Chapter 42

Seufzend ließ Cat sich auf einen Stuhl sinken und klappte ihren Laptop auf. Um dem Aufbautrubel in der Halle zu entkommen, hatte sie sich Backstage in einen der kleinen Räume verzogen, den sie sich als ihr improvisiertes Büro auserkoren hatte, wie in jeder Halle.
Während der Fahrt von Hamburg nach Stuttgart, am Vortag, hatte sie ein langes Gespräch mit Kevin geführt. Sie war sich längst nicht so sicher wie er selbst, ob es eine wirklich gute Idee von ihm war, bereits einen Tag nach seiner Entlassung wieder auf der Bühne zu stehen. Doch Kevin ließ sich nicht überzeugen sich noch ein paar Tage Ruhe zu gönnen, und auch sein Arzt hatte Grünes Licht gegeben, solange er sich nicht übernahm.
Allein sein blasses Gesicht hatte Cat davon abgehalten, ihm noch eine Moralpredigt wegen dem Geschehenen zu halten, und so hatte sie sich, der Tour zuliebe, gebeugt und beschlossen sich wieder ihrer eigentlichen Arbeit zu widmen. Sie war zwar eine der wenigen Frauen in der Crew, und dann auch noch die Frau an AJ’s Seite, aber dennoch oder gerade deshalb musste sie ihren Mutterkomplex unterdrücken und ihrer eigentlichen Arbeit nachgehen. Irgendwie musste die Tour schließlich weitergehen und die Jungs hatten mehr als nur eine Handvoll Konzerte vor sich, bevor sie zuhause schließlich all ihre Wunden lecken konnten.
Nachdenklich legte Cat eine Hand auf ihrem Bauch.
„Ich kann für uns beide nur hoffen, dass du ein Junge wirst. Wenn du ein Mädchen wirst, kriegst du spätestens mit dem ersten Freund fünf riesige Probleme, das kann ich dir jetzt schon versprechen… die nennen sich dann &Mac226;Daddy’ und &Mac226;Onkel’. Und ich werde inständig für dich beten, dass dein Daddy nicht auf die Idee kommt seinen Bodyguard auf deinen Freund zu hetzen. Der wird dann nämlich vermutlich mächtig alt aussehen.“
Ein Räuspern ließ Cat hochschrecken.
„Hey Boss… darf ich?“
„Sicher, komm rein. Was gibt’s?“ fragte Cat und zog unbeteiligt ein paar Unterlagen aus ihrer Tasche.
„Ich wollte nur fragen, ob bei dir alles in Ordnung ist. Brauchst du noch irgendwas?“
Misstrauisch über die ganze Aufmerksamkeit, die ihr in den letzten Tagen entgegengebracht wurde, sah Cat zu Marcus auf, der noch immer in der Tür stand.
„Nein, danke. Ich hab alles.“
„Bist du sicher? Möchtest du was trinken? Einen bequemeren Stuhl? Ich könnte…“
„Danke Marcus, ich habe alles und ich bin auch äußerst zufrieden mit meiner Sitzgelegenheit.“ fuhr Cat ihrem Security Chef über den Mund.
„Gut, dann…“, unsicher besah Marcus seine Schuhspitzen, „…dann werden wir gleich mal mit dem Einlass für den Soundcheck anfangen.“
Erschrocken sah Cat auf die Uhr. „Ist es schon so spät? Warum sagt mir niemand bescheid? Warte, ich komme…“ Völlig selbstverständlich nahm Cat ihr Handy an sich und stand auf, um Marcus in die Halle zu folgen.
„Nein, du brauchst nicht... ich meine… hier hinten ist es doch viel ruhiger. Bleib ruhig hier und mach deine Arbeit. Wir schaffen das schon.“ versuchte Marcus Cat davon abzuhalten. Erntete jedoch nur einen missbilligenden Blick von seinem Chef, als diese vor ihm stand und zu ihm aufsah.
„Ich bin schwanger, Marc… nicht krank! Also los…“ Ohne ein weiteres Wort abzuwarten, schob Cat Marcus vor sich her in die Halle, wo sie sich sofort nach Mike, dem Toningenieur, umsah, um sich von ihm ihr Headset geben zu lassen.

„Ist die Lautstärke so in Ordnung? Oder ist es noch zu laut?“ Mike musterte Cat’s Gesichtsausdruck bei den Lautstärketests ihrer Kopfhörer genauestens.
„Nein, so ist prima.“
„Bist du sicher?“ Zweifelnd legte er die Stirn in Falten.
„Ja, so ist gut. Laut genug um alles zu hören, aber noch in einer Lautstärke, dass ich keinen Hörschaden erleide.“
„Zeig mal her.“ Ungefragt nahm Mike Cat das Headset von den Ohren um sich zu vergewissern, dass er wirklich nicht zu laut war.
„Glaub mir Mikey, es ist gut so…“ Gequält sah Cat sich nach Hilfe um, doch augenscheinlich waren alle schwer beschäftigt damit ihre Instrumente zu stimmen, Mikrofone, Licht und Laser auszurichten und dafür zu Sorgen, dass es auch Kevin an nichts mangelte.
Als sich Cats und Kevins Blick über das Klavier hinweg trafen, wussten sie beide sofort, wie der andere sich fühlte. Kevin zuckte hilflos mit den Schultern und wehrte Brian und dessen Tasse Kräutertee ab, während Cat noch immer versuchte Mike davon zu überzeugen, dass mit ihren Kopfhörern alles in bester Ordnung war.
Erleichtert stellte Cat fest, dass Marcus bereits die ersten Fans in die Halle ließ. So waren die Minuten gezählt bis alle etwas zu tun, und Cat ihre Ruhe, hatte.
Doch kaum dass sie sich auf die Stufen der äußersten Treppe der Bühne gesetzt hatte, um Kevin sehen und für ihn einen festen Punkt, für den Fall der Fälle, bilden zu können, kamen Nick und AJ auf sie zu. Innerlich stöhnte sie bereits auf.
„Hey Baby, alles in Ordnung? Brauchst du noch irgendwas bevor wir anfangen?“ AJ’s Gesicht zierte eine steile Sorgenfalte, während Nick versuchte so unschuldig wie möglich auszusehen.
„Nein, mir geht’s gut. Geht arbeiten. Eure Fans warten.“ winkte sie genervt ab.
„Sollen wir dir nicht lieber einen Stuhl besorgen?“ fragte Nick vorsichtig nach.
„Nein danke. Ich habe bislang immer ganz gut hier gesessen… zumindest immer, wenn ich mir eure Soundchecks angesehen habe… falls es dir entgangen sein sollte… Nickolas!“
Das hatte gesessen. Nick verzog das Gesicht, schnappte sich seine Gitarre und ging auf seine Position.
„Und du erklärst mir heute Abend mal, seit wann und warum neuerdings alle so unglaublich an meinem wehrten Befinden interessiert sind.“ zischte Cat AJ entgegen, noch bevor dieser Luft holen konnte.

***

Nach der Show am Abend reichte Cat den Jungs, wie bei allen vorherigen Shows, ihre Handtücher und eine Flasche Wasser, als diese von der Bühne kamen, jedoch blieb sie nicht wie gewöhnlich anschließend an AJ’s Seite, sondern wartete auf Kevin, der ihr dankbar das Wasser abnahm.
„Lief doch eigentlich ganz gut, oder?“ fragte sie so neutral wie möglich und hastete in dem Tross aus Jungs, Bodyguards und Crew gen Ausgang. Sie hatte einige Mühe mit Kevin Schritt zu halten.
Kevin sah auf Cat hinab und verzog das Gesicht zu einem milden Lächeln.
„Es geht mir den Umständen entsprechend gut, wenn du das wissen möchtest.“
„Ja, das auch.“
„Was denn noch?“
„Naja, ich wollte mich nur noch mal persönlich vergewissern, dass das wirklich der Weg ist, den du erstmal gehen möchtest.“ Unruhig begann Cat auf ihrer Unterlippe zu kauen.
Kevin blieb abrupt stehen und zog Cat ein Stück zur Seite.
„Das hier… ist der einzige Weg den ich momentan gehen kann.“ Kevin deutete den Jungs, dass alles in Ordnung sei und sie schon einmal vorgehen sollten, bevor er Cat einen intensiven Blick zuwarf. „Ich hab doch sonst nichts mehr. Glaub mir, es geht mir gut… oder… so gut es halt eben gehen kann. Aber das hier hält mich am Leben. Und ich kann die Fans nicht enttäuschen, sie sind alles was mir noch geblieben ist.“ Er seufzte schwer, und Cat bekam ein schlechtes Gewissen nachgefragt zu haben.
„Kevin, ich…“
„Ist schon gut, Kleines…“ Er legte Cat einen Arm um ihre schmalen Schultern und setzte seinen Weg, ein wenig langsamer als zuvor, fort. „Ich glaube, wir werden beide die nächsten Tage noch so einiges ausstehen müssen. Die Jungs können zu Glucken mutieren… dagegen war meine Mum noch harmlos, als ich während des Breaks bei ihr war.“
Cat schnaufte. „Danke, einen Vorgeschmack hab ich die letzten Tage schon bekommen.“
Am Bus, vor der Halle, angekommen, blickte Cat noch einmal unschlüssig zu Kevin auf. „Kev? Tust du mir einen Gefallen?“
„Wenn ich kann…“
„Wenn was ist…“
Kevin lächelte und stieg bereits auf die erste Stufe zum Bus. „…dann werde ich als allererstes an deine Tür klopfen.“
Cat seufzte erleichtert auf. Sie bewunderte Kevin für seine Stärke in dieser durchaus schwierigen Situation und fragte sich, ob sie so damit hätte umgehen können, wenn sie schon mit AJ liiert gewesen wäre, und sie trotzdem weiter mit ihm so eng hätte zusammenarbeiten müssen. Vermutlich wäre das das Ende ihres Jobs gewesen. Schon allein der Gedanke jagte ihr kalte Schauer über den Rücken.
„Honey, alles ok?“
AJ riss Cat aus ihren Gedanken, als er den Kopf aus dem nächsten Bus steckte um zu schauen, wo seine Freundin blieb.
„Ich komm schon.“ Cat schob die Hände ein wenig tiefer in die Hosentasche und legte noch einen Schritt zu.
Doch ihr entgingen die Fans und deren Sprechchöre nicht, die sich von Minute zu Minute mehrten und immer lauter wurden.
„Hört ihr das? Sie rufen nach Kevin.“ grinste Nick und sah aus dem Fenster im unteren Teil des Busses.
„Den Zuspruch kann er gut gebrauchen.“ seufzte AJ und hielt Cat fragend ein Kissen entgegen, doch die rollte nur genervt mit den Augen.
„Zuspruch werdet ihr auch gleich brauchen.“ maulte Cat, ehe sie sich ein Wasser aus dem Minikühlschrank nahm und sich ebenfalls setzte.
AJ und Nick wechselten einen kurzen Blick hinter ihrem Rücken.
„Wie meinst du das?“ fragte Nick vorsichtig nach und zog sicherheitshalber schon einmal den Kopf ein.
Cat atmete tief durch und versuchte so ruhig wie möglich zu bleiben.
„Könnt ihr mir mal erklären, was hier eigentlich los ist?“
„Was meinst du?“ fragte AJ so neutral wir nur möglich.
„Was soll das ganze Theater, das hier jeder macht sobald ich irgendwo auftauche?“
Die beiden Männer blickten unschuldig.
„Dass es kein Geheimnis ist, dass ich schwanger bin, ist mir klar. Auch wird vermutlich jeder wissen, wer hier Daddy wird… aber ich bin nicht krank, verdammt. Warum werfen mir eure Spotfahrer während der Show ihre Sitzkissen von oben herunter? Warum fragen mich ständig Leute, ob ich mich setzen möchte, ob ich Hunger habe oder ob mir auch warm genug ist? Warum kann ich meine Arbeit nicht mehr machen? Warum werden Besprechungen heimlich abgehalten, und warum zum Teufel wird mir nicht einmal gesagt, dass Kevin wieder da ist und eine Pressekonferenz stattfindet? Glaubt ihr ernsthaft, ich kriege so was nicht mit? Warum werde ich in Watte gebettet?“ Cat zwang sich ruhig zu bleiben, als Marcus den Bus betrat, der sich Augenblicke später in Bewegung setzte.
„Hallo… ich rede mit euch. Ich bin schwanger. Nicht krank. Ja, ich bin zusammengeklappt… und? Bei dem ganzen Stress der herrschte, hätte mir das auch ohne Schwangerschaft passieren können.“
„Cat…“ Marcus’ Stimme dröhnte durch den Bus.
„Was?“ fragte sie gereizt.
„Reg dich nicht so auf. Sie sind ausnahmsweise unschuldig.“
Cat zog die Augenbrauen hoch und drehte sich fragend zu Marcus um.
„Die beiden sind nie unschuldig. Du brauchst sie nicht zu verteidigen.“
„Ich verteidige sie nicht… Du sitzt im falschen Bus.“
„Bitte?“ Cat verstand kein Wort von dem, was Marcus sich zähneknirschend in den Bart murmelte.
„Die beiden haben wirklich nichts damit zu tun, dass plötzlich jeder um dein Wohlergehen besorgt ist… ich meine…“ Er holte tief Luft, setzte sich neben Cat in die kleine Sitzgruppe und legte einen Arm hinter Cat auf die Lehne. „Ich meine… die sind immer so, wenn irgendeiner krank ist. Damit musst du klarkommen, aber dass die Rowdys neuerdings die Equipment Kisten für dich polstern, falls du dich setzen möchtest… ist allein Kevins Schuld.“
Cats Stirn legte sich in tiefe Falten „Ok, können wir das noch mal für schwangere Tourassistentinnen wiederholen? Wovon zum Teufel sprichst du?“
„Baby…“, jetzt schaltete sich auch AJ wieder ein, „Erinnerst du dich, als Kevin bei dir im Krankenhaus war?“
Cat nickte. „Ja, sicher.“
„Er erzählte mir, dass die ganze Situation ihn völlig überfordert hat, dein Zusammenbruch, das Baby… er hat sich Vorwürfe gemacht, dass es allein seine Schuld sei…“
„Aber es war nicht seine Schuld…“ unterbrach Cat ihren Freund.
„Ja, das weiß er mittlerweile auch, aber erinnerst du dich daran, dass er einfach aus deinem Zimmer gelaufen ist?“
Cat nickte.
Unsicher, ob es das Richtige war was er tat, sah AJ von Cat zu Nick, von Nick zu Marcus und schließlich wieder zurück zu Cat. „Er hat das Gespräch zwischen dir und dem Arzt mitbekommen.“
„Welches? Ich hatte ne Menge Gespräche mit Ärzten in den letzten Tagen…“ Cat war genervt. Sie verstand das alles nicht mehr.
„Honey…“ AJ seufzte und griff nach Cats Händen. „Er hat unfreiwillig das Gespräch mitbekommen, in dem dein Arzt dir nahe legte dich zu schonen, da du ansonsten das Kind verlieren könntest.“
Cat stockte der Atem. Sie wussten bescheid? Abwechselnd wurde ihr heiß und kalt.
Das erklärte natürlich einiges. Schon die Nachricht ihrer Schwangerschaft hatte sich verbreitet wie ein Lauffeuer, doch da Cat bei den ernsthafteren Gesprächen mit ihrem Arzt allein gewesen war und nicht einmal AJ die volle Wahrheit erzählt hatte, um ihn nicht zu beunruhigen, war sie naiverweise davon ausgegangen, dass alles seinen gewohnten Gang gehen würde, sobald sie aus der Klinik kam, doch da hatte sie sich anscheinend getäuscht.
„Hatte er nichts Besseres zu tun, als alle aufzufordern mich in Watte zu packen und sich anschließend besinnungslos zu saufen?“
„Er hat keine Rundmails geschickt…“ verteidigte nun auch Marcus Kevin.
„Nicht? Und wie kann dann ein so riesiger Tross aus Leuten, wie der mit denen wir unterwegs sind, wissen was los ist? Irgendeiner muss ja losgezogen sein.“
AJ räusperte sich und kratzte sich verlegen am Hinterkopf. „Das war ich.“
„Was?“
„Kevin hat mir erzählt was los ist. Mein Gott, ich hab mir Sorgen gemacht. Es ist schließlich auch mein Kind. Ich hab darum gebeten, dass alle ein wenig rücksichtsvoller sind und auf dich achten.“
Müde rieb Cat sich die Stirn.
„Reg dich nicht auf, Kleines. Wir sind auch nur Kerle und bei schwangeren Frauen, vor allem wenn einer von uns sie geschwängert hat, sind wir halt alle ein bisschen empfindlich. Frag mal Brian und Leighanne.“ mischte sich nun auch Nick mit ins Geschehen ein und grinste entschuldigend.
„Brian war ja auch gleich mit schwanger.“ lachte AJ.
„Das ist ja alles schön und gut… Ich bin auch sicher nicht böse darum, dass gerade auch du dich die letzten Tage echt vorbildlich benommen und niemandem einen lebensgefährdenden Streich gespielt hast, Nick, aber trotzdem… meint ihr nicht, dass ich am besten weiß was ich mir zutrauen kann und was nicht?“
„Ja, das haben wir gesehen als du dich in meinen Armen mal eben lang gemacht hast.“ schnaufte Marcus vorwurfsvoll.
„Hey, da wusste ich nicht einmal, dass ich schwanger bin. Hätte ich das vorher gewusst, hätte ich mich wahrscheinlich auch anders verhalten.“ versuchte Cat sich zu verteidigen und formulierte im Kopf nun doch noch eine Predigt für Kevin.
„Ich denke, wir waren alle nicht sonderlich vorbildlich.“ entschuldigte sich AJ und zog eine Zigarette aus der auf dem Tisch liegenden Schachtel. „Kevin und ich hätten euch nicht in unsere Streitereien mit reinziehen sollen. Wir hätten uns vielleicht einfach einmal an einem stillen Örtchen ganz fürchterlich die Köpfe einschlagen sollen und gut. Stattdessen haben wir euch alle leiden lassen. Du hättest weniger arbeiten und dir vor allem weniger Gedanken um andere machen sollen… dann würde die ganze Situation sicherlich anders aussehen. Nun ist sie aber wie sie ist, und da ich zwischendurch noch ein ganz kleines bisschen arbeiten muss und nicht 24/7 auf dich aufpassen kann, habe ich halt die Jungs gebeten ebenfalls auf dich zu achten.“
„Hier muss niemand auf mich aufpassen, ich bin kein kleines Kind mehr.“ schimpfte Cat „Ich kann ganz gut auf mich alleine achten.“
„Ah ja?“
„Ja!“
„Entschuldige mal, Honey…“ AJ lehnte sich ein wenig weiter über den Tisch, der zwischen ihm und Cat stand. „Wir haben noch ein ganzes Stück Tour vor uns. Halb Europa wartet noch auf uns. Anschließend Asien und Australien. Du hast schon in Amerika einen Vorgeschmack auf das bekommen was noch vor uns liegt, und ich erinnere dich gerne daran, dass auch ohne die Probleme, die wir beide hatten, das Ganze schon anstrengend genug war. Meinst du, du bist so ehrlich zu mir und auch zu dir selbst, dass du im Zweifelsfalle die Notbremse ziehst, wenn du dich nicht fühlst weil der Stress doch etwas zu viel wird, und nach Hause fliegst?“
Fragend musterte Cat ihren Freund, sie wusste nicht worauf er hinaus wollte und eine kurze Pause entstand.
„Bist du es oder bist du es nicht?“ fragte AJ erneut.
„Ja… natürlich. Warum sollte ich das nicht sein?“
„Wenn du dir vorgenommen hast so ehrlich zu sein, dann erklär mir mal warum ich von Kevin erfahren musste, dass du das Kind fast verloren hast und nicht von dir selbst?!“
Cat schwieg.
AJ hatte es nicht anders erwartet. Er wusste, dass ihr Job ihr momentan alles bedeutete und auch wenn er vielleicht ein wenig hart mit ihr ins Gericht gegangen war, es war doch schließlich auch sein Kind, das er schützen musste, weil seine Mutter sich einfach zu viel zumutete.
Auch wenn dieses Gespräch nun wohl noch ein paar weitere nach sich ziehen würde, so hoffte AJ doch, dass seine Worte Cat zum Nachdenken anregen und sie in Zukunft ein wenig besser auf sich acht geben würde.
Dass er keine Antwort mehr von ihr bekam, ließ ihn innerlich leise triumphieren. Er lehnte sich zurück und steckte sich seine Zigarette an, die er schon seid einigen Minuten in der Hand hielt.
Doch kaum dass er daran gezogen hatte, nahm Nick sie ihm aus der Hand.
„Lass das sein. Ist nicht gut fürs Kind.“ kommentierte Nick sein Handeln und drückte die Zigarette im Aschenbecher aus, was AJ missbilligend beobachtete. Doch seinem Freund entging der böse Seitenblick nicht.
„Was denn? Ihr hältst du Predigten, wie verantwortungslos sie eurem Kind gegenüber ist, und anschließend nebelst du sie ein? Ich glaube, ich werd auch noch mal mit der Crew sprechen, das die Jungs auch noch auf den werdenden Daddy achten sollen…“
Gerade noch rechtzeitig konnte Nick sich vor dem herabsausenden Kissen in Sicherheit bringen.

Kapitel 43