komisch. Warts ab.“
„Die brauchen sich nicht mal im Traum einfallen zu lassen mich von der Arbeit fern zu halten. Ich werd wahnsinnig wenn ich nichts zu tun habe.“
„Tja, aber das Meeting heute Morgen musstest du dir auch hart bei Johnny erkämpfen. Er war schon wieder drauf und dran mit den Papieren vor dir zu flüchten.“
„Ich weiß, aber ich habe ihm körperliche Schmerzen angedroht wenn er dieses Spielchen weiter mit mir spielt.“
Leighanne kicherte. „Du bist echt arm dran. Aber ich bin ja noch ein bisschen bei dir, und wenns hilft werde ich an deiner Seite bleiben und dir die lästigen Kerle mit Baylee vom Leib halten. Solange wir den Kleinen bei uns haben, sind sie mit anderen Dingen beschäftigt als mit einem unsichtbaren Babybauch. Schließlich bewegt er sich schon.“ Leigh nickte eifrig und Cat begann erneut zu lachen.
Sie war froh Brians Frau an ihrer Seite zu haben. Schließlich kannte Leighanne die Jungs schon wesentlich länger und wusste auch im schlimmsten Fall, wie man sie wieder beruhigen konnte.
Als die beiden am frühen Abend wieder ins Hotel kamen, hatten sie bereits Bauchschmerzen vor lachen, Taschen voller Baby- und Kindersachen, Spielzeug für Baylee und Geschenke für ihre Männer.
Sie verabredeten sich, um später gemeinsam mit ihren Männern zu Abend zu essen, und trotz des lustigen Tages in der Stadt schloss Cat erleichtert die Tür hinter sich, als sie in ihrem Zimmer ankam.
Zu ihrer Überraschung war AJ nicht da. Also beschloss sie erstmal eine heiße Dusche zu nehmen, ehe sie sich darum kümmerte wo ihr Gatte steckte.

Leise aufseufzend lehnte Cat ihren müden Kopf an die kühlen Fliesen unter der Dusche und ließ das heiße Wasser auf ihren Rücken prasseln.
So ungern sie es sich eingestehen wollte, aber dieser Einkaufsbummel – obwohl sehr gemütlich – war anstrengend gewesen. Noch vor ein paar Wochen hätte sie ein ausgiebiger Einkaufsbummel wie dieser eher in Hochstimmung versetzt, doch jetzt hatte es sie wirklich geschafft und sie hätte stehenden Fußes einschlafen können.
Doch ihr knurrender Magen ließ sie die Augen wieder öffnen.
Unwillkürlich fiel ihr Blick auf ihren Bauch.
„Hey, willst du dich etwa beschweren? Du hast doch überhaupt nichts getan.“ murmelte Cat ihrem Bauch entgegen und löste ihren Kopf, der nun noch schwerer als vorher erschien, von den Fliesen, um sich endlich einzuseifen, damit sie bis zum Essen fertig wurde und AJ wieder an ihrer Seite hatte.
„Seit wann sprichst du mit deinem Bauch?“
Cat fuhr zusammen, als sie plötzlich AJ’s Stimme hinter dem Duschvorhang vernahm.
„Seit wann schleichst du dich so an?“ gab sie zurück.
„Seit du mich unter der Dusche nicht hast kommen hören.“ AJ grinste, lehnte sich in den Türrahmen und konnte sich Cats entrüsteten Gesichtsausdruck hinter dem Duschvorhang bildlich vorstellen.
„Wenn das für dich okay ist… ich hab mich in einer guten Stunde mit Leigh und Brian zum Essen verabredet. Wir dachten, es wäre vielleicht mal ganz nett weder auf dem Zimmer noch allein zu essen. Vor allem auch für Baylee.“
„Na, wenn die Chefinnen das so beschlossen haben, werde ich mich dem wohl fügen müssen, oder?“ AJ sah zu Boden und trat von einem Bein aufs andere. Hatte er Cat doch eigentlich um den Gefallen bitten wollen, dass sie sich etwas einfallen ließen um Kevin zu beschäftigen.
AJ war beim Golfen nur zu deutlich klar geworden, dass sie seine Trennung von Kristin mittlerweile doch schon wieder ein wenig zu selbstverständlich nahmen.
Ihr Eifer, Kevin von allem fern zu halten und zu beschäftigen, hatte teilweise deutlich nachgelassen.
Und wie Brian zu verstehen gegeben hatte, war Kevin noch weit entfernt von dem was man als &Mac226;irgendwie drüber hinweg’ annehmen konnte.
Er sah müde aus, war ständig mit den Gedanken woanders, und wenn Howie sich nicht einen der Carts mit Kevin geteilt hätte, wäre der sicherlich einfach irgendwo auf dem Golfplatz, in Gedanken versunken, stehen geblieben.
„Ist das okay, oder hattet ihr was anderes geplant?“ unterbracht Cat nun AJ’s trübe Gedanken und stieg langsam aus der Dusche, während sie sich in das weiße Hotelfrottee einwickelte.
„Nein… nicht direkt.“ murmelte AJ und ließ seine Augen über Cats nassen Körper gleiten.
„Was heißt nicht direkt?“
„Naja… ich dachte…“ AJ unterbrach sich, als Cat ihr rechtes Bein neben dem Waschbecken auf die Armatur stützte um sich einzucremen.
„Was dachtest du?“ fragte sie und drehte ihm belustigt den Kopf zu. Sie wusste genau, was für eine Wirkung ihre langen nassen Haare, die nackte Haut und das knappe Handtuch, das nur das nötigste bedeckte, auf ihn hatten.
„Jetzt grade denke ich gar nicht mehr.“ gestand AJ.
„Das sehe ich, aber wenn du dich ganz doll anstrengst wette ich, dass du dich mir noch mitteilen kannst. Da wette ich drauf.“ Cat wandte sich wieder ihrer Bodylotion zu.
AJ hingegen löste sich langsam aus dem Türrahmen und trat hinter seine Freundin, hielt ihr auffordernd eine Hand hin, in die sie augenblicklich ein wenig Lotion tropfen ließ, und begann damit ihren Rücken und die Schultern einzucremen.
„Eigentlich wollte ich dich fragen, ob wir nicht mal einen Schlachtplan entwickeln können um Kevin ein wenig abzulenken.“ nuschelte er und küsste sacht Cats Schulter, während seine Hände auf Wanderschaft gingen.
„Ist was passiert?“ wollte Cat wissen, während sie sich gegen AJ lehnte und die Augen schloss.
„Nein, aber ich glaube er braucht ein bisschen mehr Beschäftigung und Aufmerksamkeit als wir ihm momentan geben. Zumindest machte er den Eindruck auf dem Golfplatz.“
„Lass mich raten… er hat sich den ganzen Tag, völlig in sich gekehrt, auf seinen Golfschläger gestützt, war ziemlich einsilbig und wenn ihr ihn nicht dran erinnert hättet, dass er zu euch gehört, hätte er vergessen euch hinterher zu trotten?“ seufzte Cat, mit den Gedanken eigentlich schon in einer anderen Welt.
„Ja, so ungefähr.“ AJ’s Stimme war rau und dunkel und er hatte Mühe sich auf das Gespräch zu konzentrieren, als seine Hände zu dem leichten Knoten im Handtuch wanderten, den Cat gemacht hatte.
„Na, dann nehmen… machen… werde ich Brian dazu bringen, dass er seinen Lieblingscousin dazu… überredet mit uns zu essen und danach schauen wir mal ob es nicht in Dublin den ein oder anderen Club gibt… den wir… So schwer kann das…“ Der weiße Frotteestoff glitt geräuschlos zu Boden…

Kapitel 45