Chapter 19

Cat versuchte gar nicht erst noch ein oder Zwei Stunden Schlaf zu finden. Sie hatten etwa Acht Stunden Busfahrt vor sich und so mussten sie eh Zeitig aufbrechen.
Sie hatte ihre Taschen für die Weiterfahrt bereits lange vor allen anderen in der Hotel Lobby deponiert und das Frühstück hinter sich gebracht bevor die anderen auch nur daran dachten wach zu werden.
Solange wie möglich wollte sie den Jungs, den Fragenden Blicken sowie AJ aus dem Weg gehen.
Das Cap hatte sie tief ins Gesicht gezogen und die Sonnenbrille sollte wenigstens versuchen ihre müden Augen für eine Weile zu verstecken.
Johnny war der erste der um kurz nach sechs aus dem Frühstücksraum in die Lobby geschlichen kam.
Wortlos ließ er sich in der Sitzgruppe neben sie in einen der Sessel fallen. Auch er sah so aus als wäre seine Nacht lang gewesen. Vermutlich aber aus anderen Gründen…
„Die Jungs schleichen grade zum Frühstück. Wir müssen in spätestens einer Stunde los, sonst wird’s eng. Meinst Du, Du kriegst sie dazu einigermaßen pünktlich in den Bus zu steigen?“
Johnny gähnte herzhaft.
„Mir bleibt nichts anderes übrig, oder?“ maulte Cat ungehaltener als sie es vor gehabt hatte.
„Oh, lange Nacht gehabt oder einfach nur schlecht geschlafen?“
Der Schlecht gelaunte Unterton in Cats Stimme war Johnny nicht entgangen.
Cat warf Johnny einen abschätzenden Blick zu und stand auf.
„Ich werde mir noch einen Kaffee organisieren bevor wir losfahren. Soll ich Dir einen mitbringen?“

AJ kam mit gepackten Taschen zum Fahrstuhl, die dunkelste und größte seiner zahlreichen Sonnenbrillen auf der Nase.
Fast lief er in Nick hinein, der, sich verschlafen die Augen reibend, davor stand.
"Hey, mach mal langsam Bone... Siehst du eigentlich überhaupt wo du hingehst?" Nick wedelte dicht vor seiner Sonnenbrille herum.
"Pass auf deine Hand auf, sonst fällt sie noch ab." knurrte AJ.
Nick hielt inne. "Okay, wo kommt deine schlechte Laune her? Nach dem Anblick, den Cat und du gestern Abend geboten habt, hätte ich erwartet, dass du ein zufriedenes Grinsen zur Schau stellst. Was ist passiert?"
AJ hatte bei Nicks Worten die Lippen immer fester zusammengepresst und hämmerte jetzt seine Faust auf den Rufknopf des Fahrstuhls.
"Nichts was dich etwas angeht."
Nicks Blick wurde mitfühlend. "Tut mir verdammt leid, Alex. Ich dachte, sie würde dich mögen, es sah wirklich so aus..."
AJ begann sarkastisch zu lachen, darin ging das Signal der sich öffnenden Fahrstuhltüren fast unter. "Oh, sie mag mich... Jede mag mich... Bis zum Orgasmus lieben sie mich alle..."
Nick starrte ihn mit großen Augen an.
Als sein Freund keine Anstalten machte, ging AJ in den Lift und drückte die Taste der Lobby. Durch das dunkle Glas seiner Brille erwiderte er Nicks Blick, bis sich die Türen zwischen ihnen schlossen.
Nick war fassungslos und während er einige Sekunden später erneut den Knopf für den Fahrstuhl drückte, betete er inständig dass er die Worte seines Kollegen einfach nur falsch verstanden hatte.
Mit Sicherheit war es anders gemeint als Nick es aufgefasst hatte. Cat arbeitete schließlich für sie. Sie waren noch so lange gemeinsam unterwegs… das konnte einfach nicht sein. Außerdem hatten die beiden sich doch so gut verstanden und soviel Zeit miteinander verbracht…
„He Nick, schläfst Du noch? Sieh zu das Du in den Fahrstuhl kommst.“
Howie, der voll gepackt mit Taschen hinter ihm stand riss Nick jäh aus seinen Gedanken.
„Sorry, ich… war in Gedanken.“ Stammelte er und nahm seine Tasche hoch.
„Warum? Kannst Du Dich nicht mehr an ihren Namen erinnern?“ Howie grinste schief.
Doch Nick reagierte kaum auf den deplazierten Scherz seines Bandkollegen.

AJ hatte Johnny und Cat sofort bemerkt, doch er ignorierte beide, als er durch die Lobby ging und seine Tasche einfach vor dem Tresen fallen ließ.
Es tat weh. Es tat so gottverdammt weh, dass AJ auch gern jemandem wehgetan hätte. Das verrückteste war, er liebte sie trotzdem, und er konnte IHR nicht wehtun. Vielleicht hätte er, statt die halbe Nacht zu weinen und zu fluchen, Kevin wecken und ihn um einen Boxkampf bitten sollen. An Kevin als Sparringspartner, hätte er sich abreagieren können... Vielleicht wären Wut und Enttäuschung dann verschwunden.
Aber die Liebe nicht... Was nutzte all das, wenn er weiter hinter Cat herstarrte wie ein liebeshungriger Kater...
Er holte sich einen Kaffee und ließ sich auf einen Stuhl fallen. Er hatte keinen Hunger und er war leider viel zu wach für die Uhrzeit. Und obwohl er fast eine halbe Stunde geduscht hatte, verfolgte ihn noch immer Cats süßer Duft und verschlechterte seine schlechte Laune noch mehr.
So kam es, dass er nicht aufsah, als die Anderen eintrudelten. Am liebsten hätte er jetzt ein Schild zur Hand gehabt, mit der Aufschrift 'Mach einen großen Bogen um mich, oder stirb.', aber das hätte die Jungs wohl auch nicht davon abgehalten sich zu ihm zu setzen, sondern sie eher noch ermuntert...
Cats Begeisterung hielt sich in Grenzen als sie den Frühstücksraum betrat und sah dass sich alle Fünf Jungs an einem Tisch zusammen gefunden hatte.
Gerne wäre sie ihnen noch eine Weile aus dem Weg gegangen, doch es nützte nichts. Trotz allem musste sie ihren Job machen und das noch weitere Drei Monate. So oder so.
Sie konnte nicht einfach aussteigen und eigentlich war sie ja auch selber Schuld. Vielleicht hätte sie am Abend zuvor einmal ihr Hirn einschaltet sollen.
Sie ließ sich von dem jungen Mädchen, das offensichtlich zum Hotel gehörte und offensichtlich ziemlich nervös war, Zwei Plastikbecher mit Kaffee bringen und rührte ihren Zucker länger als nötig ein, bevor sie sich schließlich zusammen nahm und zu den Jungs an den Tisch trat.
Cat warf nur einen Oberflächlichen Blick in die Runde und vermied es trotz Sonnenbrille AJ länger als nötig anzuschauen.
„Guten Morgen die Herren. Ich hoffe ihr habt gut geschlafen. Ihr habt noch ziemlich genau eine Stunde für euer Frühstück. Wer bis dahin seine Taschen nicht nach unten gebracht hat muss ohne Fahren. Wir haben etwa Acht Stunden Busfahrt vor uns und ich möchte euch bitten dass wir einigermaßen Pünktlich los kommen, ansonsten müsst ihr ohne Soundcheck leben.“
Erneut warf sie einen Blick in die Runde und versuchte ein wenig eindringlicher zu schauen, doch als ihr Blick an AJ hängen blieb war es mit ihrer Autorität dahin und ihr schlechtes Gewissen überkam sie erneut.
AJ spürte Nicks Blick auf sich, der beunruhigt zwischen ihm und Cat hin und her sah, als sie an den Tisch trat. AJ konnte nicht anders, als sie anzusehen, sich das Gefühl ihrer Lippen ins Gedächtnis zu rufen. Sie hielt ihre kleine Morgenansprache, aber die ging völlig an ihm vorbei. Er hatte nur ihre kleinen Lustschreie, und wie sie seinen Namen stöhnte, im Ohr. Er sah sie, wie sie nackt auf ihm saß und ihre Spielchen mit ihm spielte, um ihn wahnsinnig zu machen... Im Augenblick machte sie ihn hart.
Cat fixierte ihn jetzt, mit ihrem 'tut bloß was ich will, sonst gibt’s Ärger'-Blick. Er wusste, sie konnte seine Augen nicht sehen, und darüber war er froh. AJ sah demonstrativ weg, wandte den Kopf dabei von ihr ab.
"Aber sicher, BOSS." meinte er, das letzte Wort überdeutlich betonend. Er ignorierte die verwirrten Blicke der anderen und Nicks eindeutig besorgten, als er aufstand und den Raum verließ. Er konnte genauso in der Lobby warten, bis sie alle soweit waren.
Cat holte tief Luft bevor sie den anderen noch einmal zunickte und ebenfalls den Frühstücksraum wieder verließ.
Eins war klar. Sie musste mit ihm reden. SO würden sie beide keine Monatelange Tour überstehen.
Es brodelte in ihr als sie die Lobby betrat und sah das AJ bei Johnny saß, in der kleinen Sitzgruppe in der sie noch vor ein paar Minuten gesessen hatte.
Hätte sie gewusst das AJ sich aufführen würde wie ein Mädchen, wäre sie am vergangenen Abend direkt in ihrem Zimmer geblieben.
Sie hatte ihm nicht wehtun wollen, doch was hatte sie für eine Wahl? Sie waren Freunde, Ja… aber war da wirklich etwas das auch Cat öffentlich vertreten konnte?
Wortlos übergab sie Johnny seinen Kaffee ohne AJ eines Blickes zu würdigen und machte sich auf den Weg vor das Hotel, um der Crew beim Packen des Busses zur Hand zu gehen und ihre Sachen zu verstauen die sie während der Fahrt brauchen würde.
Sie hatte eine Menge Dinge aufzuarbeiten. Abby hatte ihr ein paar Dinge aus dem Büro zugefaxt die sie noch sichten musste und so war Cat sich sicher das sie den weg nach Minneapolis gut hinter sich bringen konnte ohne sich unterhalten zu müssen.

Als AJ den Bus betrat, saß Cat schon drin und beugte sich geschäftig über irgendwelche Unterlagen. Er versuchte sie zu missachten, aber er konnte den Gedanken nicht verdrängen, wie gern er ihr Haar aus dem Haarband befreit hätte und mit den Fingern hindurch gefahren wäre.
Trotzig setzte er sich so, dass er sie nicht sehen musste, und holte seinen MP3-Player heraus. Musik konnte nicht schaden, bei Musik musste er nicht denken. Er dachte sowieso viel zu viel und an die falschen Dinge. Gern hätte er jetzt ein paar Tage frei gehabt und nur geraucht und vor sich hingestarrt, bis seine Gedanken und Gefühle kein Chaos mehr bildeten und um ihn anrichteten.
Hinter sich hörte er Kevins Stimme, die ihn ansprach, aber er gab vor seinen Freund nicht zu hören. Er konnte beinahe sehen, wie Kevin mit den Schultern zuckte und sich an Nick wandte.
"Marcus hat mir grade von eurem kleinen Abenteuer, gestern Abend in der Bar, erzählt. Was war denn genau los?"
Nick dämpfte seine Stimme, er schien nicht zu wollen, dass AJ ihn hörte, aber der hatte den Finger auf dem Player und die Musik im Mute-Modus.
"Ein völlig Betrunkener hat sich an Cat rangemacht, und wir sind dazwischen gegangen. Marcus hat ihn dann rausgeworfen und wir haben ihm ein bisschen gedroht. Das war schon so ziemlich alles."
AJ registrierte Nicks vorsichtigen Blick in seine Richtung und drehte die Musik wieder auf, laut genug, das er keinen mehr hörte.
Sie waren Ritter in strahlender Rüstung... Aber nur im Märchen bekam man, nach Bezwingung des Drachen, die Prinzessin.
Auch Cat bekam Bruchstücke des Gesprächs zwischen Kevin und Nick mit. Doch sie versuchte das ganze so gut es ging zu ignorieren. Der Abend war schlimm genug gewesen und die Nacht brachte ihr noch Nachträglich Bauchschmerzen.
Sie schob ihre Nase noch ein wenig tiefer in ihre Dokumente und las zum ungefähr fünften mal den Abschnitt eines Vertrages, dann gab sie auf.
Sie konnte sich einfach nicht konzentrieren. Immer wieder hatte sie Bilder der letzten Nacht vor Augen.
Wie AJ sie über die Türschwelle getragen und mit nur einem einzigen Kuss ihre ganze Welt hatte Kopf stehen lassen…
Sein trauriger Gesichtsausdruck als sie versucht hatte ihm zu erklären das eine Beziehung keinen sinn machte… war sie zu Egoistisch gewesen?

AJ sah nach draußen, beobachtete die Landschaft, die an ihm vorbeiflog. Die Musik war aus, er hatte es nicht mal bemerkt. Er wusste, dass er sich grade blöd benahm. Ganz ehrlich, so wie er sich aufführte, war es gut, dass Cat nicht mit ihm zusammen sein wollte... Wäre ihre Beziehung im Streit geendet, hätte er ihr vielleicht das Arbeiten vermiest. Er war ja jetzt schon auf dem Wege dahin... Aber er konnte ihre Nähe im Moment einfach nicht ertragen... Er brauchte Zeit, um seine Wunden zu lecken und nachzudenken. Nur bekam er genau die jetzt nicht... Er nahm die Brille ab und rieb sich die geröteten Augen. Noch wie lange? Drei Monate? Irgendwie musste er das...
Cat ging an ihm vorbei, nach vorn. Sein Blick wurde magisch von ihrem Po angezogen, ihren leicht schwingenden Hüften. Wieder wurden die frischen Erinnerungen wach, wie er ihr dabei zugesehen hatte, wie sie sich in den Hüften gewiegt hatte, wie er sich dabei in ihr bewegt hatte... Das leichte Wippen ihrer schönen, vollen Brüste, deren Spitzen sich unter der Reibung seiner Daumen aufrichteten...
Die Hose wurde ihm zu eng. Er zupfte nervös am Jeansstoff, um mehr Platz zu haben, und wünschte sich einen Augenblick lang inständig seinen Freund Jack Daniels herbei, um den Schmerz in seinem Herzen zu betäuben.

„Johnny, ich brauche Deine Unterschrift.“ Missmutig war Cat ihrem Boss und Partner ein paar Unterlagen in den Schoss.
„Muss das jetzt sein?“ die mürrische antwort bestätigte Cat das Johnny unter seiner Sonnenbrille die Augen bereits geschlossen hatte.
„Bis Minneapolis brauch ich Deine Kreuze damit ich es umgehend zurück faxen kann.“
Eigentlich war Cat es egal ob Johnny seine Unterschrift jetzt oder in Drei Tagen auf das Dokument setzte, doch sie brauchte etwas zu tun und hatte gehofft das Johnny wie sonst auch die Unterlagen noch einmal mit ihr Besprechen würde. Doch weit gefehlt. Allgemein war es im Bus sehr ruhig zu dieser frühen Stunde und Cat konnte AJ’s Blicke auf ihrem Rücken spüren und hatte nicht den Drang gleich wieder kehrt zu machen.
„Bis dahin haben wir noch mindestens wenn nicht noch mehr Zeit.“
Innerlich fluchte Cat. Für einen Moment schloss sie die Augen hinter ihrer eigenen Sonnenbrille und seufzte leise.
„Ich lass Dir die Unterlagen da. Sag bescheid wenn Du von den Toten auferstanden bist.“ Ein wenig beleidigt machte Cat kehrt um wieder auf ihren Platz zurück zu wanken.
Sie hasste die langen Busfahrten mittlerweile. Es war unbequem, trotz allen Komforts, man hatte einfach keinen Bewegungsfreiraum und vor allem keinen Platz um sich aus dem Weg zu gehen. Zum Schlafen war es zu laut und zu holprig…
Auf AJ’s Höhe verstärkte sich Cats Griff in die Lehnen der Sessel um nicht zu fallen doch vielleicht war sie zu ungläubig als das Gott Gnade mit ihr hatte.
Ein Schlagloch ließ sie unsanft direkt in AJ’s Arme fallen…
Mit allem hatte er gerechnet, aber bestimmt nicht damit, dass Cat plötzlich direkt auf seinem Schoß fiel... Er konnte sie so eben auffangen, ehe sie genau dort landete, wo es wehtat. Er wurde eingehüllt in ihren Duft, seine Hände umschlossen ihre Taille und ihre Brüste pressten sich eng gegen seinen Körper.
In Erinnerung an erlebte Freuden, begann sein kleiner Freund leicht zu zucken.
Entsetzt stellte AJ Cat wieder auf ihre Füße und sprang auf, wobei er seinen Pullover von der Lehne des nächsten Sitzes riss und damit unauffällig herausragende Teile seiner Anatomie verdeckte.
"Kannst du nicht aufpassen?!" fuhr er Cat an. Dann schob er sich an ihr vorbei, Richtung Toilette, dem einzigen Ort wo er eine Weile ungestört war und sich hoffentlich abregen konnte.
„Was war das denn?“ fragte Cat mehr sich selbst als einen der Anwesenden, denen dieses Schauspiel natürlich nicht entgangen war.
„Cat alles in Ordnung?“ Kevins Stimme drang von weiter hinten nach vorne und sie tat nichts anderes als stumm zu nicken und immer noch Sprachlos hinter AJ her zu schauen.
Seufzend ließ sie sich einen Moment später wieder an ihren Angestammten Platz sinken und sah nachdenklich hinaus und dabei zu wie die Landschaft ungesehen an ihr vorbei rauschte.
Sie musste etwas tun. Wenn AJ sich nicht in den nächsten Tagen wieder beruhigen würde, musste sie sich etwas einfallen lassen. Und wenn es im Zweifelsfalle ihre Kündigung bedeutete.
Aber wie lange sollte es unter diesen Umständen gut gehen? Wer weiß wie AJ sich erst in ein Paar Tagen oder, noch weiter Gedacht, Wochen aufführen würde. Die ganze Geschichte würde nur Unruhe in die Crew bringen und das konnte sich bei dem Termindruck niemand leisten.
„Darf ich?“
Nick riss Cat unsanft aus ihren Gedanken.
„Ähm.. klar. Setz Dich.“
Natürlich saß Nick längst und schaute Cat unverwandt an.
„Was ist?“ wollte sie wissen.
„Was ist passiert?“ fragte er schließlich, lehnte sich auf den Tisch der sich zwischen ihnen befand und klappte ungefragt Cats Laptop zu.
„Wie was ist passiert? Hast Du doch gesehen. Ich bin gefallen.“
„Davon rede ich nicht.“
„Sondern?“
"Ich meine, was da letzte Nacht zwischen euch vorgefallen ist. Alex ist nicht er selbst. Du hättest hören sollen, was er im Hotel zu mir sagte... Also, was war los?" Nicks sonst so schelmische Augen blickten todernst.
"Glaubst du ernsthaft, ich würde dir jetzt haarklein beschreiben, was wir getan haben?" wollte Cat ironisch wissen.
"Mich interessiert nur, was zwischen dem Augenblick passierte, als eure traute Zweisamkeit vorbei war, und dem, als sich die Tür hinter dir schloss."
Cat nahm ihren Kugelschreiber auf. "Dann wollen wir dich mal aufklären... Also, nachdem das Bienchen sehr fleißig war und dem Blümchen den Nektar ausgesaugt hatte, fing das Blümchen an über die Folgen nachzudenken. Es war schließlich für fünf Pop-Drohnen verantwortlich, und wenn eine Zusammenarbeit klappen sollte, konnte sie nicht die Tankstelle eines einzelnen Bienchens werden. Genau das habe ich AJ gesagt."
Sie tat, als würde sie etwas notieren.
Nick verschränkte die Arme.
"Vielleicht bin ich ja zu blond, aber... Du hast ihm also gesagt, du willst nichts von ihm, und dass dein Beruf zwischen euch steht?"
"Der und die ganze Musikwelt, ja." Cat sah von ihrem Gekritzel nicht auf.
"Ist dir zwischendurch mal der Gedanke gekommen, dass AJ dich nicht mit auf sein Zimmer nahm, weil er das mit jedem erreichbaren Rock macht, sondern weil er etwas für dich empfindet? Hast du ihn eigentlich schon mal mit einer Frau gesehen, Crewmitglieder mal ausgenommen? Er war drauf und dran sich mit mir anzulegen, weil ich dich angesehen und spekuliert habe, dir näher zu kommen..."
Cat hielt in ihrem Gekritzel inne.
„Nich’ Dein ernst.“ Fragte sie halb belustigt, halb überrascht nach.
„Doch, aber das tut nichts zur Sache.“
Cat musterte Nick einen Augenblick, bevor sie sich auf den Tisch lehnte und die Arme verschränkte.
„Okay… Hör zu Nick, ich weiß das AJ es nicht getan hat um seine Hormone zu befriedigen. Genauso wenig wie ich. Es hat sich letzte Nacht so ergeben und es hat keiner von uns über eventuelle Folgen nachgedacht. Fakt ist das eine Beziehung zwischen mir uns Alex nicht funktionieren würde und wenn ich ehrlich bin… Ich hatte Alex für so Erwachsen gehalten, das er das trennen kann.“
„Das er was trennen kann? Diese Welt…“ er tippte auf den Tisch um seinen Worten Nachdruck zu verleihen „…und die da draußen? In die wir schon längst nicht mehr gehören?“
Cat nickte stumm und konnte dabei zusehen wie Nick für einen Moment schrecklich Erwachsen wurde.
„Jetzt hör mir mal zu Cat, ich mag jünger sein als Du, aber was das hier betrifft bin ich der ältere von uns beiden und wenn ich Dir einen Rat geben darf… Hör auf so einen Schwachsinn zu reden. Du gehörst seid über einem Monat genauso in diese Welt wie wir alle. Auch wenn diese Tour irgendwann vorbei ist und Du wieder bei Joe im Büro sitzt und Deine Papiere wühlst… Ich schwöre Dir dass es nie wieder das gleiche sein wird wie vor dieser Tour. Du bist ein Teil davon, also hör Gottverdammt damit auf Dich, uns oder die Crew in Zwei Welten zu teilen.
Was auch immer Dich die letzten Wochen mit Alex verbunden hat, hat wohl mehr als deutlich bewiesen dass eure Welten schon längst zusammen gehören. Welche auch immer das sind. Also erzähl mir nicht dass es nicht funktionieren würde, bloß weil es für Dich vielleicht zu unbequem ist ein Leben in der Öffentlichkeit zu führen. Denn eigentlich tust Du es längst. Du hast es nur noch nicht begriffen.“
Mit hochrotem Kopf und deutlich aufgebracht stand Nick auf und begab sich in den hinteren Teil des Busses um AJ abzufangen.

AJ wusch sich das Gesicht und schaute dann in den kleinen Spiegel. Seine Augen waren rot gerändert und blickten ihn müde und enttäuscht an. Angewidert von sich selbst, setzte er seine Sonnenbrille wieder auf und verließ die Toilette. Er ging nach hinten zu den Kojen, um sich etwas hinzulegen. Selbst wenn er nicht schlief, wollte er sich wenigstens entspannen.
Aber es kam nicht dazu, denn in dem Augenblick, in dem er sich hinlegte, tauchte Nick neben ihm auf.
"Ich muss mit dir reden."
AJ seufzte. "Hat das nicht Zeit bis später... Ich hab nicht gut geschlafen letzte Nacht, und ich würde gern etwas Schlaf nachholen."
"Du kannst doch sowieso nicht schlafen, also kannst du mir genauso gut zuhören."
AJ seufzte. "Okay, was hast du auf dem Herzen..."
"Hör mal, Cat ist nicht die einzige Bienenkönigin..."
"Nick, wovon zur Hölle redest du..."
"Es gibt andere schöne Frauen, McLean, die dich toll finden, ob Orgasmus oder nicht. Ich weiß wie du dich fühlst, ich weiß, dass es wehtut zurückgewiesen zu werden. Aber wenn sie dich nicht liebt, ist sie deine Liebe auch nicht wert."
AJ sah ihn über den Brillenrand unverwandt an. "Und was, wenn ich nicht wert bin von ihr geliebt zu werden?"
Darauf wusste Nick keine Antwort und AJ zog die Vorhänge zwischen ihnen zu. "Gute Nacht, Nick."

Chapter 20