Chapter 31

Am Hotel angekommen, nahm die kleine Gruppe den gleichen Weg hinein, den sie bereits hinaus genommen hatten. Der Security-Mensch verlor beim Anblick von AJ nicht ein Wort, sondern ließ sie stumm passieren.
Während Cat und Marcus AJ aufs Zimmer brachten, machte Kevin sich daran die anderen Truppen zum Hotel zurück zu pfeifen…

„Du weißt, was der Auslöser war, oder…?“ Cat, die mittlerweile wieder einigermaßen klar denken konnte, ließ sich neben AJ aufs Bett fallen und machte sich daran ihm die Schuhe auszuziehen, während Marcus ein Glas Wasser einschenkte.
Als er es Cat reichte, nickte er stumm.
„Wir hätten es voraussehen und verhindern können…“
„Hör auf Dir Vorwürfe zu machen. ’Hätte’, ’wenn’ und ’aber’ nützen uns jetzt nichts. Er war einfach noch nicht über den Berg, und wir haben uns alle, dank der letzten Tage, einfach zu sehr in Sicherheit gewiegt…“
„Ja, vielleicht hast Du Recht, aber es hat doch die letzte Zeit so gut geklappt… Warum haben wir ausgerechnet jetzt versagt?“
Cat stand vom Bett auf und trat auf Marcus zu.
AJ, der sich schläfrig in die Laken wühlte, schien von der Diskussion um seine Person nicht allzu beeindruckt zu sein.
Marcus nahm seinen kleinen Chef behutsam an den Schultern. „Hör mal Chef, niemand hat hier versagt. Alex ist krank, und niemand von uns weiß das besser als Du. Keiner hätte das hier heute Abend verhindern können. Selbst wenn wir es hätten kommen sehen… er hätte einen Weg gefunden um sich zu betrinken.“
Cat wollte auch weiterhin protestieren, doch das Klopfen an der Zimmertür unterbrach sie.
Marcus öffnete Kevin die Tür.
"Wie geht es ihm?" fragte er leise, als er ins Zimmer trat.
Cat schnaubte. "Wie soll es ihm schon gehen, er ist betrunken..."
"Aber warum ist er es."
So wie Kevin das sagte, war es keine Frage sondern eine Feststellung. Er lehnte sich mit der Hüfte gegen das Bettende, kreuzte die Arme und schaute auf AJ runter, der mit geschlossenen Augen dalag.
"Ich hab nachgedacht." sagte er ernst. "Es gibt immer einen Auslöser für einen Rückfall. Ich habe mir den Kopf zerbrochen, was einer gewesen sein könnte heute."
Cat und Marcus wechselten hinter seinem Rücken einen bangen Blick.
"Cat, wann fing AJ an zu trinken?" fragte Kevin, ohne sich zu ihr umzudrehen.
Sie schloss die Augen. "Ich hab es in Las Vegas bemerkt."
"Aber da hat er nicht angefangen, oder? Wann war sein erster Rückfall?" Jetzt schaute er sie doch über die Schulter an.
"Ich glaube, es war in der Nacht nach eurem Konzert in L.A.... Einen Tag, nachdem ich ihm im Spider Club die Ohrfeige gab."
"Kristin war in L.A.… Und Kristin ist hier. Ich verstehe nicht den Zusammenhang, aber ich habe das ungute Gefühl, dass meine Frau der Grund für seinen plötzlichen Rückfall ist. Ist das so, AJ? Hat es mit Kristin zu tun?"
Die letzten zwei Sätze sprach Kevin so laut und deutlich, dass AJ dabei nicht länger schlafen, oder so tun, konnte.
Benommen öffnete er die Augen. Es schien, als brauchte er einen Moment um wieder in die Realität zu finden. Doch als sein Blick auf Kevin fiel, war er augenblicklich hellwach.
Cat und Marcus tauschten einen kurzen Blick. Ein Anflug von Panik erfasste Cat und schnell setzte sie sich neben AJ aufs Bett, um Kevin im Auge behalten zu können.
Während sie AJ’s Hand nahm, um ihm Gelegenheit zu geben die Situation einzuschätzen, ging sie auf Konfrontationskurs mit Kevin.
„Wie kommst Du darauf, dass es was mit Kristin zu tun haben könnte? Bloß weil sie zur gleichen Zeit am gleichen Ort waren? Das waren sie schon oft.“
"Ich hätte erwartet, dass es mit dir zusammenhängt. Dass du sein Grund zum Trinken bist. Aber er fing nicht damit an, als ihr zerstritten wart und er fing nicht damit an, als du ihn im Club geohrfeigt hast. Und heute hätte er gar keinen Grund gehabt, weil ihr beiden zusammen seid. Warum also sollte er ausgerechnet heute rückfällig werden, wenn es nicht mit Kristins Überraschungsbesuch zu tun hat?" Je länger Kevin darüber nachdachte und je weiter er seine Argumente ausführte, desto sicherer wurde er, dass er Recht hatte.
Cat spürte, wie sie rot anlief. Sie warf Marcus einen hektischen Blick zu. Sie wusste… ein falsches Wort und das Hotelzimmer, in dem sie sich befanden, würde augenblicklich zur Hölle für alle Anwesenden werden. Da beruhigte es sie auch nicht sonderlich, einen Bodyguard in der Nähe zu wissen.
„Das ist doch an den Haaren herbeigezogen, Kevin. AJ und ich hatten so viele Probleme die letzten Wochen, der Druck der Tour, der Termindruck… glaub mir. Ich habe auch mehr als einmal dran gedacht mich mal wieder richtig zu betrinken, aber…“
"Genau dieses 'aber' ist der Punkt, Cat. Du hast es nicht getan. AJ hat es auch nicht getan, all die Wochen vor L.A...." Kevins intensiver Blick bohrte sich in AJ's blutunterlaufene Augen. "Liegt es an Kristin, Alex? Ist sie der Grund für deinen Rückfall? Warum versucht Cat mit aller Macht mich auf eine andere Fährte zu bringen? Was ist in L.A. passiert?"
Er erhielt keine Antwort, AJ starrte ihn eine Weile nur stumm an. Dann war seine Stimme kaum mehr als ein heiseres Krächzen, als er sich langsam aufsetzte.
„Kevin, ich…“
„Nichts ist in L.A. passiert. Hör auf Dir etwas einzureden, Kevin.“ fuhr Cat AJ über den Mund, um das scheinbar Unausweichliche noch abzuwenden.
Angst kroch in Kevin hoch. Er wollte es nicht wissen, es konnte nicht sein... Aber zugleich musste er es einfach erfahren. Wie sollte er mit dem Verdacht leben, tagtäglich, ohne es genau zu wissen?
"Was ist in L.A. passiert..." flüsterte er tonlos. Er erinnerte sich an die Aftershowparty, bei der Freunde und Bekannte aus L.A. zugegen waren. Daran wie Kristin sagte, sie fühle sich nicht so gut, und wie er sie heimbringen wollte als AJ meinte, er würde die Party sowieso verlassen und er könnte Kris nach Hause fahren. Kevin spürte ein Würgen im Hals, als ihm wieder bewusst wurde, wie er feuchtfröhlich weiterfeierte, während AJ und Kris aufbrachen und... was...?
"Bitte, Alex, sag mir was passiert ist..."
Angespannte Stille legte sich über den Raum. Cat konnte aus dem Augenwinkel sehen, wie Marcus unruhig zwischen AJ und Kevin, die sich noch immer gegenseitig fixierten, hin und her sah.
In Cats Körper spannten sich augenblicklich sämtliche Muskeln, als AJ aufstand und Kevin gegenüber trat. Auch Marcus machte einen Schritt auf die beiden zu.
„Alex…“ ein letzter verzweifelter Versuch von Cat.
„Es tut mir so unendlich Leid, Kevin… ich habe das nie gewollt. Bitte, Du musst mir glauben. Ich…“ AJ brach ab und senkte den Blick gen Boden.
„Kevin, ich…“
Cat hielt die Luft an.
„Ich habe mit Kristin geschlafen!“
Atemlose Stille. Niemand sagte etwas, nur das Rauschen des eigenen Blutes in den Ohren war zu hören.
In Bruchteilen von Sekunden holte Kevin aus und streckte AJ mit einem einzigen Schlag nieder.
Er hatte mit Kristin geschlafen... Einer seiner besten Freunde, seiner Brüder, hatte mit Kristin geschlafen... Kevin wollte sich auf AJ stürzen und seinen ganzen Schmerz und seine Wut in den mageren Leib seines Freundes hineinprügeln, doch ein paar muskulöse Arme hielten ihn, wenn auch nur mit Mühe, zurück. Es dauerte einen Moment bis Kevin verstand, dass Marcus ihn von AJ fern hielt und versuchte ihn Richtung Tür zurückzuziehen. Er kämpfte gegen den Griff des Bodyguards an, mit allem was er hatte. Dann verpuffte die erste heiße Wut und er brach in Marcus' Armen weinend zusammen.
Cat war augenblicklich an Kevins Seite. Sie wollte ihn in den Arm nehmen, ihn trösten. Doch er stieß sie weg.
„Du… Du hast es die ganze Zeit gewusst, nicht wahr?“ Seine Stimme war tränenerstickt und kaum mehr als ein Flüstern.
Sie brauchte nichts zu sagen, ein Blick in ihre Augen gaben ihm die Antwort.
AJ, dessen Nase stark blutete, richtete sich auf. „Kevin…“
„HALT’S MAUL, ALEX…“ Kevins Stimme dröhnte laut durch das kleine Hotelzimmer.
„Bitte Kev, lass es mich doch erklären…“
„Du hast mir grade alles genommen was ich hatte. Was willst Du noch erklären, huh?“
Kevin begann in Marcus' Armen zu zittern, als ihm klar wurde was er grade gesagt hatte. Kristin hatte mit AJ geschlafen und danach weiter gemacht als wäre nichts gewesen... Noch in derselben Nacht hatte sie sich an ihn geschmiegt, mit einem Kuss im Bett begrüßt, und weitergeschlafen. AJ's Geruch hatte nicht an ihr gehaftet, auch nicht an den Laken. Als wäre es nie passiert... Seine Frau, die er über alles liebte, hatte ihn betrogen und es hatte nie Anzeichen für Gewissensbisse gegeben...
Anders als bei AJ, der noch in derselben Nacht zur Flasche gegriffen haben musste.
"Warum?" schluchzte Kevin. "Wolltest du es Cat heimzahlen, dass sie dich nicht wollte? Warst du neidisch auf meine Ehe? Warum hast du das getan?"
Den Gedanken, dass es nicht AJ gewesen war, vom dem die Initiative ausging, schob er weit von sich. Das durfte einfach nicht wahr sein.
„Ich…“ AJ schluckte hart. Er wusste, dass nichts was er jetzt sagte etwas an der Situation ändern würde. Nichts würde Kevin den Schmerz nehmen und nichts würde das Geschehene ungeschehen machen.
Ohnmächtig lehnte er den Kopf gegen die kleine Kommode in seinem Rücken. Noch immer saß er auf dem Fußboden.
Cat, die sich völlig hilflos fühlte, griff nach dem Handtuch, das noch von ihrer Dusche am Morgen auf der kleinen Ablage, unter dem großen Spiegel neben dem Schrank, lag, und hielt es AJ unters Kinn, da seine Nase noch immer stark blutete.
Bis auf das leise Schluchzen von Kevin war nichts zu hören.
Als es an der Tür klopfte, zuckten alle vier unwillkürlich zusammen.
Cat, als scheinbar die Einzige, die in der Lage war sich zu bewegen, erhob sich und ging ein paar Schritte auf die Tür zu. Noch bevor sie öffnete, erkannte sie bereits einige bekannte Stimmen.
Als Kristin, gefolgt von Nick, Brian und Howie, ins Zimmer trat, schwankte Kevin dazwischen sie in seine Arme zu ziehen, sich von ihr trösten und erklären zu lassen, es sei alles ein Missverständnis, oder vor ihr zurückzuweichen, von der Frau die seine Liebe verraten hatte. Marcus nahm ihm, ohne es zu wissen, die Entscheidung ab, denn er lockerte seinen Griff noch immer nicht, der wie ein Gefängnis und zugleich seltsam tröstend war.
"Was, in Gottes Namen, ist hier los?" fragte Brian schockiert, der als erster seine Stimme wieder fand.
Eine berechtigte Frage, denn AJ, bei dem Cat kniete, saß blutend neben dem Bett und Kevin stand weinend in Marcus' Umklammerung mitten im Zimmer.
AJ gab ein Geräusch von sich, das genauso gut ein Lachen wie ein Schluchzen sein konnte. "Kevin hat den Grund erkannt, warum ich trinke, nämlich was für ein Mensch ich wirklich bin. Ich habe mit seiner Frau geschlafen."
"Nein, das hast du nicht..." Nick suchte in AJ's Gesicht nach einem Anzeichen, dass er einen Witz gemacht hatte. "Das ist doch nur ein schlechter Scherz..."
Wiederholt trat ein Moment der Ruhe ein, in denen fragende Blicke getauscht wurden, bis Cat schließlich Kristins Blick suchte.
„Nein, es ist kein Scherz. Es ist wahr.“
„Was? Aber…? Wann?“
Nick, Brian und Howie waren sichtlich verwirrt und schauten nervös von einem zum anderen.
Cat war nicht sicher, ob sie nun zu einer Erklärung ausholen sollte. Ob es überhaupt eine Erklärung geben musste. Oder ob sie Kevin, AJ und Kristin nicht einfach einen Moment allein lassen sollten.
Doch der Anblick von AJ’s Nase verriet ihr, dass dies wohl momentan die schlechteste Lösung war.
„Spielt das wirklich eine Rolle? Wann und warum? Fakt ist, dass ich es getan und damit wohl unser aller Ende besiegelt habe.“ schnaufte AJ mit schwerer Zunge und zog sich langsam am Bett hoch, um sich aufzusetzen.
Kevin starrte die ganze Zeit seine Frau an, als suche er eine Erklärung für alles. Noch immer hoffte ein Teil von ihm auf einen makabren Scherz, während der andere vor Qual schrie. Das durfte einfach nicht passieren... Gleich würde er aufwachen, und alles wäre ein böser Traum...
Doch Kevin wusste genau, er schlief nicht.
Kristins leise Stimme lenkte jedermanns Aufmerksamkeit auf sie.
"Es ist wahr. AJ und ich haben miteinander geschlafen."
Kevins Knie gaben mit einem Schlag nach und nur Marcus hielt ihn noch aufrecht. Die Jungs starrten sie fassungslos an.
"Es ist wohl an der Zeit, dass ich mit der Wahrheit rausrücke", fuhr Kristin leise fort. "Ja, wir haben miteinander geschlafen, vor ein paar Wochen in L.A.. Ich habe bei der Aftershowparty behauptet, es ginge mir nicht gut, und AJ hat sich erboten mich heimzufahren, damit Kevin dort bleiben und weiterfeiern konnte. Ich wollte dir nicht den Abend verderben, Kev, und zugleich tat sich plötzlich eine Möglichkeit auf... Wenn ich mit einem deiner Freunde schlafe, dann wäre unsere Ehe vorbei, du würdest die Scheidung einreichen und es wäre alles okay. Es musste niemand bestimmtes sein... Der Zufall wollte, dass es Alex traf."
Sie warf einen kurzen Seitenblick auf AJ, der von Cat gestützt neben dem Bett hockte und sie entgeistert anstarrte. Dann sah sie Kevin wieder in die Augen.
"Ich lud ihn ein, auf einen Kaffee rein zukommen. Wir sprachen über dies und das, dann kamen wir auf Cat zu sprechen und Alex schüttete mir ein wenig sein Herz aus. Wir waren immer gut miteinander ausgekommen, er und ich, und wenn ich nicht mit dir zusammen gewesen wäre, hätten wir bestimmt die eine oder andere Affäre gehabt. Aber wir waren nun mal zusammen, sogar verheiratet, also war ich für ihn tabu. Er war eine harte Nuss... aber wie heißt es so schön... 'die Waffen einer Frau'? Er wehrte sich tapfer gegen meine Annäherung, aber am Ende unterlag er mir. Wir schliefen miteinander, oben, in unserem Ehebett. Sobald es jedoch vorbei war, begann er sich Vorwürfe zu machen. Er war schockiert darüber, was er getan hatte. Er zog sich an und rannte beinah aus dem Haus..."
Sie schüttelte missbilligend den Kopf. "Mir wurde klar, dass ich es möglicherweise falsch angefangen hatte. Ich konnte nicht sicher gehen, dass AJ es dir beichten würde. Außerdem hatte ich nicht bedacht, dass es bei Alex nicht nur das Ende unserer Ehe, sondern auch das deiner Karriere bedeuten würde. Also begann ich zu überlegen, wie ich auf andere Art unsere Ehe beenden könnte."
Kevin sah seine Frau mit leerem Blick an. "Warum... Warum willst du sie beenden?" fragte er tonlos. Er löste sich aus Marcus' Armen, der mit schmerzerfülltem Blick hinter ihm stand, und machte sich für einen letzten, vernichtenden Schlag seiner Frau bereit.
Kristin zuckte hilflos mit den Schultern.
"Ich liebe dich nicht mehr. Es ist nett, mit dir zusammen zu sein, wir verstehen uns und haben Spaß, aber es ist zur Gewohnheit geworden für mich. Außerdem habe ich Erfolg, ich bekomme Filmrollen angeboten, auf die ich so lange warte, und das jetzt, wo du willst, dass wir eine Familie gründen. Ich hab es dich immer wieder aufschieben lassen und du würdest wohl einen neuen Aufschub auch akzeptieren, aber wozu, wo ich dich nicht mehr liebe? Was macht es für einen Sinn zusammenzubleiben und Kinder zu bekommen, wenn ich mich jederzeit in jemand anderen verlieben könnte? Du verdienst eine Frau, die dich liebt und mit der du Kinder hast, aber das bin jetzt nicht mehr ich."
Er sah sie stumm an.
"Es tut mir Leid, Kevin, wirklich. Es war Feigheit, ich wollte dir die wahren Gründe nicht nennen. Und wohl auch Angst vor deiner Reaktion. Deswegen habe ich Alex benutzt, aber das ging nach hinten los."
Kevin wandte langsam den Blick von seiner Frau ab.
Einen Augenblick stand er stumm da. Dann verließ er mit bleiernen Schritten den Raum. Die Tür zum Flur ließ er offen stehen, als hätte er keine Kraft mehr sie zu schließen.
"Marcus, kannst du..." hob Cat an, doch Marcus war bereits auf dem Weg und nickte ihr nur zu. Er würde Kevin jetzt keinesfalls allein lassen. Howie folgte ihm dichtauf.
Nick blieb wo er war, doch seinem Gesicht sah man an, wie verzweifelt er zu helfen wünschte, ohne zu wissen wie.
Brian dagegen war mit wenigen Schritten bei Kristin und starrte ihr hasserfüllt ins Gesicht.
"Ja, das ging allerdings nach hinten los!" fuhr er sie an. "Du hast Alex fast zerstört, der mit seiner Schuld leben muss. Du zerstörst Kevin durch deinen und Alex' Verrat und versetzt ihm auch noch den Todesstoß, indem du mal eben erklärst, dass du ihn nicht mehr liebst und all das gezielt getan hast, um eurer Ehe zu entkommen. Und um das Maß voll zu machen, zerstörst du indirekt auch noch uns als Gruppe, und damit Kevins Karriere! Ist vielleicht noch irgendwas übrig an dem Mann, was du noch nicht kaputtgemacht hast? Ich schwöre dir Kristin, wenn ich nicht so gut erzogen wäre, würde ich heute zum ersten Mal in meinem Leben eine Frau schlagen!"
Er fuhr herum und stürmte aus der Tür, damit es nicht doch noch dazu kam. Nick folgte ihm etwas langsamer und deutete Cat mit Handzeichen an, dass er sich um Brian kümmern würde und telefonisch jederzeit erreichbar sei.
Nun waren Kristin, Cat und AJ allein.
Cat richtete sich langsam auf und trat vor Kristin. Lange musterte sie ihr Gegenüber. Cats Kieferknochen arbeiteten unnachgiebig.
„Weißt Du, Kristin…“, Cat kniff die Augen zusammen und begann in kleinen Schritten vor Kevins Frau auf und ab zu laufen, während sie sich angestrengt die Stirn rieb, „Wir beide kennen uns nicht sehr lang und Gott sei dank auch nicht wirklich gut. Dennoch, ich hatte wirklich Respekt vor Dir… Wie Du das alles gemeistert hast… Deine Karriere, Kevins Karriere, eure Ehe, die Backstreet Boys… und ich bin der festen Überzeugung das Du es SO nie gewollt hast…“ Cat blieb erneut vor Kristin stehen und musterte sie. „Trotzdem… Ich glaube, mir ist noch nie… - und ich habe wirklich schon eine Menge mitgemacht - aber ich glaube, mir ist noch nie etwas derartig mieses und niederträchtiges unter die Augen gekommen wie du.“
Kristin senkte den Blick schuldbewusst, um Cat nicht länger ansehen zu müssen.
„Bist Du Dir eigentlich bewusst, was Du getan hast? Hättest Du ihm das nicht einfach in einem ruhigen Moment erklären können? Anstatt ihm sein Leben zu ruinieren? Ihm alles zu nehmen, was er hatte? Anstatt einen seiner besten Freunde zu missbrauchen und in seine Sucht zurückzutreiben?“
Cat erwartete keine Reaktion. Stattdessen wartete sie, bis Kristin wieder den Mut fasste sie anzuschauen.
„Weißt Du, Kris… ich bin ehrlich froh, dass ich nie in den Genuss einer so guten Erziehung gekommen bin wie Brian…“
Die Ohrfeige, die Kristins linke Wange traf, war hart und brachte sie ins Schwanken.
„Verschwinde aus diesem Zimmer und tu Dir selbst einen Gefallen… Wenn wir morgen Abend in L.A. landen… sei außer Landes und lass Dich so schnell nicht wieder blicken.“

Kapitel 32