Chapter 7

„Hallo, was kann ich für Sie tun?“
Eine Dame mittleren alters sah mich über den Rand ihrer Lesebrille an als ich an den Empfang in Johnny Wrights Büro trat.
„Guten Tag, mein Name ist Caitlin Carlton. Ich bin mit Mister Wright verabredet.“
„CAT!“ Ihr Gesicht hellte sich schlagartig auf und ein breites Lächeln bildete sich auf ihrem Gesicht, doch ich konnte nichts anderes tun als verstört auf sie hinunter zu schauen. Sie stand auf und reichte mir die Hand.
„Ich bin Jane, wir haben die letzten Tage und Wochen miteinander Telefoniert.“
Jetzt lächelte auch ich und ergriff die Hand die sie mir noch immer reichte.
„Hallo“, begrüßte ich sie erneut, nun jedoch weitaus entspannter als noch eine Minute vorher. Obwohl wir nur Telefoniert hatten, fühlte ich mich auf einmal nicht mehr ganz so fremd und deplaziert.
„Johnny wartet schon auf Dich. Ich bring Dich zu ihm. Die Herren der Stunde sind natürlich wie immer zu spät. Da hast Du Dir wirklich was vorgenommen. Stell dich schon mal auf einen ganz schönen Nervenkrieg ein. Die Herren kommen immer und überall zu spät. Die haben so etwas wie eine eigene Uhrzeit. Die allerdings nie mit der irgendwelcher Veranstalter übereinstimmt.“
Jane redete in einer Tour, während sie vorweg ging und mich zum Büro von Mister Wright führte.
Ich trabte geduldig hinterher und schmunzelte leicht, auch wenn das was Jane mir erzählte nicht sonderlich gefiel, so musste ich doch über ihren Redeschwall lächeln. Ich fragte mich ob sie immer so war oder ob sie einfach aufgeregter war als ich.

„Johnny?“
„Was gibt’s Jane? Sind die Jungs da?“
„Mit denen kann ich leider nicht dienen aber Ihre Verstärkung ist da.“
Jane griff nach meinem Arm und zog mich hinter sich vor um mich in das geräumige Helle Büro von Mister Wright zu schieben.
„Johnny, das ist Cat, Cat – Johnny. “
So kurz und knapp wie sie uns einander Vorgestellt hatte, so schnell war sie auch schon wieder verschwunden.
„Hallo Cat, schön dass wir uns auch endlich mal kennen lernen. Kommen Sie, setzen Sie sich.“
Er deutete auf eine kleine Schwarze Ledercouch und einen dazugehörigen Sessel in der Ecke vor der ein Glastisch mit ein paar Getränken stand.
Ich setzte mich auf die Couch und sah mich im Büro um, während er es sich in dem Sessel gemütlich machte.
„Es tut mir leid das ich nicht die Möglichkeit gefunden habe das wir uns vor dem heutigen Tage schon einmal treffen, das ganze muss Sie ziemlich überrumpelt haben.“ Sprachs und nahm sich ein Wasser vom Tisch.
„Das kann man so sagen, Ja.“ Lächelte ich und musterte mein Gegenüber.
„Hat Joe Sie denn soweit es ging auf alles vorbereitet oder haben Sie noch fragen?“
„Ich denke ich bin ungefähr so aufgeklärt wie man in meiner Situation sein kann, nämlich gar nicht. Aber ich habe letzte Nacht beschlossen dass ich es jetzt einfach auf mich zu kommen lasse. Ändern kann ich es ja eh nicht mehr.“
Johnny lachte heiser.
„Bei dem Chaoten Haufen ist es auch besser nicht vorgewarnt zu sein, sonst würden Sie auf der Stelle umdrehen und mich hier sitzen lassen.“
Ich grinste ein wenig missmutig und nahm mir ebenfalls etwas zu trinken vom Tisch.
„Im übrigen. Wir werden die nächsten Vier Monate fast 24/7 miteinander verbringen… Ich bin Johnny.“
Er beugte sich ein wenig zu mir herüber und reichte mir die Hand.
„Cat!“

***

Anderthalb Stunden nach mir waren auch endlich die Hauptakteure in diesem Spiel endlich vollzählig anwesend und Unmengen an Taschen, Koffern und sonstigen Utensilien wurden in diversen Reisebussen verstaut.
Johnny und ich hatten die Zeit sinnvoll genutzt und er hatte mir deutlich gemacht was meine Hauptaufgabe bei der Tour sein würde, mich mit den neuesten Terminen und Terminänderungen vertraut gemacht und mich dem Teil der Crew vorgestellt die nun mit uns reisen würden. Den anderen Teil der Crew würde ich erst in West Palm Beach am nächsten Tag kennen lernen.
„Und denk immer daran. Auch wenn sie sich zieren. Lass Ihnen nichts durchgehen was ihr Terminplan nicht zulässt. Setz Dich durch. Du bist der Boss auch wenn sie anderer Meinung sein sollten.“ Flüsterte Johnny mir noch zu bevor wir uns in den Klimatisierten Reisebus stiegen und mit guten Zwei Stunden Verspätung starteten.
Während im Bus Tumultartige Zustände herrschten, setzten Johnny und ich uns zusammen und gingen sämtliche Termine durch, besprachen Interviews und Tv-Auftritte, aktualisierten Datenbanken auf unseren Laptops und er erläuterte mir den allgemeinen Ablauf so einer Tour.
Wir waren eine knappe Stunde unterwegs als es im Bus langsam ruhiger wurde und der ein oder andere auf die Idee kam sich zu setzen.
„Darf ich euch stören?“
Es war Kevin der Plötzlich vor uns stand und mich aus meinem Terminplan hochschrecken ließ.
„Sicher. Setz Dich.“ Antwortete Johnny und nahm seinen Laptop vom Platz neben sich damit Kevin sich setzen konnte „Was gibt’s?“
„Eigentlich wollte ich mich nur mal über den Ablauf der nächsten Tage informieren.“ Grinste Kevin und ich konnte aus dem Augenwinkel sehen wie Johnny mit den Augen rollte.
Er hatte mich bereits vorgewarnt das Kevin vermutlich Fünfmal am Tag fragen würde was denn als nächstes Anliegt, da er gerne ganz genau über alles Bescheid wusste.
Ich warf einen beiläufigen Blick auf meinen Laptop und gab bereitwillig Auskunft.
„Heute Abend um sieben habt ihr ein Radiointerview im Hotel. Das war es für heute. Morgen früh ein weiteres Radio Interview Bei WPB100, anschließend eine Probe und Freitag dann einen kurzen Auftritt in der örtlichen Morningshow mit anschließendem Interview. Das war’s. Soundcheck, Auftritt und dann geht’s auch schon weiter nach Tampa.“
„Na da haben wir ja schon schlimmeres erlebt.“
„Glaub mir Kev, das wird noch schlimmer.“ Lachte Johnny.
Ich kicherte ein wenig mitleidig und schob meine Unterlagen in ihre Mappe zurück.
„Und Cat? Wie geht’s Dir? Meinst Du, Du stehst das mit uns durch?“
„Na ja, bislang kann ich nicht viel sagen. Solange ihr euch zusammen reißt und bloß eure Termine von mir wissen wollt, krieg ich das hin.“
Kevin schmunzelte.
„Joe hat mir erzählt das Du Dich verweigerst unser Kindermädchen zu spielen?!“
„So schaut’s aus.“
„Verdammt und ich hatte gehofft ich könnte Dich dazu bringen mir morgens den Kaffee ans Bett zu bringen. Dionne wollte das nie machen.“
„Kann ich gar nicht nachvollziehen.“ Grinste ich ironisch „Aber letztendlich… ist das alles eine Frage des Preises.“
Kevin und Johnny lachten.
Die Stimmung war entspannt und das erste Mal seid ich diesen Job angenommen hatte, dachte ich darüber nach dass das vielleicht doch gar keine so schlechte Idee war…

Chapter 8