Chapter 1

Als der Wecker schrillte, stand ich bereits im Badezimmer und putzte mir die Zähne.
Wie immer wenn ich einen neuen Job begann konnte ich die Nacht davor kaum ein Auge zu tun und war meist noch vor dem Wecker wieder wach.
Nervosität machte sich in mir breit und mein Blick wanderte immer wieder auf die Uhr, doch ich hatte noch über eine Stunde Zeit, bevor ich überhaupt los fahren musste.
Ein bisschen Missmutig setzten mein Flatternder Magen und ich uns an den Küchentisch und hielten uns an unserer Kaffeetasse fest.
Frühstück war schon seid der Schule nicht mein Ding gewesen und als meine Mutter irgendwann aufgab mir und meinem Bruder die Brote zu schmieren war es ganz gelaufen.
Ich war froh wenn ich morgens meinen Namen kannte.
Da war an Essbares nicht zu denken.
Mit gerunzelter Stirn schüttelte ich den Kopf.
Über was machte ich mir eigentlich Gedanken?
Genervt von mir selbst stand ich auf und betrachtete mich noch einmal ausgiebig im Spiegel.
Alles Perfekt!
Trotzdem jagte ein nervöser Schauer nach dem nächsten über meinen Rücken.
„Hör auf Dich irre zu machen.“ Schimpfte ich mit meinem Spiegelbild „Du hast den Job doch eigentlich schon so gut wie sicher. Eine Woche Probezeit überstehst Du doch locker. Schließlich sollst Du bloß in einem Büro hinterm Schreibtisch sitzen und gut aussehen.“
Augenblicklich straffte ich mich, Busen raus, Po rein, Rücken gerade.
Selbstzufrieden lächelte ich meinem Spiegelbild entgegen.
„Geht doch Carlton.“

***

Nur eine gute halbe Stunde später, aber noch immer viel zu früh betrat ich das große helle Gebäude kurz vor den Hollywood Hills und betrachtete eingeschüchtert die Riesige Lobby.
Der Fußboden war aus feinstem Italienischem Marmor, die Rezeption aus – auf Hochglanz Poliertem – Mahagoni und an den Seiten der Riesigen Glaskuppel bewegten sich auf jeder Seite Zwei Gläserne Fahrstühle ruhig auf und ab.
Eine Schwarze Leder Sitzgruppe stand unweit der Eingangstür und ein paar Riesige grüne Palmen in der Halle sollten dem ganzen wohl die Größe ein wenig nehmen.

Nachdem ich mich meiner Meinung nach genug hatte einschüchtern lassen trat ich mit gestrafften Schultern an die Rezeption.
„Guten Tag, was kann ich für Sie tun?“ fragte mich eine Junge Mittzwanzigerin in einem Beigen Kostüm und Lächelte mich Freundlich an.
„Guten Tag, ich habe einen Termin bei Mr. Grape.“ Entgegnete ich mindestens genauso freundlich.
„Einen Moment bitte.“
Ich nickte, während sie schon die Tastatur ihres Computers mit ihren perfekt Manikürten Fingernägeln malträtierte.
Ich sah mich erneut im Foyer um, als sie schließlich zum Telefon Griff und eine Kurzwahl eingab.

„Miss Carlton?“
Ich fuhr herum.
„Mr. Grape erwartet Sie bereits. Nehmen sie den ersten Fahrstuhl auf der Rechten Seite. Man wird sie im Vierten Stock erwarten.“
Ich nickte freundlich „Danke.“
„Einen schönen Tag noch!“

Mit einem etwas mulmigen Gefühl drückte ich schließlich den Aufzugknopf.
Auch wenn ich Mr. Grape noch nie persönlich begegnet war, so konnte ich nur hoffen, dass er nicht genauso Spießig war wie das Äußere des Gebäudes erwarten ließ.

Mit einem leisen *ping* öffneten sich im vierten Stock die Stahltüren und eine Freundlich Lächelnde Dame in einem Schwarzen Hosenanzug trat einen Schritt auf mich zu.
„Miss Carlton?“
Ich nickte.
„Hallo, mein Name ist Charlotte. Mr. Grape hat noch ein Telefonat. Ich werde Sie ein wenig herumführen und ihnen alles zeigen.“
Ich Nickte nur stumm lächelnd und ergriff die Hand die mir gereicht wurde.
„Machen Sie sich keine Sorgen. Ich weiß das Gebäude und die ganzen wichtig aussehenden Leute sind sehr beeindruckt, aber wir sind hier eigentlich alle Relativ entspannt.“ Sagte Charlotte und wandte sich nach rechts und führte mich einen schmalen Gang hinunter.
„Ich denke Sie werden sich schnell einleben. Dies hier ist zwar fast Ausschließlich ein Frauen Verein, aber wir kriegen regelmäßig sehr netten Herren Besuch. Die halten uns davon ab uns an den Haaren zu ziehen.“
Sie zwinkerte mir über die Schulter hinweg zu und augenblicklich entspannte ich mich.
Scheinbar waren die Kostümchen und die Hochsteckfrisuren nur für die&Mac226;Öffentlichkeit’ gedacht.

Wir betraten einen großen hellen Raum in dem mehrere Schreibtische aufgebaut waren und Drei Frauen gerade Herzhaft lachten.
Charlotte steuerte ganz selbstverständlich auf die Drei zu und stellte mich vor.
„Miss Carlton? Dies hier sind Samantha, Alex und Nina. Ich weiß nicht wo sich Melanie und Abby gerade herumtreiben, aber die werden Sie dann sicher später noch kennen lernen.“
Ich nickte erneut und reichte den Frauen vor mir die Hand.
„Hallo, ich bin Caitlin, aber Cat reicht völlig.“
„Du bist also unsere Neue?“ fragte Alex und die anderen herumstehenden Damen begannen zu kichern.
„Alex, das war nicht nett.“ Lachte Charlotte, doch es kümmerte mich nicht sondern antwortete stattdessen.
„Das ist schon in Ordnung. Ja, es sieht so aus als würde ich euch wohl ein wenig Gesellschaft leisten.“
„Das ist schön.“ Sagte nun Nina „Ich hab mich neulich mit Dean aus der Personalabteilung unterhalten. Er hat mir schon von Dir erzählt.“
Ich schluckte Hart. Dean war ein Freund meiner Mutter und hatte mir diesen Job besorgt, den ich wohl sonst im Leben nie bekommen hätte. Auch nicht mit lieb&Mac226;Bitte Bitte’ sagen. Nicht bei meiner Vorgeschichte.
Nina schien mein ängstlicher Gesichtsausdruck nicht entgangen zu sein.
„Keine Sorge. Er hat nur gutes von Dir erzählt und das Du es in letzter Zeit nicht leicht hattest und wir uns deshalb ein wenig um Dich kümmern und nicht gleich mit Arbeit zuschütten sollen.“
Ich lächelte matt.
„Komm, ich zeige Dir den Rest.“ Sagte Charlotte schließlich entschlossen und schob mich aus dem Büro in einen weiteren Gang von dem mehrere Türen Abgingen.
„Hier haben wir die Toilette und daneben die Gemeinschaftsküche. Tee, Kaffee, Wasser… es ist alles da und Du darfst Dich bedienen wann immer Du möchtest.“
„Gibt’s dafür eine Gemeinschaftskasse oder so?“ fragte ich.
„Nein, Wir haben einen wirklich netten Chef, der immer sehr um unser Wohlergehen bemüht ist.“ Lächelte sie und ging ein paar Schritte weiter und öffnete eine Tür.
„Dies hier ist unser Konferenzraum. Nicht spektakulär. Hier drüben haben wir noch einen etwas kleineren und hier ganz am Ende ist Mr. Grapes Büro.“
Sie deutete auf das Ende des Flures und wie auf Kommando flog die Tür auf und ein Herr mittleren Alters mit etwas schütterem Haar und einem kleinen Bauchansatz trat aus der Tür.
„Wird hier über mich gesprochen?“ grinste er und kleine Lachfältchen bildeten sich um seine Augen.
„Aber nur gutes Mr. Grape.“ lachte Charlotte und schob mich ein kleines Stückchen vor „Dies ist Miss Carlton. Ich habe sie schon herumgeführt und den anderen Bekannt gemacht.“
„Vielen Dank Charlotte. Wären Sie so nett und bringen uns etwas zu trinken? Dann können Miss Carlton und ich uns in Ruhe unterhalten.“
„Natürlich.“
Schon rauschte sie in die Gemeinschaftsküche, während ich nun doch etwas eingeschüchtert auf Mr. Grape zutrat.
„Nicht so schüchtern Miss Carlton. Kommen sie rein. Setzten sie sich!“ Er lächelte noch immer und entblößte zwei Reihen Strahlend weißer Zähne, als er mir die Hand reichte und mich in sein Büro zog.

„Dann erzählen Sie mir mal ein bisschen was von sich.“ Forderte Mr. Grape und lehnte sich in seinem Schreibtisch Sessel zurück.
Ich stutzte für eine Sekunde. Ich dachte Dean hätte ihm längst alles erzählt.
Scheinbar entging ihm mein fragender Gesichtsausdruck nicht.
„Machen sie nicht so ein Zerknirschtes Gesicht. Erstens steht Ihnen das nicht und zweitens hat Dean mir schon alles Wissenswerte erzählt, dennoch wollte ich es gern noch einmal von Ihnen selbst hören.“
Ich atmete hörbar aus und versuchte nicht allzu gequält zu Lächeln.
„Ich… Weiß nicht so Recht wo ich anfangen soll…?!“
„Am besten am Anfang. Haben sie keine Angst Caitlin. Ich weiß dass sie es im letzten Jahr nicht leicht hatten. Aber ich will ihnen nichts Böses. Ich möchte Ihnen eine Chance geben. Vertrauen Sie mir. Wir haben eine Woche Probezeit vereinbart. Egal was Sie jetzt sagen werden. Das ändert nichts. Machen Sie sich keine Sorgen.“
Ich nickte verstehend und wischte mir die feuchten Hände auf meinem schwarzen Rock ab.
Ich wollte dieses neue Leben und ich hatte alles dafür getan. Doch jetzt war ich mir nicht mehr so sicher ob ich es schaffen würde.
Doch ich wollte es wenigstens versuchen.
„Also gut… was gibt es über mich zu erzählen?“ begann ich und unterbrach als Charlotte mit einem Tablett mit Getränken ins Büro kam.
Ich nickte ihr dankend zu als sie mir eine kalte Cola vor die Nase stellte und wartete bis sie wieder die Tür hinter sich geschlossen hatte.

Die nächste Stunde verbrachte ich damit in einer eigentlich recht entspannten Atmosphäre mit Mr. Grape über mich zu sprechen und ihm zu erzählen was ich konnte und was nicht.
Anschließend wies er mir einen Schreibtisch mit Computer und High Tech Flat Screen zu und bat die anderen Beschäftigten darum mich doch mit allem vertraut zu machen was für mich wichtig wäre.

Bis zum Abend wusste ich immerhin wo ich welche Ablage fand und wie ich meinen Computer an und ausschaltete, doch der Rest schien irgendwie an mir vorbei gezogen zu sein. Ich hatte keine Ahnung was eigentlich meine Aufgabe sein würde und hatte das Gefühl das auch die anderen das noch nicht so genau wussten. Todmüde ließ ich mich schließlich Zuhause auf mein Sofa fallen.

Chapter 2