Chapter 25

Als Cat am späten Nachmittag durch das Hotel streifte und nach Marcus suchte, war die Sonnenbrille unumgänglich um kein aufsehen zu erregen.
Die tiefen Sorgenfalten in ihrem Gesicht hätten sicher die halbe Crew auf den Plan gerufen, dabei war sie doch gerade auf dem Weg allen zu erklären das alles in Ordnung war.
Ihre Gedanken überschlugen sich seid AJ ihr den Grund für seinen Ausrutscher genannt hatte.
Es würden mehr als schwere Zeiten auf sie zu kommen. Doch sie hatte sich die Last aufgebürdet AJ zu helfen und ihm versprochen dass jedes einzelne Wort unter ihnen in diesem Hotelzimmer in Vegas bleiben würde.
Doch jetzt musste sie erst einmal für ein paar Grundlegende Dinge Sorgen die sie für die nächsten Tage brauchen würden. Sie konnten nicht so tun als wäre nichts geschehen. Das würde nicht funktionieren, dessen waren Cat und AJ sich einig. Dennoch durften die Jungs und Johnny nichts erfahren… Cat seufzte als sie in der Lobby ankam.
Marcus stand mit ein paar Kollegen neben dem Eingang und sprach über Sicherheitsvorkehrungen bei der Abreise am nächsten Tag.
„Marcus?“
„Was kann ich für Dich tun Chef?“
„Kann ich Dich mal unter Vier Augen sprechen?“
„Sicher, ist was passiert?“ Augenblicklich löste er sich von der kleinen Gruppe und ging mit Cat hinüber zu den kleinen Sitzgruppen.
„Ich brauche Deine Hilfe…“

Als Cat eine halbe Stunde später mit ein paar Sachen aus AJ’s Zimmer in ihr eigenes zurück kehrte stand AJ unter der Dusche.
Misstrauisch warf Cat einen Blick auf das geöffnete Fenster und legte seine Sachen auf dem Bett ab, bevor sie sich seufzend vor die Minibar kniete.
Für einen Moment schloss sie die Augen und hoffte dass sich ihre Gedanken nicht bestätigen würden, doch sie hatte kein Glück.
Ein Blick in die Minibar sagte ihr das AJ die halbe Stunde erfolgreich genutzt hatte.

AJ ließ sich das heiße Wasser über den Körper laufen. Sein Kopf fühlte sich angenehm benommen an, nichts kümmerte ihn, keine Erinnerung jagte ihn. Sein Mund verzog sich zu einem schwachen, humorlosen Lächeln. Er kannte das Gefühl, das würde nur leider nicht lange anhalten.
Plötzlich wurde die Tür aufgerissen. AJ musste sich nicht umdrehen, um zu wissen dass Cat hereinstürmte.
"AJ, bitte, ich weiß, dass das schwer ist, aber du musst aufhören damit! Der Alkohol macht nur alles schlimmer!"
Das Gefühl hatte AJ grade gar nicht, eher im Gegenteil. Diesmal grinste er wirklich.
"Willst du mir den Rücken waschen Süße?"
"Alex..."
Oh-oh... Wenn sie 'Alex' sagte, wurde es wohl kritisch. Er drehte das Wasser ab und sich zu ihr um, dabei taumelte er leicht und stützte sich an der Wand ab.
"Aber Cat..." Er guckte um Vergebung heischend und schenkte ihr einen Hundeblick. "Ich fühl mich doch schon viel besser..."

„Ja, und mir sind schon wieder graue Haare gewachsen wegen Dir. Sieh zu das Du aus der Dusche kommst. Ich habe Dir frische Sachen aus Deinem Zimmer geholt. Marcus wird uns zu dem Treffen fahren.“
Cat blieb nichts anderes übrig als AJ’s handeln momentan als Selbstverständlich hin zu nehmen. Solange er seinen eigenen Fehler nicht einsah konnte sie ihm nicht helfen. Niemand wusste das besser als sie selbst.
Sie kannte schon jetzt so ziemlich jede Ausrede die er die nächsten Tage ihr gegenüber anbringen würde um seine Trinkerei zu entschuldigen.
Cat seufzte und ließ sich müde auf das Bett sinken. Wenn sie ihm doch bloß helfen konnte.
Sie dachte an die erste Zeit die sie gemeinsam auf Tour miteinander verbracht hatten. An AJ’s dämlichen Gesichtsausdruck als er erfuhr das sie ebenfalls ein Alkohol Problem hatte, das Anschließende Essen bei Luigi, ihre gemeinsamen Video Abende, ihre Stundenlangen Unterhaltungen im Flieger oder im Bus.
Sie fragte sich ob der Stress des Jobs und der Tour vielleicht Schuld daran waren das sie sich so auseinander gelebt hatten. Oder ob es einfach nur an ihr und ihm lag.
Doch sie wusste keine Antwort drauf und so schnell würde sie die wohl auch nicht finden. Jetzt musste sie erstmal zusehen wie sie AJ vor sich selbst schützen und sein Geheimnis vorläufig weiter waren konnte.
Sie hatte ihm Versprochen den anderen gegenüber mit keiner Silbe zu erwähnen was vor sich ging. Im Gegenzug hatte er eingewilligt mit ihr wieder zu den gemeinsam Treffen zu gehen und sich von ihr helfen zu lassen. Zusammenreißen wollte er sich. Wie gut das schon im Ansatz klappte, sah sie an der Minibar.
Cat spürte wie die Tränen sich ihren Weg suchten, doch sie konnte jetzt nicht da sitzen und heulen. Sie musste doch für beide stark sein.

AJ hatte kleine Probleme beim Anziehen, die ihn zum Kichern brachten. Das witzigste war, dass er sich die Hose nicht anziehen konnte, weil er, auf einem Bein stehend, immer nach vorn umkippte. Das war wirklich zu lustig...
Die böse Boxershorts hatte er ausgetrickst, indem er sie auf den Boden gelegt hatte und dann mit beiden Füßen reingestiegen war, um sie dann einfach hochzuziehen. Aber mit der Jeans wollte das einfach nicht klappen...
Schließlich kam AJ der Gedanke, dass Cat ihm vielleicht etwas zur Hand gehen konnte. Er ging rüber ins Schlafzimmer und beglückwünschte sich dabei, dass er es selbst betrunken schaffte, annähernd aufrecht geradeaus zu gehen. Das wollte mal gelernt sein...
Als sein Blick auf Cat fiel, war er mit einem Schlag um einiges nüchterner. Tränen... Oh nein, er hasste Tränen... Er ließ sich neben ihr aufs Bett fallen und zog sie in seine Arme.
"Nich... nich weinen... is nich so schlimm, es wird alles wieder gut..."

Verstohlen wischte Cat sich die Tränen von den Wangen und löste sich von AJ.
„Das musst ausgerechnet Du sagen? Keine Hosen an und das T-Shirt auf links.“ Trotzig zog sie die Nase hoch und AJ das T-Shirt über den Kopf um es richtig herum zu drehen.
„Weißt Du Alex, als wir die Tour letzten Monat starteten, dachte ich ernsthaft ’Jetzt hast Du es geschafft Carlton. Jetzt hast Du Dein Leben wirklich wieder im Griff.’ Und was ist? Jetzt sitze ich hier mit einem Alkoholkranken Popstar und muss mich mit meiner Vergangenheit auseinander setzen, alle Leute um mich rum wieder belügen und Dich richtig anziehen.“ Mit Nachdruck zog sie AJ das Shirt richtig herum wieder über den Kopf. „Weißt Du eigentlich das ich das Gefühl habe, als hätte ich die Minibar heimlich geleert? Du hockst den ganzen Morgen hier auf dem Hotelzimmer und… und…“ Sie zog die Nase erneut hoch „…und atmest. Während ich mir dir Haare ausreiße, wie wir es schaffen sollen das niemand etwas mitbekommt, bis wir Dich wieder auf den Beinen und Dein Problem im Griff haben. Kannst Du mir mal sagen was das soll? Warum hast Du das getan? Hast Du mal eine Sekunde an die Menschen um Dich herum gedacht?“ Cats Stimme war ruhig. Auch sie war nicht böse. Dennoch strafte der bissige Unterton in ihrer Stimme AJ.

AJ sah Cat mit einem merkwürdigen Gesichtsausdruck an.
"Weiß nich... Weil... weil ich es brauchte... uhm... Ich hatte Durst und wollte was trinken, aber es war keine Coke mehr da und ich wollte keine Fanta, und da..."
Cat seufzte. "Ich weiß schon..."
AJ guckte sie mit Hundeblick an. "Ich mach’s wieder gut."
Aber das war nicht so einfach, das sollten beide noch merken...

In den nächsten Tagen versuchte Cat AJ vom Alkohol wegzukriegen, oder den Alkohol von AJ, leider ziemlich erfolglos. Noch hatten weder die Jungs noch die Crew gemerkt, dass er rückfällig war, weil AJ's Verhalten schon vorher nicht normal gewesen war und weil Marcus und Cat ihn jetzt deckten. Wenn sie etwas ahnten, so sprach zumindest niemand es aus. Aber der Alkohol hatte Folgen, AJ war unkonzentrierter auf der Bühne und sein Gesang litt, doch noch schienen sie es für die Folge von Schlafmangel zu halten.
Was Cat partout nicht hatte tun wollen trat ein, sie spielte den Babysitter für AJ. Sie sorgte dafür, dass er immer da war wo er zu sein hatte, so fit wie es eben ging ohne auf andere Aufputschmittel als Kaffee zurückzugreifen. Da sie aber zugleich den Terminplan und die ganze Gruppe koordinieren musste, gab es immer wieder Minuten oder Stunden die AJ allein war und kontraproduktiv nutzte um sich Alkohol zu besorgen.
Er wollte ja davon weg, aber er bekam weder seine Gefühle für Cat noch seine schrecklichen Gewissensbisse in den Griff, und suchte immer wieder Trost im Alkohol, der mehr zerstörte als er half.
Schlimmer noch, als seine Gewissensbisse, war aber sein Ekel vor sich selbst. Was er getan hatte konnte er sich nicht verzeihen, und nocChaph mehr widerte es ihn an so schwach zu sein und zu trinken. Ohne sich dessen bewusst zu sein, wollte er sich selbst bestrafen und trank noch mehr. Ein Teufelskreis, aus dem er alleine nicht ausbrechen konnte und der langsam begann ihn zu zerstören…

Chapter 26