Chapter 20
Jungs, beeilt euch bitte ein bisschen, sonst schlaft ihr heute Nacht auf der Strasse und nicht in euren eigenen Betten.
Schon seid einer halben Stunde drängelte Cat zum Aufbruch.
Sie wollten mit dem Privatjet noch zurück nach L.A.
Damit die Jungs ihren Freien Tag zuhause verbringen konnten. Doch die Jungs ließen sich wie immer eine menge Zeit und so blieb Cat nichts anderes übrig als alle liegen gebliebene Dinge in eine große Tasche zu werfen, damit das Geschrei im Flieger nicht zu groß wurde.
Auch sie freute sich auf ihren Freien Tag.
Keine Busfahrt, kein Flugzeug, keine Termine. Einfach nur ausschlafen und nichts tun.
Da machte es ihr auch nichts dass sie den Tag allein im Hotel verbringen würde.
Nach den letzten Tagen war sie sogar ganz dankbar dafür.
AJ tappte hinter Kevin her. Tatsächlich war es seit ein paar Tagen so, dass er noch später kam als sein Bandkollege, etwas dass ihm verständnislose Blicke und kopfschütteln einbrachte. Nick hatte noch mehrmals versucht mit ihm zu reden, aber AJ hatte abgeblockt. Bei den anderen hatte er immer irgendeine Entschuldigung gefunden, warum er grade keine Zeit hatte mit ihnen zu sprechen, oder warum er 'die letzte Zeit so komisch' war.
Seine dunkle Sonnenbrille trug er, weil er irgendwie nicht genug Schlaf fand. Sie verbarg seinen resignierten Blick, der immer wieder Cat suchte, deren Bild ihn nicht mal in seinen Träumen in Ruhe ließ. Eigentlich sollte er sich auf den freien Tag freuen... Ein Tag von ihr fort zukommen war verlockend. Aber was war am Tag darauf? Was für einen Wert hatte ein Tag, in dem er vielleicht seinen Seelenfrieden fand, wenn der am nächsten dann wieder verloren ging, sobald er sie sah? Immerhin hatte er es geschafft, ihr die letzte Zeit aus dem Weg zu gehen. Wenn sie etwas wollte tat er es, ohne etwas zu sagen oder ihr in die Augen zu sehen. Und inzwischen überlegte er, dazu überzugehen die Tage auf dem Kalender abzustreichen. Er fürchtete allerdings, dass Cat auch die Europatour begleiten würde.
Also stolperte er lustlos hinter Kevin her, der ihn jeden Tag besorgter ansah, wenn er meinte AJ würde es nicht merken, und wünschte sich ein stilles Loch, in das er sich eine Weile verkriechen konnte.
Jungs, gebt mal n bisschen Gas, die warten ausnahmsweise mal nicht nur auf euch.
Genervt schob Cat Nick an, der mit dem Handy in der Hand hinter den anderen Jungs her trabte, um ihn ebenfalls in einen der Vans zu verfrachten.
Sie mussten in weniger als einer halben Stunde im Flieger sitzen, sonst würde sich ihre Sonderfluggenehmigung in Luft auflösen und sie alle in Colorado hängen bleiben.
Erschöpft ließ Cat sich neben Marcus auf den Beifahrersitz fallen und schloss für einen Moment die Augen.
Die Jungs im hinteren Teil des Wagens unterhielten sich angeregt über das Vorangegangene Konzert.
Geschafft?
Genervt!
Das hat aber gedauert. Marcus grinste und kramte in seiner Tasche nach ein bisschen Schokolade.
Was heißt hier &Mac226;das hat aber gedauert?
Na, wir sind immerhin schon Fünf Wochen unterwegs. Auf meiner ersten Tour haben sie mir innerhalb von Stunden den letzten Nerv geraubt.
Cat schmunzelte.
Da waren sie auch noch Jungs und unerfahren
.
Ja, und jetzt sind sie nur noch &Mac226;und.
Marcus grinste schief und bot Cat ein Stück Schokolade an das sie dankbar ergriff.
Darf ich Dich mal was fragen Chef?
Schon eine Weile nannte er sie so.
Kommt drauf an.
AJ!
Cat rollte mit den Augen.
Was ist mit ihm? Ihre Stimme klang tatsächlich fragend.
Was ist da zwischen euch?
Nichts, was soll da sein?
Naja, die letzten Wochen habt ihr euch gegenseitig kaum aus den Augen gelassen. Er war immer sofort zur Stelle wenn die Jungs was angestellt und Dich auf die Palme gebracht haben, hat Nick davon abgehalten Dir dumme Kinder Streiche zu spielen und Dich vor aufdringlichen Betrunkenen gerettet. Ihr seid regelmäßig gemeinsam zu den Treffen der Anonymen gegangen und
Cat unterbrach ihn und warf einen Nervösen Blick über die Schulter zu den Jungs.
Woher weißt Du dass wir gemeinsam zu den Anonymen gegangen sind? zischte sie.
Weil er sich immer ganz artig zu seinen Treffen abmeldet
im Gegensatz zu Dir.
Cat zog eine Augenbraue hoch und rutschte nervös auf ihrem Sitz hin und her.
Mach Dir keine Sorgen. Es weiß niemand.
Woher weißt Du es dann?
Ich kann eins und eins zusammen zählen, Wenn ich euch beide Ständig nur Wasser und Coke trinken sehe und ihr gemeinsam zu den Treffen geht.
Marcus sprach als wäre alles selbstverständlich und ließ sich auch von Cats plötzlicher Nervosität nicht aus der Ruhe bringen.
Was ich aber eigentlich wissen wollte war
in den letzten Tagen wechselt ihr kaum ein Wort miteinander und wenn dann ist es Geschäftlich. Was ist passiert? Ehestreit?
W... wa
MARCUS!
Ach komm Chef, zwischen euch geht doch was. Das sieht doch ein Blinder oder willst Du mir wirklich glaubhaft weismachen das Deine und auch seine schlechte Laune in den letzten Tagen vom Wetter herrührt?
Cat öffnete den Mund um etwas zu sagen, doch es kam nicht ein Ton heraus.
Er hatte ja Recht.
Natürlich kam die schlechte Laune ihrerseits nicht von ungefähr.
AJ reizte sie bis aufs Blut mit seiner ständigen Unpünktlichkeit und den zickigen Antworten die er ihr gab.
Außerdem fehlten ihr die gemeinsamen Videoabende, ihre Stundenlangen Gespräche in der Bar und die kleinen Lästereien über die Jungs und manchmal auch die Fans die vor den Hotels campierten.
Wenn sie ganz ehrlich zu sich selbst war
vermisste sie ihn.
Sie vermisste es von ihm in den Arm genommen zu werden und vor den Scherereien der Jungs beschützt zu werden.
Sie vermisste die langen Nächte, die Scherze und seine belustigten bis besorgten Blicke wenn mal wieder nichts so lief wie es sollte und ihr Zeitplan völlig durcheinander war.
Sie vermisste seine begehrenden Blicke und das leichte Knistern wenn sie sich ansahen
AJ sah in die Runde. Howie war am einschlafen, wie so oft, und Nick machte sich einen Spaß draus, ihm ein Kaugummi in den offenen Mund zu schieben. Ein altes Spiel der Beiden, nur hatte Nick nicht dran gedacht, dass er im Van nicht ausweichen konnte, und bekam den leicht angespeichelten Kaustreifen im nächsten Moment an den Kopf. AJ's Lippen hätten sich fast zu einem Lächeln verzogen, aber nur fast, denn dann fiel sein Blick auf Cat, die sich vertraut zu Marcus hinüberbeugte.
Was hatten die Beiden da privat zu bereden? Heiße, sinnlose Eifersucht stieg in AJ auf. War es nicht genug, dass er ständig an sie dachte, in der Nähe hatte ohne mit ihr reden zu können wie früher, musste sie ihm auch noch vor Augen führen, was er verloren hatte? Traurig wandte er sich ab. Er wollte seine Freundin wiederhaben. Er wünschte sich, die Zeit zurückdrehen und die Nacht ungeschehen machen zu können, die alles zerstört hatte. Hätte er bloß nie mit ihr geschlafen... dann hätte er zumindest noch immer eine Freundin...
Sein momentan einziger Lichtblick war sein freier Tag. Vielleicht konnte er ein paar Stunden ruhig meditieren und seine Gedanken ordnen. Vielleicht wurde es danach besser und sie konnten bald wieder normal miteinander umgehen. Auch wenn er fürchtete, dass ihre Freundschaft nie wieder so wurde wie zuvor.
He Chef, wenn Du mit willst dann steig aus.
Verwirrt schaute Cat auf und in das belustigte Gesicht von Marcus, der neben ihr stand und die Beifahrertür von außen geöffnet hatte.
Tatsächlich waren sie bereits am Flughafen. Cat war so in ihre Gedanken versunken gewesen das sie nicht einmal bemerkt hatte wie sie gehalten hatten.
Stumm und Müde schlich sie in den Flieger und ließ sich auf ihren angestammten Platz fallen.
Seid Marcus Worten war sie deprimiert und melancholisch. Sie hatte das so niemals gewollt.
Ungewollt musterte sie AJ als er den Flieger betrat und ein paar Reihen vor ihr seine Sachen deponierte.
War es an ihr mit ihm zu reden? Oder sollte sie warten bis ein wenig Gras über die Sache gewachsen war und er sich beruhigt hatte?
Sie konnte sich nicht entscheiden. Die letzten tage hatte er sich verändert. Sie konnte ihn nicht mehr einschätzen.
Eigentlich war er sogar absolut undurchsichtig geworden. Im Gegensatz zu den letzten Wochen die sie miteinander verbracht hatten.
Er kam ständig zu spät, war unzuverlässig, hielt sein Wort nur noch selten. War ständig schlecht gelaunt und was sich hinter der Sonnenbrille verbarg wusste schon seid Tagen niemand mehr.
Cat richtete sich in ihrem Sitz auf und musterte AJ noch ein wenig schärfer, wenn sie es nicht besser gewusst hätte
Sie war seid einer Woche bei keinem Treffen mehr gewesen
.
Nein, das konnte nicht sein. Er hatte Liebeskummer und sie hatte sich deswegen gefälligst Schuldig zu fühlen.
AJ starrte aus dem Fenster des Fliegers. Neben ihm stand seine Tasche auf dem Sitz, damit niemand auf den Gedanken kam sich neben ihn zu setzen. Seine Finger verkrampften sich miteinander, denn selbst hier, jetzt, unter all den Freunden und vertrauten Menschen kam das Verlangen hoch, ein paar Shots Jack Daniels zu kippen. Sonst hatte er das nur, wenn er allein zu Haus war und zu viel nachdachte. Aber jetzt war es da, das Gefühl die brennende Flüssigkeit zu benötigen, die heiß und beruhigend seine Kehle herunterrann.
AJ nahm die Brille ab und rieb sich über die Augen. Er war seit jener Nacht zwei Mal bei Anonymen Treffen gewesen, und die anderen Alkoholiker dort hatten ihm Mut zugesprochen. Ein Mal hatte er, statt zu schlafen, lange mit einem Anonymen gesprochen, weil der Drang zu trinken, das Bedürfnis die Minibar zu plündern, übermächtig geworden war. Aber da war er allein gewesen, nicht wie jetzt in Gesellschaft. Er konnte jetzt niemanden anrufen, das war unmöglich. Sie sollten nicht merken, wie schwach er war. Sie hatten doch so viel Vertrauen in ihn, vor allem Kevin war so stolz... Das musste er machen wenn er zu Haus war, allein und ungestört...
Ein dunkler Schatten fiel auf ihn, und als er hoch sah, nahm grade Kevin seine Tasche vom Sitz, um sich neben ihn zu setzen.
"Hier war doch noch frei, oder?" fragte er trocken.
AJ seufzte "Selbst wenn nicht, nimmst du auf so was wohl keine Rücksicht."
"Stimmt genau. Ich wollte mit dir reden, AJ, ich mache mir verdammte Sorgen um dich. Du brauchst mir auch nicht erzählen, dass nichts los wäre, damit haben wir uns lang genug abspeisen lassen. Ich glaube sogar zu wissen, WAS los ist..." Seine grünen Augen bohrten sich in AJ's braune, der vergessen hatte die Brille wieder aufzusetzen.
"Was zur Hölle hat Nick dir für einen Schwachsinn erzählt?" fragte AJ betont gelangweilt.
"Nick hat mir gar nichts erzählt, aber vielleicht sollte ich ihn mal fragen, ob meine Vermutung stimmt. Alex... Was immer zwischen dir und Cat passiert ist, kann es nicht wert sein, dass die Tour für dich und sie zur Hölle wird. Sie hat dir wehgetan, das seh ich, aber wir können sie nicht rauswerfen, und wir wollen es auch nicht, oder? Es würde außerdem nichts daran ändern, dass es wehtut, wenn du sie nicht mehr sehen würdest."
AJ rieb sich wieder über die Augen.
"Ja... nein... Du hast Recht... Ich will nicht, dass sie ihren Job verliert wegen mir, und ich mache es alles nur noch schlimmer... Ich versuche bereits dagegen anzugehen, glaub mir... Wenn ich eine Weile Ruhe hätte, denk ich so oft, könnte ich wieder zu mir kommen, aber hier auf Tour..."
AJ verstummte. Er hatte so viel gar nicht sagen und zugeben wollen, aber seine Müdigkeit ließ ihn wohl reden wie ein Wasserfall.
"Ich arbeite dran, Kev. Ich krieg das in den Griff." setzte er hinzu.
"Okay. Wenn du wen zum Reden brauchst, ich bin für dich da. Das sind wir alle."
"Ja, ich weiß. Danke, Alter."
Kevin nickte ihm zu und stand auf, um zu seinen Platz zurückzugehen und AJ seinen Freiraum zu geben.
AJ setzte seine Sonnenbrille auf, und starrte wieder aus dem Fenster. Er konnte nur hoffen, dass er das bald in den Griff bekam.
***
AJ hatte die Augen verdreht, als Howie anrief. Was bestimmt witzig ausgesehen hatte, wo er doch in Meditationsstellung saß, mit gekreuzten Beinen und innerlich ein 'Ommmmmmmm' rezitierte... Naja, fast.
Howie überredete ihn schließlich, mit zum Shoppen zu gehen. AJ lenkte nur aus 2 Gründen ein, erstens weil Howie ein echter Redekünstler war, und es einfacher und schneller ging mit ihm zu shoppen, als mit ihm zu telefonieren, und zweitens weil Shopping AJ's zweite Lieblingsbeschäftigung war. Also waren er und sein Bandkollege wenig später auf dem Sunset Strip, wo AJ hoffte alles mal eine Weile beiseite schieben zu können.
Nach unzähligen Stunden Schlaf, einem heißen Bad und einem ausgiebigen Frühstück im Bett überlegt Cat was sie mit ihrem freien Tag anstellen sollte.
Sie war die Ruhe um sich herum und so viel Freizeit schon gar nicht mehr gewohnt.
Und so sehr sie sich auf ein bisschen allein sein gefreut hatte
am frühen Nachmittag wurde es ihr zu langweilig.
Also schmiss sie sich in ein paar Jeans und ein bequemes Top, klemmte sich ihre Kreditkarte und beschloss sich etwas für die vergangenen vier Wochen harter Arbeit zu gönnen.
Sie ging Shoppen.
Sie war kaum auf dem Sunset angekommen, da hatte sie bereits die ersten Taschen in den Händen und ihre Kreditkarte um einiges erleichtert.
Cat hatte sich gerade ein kleines Cafe auf der gegenüberliegenden Straßenseite erspäht, als ihr Handy klingelte.
Umständlich, mit den Händen voller Einkäufe, kramte sie es aus der Tasche und ging ran.
Ja?
Hallo mein Sonnenschein, ich habe zwar keine Ahnung wo Du Dich gerade in der Weltgeschichte herum treibst, aber ich habe gedacht ich rufe Dich mal an.
Cat lächelte und Balancierte ihre Taschen um nichts zu verlieren.
Hey Billy, das ist aber nett dass Du an mich denkst.
Na, Du scheinst mich ja nicht sonderlich vermisst zu haben. So selten wie Du Dich meldest.
Es tut mir leid, aber ich hab so
wahnsinnig viel zu tun, ja ich weiß. Wie gehts Dir denn? Benehmen sich Deine Popstars?
Cat schnaufte. Wenn Billy wenigstens nicht so überschwänglich wäre.
Naja, wie man es nimmt. Wir haben heute frei.
Was heißt &Mac226;wie man es nimmt?
Naja, ein paar kleinere und ein paar größere Probleme
Eigentlich hätte Cat sich dankbar auf die nächste freie Bank fallen lassen sollen um Billy ihr Herz auszuschütten, jedoch fiel ihr im selben Moment ein, das sie ihn seid Chicago bereits nicht mehr angerufen hatte. Und das aus gutem Grund.
Würde sie ihm jetzt die ganze Story mit AJ erzählen würde er tödlich beleidigt sein erst jetzt davon zu erfahren.
Was heißt das? Mensch Caitlin, lass Dir doch nicht alles aus der Nase ziehen.
Cat seufzte.
Ach Billy, das ist alles nicht so einfach
Spann mich nicht auf die Folter. Was haben sie angestellt.
Die Jungs? Eigentlich gar nichts
eher ich
Was hast Du getan?
Cat zögerte einen Moment
Mit AJ geschlafen?
Sie verzog das Gesicht obwohl sie Billy weit weg wusste.
DU HAST WAS?
Für einige Sekunden herrschte Stille in der Leitung.
Cat, wie konntest Du? Was? Ich meine warum? Wieso
also
habt ihr
seid ihr
Und das erzählst Du mir erst jetzt?
Ja, ich weiß. Ich hätte Dich eher anrufen müssen, aber es ist alles nicht so leicht zu erklären. Wir.. ich
also
Miss Carlton, ich bin E-R-S-C-H-Ü-T-T-E-R-T.
Ja, ich auch.
Sie seufzte erneut und blickte auf die Rote Ampel vor sich. Sie wünschte sich auf einmal wieder zurück in ihr Büro. Mit Billy auf den Flur. Zu einer Zigarettenpause.
Ich werde Dich besuchen kommen!
WAS?
Ja, Du hast richtig gehört. Es scheinen sich ja Dramen abzuspielen bei euch. Die kann ich mir nicht entgehen lassen. Ich werde euch besuchen kommen. Wo seid ihr am Wochenende?
Aber
Kein aber
Du hast mit AJ geschlafen. Ich glaub es nicht. Aber von Nick hast Du doch die Finger gelassen, oder?
BILLY!
Ist ja schon gut. Also, wo seid ihr am Wochenende? Noch in den Staaten oder muss ich meinen Reisepass verlängern und ein Visum beantragen?
Cat schnaufte. Offensichtlich war Billy besorgter als sie es angenommen hatte. Hätte sie bloß früher mit ihm gesprochen.
Wir sind am Samstag in Vegas.
Vegas
wundervoll. Nach der Show gehen wir beide Essen und dann musst Du mir alles ganz genau erzählen.
Aber Billy, Du brauchst nicht
Ja, ja
ich hab Dich auch sehr gern. Bis Samstag sind nur noch ein paar Tage, ich muss mich um ein Flugticket kümmern. Ich melde mich später noch mal bei Dir
Bye.
*klack* Aufgelegt.
Cat runzelte die Stirn.
Komischer Mensch.
Sie klappte ihr Handy unter dem Kinn zusammen und dachte über das Gespräch mit Billy nach.
Als die Ampel auf Grün sprang, ließ sie sich von den anderen wartenden mitziehen, noch immer so sehr in Gedanken versunken, dass sie kaum auf die entgegen kommenden Menschen achtete.
AJ lief neben Howie her, beide Hände mit Tüten beladen. Bisher funktionierte es, er dachte kaum an etwas anderes als Farben, Passform, Größen und natürlich Totenköpfe. Wenn die fehlten, fehlte das gewisse Etwas, aber zur Not konnte man sie auch selbst anbringen. Und das sagte er grade zu Howie.
"Was denn... Etwa auch auf das Shirt mit den Knöpfen, das du grad gekauft hast?"
AJ wusste im Moment nicht so genau, welches Shirt gemeint war, aber ein Blick in die Tasche würde ihn bestimmt wieder erinnern. Also fing er an in jede Tüte zu spähen, was nicht so einfach war, wenn man dabei war geradeaus zu gehen. Und überhaupt... Warum sollte er es nicht mit Totenköpfen versehen?
"Natürlich auch das." antwortete er in eine der Tüten.
"Du kannst doch ein Seidenshirt nicht mit Totenköpfen..." Howie verstummte plötzlich und holte scharf Luft, im nächsten Augenblick stieß AJ mit jemandem zusammen.
"Vor... sicht..." kam es etwas spät von seinem Freund.
AJ hatte seine Taschen fallen lassen und die Person am Arm gefasst, die in ihn - oder vielleicht er in sie - hineingerannt war, damit keiner von ihnen stürzte. Was viel schlimmer war, dabei hatte er den Kopf hochgerissen und sah jetzt in wohlbekannte grüne Tiefen.
"Duuuu?" keuchte er entsetzt.
Cat starrte ihn mit weit aufgerissenen Augen an, doch dann fing sie sich.
"Wie wäre es, wenn du mich losließest? Dann könnten wir vielleicht die Straße frei machen." Hinter ihr hupten die ersten Autos.
"Das werde ich nur zu gern, wenn du die Güte hättest von meinem Fuß zu steigen..." zischte AJ durch die zusammengebissenen Zähne. Zugleich gab er seinen Händen den Befehl, von Cat fern zu bleiben, aber er hatte wenig Hoffnung, dass sie den besser befolgen würden als sein Herz...
Cats Herz machte einen Satz. Weniger vor Schreck als vor der Erkenntnis in wen sie da hineingerannt war.
So schnell sie konnte sammelte sie ihre Sachen zusammen und begab sich wieder auf den Bürgersteig.
He Cat, alles in Ordnung? Kaum in Sicherheit legte Howie ihr besorgt eine Hand auf den Rücken.
Cat nickte.
Ja, alles in Ordnung.
Wolltest Du nicht den ganzen Tag im Bett bleiben um endlich Ruhe vor uns zu haben?
Der sarkastische Unterton in AJs Stimme war nicht zu überhören.
Stell Dir vor, auch eure Assistentin braucht mal neue Klamotten. Zischte Cat.
Könnt ihr euch einmal wie Erwachsene benehmen? fuhr Howie dazwischen. Das ist ja nicht mehr auszuhalten mit euch. Verdammt!
Für eine Sekunde blickte Cat sprachlos auf Howie, dann raffte sie ihre Taschen zusammen und sah die beiden an.
Ich wünsche euch noch einen schönen Tag. Wir sehen uns morgen Nachmittag beim Soundcheck.
Sie straffte die Schultern und überquerte ohne ein weiteres Wort erneut die Strasse.
Oh Gott, etwas Schlimmeres hätte AJ an seinem freien Tag kaum passieren können... Warum musste er, von all den tausenden Leuten in LA, ausgerechnet in Cat hineinlaufen? Der Shoppingtrip war ihm gehörig vermiest.
"AJ... Mann, bleib stehen!"
Ihm fiel erst jetzt auf, dass er auf dem Bürgersteig dahineilte, noch dazu in die falsche Richtung, als Howies Worte ihn stoppten.
"Was?!"
"Ich weiß echt nicht, was mit dir... mit EUCH los ist, aber langsam nervt mich das wirklich! Könnt ihr euch vielleicht mal aussprechen und aufhören andere mit da rein zuziehen, ja?" Howie war echt sauer.
"Ja! Sicher! Entschuldige, dass ich lebe! Und dass ich Probleme habe erst recht!" AJ wollte weiterstapfen, noch immer in die falsche Richtung, doch Howie hielt ihn fest. Er seufzte tief.
"Verdammt, wir machen uns doch alle Sorgen um euch. Siehst du das eigentlich nicht?"
AJ blieb stehen. "Es ist meine Sache, Howie. Ich werde klarkommen, ich brauche nur Zeit. ZEIT, verstehst du? Ich habe aber keine Zeit, wir sind auf Tour!" Er seufzte. "Und selbst an meinen freien Tagen laufe ich ihr über den Weg, wie wir grade gesehen haben. Was soll ich denn machen?"
"Komm heut Abend mit in den Spider Club. Vielleicht bringt dich das auf andere Gedanken..." Howie stupste AJ freundschaftlich an. "Du darfst sogar deine Totenkopfweste anziehen..."
Ein kleines Lächeln erhellte AJ's Gesicht. Er hatte das Gefühl, es war das erste seit Tagen. Vielleicht war es das wirklich...