Chapter 10
Seid Beginn des Kick Offs schien die Zeit plötzlich verschluckt zu werden.
Ich hatte keine Zeit mehr mir Gedanken um irgendwelche Dinge zu machen oder mich selbst an die Bedingungen zu halten die ich Joe gegenüber genannt hatte.
Nach dem Gig in Atlanta blieb Leighanne mit Baylee für einige Zeit zu Hause, da der kleine Kränkelte und niemand ihm weiterhin den Stress und der Hektik der Tour aussetzen wollte.
Die Jungs fanden schnell ihren Alltag.
Ich hingegen befand mich in einer Art Rausch. Arbeitete von morgens früh bis spät in die Nacht und gewöhnte mir schnell an vor den anderen aufzustehen und ausgiebig zu Frühstücken.
Auch an unserem als freien Tag deklarierten Tagen war ich meist vor allen anderen wach und arbeitete liegen gebliebenes ab.
Als wir nach knapp einer Woche, mitten in der Nacht in New York ankamen, war an Schlaf kaum zu denken, da die Jungs noch viel zu sehr von ihrem vorangegangenen Konzert aufgedreht waren und sie unbedingt jeden Autogramm und Fotowunsch ihrer Fans erfüllen mussten.
Ich hatte mir längst abgewöhnt ständig an ihrer Seite sein zu müssen. Auch wenn dies meine eigentliche Aufgabe war, aber solange keine Termine innerhalb der nächsten Minuten anstanden, verzog ich mich lieber.
Und so nahm ich das erste Mal seid Wochen meinen privaten Terminkalender zur Hand und machte es mir auf meinem Hotelbett bequem.
Um sicher zu gehen dass ich niemanden aus dem Bett holte, schickte ich nur eine kommentarlose SMS mit der Durchwahl zu meinem Zimmer an die Nummer die ich längst auswendig kannte.
Keine Zwei Minuten später klingelte das Telefon.
Hey Rich!
Hallo Kleines, wie geht es Dir?
Danke, ich kann nicht klagen.
Warum bist Du um diese Nachtschlafende Zeit noch auf?
Ich seufzte.
Die Arbeit. Wir sind gerade aus Cleveland in New York angekommen
Ach stimmt, Du hattest da bei unserem letzten aufeinander Treffen so etwas erwähnt, Popstars und Welttournee und so
Rich Kicherte.
Ja ja, verspotte mich noch. Ich habe mich nicht um diesen Job gerissen.
Ich weiß Kleines. Wie gefällt es Dir denn?
Das Tourleben? So wirklich schlüssig bin ich mir noch nicht, aber ich glaube das es mir eigentlich gefällt.
Eigentlich?
Na ja, es ist wahnsinnig anstrengend, aber die Jungs sind alle wirklich sehr nett. Ziemlich Chaotisch, aber sehr nett. Mein Chef treibt mich in den Wahnsinn mit seiner Hektik, aber er ist in Ordnung.
Belastet Dich der Stress?
Nein, nicht sonderlich. Mir macht nur zu schaffen das ich nicht besonders viel Schlaf bekomme. Aber als eine von einer Handvoll Frauen und als einzige die Mitten drin ist und nur Kerle um sich rum hat muss ich da wohl durch.
Ich hoffe Du kommst nicht auf dumme Ideen.
Keine Sorge Rich, es geht mir gut.
Bist Du Dir sicher? Wie kommst Du mit dem ganzen Stress zurecht? Wird viel gefeiert?
RICH! Hör auf mit Deinem Psychogequatsche
Es geht mir gut und ich werde auch nichts anstellen.
Warum wolltest Du dann mitten in der Nacht mit mir Sprechen?
Weil ich Dich fragen wollte ob Du zufällig meiner Bitte von neulich nachgekommen bist. Da wir noch eine weitere Nacht in New York bleiben, dachte ich, ich könnte eventuell ein wenig Zeit finden und sie sinnvoll nutzen.
Ach so, sag das doch gleich. Natürlich habe ich daran gedacht. Ich habe sogar richtig gute Neuigkeiten für Dich wenn Du noch eine Nacht länger in New York bleibst. Morgen Abend um halb Zwölf und am Donnerstagmorgen um Zehn gibt es ein offenes Meeting. Ich habe mit einem alten Freund gesprochen. Simon! Er würde sich freuen Dich kennen zu lernen. Er hat heute Abend Dienst. Ich war so frei und habe ihm von Deiner Situation erzählt
Er sagte Du kannst Dich jederzeit melden.
Ich danke Dir Rich, aber erkläre mir mal bitte wie man auf die Idee kommt nachts um halb Zwölf ein Meeting abzuhalten.
Du bist in New York Baby, wundere Dich über nichts. Ich werde Dir die Adresse und seine Telefonnummer geben
***
Der nächste Tag und das Konzert waren wie alle vorangegangenen auch, mit dem einzigen Unterschied, das ich mich dieses mal nach dem Konzert nicht mit den Jungs oder Crew noch in der Bar traf und etwas trank, sondern für kurze Zeit auf mein Zimmer verschwand um mich etwas frisch zu machen, bevor ich mich durch die Tiefgarage aus dem Hotel schlich und in das dort wartende Taxi stieg.
Nach einer etwa Fünfzehnminütigen Fahrt bezahlte ich den Fahrer und machte mich auf den Weg in das nur noch leicht erhellte Gebäude vor dem ich ausgestiegen war.
Ich brauchte nicht lange suchen, da wiesen mir Schilder bereits den Weg und nach ein paar Minuten hatte ich eine offen stehende Tür gefunden neben der ein verblasstes Türschild hing auf dem der Name Simon Walsh prangte.
Ich sah vorsichtig um die Ecke und klopfte anstandshalber an.
Ja bitte?
Ein ziemlich jung gebliebener Mittvierziger sah von seinem Computer auf.
Hi, erm
Simon?
Der bin ich.
Hallo, mein Name ist Cat. Ich bin eine Freundin von Richard
Das ist aber nett dass Du den Weg zu uns gefunden hast Cat. Richard hat mich ja bereits informiert.
So schnell wie Simon mir ins Wort gefallen war, war er auch schon um seinen Schreibtisch herum und gab mir die Hand.
Setz Dich doch, möchtest Du etwas trinken? Richard hat mir von Deinem Job erzählt, muss ziemlich anstrengend sein, möchtest Du vielleicht einen Kaffee? Es ist schließlich schon spät.
Ich winkte dankend ab, nahm auf einem freien Stuhl vor dem weißen Schreibtisch platz und sah dabei zu wie Simon die Kaffeekanne leerte. So schnell wie er redete vermutete ich dass er bereits Zwei davon getrunken hatte.
Nachdem er wieder Platz genommen hatte musterte er mich einen Moment.
Du weißt dass es ein offenes Meeting ist? Und Al-Anons teilnehmen? fragte er und wirkte auf seltsame art plötzlich sehr ruhig und gelassen.
Ich nickte.
Ja, ich habe letzte Nacht bereits mit Rich gesprochen.
Ok, ich denke das ich dann keine großen Reden mehr Schwingen muss. Rich wird Dir sicher alles über den Ablauf erklärt haben.
Ich nickte Nachdenklich.
Eigentlich hatte Rich mir gar nichts erzählt.
Dennoch folgte ich Simons Aufforderung mit ihm gemeinsam das Büro zu verlassen.
Während wir den schwach erleuchteten Korridor entlang gingen, erzählte Simon mir das er Rich bereits seid etlichen Jahren kannte und es bedauerte das man sich so selten traf.
Ich versuchte möglichst aufmerksam zuzuhören, immer darauf bedacht einen Fuß vor den anderen zu setzen.
Nach ihnen junge Frau.
Simon deutete auf eine offen stehende Tür aus dem Undeutliches Stimmenwirrwarr kam.
Ich trat vor ihm ein und warf einen kurzen Blick in die Runde.
Ich schätze etwa Zehn Leute in dem Raum verteilt, die allein oder in kleinen Gruppen von Zwei oder vielleicht drei Leuten zusammenstanden und sich unterhielten.
Simon schloss die Tür hinter uns und schob mich ein Stückchen weiter in den Raum, ehe er einige der Anwesenden Begrüßte.
Ich hingegen nahm mir den erstbesten Stuhl an dem großen Tisch der so ziemlich das einzige Einrichtungsstück war, griff nach einem Wasser das bereit stand und hielt mich daran fest.
Kurz darauf nahm Simon neben mir Platz und bat auch die anderen Anwesenden sich zu setzen.
Er raunte mir etwas zu das ich nicht verstand, also wandte ich mich ihm zu, doch er sah mich nicht an sondern nickte nur grüssend über den Tisch, als mein Blick ihm folgte, sah ich in das sichtlich überraschte Gesicht von AJ