Chapter 30
Die nächsten Tage waren mehr als hart für AJ. Er setzte sich kleine Ziele, wie er es gelernt hatte. 24 Stunden trocken bleiben. Und wenn die geschafft waren, die nächsten 24 Stunden.
Cat half ihm so gut sie konnte, verbrachte an den ersten beiden Tagen viel Zeit mit ihm, was deshalb ging, weil sie sie frei hatten. Danach setzte der Tourstress kaum abgeflaut erneut ein und sie musste und wollte ihre Arbeit machen.
Marcus versuchte in AJ's Nähe zu bleiben, und meist schaffte er das auch. Außerdem hatte AJ oft entweder einen dunkelhaarigen oder einen blonden Schatten, jedes Crewmitglied sprach und scherzte mit ihm, und wirklich jeder behielt ihn heimlich im Auge.
Die Jungs unterstützten ihren Bruder wo sie konnten. Am ersten freien Tag waren Kevin und Howie an Cats Zimmertür aufgetaucht, mit Taschen beladen die das nötigste enthielten, das AJ brauchte. Sie hatten sogar ein paar Shirts mit Totenköpfen gekauft, weil sie hofften das würde AJ aufheitern.
Keiner der Jungs trank seit jener verhängnisvollen Nacht Alkohol, ob nun in AJ's Beisein oder wenn sie unter sich waren. In jedem neuen Hotel ließen sie vor ihrer Ankunft alles Alkoholische aus ihren Minibars entfernen und wenn sie nach dem Konzert noch zu aufgedreht waren, trafen sie sich in einem ihrer Zimmer, statt in der Bar.
AJ war weit davon entfernt, vom Alkohol wieder los zu sein, aber die ersten unsicheren Schritte waren gemacht. Er verhielt sich wie früher, vor Cats Zurückweisung, lachte mit den Anderen über die Scherze, die er und Cat auslösten, wenn sie händchenhaltend gesichtet wurden oder es um die Zimmerverteilung ging und die Frage, ob man nicht das Geld für einen der Räume sparen könnte wenn AJ endlich zugab, doch jede Nacht bei Cat zu sein.
Alles sah ein paar Tage lang nach Happy End aus...
Cat wir haben noch maximal Zehn
sonst machen sie uns das Zeitfenster zu und wir stehen nachher im Dunklen.
Cat nickte Johnny im vorbeirauschen stumm zu bevor sie in die Garderobe der Jungs stürmte.
Fertig Mädels? Ihr habt noch Fünf Minuten, sonst muss ich euch den Hintern versohlen.
Das schelmische aufleuchten in AJs Augen übersah Cat geflissentlich und erntete stattdessen müdes Gemurmel.
Hey Jungs, kommt schon. Ich weiß ihr seid Müde. Das bin ich auch, aber es ist die letzte Show. Morgen schlaft ihr wieder in euren eigenen Betten. Kommt schon. Ihr seid schon über ne halbe Stunde drüber.
Gutgelaunt zog Cat erst Nick und anschließend Brian von ihren Stühlen und schob sie zur Tür raus.
Kevin stieß AJ leicht den Ellenbogen in die Rippen.
"Hintern versohlen, huh?"
AJ stieß zurück.
"Ja, deinen, hast ja gehört." Er grinste.
"Ich freu mich drauf." Kevin grinste ebenfalls.
Cat steckte den Kopf zur Tür rein. "Kommt ihr jetzt, oder muss ich euch Beine machen??"
Howie fing an zu lachen, als die beiden eilig aufsprangen und hinter Cat her liefen.
Das Konzert lief wie am Schnürchen und sowohl die Jungs, als auch die Fans, waren hellauf begeistert.
Nach den letzten Akkorden hüpften alle gut gelaunt von der Bühne und AJ konnte seinen Enthusiasmus nicht mehr bremsen. Er fiel Cat in die Arme und küsste sie vor versammelter Mannschaft, dass ihr die Luft weg blieb.
Ringsum erklangen Applaus und beifällige Pfiffe von den Jungs und der Crew.
Sicherlich war sämtlichen Anwesenden schon längst klar dass mehr zwischen den Beiden war als nur Freundschaftliches Händchenhalten, dennoch wurden vielsagende Blicke getauscht.
Wenig später, im Hotel, war die Stimmung ziemlich ausgelassen. Und alles was sich in irgendeiner art und weise zugehörig fühlte hatte sich in Bar und Lobby ausgebreitet.
Die Fans vor der Tür waren in heller Aufregung und die Jungs gut gelaunt.
Lange hatte Cat sich nicht mehr so wohl gefühlt in einer so großen Gruppe zu feiern.
Sie saß mit AJ, Nick, Kevin, Marcus und ein paar Technikern in einer großen Runde mitten in der Lobby und lachte herzhaft über die Scherze die gemacht und die Geschichten die erzählt wurden als es vorm Hotel unruhig wurde.
Pflichtbewusst schauten Cat und Marcus gleichzeitig auf.
"Kriiiiistiiiiiiiin!" erscholl es mehrstimmig aus mehreren weiblichen Fan-Kehlen.
Kevin fuhr herum und starrte aufgeschreckt Richtung Tür.
Einen Augenblick später eilte eine lachende Blondine in die Lobby, strich sich das Haar zurück und atmete durch. Es war tatsächlich Kristin Richardson.
Kevin sprang auf und lief seiner Frau entgegen, zog sie in seine Arme und drückte sie zärtlich an sich.
"Baby, wie kommst du denn hier her? Ich dachte, du bist in New York bei deiner Mutter." Die nächsten Worte flüsterte er, aber jeder ahnte, dass er ihr sagte, dass er sie schrecklich vermisst hatte, denn danach sah diese Umarmung aus.
Kristin lachte noch immer. "Ich wollte dich überraschen, aber so ganz ist mir das wohl nicht gelungen. Diese kleinen Schreihälse da draußen haben dich vorgewarnt. Aber lieb sind sie. Sie waren so begeistert mich zu sehen."
Kevin lächelte strahlend. "Nicht halb so sehr wie ich. Komm, ich bring dich nach oben, damit du dich frisch machen kannst. Oder möchtest du lieber schlafen gehen, statt dich hier unten hinzusetzen? Ich könnte..."
Kristin berührte beschwichtigend seine Wange. "Ich mache mich nur kurz frisch und dann feiern wir hier unten weiter. Ich freue mich schon so drauf, dich auf der Europatour zu begleiten."
Sie lächelte bezaubernd, winkte den Anderen nur kurz zu und versprach sie anständig zu begrüßen, wenn sie wieder herunterkam, dann verschwanden sie und Kevin Richtung Fahrstuhl.
AJ spielte mit seiner leeren Zigarettenpackung und sah den beiden nach.
"Kinder, ich geh mir mal kurz eine neue Schachtel Giftstängel holen. Was auch immer ihr versautes in meiner Abwesenheit treiben wollt... fangt nicht ohne mich an."
Sein Spruch brachte die erwarteten Lacher, er grinste schief, gab Cat einen kurzen Kuss auf die Lippen und verschwand in Richtung Fahrstuhl.
Marcus beugte sich zu Cat hinüber. "Fronten endgültig geklärt zwischen euch?"
Cat, die AJ verliebt hinterher geschaut hatte fuhr herum.
Was? Ja, natürlich
Sie warf Marcus einen verwirrten Blick zu.
Marcus zog leicht zweifelnd eine Augenbraue hoch. "Na? Hast du ihm wirklich gesagt, dass du ihn liebst?"
Sag mal Marcus wolltest Du mal Beziehungstherapeut werden wenn Du groß bist? Cat grinste schief.
Er sah an sich herunter. "Ich war der Meinung, ich wäre groß." Dann blickte er sie wieder an, die dunklen Augen neugierig. "Nun sag schon. Hast du, oder hast du nicht."
Wieso willst Du das wissen? Ich dachte wir hätten euch schon genügend Unterhaltung geboten die letzten Tage.
Das brachte Marcus zum Lachen. "Oh ja, das habt ihr. Aber ich hätte trotzdem gern eine Antwort auf meine Frage." Er beugte sich noch dichter zu ihr.
Cat grinste wissentlich Sie sind ganz schön neugierig Mister, aber damit Du heute Nacht ruhig schlafen kannst. Nein, ich habe es ihm noch nicht gesagt.
Er kreuzte die imposanten Arme und guckte Cat leicht streng an. "Na, ob ich mit dem Wissen ruhiger schlafe... Warum sagst du es ihm nicht?"
Marc
Schätzchen
Du weißt wahrscheinlich besser als alle anderen das ich AJ wirklich sehr gern habe... aber jetzt mal ganz im ernst, sagst Du einer Frau nach nur ein paar Nächten das Du sie liebst?
Marcus erwiderte ihren Blick mit großem Ernst. "WENN es so ist
dann ja. Liebe ist so verdammt selten, selbst wenn sie nicht erwidert wird sollte der andere davon wissen. Und AJ erwidert deine Liebe..."
Du weißt dass ich nicht mit ihm spiele, wenn du darauf hinaus willst. Dennoch ist &Mac226;Liebe ein großes Wort. Ich warte auf den passenden Augenblick.
Marcus senkte den Blick und fuhr gedankenverloren eine der Sofanähte mit dem Finger nach. "Warte nur nicht zu lange, Cat..."
Cat seufzte.
Marcus
Du weißt das ich ihn Liebe!
Er sah nicht auf. "Dann sag es ihm."
"Warum sagt er es nicht?"
Marcus hob den Kopf. "Hat er das wirklich niemals?"
"Bis jetzt noch nicht!"
"Hat er das wirklich nicht?" fragte er sanft.
Cat seufzte Er hat lediglich in unserer allerersten Nacht, die in der alles ausartete, gesagt dass er sich in mich verliebt hat. Mehr aber auch nicht.
"'Mehr aber auch nicht'? Und das sagst du über einen Mann, der seine Gefühle so tief in sich verschließt, dass er manchmal selber nicht mehr daran kommt?! Er lächelte.
Cat grinste Ach komm. So schlimm ist er nun auch wieder nicht. Sie senkte den Blick und fügte ein leises Zumindest nicht bei mir. Hinzu.
"Und hast du dich schon mal gefragt, warum das so ist? Bei dir?"
Cat rollte mit den Augen und ließ sich in ihrem Sessel nach hinten fallen.
Sag Du es mir.
"Du willst es nur nicht aussprechen." zog Marcus sie auf.
Nein, jetzt möchte ich es von jemandem hören der noch nicht mit ihm geschlafen hat.
"Wie kommst du nur drauf, dass ich noch nicht mit ihm geschlafen habe." Marcus grinste, doch dann wurde er ernst. "Der Grund, warum AJ sich nicht vor dir, wie vor uns anderen, verschließt ist der, dass er dich liebt. Warum soll er sich vor dir verstecken, sich hinter seinen einbruchssicheren Mauern verschanzen, wenn du mitten in ihm drin steckst? Um es lyrisch auszudrücken: In seinem Herzen wohnst?"
Cat biss sich schmerzhaft auf die Lippe um Marcus nicht vor versammelter Mannschaft für seine liebevoll gewählten Worte zu küssen.
Stattdessen legte sie ihm sanft eine Hand auf den Arm der Locker auf der Lehne lag.
Wenn ich nicht schon vergeben wäre würde ich Dich jetzt glatt Küssen, aber ich glaube da macht AJ nicht mit. Du weißt ich Liebe ihn und Gott allein weiß wie sehr. Aber gib uns ein bisschen Zeit. Die letzten Wochen waren hart.
Marcus seufzte und lächelte. "Wer wüsste das besser als ich?! Und es ist okay, wenn du mich nicht küsst, meine Frau könnte sonst eifersüchtig werden."
Aber sag mal
Wo wir doch gerade bei unseren Angetrauten sind
Wo ist meiner eigentlich? Der kommt ja gar nicht wieder. Cat lachte und sah sich demonstrativ in der Lobby um.
Aber sie sah nur Kevin und Kristin, die von oben zurückkamen. Kristin begrüßte jeden einzelnen herzlich mit Umarmung und ließ sich dann von Kevin galant den Stuhl zurechtrücken.
"Und? Wie schaut es aus in der Filmbranche?" wollte Johnny neugierig von Kristin wissen.
"Sehr gut, nehme ich an. Jedenfalls so gut, dass ich drei neue Angebote vorliegen habe. Es soll eine Fortsetzung der Komödie gedreht werden, in der ich die Hauptrolle hatte. Gleich nach eurer Europatour soll der Dreh starten. Es ist etwas kurzfristig, aber dagegen kann man in diesem Business ja nichts machen." Sie zuckte mit den Schultern und lächelte.
Kevin zog die Augenbrauen zusammen. "Aber du wolltest uns doch auf dem Rest der Tour begleiten, Baby."
Kristin beugte sich zu ihm und streichelte seine Wange.
"Es wäre doch nur für zwei, drei Monate, Schatz. Es ist eine einmalige Chance für mich. Stell dir nur vor, eine Fortsetzung! Und sie wollen mich noch mal dafür haben!"
Kevin wirkte verständlicherweise nicht sehr begeistert.
"Ist dir zwischendurch mal Paris über den Weg gelaufen?" versuchte Nick das Thema zu wechseln.
"Lieber Himmel, ja... Sie hing am Arm dieses Griechen und war alles andere als nüchtern. Sie schaffte es zwar kaum grade zu stehen, aber für die Kameras zu posieren ging noch..."
Da Nick selbst das Thema aufgeworfen hatte, gaben einige der Runde ihre Meinung zu Paris und ihren letzten Schlagzeilen ab, doch der Rest hüllte sich in Schweigen. Über Paris war zu viel gesprochen worden seit der Trennung. Sie ließ Nick inzwischen in Ruhe und er weinte ihr keine Träne nach, damit hatte sich für sie das Thema.
Danach wandte sich das Gespräch interessanteren Dingen zu, wie die letzten Ausrutscher auf der Bühne, die Heuschrecke, die Kevin mitten im Konzert adoptiert, das kleine herzkranke Mädchen, das mit ihnen auf der Bühne getanzt hatte.
"Die Kleine war wirklich süß." erzählte Nick mit einem warmen Lächeln. "Sie hat sich von Brian auf die Bühne bringen lassen, hat in sein Mikro gesungen, und als er sie auf die Bühne stellte, ist sie erst mir in die offenen Arme gelaufen und hat dann die Band besucht. Nur zu AJ wollte sie nicht gehen, vielleicht haben ihr seine Tattoos Angst gemacht, oder..."
Cat setzte sich auf. Die Unterhaltung war in den letzten Minuten so unterhaltsam gewesen, dass sie AJ für den Moment ganz vergessen hatte. Wo zum Teufel steckte der Kerl? Er war viel zu lange weg!
Nach einem erneuten Blick durch die Lobby und die umherstehenden, legte sie Marcus eine Hand auf den Arm um auf sich aufmerksam zu machen.
Hey Marc, sag mal
hast Du Alex irgendwo gesehen?
Marcus sah fragend auf und sich ebenfalls kurz um.
Jetzt wo Du es sagst, Nein. Wie lang ist er jetzt schon weg? Er warf einen kurzen Blick auf die Uhr.
Über eine halbe Stunde. Dabei wollte er nur Zigaretten holen. Cat zog die Stirn kraus.
Marcus Gesicht verzog sich zu einem schmunzeln.
Ich hoffe das wird keine von diesen &Mac226;Schatz ich geh mal eben Zigaretten holen und schon wart er nie wieder gesehen - Nummern. Sonst muss ich ihm nämlich die Ohren lang ziehen.
Auch Cat schmunzelte. Das hoffe ich für ihn. Sonst ziehe ich ihm nicht nur die Ohren lang. Ich geh mal eben hoch aufs Zimmer. Vielleicht Telefoniert er ja.
Marcus nickte Cat verstehend zu als diese sich aus ihrem Sessel erhob und auf den Fahrstuhl zusteuerte.
Kevin hatte mitbekommen, dass AJ vermisst wurde.
"Was ist los?" wollte er von Marcus wissen.
Marcus zuckte die Achseln. "AJ wollte nur kurz Zigaretten holen. Vielleicht sitzt er oben und telefoniert, du weißt ja wie das ist, wenn seine Mutter anruft."
Das überzeugte Kevin nicht wirklich. Während Marcus sich abwandte, um Cat hinterher zusehen, holte er sein Handy raus und wählte AJ's Nummer. Wenn der telefonierte, dann nicht damit, denn der Ruf ging raus. AJ ging aber nicht dran... Selbst als Kevin es lange klingeln ließ, geschah nichts. Irgendwie hatte er ein merkwürdiges Gefühl...
Baby? Cat schloss leise die Tür hinter sich und trat ins innere ihres Zimmers. Doch von AJ gab es weder eine Antwort noch ein Lebenszeichen. Er war nicht da.
Überrascht griff sie nach ihrem Handy in der Hosentasche und wählte seine Nummer. Doch auch nach mehrmaligem Klingeln hob er nicht ab.
Kurzentschlossen verließ sie ihr Zimmer und ging Zwei Türen weiter. Sie klopfte. Doch auch dort bekam sie keine Reaktion. Sie hatte nicht vermutet ihn auf &Mac226;seinem Zimmer zu finden, da seine Koffer sich alle bei ihr befanden.
Wo steckst Du? murmelte sie leise und machte sich wieder auf den Weg in die Lobby.
Marcus erblickte sie sofort, als Cat mit einer sich langsam abzeichnenden Sorgenfalte auf der Stirn aus dem Fahrstuhl trat.
Er ging ihr ein Stück entgegen als sie wieder auf die Gruppe in der Lobby zusteuerte.
Und? Hast Du ihn gefunden?
Sie schüttelte den Kopf. Nein, er ist weder in seinem noch in unserem Zimmer. Ans Handy geht er auch nicht. Marc, ich fang an mir sorgen zu machen.
Kevin stieß zu ihnen.
"Ist er nicht oben?"
"Nein..." Cat schüttelte den Kopf. "Aber ich hab das hier oben auf dem Tisch gefunden." Sie hielt den Männern ein volles Päckchen Zigaretten hin. Es war die Marke, die AJ zur Zeit bevorzugte...
Die Drei sahen sich besorgt an. Zum Zigaretten holen hätte AJ nicht weit gehen müssen, sowohl an der Rezeption gab es welche, als auch im Automaten an der Treppe.
"Okay, suchen wir ihn. Vielleicht hatte er genug von Gesellschaft und ist eine Runde schwimmen oder an die Fitnessgeräte gegangen." Irgendwie glaubte Kevin selber nicht, was er da sagte. Das seltsame Gefühl in seinem Magen verstärkte sich.
Cat nickte zustimmend Ich geh runter zum Pool.
Warte ich komme mit. Schloss Marcus sich an Ich werd im Fitnessraum nachsehen.
Dann werde rüber gehen ins Restaurant. Vielleicht hatte er ja Hunger.
Die Drei fuhren im Stillen einvernehmen auseinander.
Meinst Du er baut mist? fragte Cat ein wenig ängstlich an Marcus gewandt während sie die Paar Stufen ins Untergeschoss nahmen.
Glaube ich nicht. Er hat sich die letzten Tage so gut geschlagen
außerdem hat er ja jetzt Dich. Es gibt keinen Grund.
Ich hoffe das Du Recht hast, großer. Murmelte Cat und bog nach Rechts ab, zum Pool. Während Marcus links herum ging.
Kevin ließ seinen Blick durch das Restaurant schweifen. Hier war nicht viel los, kein Wunder um diese Uhrzeit. Die Küche war inzwischen geschlossen und nur wenige hielten sich noch hier auf. AJ war nicht darunter.
Mit einem leisen Fluch zwischen den zusammengebissenen Zähnen machte Kevin sich auf zur Rezeption, aber dort hatte man seinen Freund nicht gesehen. Durch die Vordertür konnte er nicht verschwunden sein, dort lagerte noch immer die vielstimmige Alarmanlage, die beim leisesten Anzeichen für einen Backstreet Boy losging. Kevin warf einen Blick in die Herrentoilette im Hintergrund des Foyers, doch er hatte wenig Hoffnung AJ dort zu finden. Er behielt Recht.
Damit blieb, wenn Cat und Marcus ihn nirgends fanden, nur eine Möglichkeit. AJ war durch die Garage verschwunden...
Kevin, hast Du ihn gefunden? Cat die nun doch sichtlich besorgt war, war die Treppen hinaufgehastet und nahe zu in seine Arme geflogen.
Nein, Ich war im Restaurant, an der Rezeption und auf der Herrentoilette
Vorne raus kann er nicht. Die Fans hätten ihn auseinander genommen. Murmelte Marcus.
Cat sah die beiden Männer vor sich mit einem Anflug von Panik an.
Wenn er nicht im Hotel ist und vorne nicht raus kann
kann das nur eines heißen
Tiefgarage! erscholl es Dreistimmig und zog nun auch endgültig die Aufmerksamkeit der anderen anwesenden auf sich.
Johnny trat auf Cat und ihre Begleitung zu.
Gibt es ein Problem?
Kann man so sagen. Alex ist verschwunden.
Wie? Alex ist verschwunden? Wo ist er?
Cat verdrehte die Augen.
Wenn wir das wüssten wäre er nicht verschwunden.
Wir haben ihn schon auf dem Zimmer, im Restaurant und auf der Toilette gesucht. Aber er ist unauffindbar und an sein Handy geht er auch nicht. Berichtete Kevin.
Hey, was ist los? Nick stieß zu der kleinen Gruppe.
AJ ist weg! erklärte Johnny trocken.
Wie? Weg?
Na, weg! Verschwunden, Unauffindbar, vermisst, abwesend
weg halt. Stöhnte Cat genervt.
Gut, wenn er nicht zu uns kommt, kommen wir halt zu ihm. Wir werden ihn suchen. Erklärte Kevin bestimmt und winkte ein paar Crewmitglieder sowie Brian und Howie heran. Nick, Brian, Howie
ihr sucht noch mal systematisch hier im Hotel. Weit kann er ja nicht sein. Aber gehen wir raus sorgen wir nur für Hysterie. Cat und ich werden uns mal in der Tiefgarage umsehen
der Rest sucht außerhalb aber im unmittelbaren Umkreis des Hotels. Fragt an der Rezeption nach nahe liegenden Bars oder anderen Hotels, deren Bar noch geöffnet hat. Irgendwo muss er ja sein.
Kevin griff nach Cats Hand und zog sie ohne ein weiteres Wort hinter sich her Richtung Tiefgarage.
Hey Kevin, warte mal. Marcus holte auf. Ich werde mit euch kommen.
Warum?
Na, glaubst du ich lass meinen kleinen Chef jetzt allein? Außerdem kann ich nicht sicher sein das die Tiefgarage Fan Freie Zone ist. Also lasse ich Dich da nicht alleine runter.
Marcus ging voran, nachdem sie die Tiefgarage betreten hatten. Entgegen seiner Befürchtung war hier kein Fan zu sehen. Außer Autos gab es hier eigentlich überhaupt nichts... Die Garage war menschenleer.
Kevin schlug den Weg zum Ausgang ein, bevor Marcus ihn zurückhalten konnte. Er und Cat folgten ihm nach draußen.
Die Luft war frisch und nicht mehr so warm wie am Tag. Vielleicht war das der Grund warum der Mann ein schwarzes Jacket trug, vielleicht aber auch nur, um so wichtig auszusehen wie ein Mitarbeiter der Secret Service. Jedenfalls kam er auf sie zu und musterte sie durch die unverzichtbare Sonnenbrille.
"Gehören Sie zum Wachdienst?" fragte Kevin ohne Umschweife.
Der Mann zog, mit einer Geste die fatal an AJ erinnerte, die Sonnenbrille herunter.
"Und wenn das so wäre? Die Tiefgarage darf nicht betreten werden."
Marcus verschränkte die Arme über der Brust. "Da kommen wir grade her..."
"Haben Sie einen Mann gesehen, etwa eine Handbreit kleiner als ich, dunkles Haar mit zurückweichendem Ansatz, Tattoos an Hals und Händen?" unterbrach Kevin das Kräftemessen.
"Hm... Ja, da war so einer. Er lief in die Richtung." Der Tiefgaragen-Undercover-Agent winkte vage in eine Richtung.
"Danke..." Kevin wirkte nicht sehr glücklich, als er sich zu Cat umwandte.
Besorgt fuhr Cat sich durch die langen Haare und nach einem kurzen ziemlich eindeutigen Blickwechsel mit Kevin griff sie nach Marcus Hand.
Ihr war gar nicht mehr wohl bei dem Gedanken an AJ und ahnte schlimmes.
Mach Dir keine Sorgen Chef, ihm wird nichts passiert sein. Sprach Marcus beruhigend auf sie ein. Doch das tröstete sie wenig.
Noch nicht. Da magst Du Recht haben.
Gemeinsam machten die Drei sich auf den Weg in den der unsympathische Security Mensch gedeutet hatte.
Kurz darauf standen sie auf dunkler, verlassener Strasse. Das einzige was sie sahen war ein kleiner Park. Unschlüssig sahen sie sich um.
Meint ihr wirklich das er da
Cat mochte kaum aussprechen was sie dachte. Die schummrige Straßenbeleuchtung reichte kaum aus das sie sich wohl fühlte. Wie sollte es ihr dann erst in einem unbeleuchteten Park gehen?
Am besten wartest Du hier. Marcus bleib bei ihr. Ich bin gleich wieder da. Kevin setzte bereits an die Strasse zu überqueren, als Marcus ihn aufhielt.
Du glaubst doch nicht im ernst das ich Dich da allein rein gehen lasse, huh?
Willst Du die Kleine hier allein auf der Strasse stehen lassen? Ich komm ganz gut allein zurecht. Außerdem wollte ich mich nicht länger dort drin aufhalten.
Cat schnaufte verächtlich.
Könnt ihr mal aufhören von mir zu reden als wäre ich ein kleines Kind? Gemütlich siehts da nicht aus, aber immerhin sucht ihr MEINEN Freund. Also werde ich mit kommen.
Entschlossen ging Cat an den beiden Männern vorbei und war kurz darauf hinter den ersten Büschen verschwunden.
Marcus und Kevin warfen sich einen kurzen Blick zu bevor sie ihr eilig folgten.
Es war tatsächlich verdammt dunkel im nächtlichen Park. Der abnehmende Mond und die Sterne gaben nicht so viel Licht, dass man mehr als den Weg vor sich erkannte. Der Rest waren Schatten, die Schatten von Schatten, und unheimliche Geräusche.
Kevin fühlte sich nicht unbehaglich hier. Es war nicht viel anders als auf den Nachtwanderungen, damals, im Camp seines Vaters. Er wünschte sich nur seine Taschenlampe, weil sie AJ, sollte er hier sein, so leichter finden würden.
Zuerst suchten sie den Hauptweg ab und versuchten die Finsternis unter den Büschen mit den Augen zu durchdringen. Marcus drehte sich jedes Mal, wenn er ein Geräusch hörte, in die Richtung, da er befürchtete Junkies oder Diebe könnten hier nachts herumlungern und er war der Einzige, der zwischen diesen Gefahren, und seinen Schützling und seinem kleinen Chef stand. Ihn erleichterte es nicht, dass Kevin durch die Dunkelheit ging, als wäre er in ihr zu Hause, da er so immer einen halben Schritt voraus war.
Sie erreichten das Ende des Parks, und damit die schummrige Helligkeit der Straßenlaternen, ohne etwas entdeckt zu haben.
"Was jetzt? Ich bin dafür, dass wir der Straße weiter folgen." schlug Marcus vor. So hätte er diese Beiden hier zumindest im Auge.
Doch Cat und Kevin wechselten einen Blick und sahen dann in den dunklen Park zurück.
"Irgendwie hab ich das Gefühl..." setzte Cat an.
"Dass er in der Nähe ist, richtig?" Kevins wachsamer Blick wanderte über die nachtstillen Bäume. Dann setzte er sich in Bewegung, zurück in den Park. Cat dicht hinter ihm.
Marcus seufzte ergeben. Hier waren zwei Dickköpfe am Werk, und wenn er ihnen nicht folgte hängten sie ihn nur ab.
Sie begannen die Seitenwege abzusuchen, die schmaler waren und teils dicht überwachsen, so dass sie kaum noch Sicht hatten. Marcus bemerkte erst, dass Kevin stehen geblieben war, als er fast gegen ihn rannte.
Kevin fluchte leise. "Warum hab ich keine Taschenlampe mitgenommen..."
"Wir könnten zurück zum Hotel und uns welche hol..."
Marcus stellte frustriert fest, dass keiner auf ihn hörte, denn die Beiden gingen weiter. Nur riefen sie jetzt laut AJ's Namen.
"Na prima. Wie wär's, wenn ihr gleich mit Blaulicht und Sirene Kriminelle und Groupies auf euch aufmerksam macht..."
Kevin ging systematisch vor und suchte jede Abzweigung ab, so dass sie weite Wege zurücklegten und dabei immer wieder ihre eigene Spur kreuzten. Man konnte auf die Idee kommen, sie liefen beständig im Kreis, aber dem war nicht so.
Als sie das dritte Mal, in unterschiedlicher Richtung, eine Wegkreuzung passierten, hörten sie plötzlich ein neues Geräusch, das nicht zu denen passte an die sie sich inzwischen gewöhnt hatten. Jemand kicherte...
"Alex?" rief Kevin in die folgende Stille.
Keine Antwort. Aber einen Moment später erklang wieder das Kichern. Es war männlichen Ursprungs und kam ihnen sehr bekannt vor.
Kevin folgte dem Weg, den sie schon vor mehreren Minuten abgesucht hatten, denn aus der Richtung war das Geräusch gedrungen. Cat und Marcus blieben dicht hinter ihm.
Ein neuerliches Kichern ließ sie stehen bleiben und einen Busch anstarren. Das Geäst hier entlang des Pfads war dicht, bis auf eine Stelle. Als Kevin sich durch das Loch drücken wollte, hielt Marcus ihn fest.
"Vergiss es, ich geh vor!"
"Hatten wir diese Diskussion nicht schon?" fragte Kevin belustigt.
Cat nutzte indes ihre Chance und huschte durch die Lücke.
"Cat!" erklang es zweistimmig besorgt, als die Männer ihr folgten. Aber sie achtete nicht auf sie.
Sie hatten AJ gefunden...
Er saß, gegen einen Baumstamm gelehnt, im Gras einer kleinen Lichtung und grinste über irgendeinen Witz, den sein benebeltes Hirn ihm zuzuflüstern schien. Seine Finger umklammerten fast zärtlich den Hals einer Flasche Jack Daniels, in der nur noch ein Fingerbreit Flüssigkeit schwappte.
Cat sank fassungslos vor ihm auf die Knie. Bis zuletzt hatte sie gehofft, dass das nicht passiert war. Fast sechs Tage nüchtern, und mit einem Schlag alles zunichte...
AJ winkte mit der Flasche.
"Ich wusste, dass ihr hier seid." erklärte er mit schwerer Zunge.
Cat schüttelte benommen den Kopf.
"Warum hast du dich nicht bemerkbar gemacht? Hast du nicht gesehen, wie wir hin und her laufen und dich suchen?"
AJ grinste schief.
"Doch, aber ich wusste nicht, dass ihr mich meint."
Von Kevin erklang ein Geräusch, das verdächtig nach einem verächtlichen Schnauben klang.
"Ja, sicher... Deswegen rufen wir auch ständig deinen Namen..." Cats Stimme war ein einziger Vorwurf.
Marcus legte Cat die Hände auf die Schultern, weil er spürte, dass sie kurz davor war AJ eine saftige Ohrfeige zu verpassen. "Lasst ihn uns zurück ins Hotel bringen..."
Müde fuhr Cat sich mit der Hand durchs Gesicht und nickte schließlich.
Während Marcus und Kevin AJ wieder auf die Beine stellten und Marcus ihn sich unter den Arm klemmte um ihn unversehrt zum Hotel zu bringen, schlüpfte Kevin durch die kleine Lücke im Gebüsch und schloss eilig zu Cat, die bereits ein paar Schritte Vorausgegangen war, auf. Tröstend legte er ihr einen Arm um die Schulter.
Cat war dankbar dass es in dem kleinen Park so dunkel war und wischte sich verstohlen ein paar Tränen fort.
Doch auch wenn Kevin nicht viel sehen konnte, so war ihm diese Geste nicht entgangen.
Hey
nicht weinen
Kevin zog Cat noch ein wenig enger an sich Das wird wieder
es war schwer seinen eigenen Worten glauben zu schenken.
Warum? flüsterte Cat weinerlich. Es war doch die letzten Tage alles in Ordnung
Mach Dir keine Vorwürfe, Kleines. Wir werden schon noch raus finden was passiert ist. Er schafft das. Er hat die letzten Tage auch geschafft. Aber Du darfst jetzt nicht aufgeben. Du weißt am besten was los ist. Er braucht Dich.
Cat schnaufte. Natürlich. Alles hing jetzt wieder nur an ihr. Ob die Jungs auch nur die leiseste Ahnung hatten wie schwer ihr schon die letzten Wochen gefallen waren? Ständig einen Rückfälligen vor Augen zu haben? Zu sehen wie sie selbst einmal war? Ihre Kraft war am Ende.