Chapter 29
Als Cat, nur wenige Stunden später, von dem unsanften Klingeln ihres Handys aus dem Schlaf gerissen wurde, dröhnte ihr augenblicklich der Kopf.
Mit Mühe versuchte sie das Zifferblatt ihrer Uhr zu erkennen. Gerade einmal drei Stunden Schlaf hatte sie bekommen.
Ja?
Können wir uns in einer halben Stunde zum Frühstück treffen? Wir müssen uns unterhalten.
Johnny!
Cat, wir sollten uns in Ruhe unterhalten, bevor die anderen wach sind.
Ich habe noch nicht mal drei Stunden geschlafen.
Na, glaubst Du ich hatte eine erholsame Nacht? Ist er bei dir?
Ja.
Gut, dann bestelle ich mir jetzt mein Frühstück. Reicht Dir eine Stunde?
Cat stöhnte auf. Ich komme rüber wenn ich fertig bin.
Danke.
Missmutig ließ Cat sich wieder in AJs Arme sinken.
Wer zur Hölle war das? murmelte er verschlafen und zog Cat wieder ein wenig enger an sich.
Johnny?!
Was wollte er?
Mit mir reden?
Mitten in der Nacht?
Hättest Du Dein Hotelzimmer nicht auseinander genommen, wäre mir das erspart geblieben.
"Hätte ich mein Hotelzimmer nicht auseinander genommen, hätte ich dich jetzt nicht im Arm... Irgendwas hab ich also richtig gemacht..." grinsend drückte AJ sein Gesicht tiefer in ihr Haar.
Ich hatte jetzt eigentlich eher eine Entschuldigung oder einen Kniefall erwartet. Das wäre das mindeste gewesen, finde ich. nuschelte Cat.
"Für einen Kniefall müsste ich dich loslassen und aufstehen..." überlegte AJ laut. "Kann ich nicht auch im Liegen knien? Es tut mir wirklich leid, dass ich so viel Schaden angerichtet habe..." Er gab ein Geräusch, das verdächtig wie ein Schnurren klang, von sich und begann an Cats Hals zu knabbern.
Cat kicherte. Das will ich hoffen, dass es Dir Leid tut. Immerhin hast Du mich fast meinen Job gekostet, von meinem Verstand mal ganz abgesehen. Genüsslich schloss sie die Augen. Wie willst Du das eigentlich je wieder gut machen, huh?
AJ ließ von ihrem Hals ab und beugte sich über sie, um ihr tief in die Augen zu schauen. "Ich denke, ich hab da so ein... zwei... Ideen..." flüsterte er heiser. Seine Lippen streiften kurz über ihre, dann verschloss er ihren Mund mit einem sanften Kuss.
Cats Sinne explodierten als AJs Zunge sanft in ihren Mund eindrang und begann mit der ihrigen zu Spielen.
Zum -> Director's Cut (Passwort über silke_grey@hotmail.com)
Als die beiden sich nur Augenblicke später klammheimlich von dieser Welt stahlen, waren die letzten Tage und nervenzehrenden Wochen völlig vergessen.
***
So Baby, wen hättest Du gerne als Babysitter? Kevin oder Marcus? fragte Cat, nachdem sie frisch geduscht und startklar für den Tag war.
Ich brauche keinen Babysitter. Ich habe doch Dich. AJ, ebenfalls frisch geduscht, trat nur in Jeans und mit dem Handtuch um den Nacken aus dem kleinen Badezimmer und grinste.
Ja, aber Dein persönlicher Babysitter hat noch ein paar Verpflichtungen. Was soviel heißt wie
Du musst mich für eine Stunde entbehren. Cat ließ sich neben den zerwühlten Laken auf dem Bett nieder und griff zum Telefonhörer, während sie AJ noch immer fragend ansah.
Wo musst Du hin?
Noch immer zu Johnny. Der wartet bereits geschlagene zwei Stunden auf mich.
Damn, den hab ich ganz vergessen. Warte, ich komme mit. AJ schleuderte das nasse Handtuch in eine Ecke und begann in seinen spärlichen Sachen nach einem sauberen T-Shirt zu suchen.
Du musst nicht mitkommen. Ich glaube nicht, dass Johnny mir den Kopf abreißt.
Hey, ich bin immerhin für die ganze Misere und Deinen Stress verantwortlich, oder? Also komme ich auch mit zu Johnny. Ich denke, ich hab ihm eine Menge zu erklären. AJs Stimme duldete keinen Widerspruch, während er sich ein Shirt über den Kopf zog.
Cat seufzte. Also gut. Aber mit dem Hotelmanager werde ich allein reden. Ich glaube, der ist nicht sonderlich gut auf Dich zu sprechen. Bis dahin kannst Du Dir überlegen wer auf Dich aufpassen darf.
Cat legte den Telefonhörer zurück und stand auf, um zur Tür zu gehen.
Ich brauche keinen Aufpasser, Kleines. Ich kann auf mich selbst aufpassen. AJ trat dicht vor Cat und gab ihr einen sanften Kuss auf die Stirn.
Cat hingegen hob eine Augenbraue.
Glaubst Du im Ernst, dass ich Dich nach der letzten Nacht auch nur eine Sekunde unbeaufsichtigt lasse? Sei froh, dass Du Dir Deinen Babysitter noch aussuchen darfst. Kleine Kinder dürfen das nicht.
Grinsend öffnete Cat die Tür und machte sich auf den Weg zu Johnny.
AJ schnaufte vernehmlich. Auf was hatte er sich da bloß eingelassen
Als sie etwa eine halbe Stunde später wieder auf dem Rückweg waren, war Cat einigermaßen erleichtert.
Johnny war ihr nicht böse, dass sie mit sowohl ihrem als auch AJs Geheimnis so lange hinterm Berg gehalten hatte. Er konnte es sogar irgendwie verstehen.
Allerdings hatte er AJ einige Konsequenzen angedroht. Unter anderem, ähnlich wie Cat, dass er ab sofort 24/7 unter Aufsicht stand. Ob ihm das passte oder nicht. Unangekündigte Kontrollen seiner Hotelzimmer, seiner Koje im Bus und vorläufiges Ausgehverbot ohne Aufsicht.
Zähneknirschend hatte AJ alles hingenommen. Er wusste, dass es ihm zu Recht geschah. Dennoch fühlte er sich ungerecht behandelt. Schließlich war die letzte Nachte ein einmaliger Ausrutscher gewesen.
Worüber denkst Du nach? Cat riss ihn unsanft aus seinen Gedanken.
Ach nichts. Ich hab nur über das Gespräch mit Johnny nachgedacht.
Und? Ein Grund sich zu betrinken?
AJ warf Cat einen kurzen Seitenblick zu.
Nicht ganz, aber fast.
Er trat nach Cat in deren Zimmer ein und ließ sich aufs Bett fallen.
Also? Wer hat die Ehre auf Dich aufpassen zu dürfen? Cat hatte bereits den Telefonhörer wieder in der Hand.
Ist mir egal. Irgendwer der mir jetzt keine Moralpredigt hält.
Ich werde Marcus bitten hoch zu kommen. Ist das in Ordnung?
AJ nickte stumm und kramte seine Zigaretten aus der Hosentasche.
Nur Minuten später zog Cat die Zimmertür erneut hinter sich zu, um sich dem Gespräch mit dem Hotelmanager zu stellen.
Allerdings würde sie vorher einen kleinen Umweg machen.
Ein wenig zögerlich klopfte sie. Hinter der Tür dröhnte laute Musik, die augenblicklich etwas leiser gestellt wurde und Sekunden später öffnete Nick ihr die Tür.
Cat?
Hi Nick, darf ich rein kommen?
Erm.. Ja, klar.
Nick winkte Cat in sein Zimmer und begann sogleich Wäschestücke von einem Sessel zu räumen und auf den Boden zu werfen, damit sie sich setzen konnte. Er bot ihr den Platz an.
"Tut mir Leid, wie es hier aussieht, aber... ja, ich hab nach was Abziehbarem für AJ gesucht..."
Das war nicht ganz wahr, denn in seinem Zimmer sah es fast immer so aus. Aber heute hatte er mal eine gute Entschuldigung dafür. Unschlüssig auf seiner Unterlippe kauend sah er Cat an.
Cat musterte ihn einen Moment. Er war nicht mehr ganz so blass um die Nase wie vergangene Nacht, dennoch wirkte er etwas aufgewühlt.
Gehts Dir gut?
Nick trat unruhig von einem Fuß auf den anderen. "Ja, sicher... Also... Ich mach mir nur etwas Sorgen um... AJ..." Er sah weg und fuhr sich durchs Haar.
Cat zog die Stirn kraus und machte einen Schritt auf ihn zu.
"Es gibt keinen Grund sich Sorgen zu machen. Es geht ihm gut. Vertrau mir. Wir schaffen das. Er weiß, dass er Mist gebaut und einen Fehler gemacht hat."
Nick brachte ein steifes Lächeln hervor.
"Ja, ich glaube dir ja... Aber das letzte Nacht hat wohl ein paar schlimme Erinnerungen wachgerufen, an AJ's Sucht und wie Kevin ihm die Tür eintrat... Man sollte eigentlich denken, nach all der Zeit sei es wieder gut und ich könnte damit leben. Aber..." Er schüttelte den Kopf. "Irgendwie geht es nicht. Ich hab Angst um AJ, genau die gleiche Angst wie damals, als er zur Therapie ging. Warum hab ich wieder nichts bemerkt? Kevin hat was gemerkt, warum ich nicht? Es ist, als würde ich nicht klar sehen, wenn es um AJ und die Sucht geht..." Kraftlos ließ er sich nun selbst in den frei geräumten Sessel fallen.
Hör mal, Kleiner, Cat kniete sich vor Nick und nahm seine Hände, Hör auf Dir Vorwürfe zu machen. Niemand hat es kommen sehen. Er ist noch immer ein genauso guter Schauspieler wie damals. Das sind wir Alkoholiker alle. Weil wir im Stillen alle wissen, dass wir ein Problem haben. Nur wollen wir nicht dazu stehen. Und um uns keine gut gemeinten Ratschläge anhören zu müssen, lügen wir. Wir wollen niemandem wehtun mit unserer Sucht. AJ wohl am wenigsten. Glaub mir, er ärgert sich gerade am meisten für sein Verhalten. Niemand trägt Schuld an dem was geschehen ist und Du darfst Dir keine Vorwürfe machen, dass Du nichts bemerkt hast... Hey, immerhin habe ich AJ dabei geholfen alles zu vertuschen. Beschäftige Dich lieber damit und mit Deiner Wut auf mich. Alex kriegt das wieder in den Griff. Ganz bestimmt. Und was Deine Angst betrifft
man kann nicht lernen damit zu leben oder damit umzugehen. Es ist völlig normal, dass ihr euch alle um Jahre zurück versetzt fühlt. Aber wir sind nicht mehr im Jahr 2001. Vertrau mir, ich werde nicht zulassen, dass sich das alles für euch wiederholt.
Nick sah ernst hinunter in Cats grüne Augen und drückte sanft ihre Hände.
"Ich bin nicht wütend auf dich. Ganz im Gegenteil... Ich glaube, du bist die beste Hilfe, die Jay jetzt haben kann. Du hast Recht, es wird sich nicht wiederholen, weil du bei ihm bist... Er braucht jemanden, der ihn liebt und den er wieder liebt, und du bist da und wirst ihm beistehen."
Ein mildes Lächeln umspielte seine Lippen, als er sah wie Cat blass und dann rot wurde.
"Keine Sorge, ich verrate keinem dein kleines Geheimnis..."
Cat öffnete den Mund ein paar Mal, doch keine Silbe verließ ihren Mund. Schließlich stand sie auf und kratzte sich verlegen am Kopf.
Was für ein Geheimnis? Ein mehr als schlechter Versuch die Situation zu überspielen.
Nick lachte sein unwiderstehliches Lachen.
"Komm schon, Carlton, du weißt genau was ich meine... Du liebst AJ doch. Ich hab letztens gesehen, wie du ihn angeschaut hast. Er hat es nicht gemerkt. Natürlich nicht, im Moment kann er das wohl einfach nicht. Aber ich hab es gemerkt und ich bin mir ganz sicher."
"Ach ja? Und was macht Dich da so sicher?" Cats Kampfgeist war geweckt.
Nick verschränkte die Arme und grinste. "Na, zum Beispiel diese Reaktion... Wäre da nichts dran, hättest du gelacht und gesagt ich spinne."
Cat verschränkte ebenfalls die Arme vor der Brust.
"Hey, auf so einen Schwachsinn war ich halt nicht vorbereitet." Ein leichtes Lächeln verriet ihre Lüge.
Nick zwinkerte ihr zu, während sein Grinsen sich noch vertiefte.
"Vergiss es, ich hab dich am Arsch, Carlton."
Verdammt Carter, such Dir neue Freunde die Du ausspionieren kannst.
"Aber Cat, bei dir macht es mir doch so viel Spaß." Nick lächelte besänftigend sein Sunnyboy-Lächeln. "Und ich verspreche dir hoch und heilig, dass es von mir keine Menschenseele erfährt. Ehrlich."
"Da gibts ja auch nichts, was Du erzählen könntest." Cat grinste und wandte sich zum Gehen. An der Tür angekommen, drehte sie sich noch einmal zu Nick um. "Ach und Nick... wenn was ist..."
Nicks Augen leuchteten voller Zuneigung. "Ja, ich weiß. Danke Cat. Für alles."
Cat lächelte milde Dafür bin ich da.
Nachdem sie die Tür hinter sich geschlossen hatte, machte sie sich endgültig auf den Weg zum Hotelmanagement, um dort harte Überzeugungsarbeit zu leisten.