Chapter 2
Ja Mister Grape?
Miss Carlton, kommen Sie doch bitte in mein Büro, ja?
Natürlich Sir.
Mit einem mulmigen Gefühl ließ ich den Knopf der Gegensprechanlage los und stand auf.
Meine Woche im Büro von Mister Grape war vorbei und ich hatte das Gefühl das ich außer Kaffee kochen nicht viel getan hatte.
Vermutlich würde er mir jetzt sagen das die zusammen arbeit zwar ganz nett war, er allerdings gar keinen Platz für mich hatte.
Panik kroch in mir hoch. Auch wenn ich erst eine Woche hier war, so fühlte ich mich dennoch ziemlich wohl und hatte das Gefühl schon längst dazu zu gehören.
Ich verstand mich mit den anderen Kolleginnen und tat nichts lieber als die unbeliebte Kopierarbeit zu machen, weil Billy aus dem Büro nebenan und ich uns dann immer eine Raucherpause gönnten und darüber spekulierten was die Menschen die unten durch die Lobby hetzten wohl hier zu suchen hatten und wohin sie wollten, Während wir uns vor dem Kopierraum auf dem Flur die Nasen an der Scheibe Platt drückten um zu gucken wo hin die Leute denn nun tatsächlich gingen.
All das würde nun wohl in ein paar Minuten wieder vorbei sein.
Ich seufzte als ich vor Mister Grapes Tür stand und suchte in meinem Kopf hektisch nach etwas das ich noch dringend vorher erledigen musste, doch das wäre auch nur aufgeschoben und nicht aufgehoben und so nahm ich meinen Mut schließlich zusammen und Klopfte zaghaft an die Graue Tür vor mir.
Kommen Sie herein. Schallte eine gedämpfte Stimme und ich drückte die Klinke hinunter.
Wie immer wenn ich Mister Grape sah begann er sofort zu Lächeln und stand auf.
Ich hatte nicht viel von ihm gesehen in den letzten Viereinhalb Tagen, doch jedes Mal wenn ich diesem äußerst Sympathischen Menschen gegenüber stand Lächelte er.
Miss Carlton. Kommen Sie rein. Setzten Sie sich.
Er deutete auf einen Stuhl und nahm selbst wieder Platz, während er sich seine Lesebrille wieder auf die Nase schob.
Ich setzte mich und faltete nervös die Hände im Schoß, währen ich auf mein Urteil wartete.
Caitlin
Cat.
Er sah kurz auf und Lächelte erneut.
Cat
Wir hatten ja Anfang der Woche erst einmal eine Woche Probezeit vereinbart. Schließlich mussten wir ja alle erst einmal sehen ob wir uns denn auch verstehen und ob Sie denn auch etwas mit Ihrer Arbeit anfangen können.
Wie sieht es denn aus? Wie hat Ihnen diese letzte Woche gefallen?
Ich
also, ich hab das Gefühl das ich nie etwas anderes gemacht habe. Ich verstehe mich meinem Erachten nach sehr gut mit den Kollegen und bin jeden Morgen sehr gerne hergekommen. Ich würde sehr gern bei Ihnen bleiben. Sagte ich geradeheraus. In der Hoffnung das es noch helfen würde.
Das freut mich zu Hören Cat, ich habe mich nämlich auch mit Ihren Kolleginnen unterhalten
Ich schluckte trocken. War das nun gut oder schlecht?
Und das Feedback das sie mir gegeben haben war durchweg sehr positiv. Sie haben sich scheinbar sehr schnell in die Firma Integriert und das was ich von Ihrer Arbeit in der kurzen Zeit gesehen habe, hat mich doch sehr beeindruckt. Caitlin, ich möchte das Sie auch weiterhin bei uns bleiben und fest hier anfangen. Was halten Sie davon?
Mein Herz machte einen riesigen Satz und ich musste das gehörte erst einmal sacken lassen bevor ich antworten konnte.
Meinen Sie das wirklich ernst? fragte ich schließlich leise.
Wieder lachte er und legte seine Brille auf dem Schreibtisch ab.
Aber Natürlich meine ich das Ernst. Allerdings werd ich mich dann bei Billy von nebenan entschuldigen müssen, denn dann bekommen Sie auch eine wirklich Sinnvolle Aufgabe und ein festes Gebiet mit dem Sie sich befassen werden und werden leider kaum noch Zeit haben um Kopieren zu gehen.
Augenblicklich spürte ich wie mir das Blut in den Kopf schoss und sich meine Nervosität noch verstärkte.
Es tut mir leid Mister Grape, ich
Ihnen brauch absolut nichts Leid tun. Das mit Billy geht völlig in Ordnung. Sie haben es schließlich nicht übertrieben und haben Ihre Arbeit ja trotzdem nebenbei sehr zuverlässig erledigt. Kleine Pausen brauchen wir alle mal und der Kopierer Kopiert schließlich auch von allein.
Er zwinkerte mir milde Lächelnd zu und widmete sich wieder seinen Papieren auf dem Schreibtisch.
Ich habe hier schon mal eine Abschrift Ihres Vertrages. Nehmen Sie Ihn mit nach Hause und lesen Sie ihn sich in Ruhe durch. Am Montagmorgen können wir dann alles weitere Besprechen. So unangenehme Dinge wie Gehaltszahlungen und so weiter. Aber das hat Zeit.
Mit zittrigen Fingern nahm ich meinen Arbeitsvertrag entgegen und warf einen kurzen Blick darauf.
Er hatte mich tatsächlich nicht vor die Tür gesetzt. Ich würde am Montag wieder kommen.
Ich freue mich wirklich Sie in unserem Team Begrüßen zu dürfen, Cat!
Ich mich auch. Haben Sie Vielen Dank Sir.
***
Als ich am Montagmorgen pfeifend über den Flur im Vierten Stock schlenderte, hatte ich das Gefühl unsterblich zu sein.
Ich hatte einen neuen Job, einen tollen Chef, nette Kollegen
was wollte ich mehr?
Einen Wunderschönen Guten Morgen Frau Kollegin!
Ich zuckte zusammen und war augenblicklich wieder im hier und jetzt, als ich an der nächsten Ecke eine einzelne Sonnenblume erblickte, hinter der nur eine Sekunde später Billy mit einem breiten grinsen hervortrat.
Die Buschtrommeln funktionieren, hmm? fragte ich lächelnd und nahm die Blume an mich.
Neue Kollegen bleiben hier selten lange Anonym. Ich gratuliere Dir.
Danke.
Und? Freust Du Dich?
Ja, wahnsinnig. Die anderen sind alle so nett zu mir und die Arbeit macht mir wirklich Spaß.
Das freut mich zu hören. Wie ich gehört habe kriegt ihr nachher hohen Besuch?
Ich zog die Augenbrauen zusammen.
Tun wir?
Erm, ja. Billy musterte mich kritisch. Sag mal, Du weißt schon für wen Du arbeitest, oder?
Bislang dachte ich eigentlich für Mister Grape, aber irgendwie habe ich grade das Gefühl das ich etwas ganz gründlich verpasst habe.
Das glaube ich allerdings auch.
Verrätst Du mir auch was hinter dem Geheimnis steckt?
Billy grinste wissentlich und zog mich beiseite als ein Paket Bote mit Unmengen an großen und kleinen Kisten auf einem Kuli an uns vorbei Stolperte.
Nein, das kannst Du nachher selber herausfinden. Ich freue mich wirklich das wir unsere Zigarettenpausen auch weiterhin gemeinsam verbringen können.
Mit diesen Worten drückte er mir einen Kuss auf die Wange und verschwand wieder in dem Gang aus dem er gekommen war, der zurück in sein Büro führte.
Ein wenig verwundert sah ich ihm nach, bis mich der Paketbote auf seinem Rückweg mit einem unsanften"Entschuldigung darf ich mal?" wieder zurück in die Realität holte.
Guten Morgen Cat, Mr. Grape erwartet Dich in seinem Büro! schleuderte Nina mir entgegen kaum das ich das Büro betreten hatte und Charlotte drückte mir im Vorbei gehen einen Kaffee in die Hand Der ist für Dich. Erschrick nicht wenn Du Deinen Schreibtisch siehst.
Ein kurzer Anflug von Panik kroch in mir hoch.
Alle waren so hektisch. Aber trotzdem wie immer. Warum wollte mich Mister Grape schon so früh sprechen? Und warum sollte ich mich nicht erschrecken?
Ein wenig zögerlich ging ich auf meinen Schreibtisch zu und warf einen vorsichtigen Blick drauf. Doch es war nichts Ungewöhnliches zu sehen.
Also ging ich um den Schreibtisch herum um meine Jacke und meine Tasche abzulegen, als ich das Unheil auch schon sah.
Sämtliche Kisten die der Paketbote vorhin an Billy und mir vorbei geschoben hatte, stapelten sich jetzt in einem wilden durcheinander an der Wand neben meinem Schreibtisch. Das sah nicht gut aus
Doch einen großen Schluck Kaffee später beschloss ich erst mit Mister Grape zu sprechen, bevor ich nachfragte was das zu bedeuten hatte.
Ich stellte meine Tasse ab, legte meine Tasche auf den Tisch und schmiss meine Jacke unachtsam über den Stuhl, bevor ich schließlich bei meinem Chef an die Tür klopfte.
Ja?
Mister Grape, Sie wollten mich sprechen?
Cat, kommen Sie rein. Setzen Sie sich. Haben Sie das Chaos schon gesichtet oder sollte ich Sie behutsam darauf vorbereiten?
Also wenn sie das Karton Chaos um meinen Schreibtisch meinen, das ist nicht zu übersehen.
Genau das meine ich und wenn ich ganz ehrlich bin, dann bin ich ganz froh dass dieser Schreibtisch zwischen uns steht, wenn ich Ihnen erkläre was Sie mit diesem Chaos zu tun haben. Er kicherte wie ein kleines Kind während mir das Herz bis zum Hals schlug. Ich hatte plötzlich das Gefühl das es eine Aufgabe für mich in diesem Büro gab.
Ich bin ganz Ohr. Antwortete ich Todesmutig und straffte meine Schultern.
Sagen Ihnen die Backstreet Boys etwas?
Ich stutzte einen Moment und versuchte ziemlich erfolglos einen Kicheranfall zu unterdrücken. Was zum Teufel hatte ein Mann wie Mister Grape mit einer Boygroup zu tun?
Ja, natürlich kenne ich die.
Kichern Sie nicht. Die zahlen Ihr Gehalt! sagte Mister Grape mit einem Schmunzeln und schlagartig war ich wieder zurück in der Realität.
Wie die Zahlen mein Gehalt?
Na ja, indirekt. Sämtliche Arbeiten die wir hier machen und die auch Sie letzte Woche gemacht haben sind für die Wright Entertaiment Group. Und die haben unter anderem auch die Backstreet Boys unter Vertrag.
Aha
?!
Ja
aber das ist eigentlich auch nicht so wichtig. Weshalb ich frage hat den einfachen Grund, alles was sich in diesen Kartons befindet sind sämtliche Unterlagen, Verträge, Rechnungen und so weiter der letzten Jahre der Herren. Ab heute befindet sich sozusagen die Existenz der Band in unserem Büro und Ihre Aufgabe soll es sein, sämtliche Unterlagen und Papiere zu sichten und zu sortieren.
Die Worte von Mister Grape hallten noch einige Sekunden in meinem Kopf nach, als ich mich schließlich zurück lehnte und die Arme verschränkte.
Sie wollen mir wirklich sämtliche Vertraulichen Unterlagen anvertrauen?
Wenn nicht Ihnen, wem dann? Die anderen haben alle ihr Aufgaben Gebiet und keine Zeit dafür. Bis jetzt hatten wir eigentlich noch keine feste Aufgabe für Sie, doch die hat mir Mr. Wright am Wochenende persönlich geschickt als er mich völlig verzweifelt anrief und mir sagte das seine Dame, die sich sonst darum kümmert einen schweren Unfall hatte und sich das Becken gebrochen hat. Sie wird einige Monate ausfallen und er ist momentan ohnehin schon völlig überlastet. Deshalb hat er uns den ganzen Kram geschickt. Allerdings kann ich Ihnen nicht sagen was die Dame in Mister Wrights Büro für ein System in den ganzen Sachen hatte. Also gehört das ganze ab sofort Ihnen.
Völlig Sprachlos musterte ich meinen Arbeitgeber und wusste nicht was ich sagen sollte.
Ok. Sagte ich schließlich schlicht.
Ok? Das ist alles?
Was soll ich sonst noch dazu sagen wenn man mir auf einem Montagmorgen so eine Aufgabe vorsetzt? "Nein" sagen kann ich schlecht und wenn Sie mir eine so verantwortungsvolle Aufgabe zutrauen, macht mich das sehr stolz und ich werde mein Bestes geben sie zu Ihrer vollsten Zufriedenheit zu erledigen.
Mister Grape verzog das Gesicht zu einem zufriedenen Grinsen.
So lob ich mir das. Ich wette Sie werden weder mich noch die Herren enttäuschen, die Übrigens heute Nachmittag kommen werden. Dann können Sie sich gleich ein Bild machen welche Unterlagen zu wem gehören.
Ich hätte schwören können dass ich für einen Moment vergaß zu atmen, doch ich versuchte mir nichts anmerken zu lassen. Es würde vorläufig wohl reichen wenn ich wartete bis die "Backstreet Boys" wieder aus dem Haus waren bevor ich in Ohnmacht fiel.
Dean würde sich ungefähr Drei Tage lang dafür rechtfertigen müssen, warum er mir nicht gesagt hatte dass Mister Grape mit Internationalen Stars zusammen arbeitete.
Und meine Kollegen gleich mit. Die schienen das ja alle zu wissen. Nur mich hatte noch keiner Aufgeklärt.
Zwar hatten mich diese ganzen Boygroups nie sonderlich interessiert, dennoch konnte man sich dem Hype in den 90ern kaum entziehen und hatte natürlich einiges gehört und mitbekommen. Auch ungewollt.
Und jetzt sollte ich mal eben die privaten Unterlagen einer International bekannten und erfolgreichen Band sortieren und nicht beeindruckt sein.
Das machte ich ja auch Täglich.
Nach nicht mal einer halben Stunde im Büro setzte ich mich völlig gestresst an meinen Schreibtisch und besah mir das Karton Dilemma.
Na, was sagt Dein Röntgenblick? fragte mich Charlotte nach etwa Zehn Minuten die ich regungslos da gesessen hatte.
Vierundzwanzig. Antwortete ich trocken Neun Große, Fünfzehn kleine Kartons mit bislang unbekanntem Inhalt.
Charlotte kicherte: Mach Dir keine Sorgen. Ich glaube wir haben alle genauso ehrfürchtig vor unseren ersten großen Aufgaben gesessen wie Du jetzt gerade.
Habt ihr auch einfach Kartons hingestellt und gesagt bekommen "Sortier das mal eben? Das ist eine ganze Existenz"?
Ich rümpfte die Nase.
Ja, Abby ist das mal passiert. Allerdings war es da nicht ganz so schlimm. Aber 12 Jahre Karriere müssen ja irgendwie dokumentiert werden. Willkommen bei der Wright Entertaiment Group.
Aufmunternd aber noch immer lachend klopfte Charlotte mir auf die Schulter und ging wieder rüber an ihren Schreibtisch. Ihr Ironischer Unterton war mir nicht verborgen geblieben und so seufzte ich und zog mir den ersten Karton heran.