Kapitel 9

Sarahs pov
Ich nehme den Babysafe mit dem schlafenden Preston und gehe zu Sylvia hinüber. Sie hat mich heute zu einem kleinen Geburtstagkaffee eingeladen. Ihr Geschenk habe ich auch in der Hand und somit klinge ich bei den Nachbarn drüben.
Sylvie öffnet mir und wir begrüßen uns ausgiebig. Dann setzen wir uns auf die Terrasse, wo schon alles bereit steht. Phyllis sitzt bereits in ihrem Hochstuhl und wartet auf den leckeren Kuchen. Lani liegt in seinem Kinderwagen im Schatten und schläft. Ich stelle Preston zu ihm hin und setze mich dann zu Sylvie an den Tisch.
„So Sam, darf ich dir ein Stück Kuchen geben?“, fragt Sylvie.
„Klar, darfst du das“, gebe ich grinsend zurück.
Und schon liegt ein Stück Kuchen auf meinem Teller. Sylvie legt ihrer Tochter ebenfalls ein Stück Schokoladenkuchen auf ihren Teller und zerteilt diesen in kleine Stücke.
„Läuft Phyllis jetzt eigentlich schon?“, frage ich.
„Nein, noch nicht. Aber sie fängt wohl bald damit an. Sie zieht sich zumindest schon überall hoch, wo sie kann.“
„Oh weia, dann ist ja überhaupt nichts mehr vor ihr sicher.“
„Das ist richtig. Wir müssen dann wohl alles eine Etage höher lagern.“
„Der Kuchen ist echt lecker. Du hast dich mal wieder selber übertroffen“, lobe ich den köstlichen Kuchen.
„Den hat Brian gebacken“, meint Sylvie lachend: „War mein Geburtstagskuchen heute morgen. Aber von mir sind die Muffins.“
„Dann muss ich nachher noch Brian unbedingt loben und natürlich deine Muffins probieren. Wo steckt Brian eigentlich?“
„Der ist noch beim Training. Müsste aber so in einer Stunde wieder da sein.“
„Der trainiert seine Mannschaft aber ganz schön hart. Dabei sind die Heats doch echt klasse. Ich war letztes Wochenende bei dem Auswärtsspiel gegen Chicago dabei und ich kann dir sagen, so ein Spiel hab ich noch nie gesehen.“
„Aber es war auch nur ein knapper Sieg. Und damit das nicht noch mal passiert, hat er zwei Stunden länger Training angeordnet drei mal die Woche. Aber die Saison geht ja nur noch bis März, dann wird er das Training wohl etwas schleifen lassen. Ich denke, dass die nächsten Spiele aber schon ziemlich hart werden. Schließlich kommen jetzt nur noch Teams von den oberen Tabellenplätzen.“
„Na ja, aber ich glaube dass sich bei den Heats keiner beschweren kann. Jetzt sind sie auf dem 7. Platz und ich glaube nicht, dass sie da runterfallen werden. Wenn man bedenkt, dass die Mannschaft letztes Jahr das Schlusslicht war...“, meine ich und greife mir einen von den bunten Muffins.
„Wow, die sind aber auch echt klasse. Deine Muffins waren schon immer ein Traum“, meine ich lachend. Doch dann werde ich wieder ernst: „Wie läuft es eigentlich zwischen dir und Brian so?“
Sylvie blickt mich nur an und zuckt die Schultern. Was soll das jetzt heißen?
„Wie darf ich das jetzt verstehen?“, hake ich nach.
„Willst du noch Kaffee haben?“
„Ja, aber lenk nicht ab. Ich dachte immer, dass bei euch beiden wieder alles ok ist.“
„Das ist es ja auch. Aber eben nur noch mehr oder weniger. Es ist für mich so schwer. Ich kann Brian immer noch nicht 100 %-ig vertrauen. Und ich finde, dass gerade Vertrauen und Treue eben die Basis für eine Beziehung ist. Es ist halt nichts mehr so wie früher und das wird es wohl auch nicht mehr. Ich kann halt einfach nicht vergessen was passiert ist. Und damals im Krankenhaus da hab ich mich von meinen Gefühlen wohl treiben lassen.“
„Aber das hat gezeigt, dass du ihn immer noch liebst“, werfe ich ein.
„Ich hab Brian ja auch noch sehr gerne. Er ist ein lieber netter, Mensch, ohne den ich auch gar nicht mehr leben kann. Nur frage ich mich halt, ob das für die Liebe reicht oder nicht.“
„Und was willst du jetzt machen?“
„Keine Ahnung. Es erst mal so lassen wie es ist, bis ich weiß, was ich ganz sicher will.“
„Und Brian weiß von deinen Gefühlen?“, frage ich nach.
„Ja, wir reden ziemlich offen über unsere Gefühle. Das ist das beste. Er weiß auch nicht, wie er sich mir gegenüber verhalten soll. Aber ich kann ihm da nicht helfen, weil ich es ja selber nicht weiß. Und er weiß eben, dass ich noch diverse Schwierigkeiten habe, damit umzugehen.“
Diese Neuigkeiten hauen mich ja beinahe um. Damit hätte ich jetzt gar nicht gerechnet. Klar, dass sich die Beziehung der beiden verändert hat, das merkt man auch, wenn man die beiden so gut kennt wie ich...Na ja, die beiden werden das schon wieder hinkriegen. Da bin ich mir ganz sicher.
„Hey Myladies“, erklingt plötzlich Nicks Stimme, der gerade die Terrassenstufen nach oben kommt. Er kommt zuerst zu mir und gibt mir einen liebevollen Begrüßungskuss, dann geht er zu Sylvie hinüber und gratuliert ihr ganz herzlich.
Nick setzt sich zwischen uns.
„Du bist aber früh da“, wundere ich mich.
„Ja, ich hab zu den Ehren meiner Schwester mal früher Schluss gemacht.“
„Das ist aber lieb“, meint Sylvie und wuschelt ihrem Bruder durch die Haare.
Phyllis fängt langsam zu quengeln an. Sie verzieht ihr Gesicht zu einer Schnute. Sylvie hebt sie aus ihrem Hochstuhl und setzt sie Nick auf den Schoß, der auch schon mit ihr zu spielen anfängt.
Dann ertönt auch schon Lanis zarte Meckerstimme.
„Na ja, wir hatten ja zumindest eine Stunde Ruhe“, seufzt Sylvie. Sie steht auf und holt Lani aus seinem Kinderwagen.
„Können wir dir irgendwie helfen?“, frage ich nach.
„Ne, Quatsch. Lani hat nur Hunger. Ich gehe schnell in die Küche und hole seine Flasche.“
Sylvie legt mir ihren schreienden Sohn in die Arme, und ist dann auch gleich wieder mit der Flasche zurück.
Kaum hat der kleine Mann seinen Nuckel im Mund ist er auch schon wieder ruhig und trinkt gierig.
„Preston wird auch bald aufwachen. Eigentlich ist es für ihn auch schon wieder Zeit, ihn zu stillen. Aber ich will ihn jetzt nicht aus dem Schlaf reißen.“
„Brauchst du auch nicht. Der meldet sich dann schon, wenn er was will“, meint Sylvie.
„Ja und das leider zu den unmenschlichsten Zeiten“, gebe ich grinsend zurück.
„Willst du eigentlich mal wieder zum Arbeiten anfangen oder so enden wie ich als Hausfrau und Mutter?“, fragt Sylvie.
„Nein, ich fange schon wieder an. In zwei Wochen bin ich wieder auf Sendung. Ich hab zwar noch keine Ahnung, wie wir das mit Preston regeln, aber ich denke, dass wir schon irgendeine Lösung finden werden.“
„Also ich nehme euren Sohn jederzeit gerne, wenn ihr beide beim Arbeiten seid. Ich bin ja eh zu Hause“, bietet Sylvie an und ich wusste es ja schon immer, dass man sich auf sie verlassen kann und man auf sie in jeder Situation zählen kann!

Ich freue mich schon wieder auf die Arbeit, auch wenn ich die Zeit zu Hause mit Preston mehr als nur genossen habe. Er ist mein süßer Schatz und bringt mich zum Strahlen, egal was er tut. Wenn ich Nick vermisse, weil er gerade beim Arbeiten ist, sehe ich Preston an und erkenne in ihm Nick wieder. Unser kleiner Schatz ist Nick regelrecht aus dem Gesicht geschnitten. Er hat genau die gleichen blauen Augen und die blonden Haare wie mein Honey. Ich bin überglücklich und eine stolze Mutter, überzeugt davon, den süßesten Jungen auf der ganze Welt zu haben. Ein Tag ohne meinen süßen Schatz scheint mir endlos lang. Ich bin richtig gesegnet und danke Gott jeden Tag aufs Neue für die beiden.
Aber ab heute geht es wieder in den Sender und darauf freue ich mich auch schon. Wie immer schnappe ich mir meine Kamera, bevor ich mich auf den Weg mache. In meiner Mittagspause möchte ich das Interview mit Brian zusammen schneiden. Das wird mal allerhöchste Zeit.
Endlich sitze ich wieder in meinem Studio und moderiere meine Sendung. Es macht richtig Spaß und hat mir schon gefehlt. Die anderen Kollegen haben mich richtig freundlich und herzlich begrüßt. AJ ist total aus dem Häuschen, als er mich wieder sieht und von ihm bekomme ich eine extra lange Umarmung. Es tut gut, wieder hier zu sein. Ich habe sogar eine kleine „Welcome back“ Torte bekommen.
Die Zeit vergeht richtig schnell und bevor ich mich versehe, habe ich auch schon wieder meine Mittagspause. Ich sitze in dem kleinen Aufenthaltsraum und bastele an der Videokamera herum.
„Sarah, was machen Sie denn da?“, fragt mich auf einmal Mr. Williams, der hinter mir steht.
„Ach, ich schneide ein Video zusammen. Ich habe meinen Bruder vor dem Freundschaftsspiel gegen die Michigan Wizards interviewt. Er ist doch der Trainer der Miami Heat“, erkläre ich und vollende dann schließlich mein Werk.
„Darf ich es mir mal eben ansehen?“, fragt mich Mr. Williams und nimmt neben mir Platz.
„Natürlich“, meine ich nur und beginne mit dem kleinen Video. Nach fünf Minuten ist das Video zu Ende.
„Sarah, ich muss ganz ehrlich sagen, dass Sie das richtig gut gemacht haben. Sie sind viel zu Schade für einen einfachen Radio VJ. Sie würden mit ihrem Aussehen und ihrem gesamten Erscheinungsbild gut ins Fernsehen passen.“
Ich kann nur staunen. Ich und Fernsehen? Das ist ja wohl ein Witz. Obwohl es schon cool wäre....
„Meinen Sie das wirklich ernst, Mr. Williams?“, frage ich meinen Chef.
„Ja, auf alle Fälle. Ich habe Bekannte beim Fernsehen und die suchen gerade einen neuen Sportreporter. Das wäre doch was für Sie, meinen Sie nicht?“, meint er nickend. Ich bin einfach nur sprachlos.
„Sehr gerne. Ich würde gerne mal etwas neues ausprobieren“, erkläre ich begeistert und Williams meint: „Gut, dann werde ich mich mit den Fernsehleuten in Verbindung setzen....Die Kamera geben Sie mir am besten mal mit, damit ich auch Beweismaterial für Ihr Talent habe.“
Dann nimmt er mir die Kamera aus der Hand und läuft aus dem Aufenthaltsraum heraus.
Das hätte ich mir nie träumen lassen. Ich im Fernsehen. Das habe ich mir nicht mal in meinen wildesten Träumen vorstellen können und jetzt wird es wirklich Realität. Ich kann es kaum erwarten, Nick davon zu erzählen. Er wird sich sicher total für mich freuen und wenn es gut läuft, kann ich dadurch auch mehr Zeit mit Preston verbringen, denn ich möchte so viel wie möglich bei ihm sein. Er braucht doch seine Mami.

„Honey! Nick, wo bist du?“, schreie ich durchs Haus, als ich nach Hause komme. Ich bin so aufgekratzt, aufgeregt und nervös zu gleich, dass ich ganz vergessen habe, dass wir ein kleines Baby daheim haben.
„Ich bin hier!“, flüstert Nick zurück und kommt zu mir in die Küche gelaufen, wo ich mir ein Glas Wasser hole. Er drückt mir einen liebevollen Kuss auf die Wangen und setzt sich auf einen der Barhocker.
„Honey, wo ist Preston?“, frage ich ihn sofort.
„Der liegt friedlich in seiner Wiege und schläft“, erklärt Nick und fragt mich dann: „Aber was ist denn jetzt passiert, dass du so aufgeregt rum rennst?“
„Du wirst nicht glauben, was heute passiert ist. In meiner Mittagspause habe ich das Interview mit Brian zusammen geschnitten und Mr. Williams kam rein und wollte es sich anschauen. Und davon war er so begeistert, dass er mich zum Fernsehen schicken will. Bekannte von ihm arbeiten dort und suchen einen neuen Sportreporter und dafür hat er mich vorgeschlagen! Ist das nicht einfach unglaublich?“
Ich strahle über das ganze Gesicht und merke, wie die Hitze in mir hochsteigt. Ich bin total überdreht und sollte vielleicht eine Valium nehmen, bevor ich etwas Dummes anstelle.
„Hey, das sind ja echt tolle Neuigkeiten“, jubelt auch Nick los und schließt mich in eine enge Umarmung: „Ich freu mich so für dich und ich sehe dich schon richtig über die Mattscheibe flimmern“, quasselt Nick weiter. Er ist genauso begeistert wie ich.
„Na ja, noch ist es ja nicht 100 %-ig sicher, aber ich denke, dass es schon ganz gut aussieht“, meine ich.
Nick drückt mir darauf einen innigen Kuss auf die Lippen, den ich sofort erwidere. Unsere Zungen spielen liebevoll miteinander. Ich lege meine Hand in Nicks Nacken und kraule ihn zärtlich. Währenddessen streicht Nick immer wieder über meinen Rücken.
Ich will Nick gerade sein T-Shirt über den Kopf ziehen, als Preston zu schreien anfängt. Atemlos lassen wir voneinander ab und sehen uns einen Augenblick an. Immer wenn es am schönsten ist, kommt etwas dazwischen.
„Oh Mann“, seufze ich nur. Auch Nick zuckt nur mit den Schultern und zieht sich sein T-Shirt wieder glatt.
Tja, das ist wohl das Schicksal. Ich gehe in Lanis Zimmer hinüber und nehme den Schreihals aus seiner Wiege. Zärtlich wiege ich ihn hin und her, um ihn wieder zu beruhigen, aber der Hunger ist größer als meine Worte. Somit gehe ich ins Wohnzimmer hinunter, mache es mir auf dem Sofa gemütlich und gebe Preston schließlich die Brust. Ich beobachte meinen kleinen Lieblich lächelnd. Es ist immer wieder ein wunderbares Gefühl seine kleinen Händchen an meiner Brust zu spüren. Ganz langsam werden seine Augen immer kleiner und die Saugbewegungen immer schwächer, bis sie schließlich ganz aufhören und mein Engel wieder friedlich eingeschlafen ist. Vorsichtig nehme ich ihn hoch und will ihn gerade wieder in seine Wiege bringen, als Nick ins Wohnzimmer tritt. Ich lächle ihn verliebt an und meine: „Ich bin gleich wieder für dich da und dann können wir ja da weiter machen, wo wir vorher aufgehört haben.“
„Sammy, ich muss jetzt eigentlich los.“
Ich kann meine Enttäuschung nicht verbergen: „Aber warum denn?“
„Ich treffe mich noch mit einem meiner Schüler. Der hat mich eben angerufen. Er macht morgen seinen Schein und ist jetzt furchtbar aufgeregt und wollte noch mal eine Stunde haben. Du kennst mich ja, dass ich da nicht nein sagen konnte.“ Nick sieht mich entschuldigend an.
Nick hat einfach ein zu gutes Herz.
„Ok, aber du beeilst dich, ok?“
„Das mache ich auf alle Fälle“, verspricht er. Er gibt mir noch einen langen Abschiedskuss und macht sich dann auf den Weg.
Ich laufe ihn Prestons Zimmer und lege meinen kleinen Mann wieder in seine Wiege.

Sylvias pov
Als ich am Montag Morgen aufwache, sehe ich den blonden Schopf meines Mannes unter der Decke herausschauen. Er war das ganze Wochenende über nicht zu Hause, weil er ein Auswärtsspiel hatte.
Ich war sozusagen immer alleine gewesen und mir ist bewusst geworden, wie sehr ich Brian doch vermisst hatte. Das hat mich doch sehr überrascht. Nun bin ich wieder sehr froh, ihn neben mir liegen zu sehen. Er ist irgendwann nachts nach Hause gekommen. Eigentlich wollte ich ja so lange auf ihn warten, aber ich war viel zu müde und bin dann doch eingeschlafen. Drei Kinder ganz alleine zu hüten, wenn zwei davon noch Babys sind, ist eben doch anstrengend. Sam war das ganze Wochenende über mit Brian unterwegs – als Sportreporterin im Fernsehen. Sie hat da echt eine super Figur gemacht. Sie hat echt ein gutes Händchen dafür. Und Nick hatte sich gestern mit AJ verabredet und da war ich so nett und habe auf Preston aufgepasst. Ich habe den beiden ja gesagt, dass ich ihn immer nehmen werde. Ich bin eh zu Hause und somit ist es egal. Ich freue mich, wenn ich den kleinen Sonnenschein, bei mir habe.
Aber anstrengend ist es doch.
Nun blicke ich auf den schlafenden Brian. Er sieht so niedlich aus. Vorsichtig beuge ich mich über ihn und gebe ihm einen sanften Kuss auf die Nasenspitze. Da schlägt er die Augen auf und blickt mich an.
„Ich wollte dich nicht wecken“, flüstere ich.
„Das hast du nicht“, gibt Brian zurück. Wir blicken uns einige Sekunden lang einfach nur an.
„Ich hab dich vermisst“, meine ich schließlich. Es war wirklich so. Ich habe so oft an Brian denken müssen und hab mich gefragt, was er jetzt wohl gerade macht und dann habe ich mir gewünscht, dass er bei mir ist.
„Wirklich?“, fragt Brian. Ich nicke nur.
Darauf richtet sich Brian auf und gibt mir einen sanften Kuss, den ich sofort erwidere. Vorsichtig sucht Brians Zunge die meinige. Liebevoll spielen die beiden schließlich miteinander. Mein ganzer Körper kribbelt. Es ist ein unglaubliches Gefühl, dass sich plötzlich in mir breit macht.
Während wir uns immer weiter leidenschaftlich küssen, richtet sich Brian immer weiter auf und drückt mich mit seinem Gewicht langsam nach unten in die Kissen zurück. Liebevoll kraule ich seinen Nacken, während seine Hände den Weg unter mein Nachthemd suchen. Sanft streicht er über meine Haut. Ich genieße die Berührungen in vollen Zügen. Eine Gänsehaut breitet sich über meinen Körper aus.
Brian unterbricht unsere Küsse für einen Moment und blickt mich an.
„Sylvie...“, beginnt er, aber ich lasse ihn nicht weiter zu Wort kommen. Ich richte mich ein Stück auf und drücke ihm wieder meine Lippen auf seine. Dabei lege ich meine Hände um seinen Körper und ziehe Brian somit wieder zu mir herunter. Zärtlich fahre ich über seinen Rücken.
Ich will, dass er da einfach weitermacht – ohne viel zu sagen. Es muss auch gar nicht mehr viel gesagt werden, denn die Welt ist wieder in Ordnung.
Brian liegt halb über mir. Ich kann seinen intensiven Herzschlag spüren. Der arme Kerl scheint total nervös zu sein. Wieder blickt er mich kurz an.
Ich lächle ihn einfach nur an. Langsam schiebt er mein Nachthemd immer weiter nach oben und zieht es mir schließlich über den Kopf.
„Sylvia, ich liebe dich“, flüstert Brian, als er liebevoll in mich eindringt.
Es ist schön, diese Worte zu hören und es ist ein wunderbares Gefühl, meinem Schatz wieder so nahe zu sein.
„Ich dich auch“, flüstere ich zurück.

„Wie war dann euer Spiel?“, frage ich, als ich nach einer ausgiebigen Dusche, neben Brian am Frühstückstisch sitze. Er ist gerade dabei Phyllis einen Pancake klein zu schneiden. Lani hat auch gerade seine Flasche bekommen und liegt friedlich in seinem Babysafe im Schatten und ist mit seinem Mobile beschäftigt. Es ist ein richtig schöner Tag und ich genieße ihn mit meiner Familie.
„Du weißt doch eh alles. So wie ich dich kenne, hast du doch das Spiel oder zumindest Sams Interview gesehen.“
„Natürlich, hab ich das“, gebe ich zurück: „Deine Pancakes sind echt spitze. Ich glaube du hast den falschen Beruf gewählt“, füge ich mit vollen Backen hinzu.
„Danke. Na, dem ist nichts mehr hinzuzufügen. Wir haben haushoch gewonnen. Keine Ahnung, was mit denen loswar. Normalerweise erwartet man von New York schon was besseres.“
„Du hast deine Sache echt super gemacht, genau wie Sam“, meine ich.
„Stimmt, die war wirklich brillant. War ja ihr erstes Auswärtsspiel, das sie interviewt hat. Na und da hat sie alle Register ihres Könnens gezogen.“ Brian grinst plötzlich vor sich her.
„Was gibt es da zu grinsen?“
„Ach, die Heats kennen Sam ja jetzt schon etwas besser. Schließlich ist sie bei fast jedem Heimspiel vor Ort. Und Sam hat halt ihren ganz eigenen Stil. Auf jeden Fall, wurden die Interviews der Mannschaft zwischen Sam und Lauren aufgeteilt.“
„Wer ist Lauren überhaupt?“, frage ich dazwischen: „Ich höre immer nur, dass Sam so über sie schimpft, aber keine sagt mir, wer das überhaupt ist. Gut, ich hab sie schon oft im Fernsehen gesehen, als sie diverse Sportler interviewt hat, aber was hat sie konkret mit Sam zu tun?“
„Tja, Lauren ist die Dame, die Sam etwas unter ihre Fittiche nehmen soll. Und die na ja, behandelt Sam wie den letzten Idioten, die überhaupt keine Ahnung hat. Auf jeden Fall, hat dann einer meiner Spieler sich geweigert Lauren ein Interview zu geben, weil er es viel lieber bei Sam macht. Lauren war stinksauer und dann hat es zwischen Sam und ihr richtig gekracht. Es war so köstlich. Du hättest da echt dabei sein müssen. Ich bin ja mal gespannt, wie die Sache zwischen den beiden weitergeht.“
„Ich finde Sam ja auch viel besser und sympathischer und hübscher als diese Lauren.“
„Tja, das ist wohl auch der Grund, warum nur Interviews mit Sam gezeigt wurden, aber kein einziges von Lauren.“ Brian grinst immer noch vor sich hin.
„Aber mal eine ganz blöde Frage. Es weiß keiner, dass ihr Geschwister seid, oder? Man hatte da nämlich so gar nicht den Eindruck.“
Brian schüttelt nur den Kopf: „Ich glaube einfach, dass es besser ist den anderen dieses kleine Detail zu verschweigen.“
„Na hoffentlich verplappert ihr euch nicht mal. Wäre bestimmt nicht so gut.“
„Ach, wir kriegen das schon hin“, meint Brian zuversichtlich: „Schließlich sind Sam und ich professionell genug, um Beruf und Privatleben zu trennen.“ Brian zieht dabei eine Grimasse, dass ich unwillkürlich lachen muss.
„Ich denke, dass sich Sam schon durchsetzen wird“, meine ich.
„Daran zweifle ich auch nicht“, stimmt mir Brian zu. Er schenkt sich noch mal Kaffee ein.
„Aber sag mal, Nick der arbeitet sich auch noch mal zu Tode oder? Er ist voll selten zu Hause und wenn dann nur ganz kurz. Er scheint zur Zeit sehr im Stress zu sein.“
Da hat Brian recht. Ich hab meinen Bruder auch schon eine ganze Weile nicht mehr wirklich zu Gesicht bekommen. Schon erschreckend.
„Sieht ganz so aus. Na ja, seine Tauchschule läuft ja jetzt wieder richtig gut. Durch die Übernahme sind die Schüler ja etwas weniger geworden, aber jetzt muss die Zahl wohl wieder einigermaßen stabil sein“, meine ich.
„Aber früher waren es doch auch zwei Tauchlehrer und noch der Chef selber, der sich um den ganzen Bürokram gekümmert hat“, wirft Brian ein.
„Schon, aber am Anfang sah es nicht so aus, dass ein zweiter Tauchlehrer gebraucht wird. Das wäre nur Geldverschwendung gewesen und durch den Kauf von der Tauchschule war Nick ja immer im finanziellen Engpass und ich glaube, dass er es noch ist. So extrem viel verdient hat er ja nicht. Ich meine, es hat gut gereicht, aber für so was....“
Brian und ich schweigen einen kurzen Moment.
„Ja, klar, ich verstehe schon, dass die beiden sparen wollen. Auch schon wegen Preston. Aber jetzt läuft die Tauchschule doch wieder spitze und Sam ist beim Fernsehen und verdient da auch nicht schlecht. Ich finde, dass sich Nick ruhig einen Tauchlehrer einstellen sollte oder zumindest eine Sekretärin, die den ganzen Papierkram erledigt.“
„Ich rede einfach mal mit ihm – vorausgesetzt ich bekomme Nick mal zu Gesicht.“
„Tu das. Ich mache mir nämlich langsam echt Sorgen um ihn. Er hat ja auch kaum mehr Zeit für Sam und seinen Sohn.“
„Hat sich Sam etwas bei dir deswegen beschwert?“, frage ich nach.
„Nein, nicht wirklich. Sie findet es nur etwas Schade, dass die beiden so wenig Zeit zusammen mit ihrem Sohn verbringen können.“
„Ist vielleicht auch nur eine Phase. Sam muss sich bestimmt auch erst mal etwas an ihren neuen Job gewöhnen und Nicks Stress legt sich bestimmt auch bald wieder. Ich bin da mal ganz zuversichtlich“, meine ich.
„Ich finde es trotzdem klasse, wie die beiden sich organisieren. Willst du den letzten Pancake noch?“, fragt Brian.
„Nein, wenn ich noch was essen, dann platze ich und das wäre dir bestimmt gar nicht recht und Sam und Nick auch nicht.“
„Da hast du allerdings recht. Na, das kann ich überhaupt nicht verantworten.“
Brian nimmt sich den letzten Pancake, bestreicht ihn mit Erdnussbutter und schiebt sich genüsslich ein Stück davon in den Mund.
„Tja, und ich muss dann auch mal langsam wieder los“, meint er kauend.
„Was?“, frage ich etwas überrascht: „Du gönnst deiner Mannschaft aber auch keine Pause.“
„Tja, die nächsten Spiele werden hart. Aber die Saison ist ja in vier Wochen vorbei und dann lasse ich das Training etwas lockerer laufen und ich habe wieder mehr Zeit für meine Lieben.“
„Das ist ja beruhigend“, gebe ich zurück.
Brian schiebt sich den letzten Rest Pancake in den Mund und räumt dann das Geschirr zusammen.
Er drückt mir einen flüchtigen Kuss auf die Lippen, bevor er sich seine Autoschlüssel schnappt und zum Training fährt.
Ich kann nur den Kopf schütteln. Brian ist schon unglaublich.
Ich hebe Phyllis aus ihrem Hochstuhl und setze sie auf den Boden. Sofort beginnt sie neugierig herumzukrabbeln. Als erstes steuert sie auf Lani zu und begutachtet ihn, wie er so in seinem Babysafe liegt. Auch Lani mustert seine große Schwester. Ganz zärtlich streicht Phyllis ihm über die Wange und erzählt ihm schließlich etwas mit den Worten, die sie schon kann.
„Na ihr drei“, begrüßt uns Nick, der soeben auf die Terrasse getreten ist.
„Morgen Nick!“ Ich wende kurz meine Aufmerksamkeit meinem Bruder zu: „Wie geht’s dir so?“
„Ich bin zur Zeit etwas im Stress“, gibt er zurück: „Und selbst?“
„Mir geht es super. Nick, hast du ein paar Minuten Zeit?“
„Ich muss eigentlich los zum Tauchunterricht.“
„Eben darüber wollte ich mit dir reden. Du arbeitest zu viel. Du bist ganz blass und wir bekommen dich ja kaum mehr zu Gesicht.“
„Ich weiß schon. Es ist zur Zeit wirklich etwas viel. Aber ich kann jeden Cent echt gut gebrauchen. Und es ist bestimmt nur eine Phase. Ich habe gerade viele neue Schüler bekommen und einige machen in naher Zukunft ihren Schein. Da muss ich für sie halt da sein, wenn sie mich brauchen. Außerdem habe ich jetzt so viel Freiheit wie ich will. Ich kann den Unterricht jetzt so gestalten wie ich möchte und das genieße ich. Ich habe da auch schon ein paar neue Ideen.“ Nick ist total begeistert und seine Augen beginnen zu leuchten.
„Und die wären?“
„Ich habe mir überlegt, dass ich mit den Schülern, die bald ihren Schein machen, einen Tauchgang machen werde, der etwas länger dauert. Damit sie einfach mal auch so was sehen und ein bisschen in die Tiefe kommen.“
„Du hast da aber ganz schön viel Verantwortung. Wenn da was schief geht...“
„Ich mache es ja auch nur mit denen, bei denen ich weiß, dass ich mich auf sie verlassen kann und dass sie ihren Schein ohne Probleme bekommen werden, da sie tauchen können und Bescheid wissen.“
„Aha. Und weiß Sam schon davon?“
„Nein, ich habe mir das ja auch erst gestern überlegt“, gibt Nick zurück.
„OK, wenn du das für richtig hältst. Ich mach mir einfach Sorgen um dich. Also pass auf dich und deine Schäfchen auf, ok?“
„Klar mache ich das. Du brauchst dir um mich keine Sorgen machen. Mir macht mein Job so viel Spaß.“
„Das ist schön zu hören.“
„Ich muss jetzt aber echt los. Es ist schon spät. Bis dann.“
Nick dreht sich um und läuft wieder ins Haus. Wenig später höre ich, wie er an unserem Haus vorbeifährt.
Phyllis hat sich inzwischen von ihrem Bruder wieder abgewendet und sich unsere Pflanzen auf der Terrasse besehen. Sie greift mit ihren Patschhändchen in die Blumentöpfe nach der schwarzen Erde, die auch schon überall auf dem Boden verteilt liegt.
„Junge Dame, ich hab dir schon oft gesagt, dass du die Blumenerde in den Töpfen lassen sollst und die vor allen Dingen nicht essen sollst.“
Phyllis will sich gerade die Erde in den Mund schieben. Sanft hindere ich sie daran und nehme sie schließlich auf den Arm.
„Das ist nicht gut für dich, wenn du die Erde isst“, sage ich zu ihr: „Jetzt tust du die Erde wieder zurück und spielst etwas anderes.“
Ich lasse sie wieder auf den Boden aber sofort wandert ihre Hand wieder zu ihrem Mund.
„Phyllis“, meine ich nun schon etwas strenger. Phyllis sieht mich nur mit ihren blauen Augen an und beginnt dann augenblicklich zu weinen.
Darauf entferne ich die Blumenerde selber, nehme sie wieder auf den Arm und bringe sie und Lani ins Haus. Dort setze ich sie erst mal in ihrem Laufstall ab. Ich stelle Lani etwas abseits daneben und räume das Geschirr in die Küche.
Meine kleine Maus protestiert zwar immer noch lautstark, aber beruhigt sich dann langsam wieder, als sie erkennt, dass sie keinen Erfolg hat. Sie ist gerade dabei ihre Grenzen auszutesten und damit bringt sie mich oft an meine eigenen Grenzen. Jeden Tag passiert etwas anderes. Man kann sie echt keine Sekunde aus den Augen lassen. Sie ist ein neugieriges Kind und krabbelt überall hin und fasst alles an, was sie in ihre Finger bekommt. Und das landet dann meisten in ihrem Mund.
Als ich wieder ins Wohnzimmer komme, schläft Lani friedlich und Phyllis hat sich mit einen Bilderbuch beschäftigt. Ich nehme sie wieder heraus und setze sie auf meinen Schoß. Dann lese ich ihr das Buch vor.
Sehr viel an Hausarbeit schaffe ich nicht, so lange Phyllis wach ist. Ich kann sie ja schlecht den ganzen Tag über in ihren Laufstall setzen. Sie hasst dieses Ding und beginnt immer lauthals zu schreien, wenn ich sie absetzen muss. Deswegen genießt sie meine ganze Aufmerksamkeit, während sie das ganze Haus unsicher macht. Und da ist wirklich nichts mehr sicher, was außer ihrer Weitreiche liegt. Ich habe die ganzen unteren Schränke ausgeräumt und in eine höhere Etage verstaut oder die Kästen zumindest so verschlossen, dass Phyllis die Türen nicht mehr aufmachen kann.
„Hey, was hältst du davon, wenn wir Tante Sam einen Besuch abstatten?“
„Jaaa“, kräht Phyllis begeistert und will sofort von meinem Schoß.
Fünf Minuten später sitze ich mit Phyllis bei Sam in der Küche auf einem Barhocker. Ich habe Sam unsanft aus ihrem heiligen Schlaf gerissen, als ich geklingelt habe. Nun braucht sie erst mal einen starken Kaffee. Lani liegt in seinem Babysafe und schläft immer noch friedlich.
„Wo ist Preston denn?“, frage ich.
„Der schläft schon wieder. Nick hat ihn noch versorgt, bevor er zu seinem Unterricht gegangen ist – glücklicherweise. Sylvia, ich glaube ich kann dir nicht verzeihen, dass du mich um meinen Schlaf gebracht hast“, grinst Sam.
„Tut mir Leid, wenn ich das gewusst hätte, dann wäre ich nicht gekommen. Aber ich hoffe es stimmt dich milder, wenn ich dir sage, dass ich dich vermisst habe.“
„Na gut, ok, einmal will ich das noch durchgehen lassen.“
„Da bin ich aber froh“, grinse ich.
„Gibt es einen bestimmten Grund für dein Kommen?“, erkundigt sich Sam schließlich.
„Als ob das nicht genügend Grund wäre, dass ich dich vermisst habe“, entrüste ich mich: „Nein, ich hatte einfach Lust mal wieder mit dir zu quatschen. Ich hab am Samstag dein Interview gesehen.“
„Ich hab auch nichts anderes erwartet.“
„Du bist echt großartig. So als ob du das schon immer gemacht hättest.“
„Tja, leider sind vom meinem Können nicht alle so begeistert wie du“, seufzt Sam.
„Lauren?“, frage ich nach. Sam stellt ihre Tasse Kaffee auf den Tisch und blickt mich mit funkelnden Augen an: „Sie ist eine echt unausstehliche Person. Sie behandelt mich so, als ob ich überhaupt keine Ahnung hätte.“
„Brian hat mir schon davon erzählt.“
Phyllis zappelt die ganze Zeit auf meinem Schoß. Nur widerwillig setze ich sie auf den Boden. Sie blickt sich kurz um und krabbelt dann auch schon zielstrebig durch die Küche.
Ich behalte meine Tochter schön im Auge, während ich mich mit Sam weiter unterhalte.
„Und was hast du so am Wochenende getrieben?“, fragt Sam.
„Nicht viel. Ich war damit beschäftigt, euch zu vermissen.“
„Euch?“
„Ja, euch. Ich habe ja schon erwähnt, dass ich dich vermisst habe und ich habe auch Brian vermisst, wenn ich ehrlich bin.“
Sam stützt ihren Kopf auf ihre Hände und blickt mich an: „Das ist doch schön. Ein gutes Zeichen.“
„Ja, das ist es wohl.“
„Ich hab es immer gewusst, dass ihr beide das wieder hinbekommt. Ihr seid einfach das Traumpaar schlechthin.“
„Ich dachte ehrlich gesagt schon gar nicht mehr dran. Die letzten Wochen war es so komisch. Aber am Wochenende habe ich Brian wirklich vermisst. Ich habe mich ständig gefragt, was er jetzt wohl gerade macht und es hat so gut getan, ihn wenigstens auf dem Bildschirm zu sehen.“
Ja, die Welt scheint wirklich wieder in Ordnung zu sein.
„Und was hast du so schönes an deinem freien Tag geplant?“, frage ich nach.
„Freier Tag klingt gut. Ich habe eigentlich einen Haufen Arbeit. Sylvie, kann ich dich um einen Gefallen bitten? Ich muss morgen um halb vier zu einem Interview. Ist keine so große Sache. So ein junger Golfer, der gerade eine ziemlich steile Karriere nach oben hinlegt. Ich müsste in zwei Stunden wieder zurück sein. Kannst du solange Preston nehmen?“
„Klar, du kannst ihn einfach rüber bringen. Dann musst du heute noch das Interview vorbereiten?“, frage ich.
„Ja, und nicht nur das. Ich hab vom Golf überhaupt keine Ahnung. Ich muss mich noch unbedingt einem Crashkurs entziehen. Ich will mich schließlich nicht vor der laufenden Kamera in irgendeiner Weise blamieren.“
„Ist das live?“, frage ich entsetzt nach. Doch Sam schüttelt nur den Kopf: „Nein, zum Glück nicht. Aber trotzdem. Schon allein wegen Lauren.“
„Verstehe. Na, dann will ich dich nicht länger aufhalten.“
„Das tust du nicht. Ich hab dich und deine Kinder doch immer gerne hier. Ich krieg das heute schon noch hin. Außerdem hab ich ja morgen auch noch etwas Zeit.“
„Trotzdem, wird es für uns auch wieder Zeit. Lani wird bald wieder Hunger haben, ich muss noch den ganzen Haushalt machen und Phyllis muss auch noch was essen, bevor sie ihren Mittagsschlaf macht.“
Ich verabschiede mich von Sam und gehe wieder zu mir rüber.

Sarahs pov.
Nun sitze ich schon seit zwei Stunden vor meinem Laptop und versuche Golf zu lernen. Aber wirklich erfolgreich bin ich nicht. Ich habe mich noch nie so wirklich für Golf interessiert und tue es immer noch nicht. Deswegen habe ich auch keine wirkliche Lust, mich damit auseinander zusetzen. Aber ich muss wohl oder übel in den sauren Apfel beißen. Schließlich kann ich nicht nur Basketballmannschaften interviewen, obwohl mir das am meisten Spaß macht – auch habe ich durch Brian ein leichtes Spiel.
Mitten in meine Recherche hinein klingelt mein Handy. Ich blicke auf den Display und stöhne auf, als ich Laurens Name darauf sehe. Die hat mir gerade noch gefehlt. Ich verspüre den intensiven Drang, sie einfach wegzudrücken, aber dann siegt doch meine anderen Seite.
„Wie kommen Sie voran?“, erkundigt sie sich, ohne mich zu begrüßen.
„Gut“, gebe ich kurz zurück. Ich würde noch besser vorankommen, wenn du mich nicht anrufen würdest, denke ich grimmig.
„Wie viele Fragen haben Sie denn schon?“, löchert sie mich weiter. Was soll denn das überhaupt? Die vertraut mir aber auch überhaupt nicht.
„Bis jetzt habe ich noch gar keine. Ich bin im Moment noch damit beschäftigt, mich mit dem Regeln und dem Spielablauf etc. vertraut zu machen. Aber ich habe ja noch etwas Zeit“, antworte ich zurück. Ich muss mich wirklich zusammenreißen, um nicht auszuflippen.
„Na ja, so viel Zeit haben Sie auch wieder nicht. Ich würde Ihnen ans Herz legen, sich morgen das Golfturnier anzusehen, damit Sie auch darüber informiert sind.“
„Ist das eine Anordnung?“, frage ich gereizt zurück.
„Nun, ich würde sagen, ein gut gemeinter Rat“, gibt sie höflich zurück. Diese falsche Höflichkeit bringt mich auf die Palme.
„Ich werde sehen, was sich machen lässt.“
„Wie gesagt, es ist nur ein gutgemeinter Rat. Und gerade für Sie, als Neuling in diesem Business wäre es wirklich ratsamer, wenn...“
„Sagen Sie, Lauren“, schneide ich ihr einfach das Wort ab: „Haben sie eigentlich Familie?“
„Nein, aber beides geht nun mal. Man kann nicht Karriere und Familie unter einen Hut bringen.“
Darauf kann ich echt nichts mehr sagen. Kein Wunder, dass die keine Familie hat. Wahrscheinlich hält es kein Mann länger als ein paar Stunden mit dieser Giftspritze aus.
„Mir ist meine Familie wichtiger, aber jeder hat andere Prioritäten und deswegen kann ich Ihnen nicht sagen, ob ich morgen um zehn am Golfplatz sein kann. Aber da ich ausgehen darf, dass Sie dort zu finden sind, sollte das im Notfall auch genug sein“, meine ich nur.
Und bevor Lauren noch etwas sagen kann, lege ich auf. Noch ein Wort von der und ich wäre an die Decke gesprungen. Was fällt der überhaupt ein?
Wütend werfe ich mein Handy auf das Sofa.
Gerade setzte ich mich wieder vor den Laptop, als auch noch das Telefon klingelt. Genervt hebe ich ab: „Ja, hallo?“
„Hey, Sam, ich bin’s, Sylvia. Was ist denn passiert, dass du so schlechte Laune hast?“, fragt sie mich sofort.
„Tut mir Leid, Sylvie. Lauren hat gerade angerufen. Die macht mich einfach wahnsinnig und verdirbt mir immer meine gute Laune. Sie hat mir nahe gelegt, morgen das Turnier anzusehen. Kannst du vielleicht auf Preston schon am Vormittag aufpassen. So gegen halb zehn?“
„Oh, das ist echt schlecht. Ich habe eigentlich mit meinen Kindern einen Arzttermin um zehn...“
Das ist ja echt blöd. Aber ich sehe ein, dass Sylvia da Preston nicht auch noch mitnehmen kann.
„Aber ich kann den ja verschieben. Es handelt sich ja nur um eine Routineuntersuchung“, fügt Sylvie sofort hinzu. Ach, wie süß ist das.
Doch ich lehne ab. Das muss jetzt echt nicht sein. Lauren ist ja ein Profi in dem Geschäft, also wird sie schon ohne mich klarkommen.
„Aber warum rufst du überhaupt an, Sylvie?“, wechsle ich das Thema: „Gib’s zu, du hast mich vermisst.“
„Na klar. Und dabei wollte ich fragen, ob du heute Abend was spezielles vorhast.“
„Nein, eigentlich nicht, warum?“
„Kannst du auf Lani und Phyllis aufpassen? Brian hat mich gerade angerufen, und er hat gemeint ob wir nicht mal wieder schön essen gehen könnten und so halt. Wir holen die Kids dann auch wieder ab, sobald wir zurück sind.“
„Nein, das ist überhaupt kein Problem. Dann kann ich mich mal revanchieren. Wisst ihr schon, wo ihr hingeht?“
„Nein, wir entscheiden das spontan.“
„Dann wünsche ich euch einen ganz schönen Abend.“
„Den werden wir schon haben“, gibt Sylvie zurück.
Wir reden noch ein paar Minuten weiter und wenden uns dann wieder unserer Arbeit zu.
Ich habe jetzt erst recht keine Lust mehr, mich auf das morgige Interview vorzubereiten. Ich überlege mir lediglich noch ein paar Fragen und beschließe dann die Sache auf sich beruhen zu lassen. Irgendwie kriege ich das schon hin. Und Lauren kann mir auch gestohlen bleiben!

„Na, wie ist es gelaufen?“, fragt Brian, als ich meinen kleinen Sonnenschein am nächsten Tag wieder abhole.“
„Echt super“, gebe ich fröhlich zurück.
Es lief wirklich alles perfekt und sich das Spiel anzutun wäre echt Zeitverschwendung gewesen.
„Ich hab es Lauren wieder mal gezeigt“, füge ich grinsend hinzu, worauf Brian nur den Kopf schüttelt.
„Bist du schon startklar für dein nächstes Spiel?“, frage ich.
„Mehr oder weniger. Wir üben fleißig und werden unser bestes geben, wie immer“, antwortet Brian.
„Ich freu mich schon drauf. Das wird bestimmt spannend. Der Tabellenführer gegen den 6. Platz. Und anschließend ein tolles Interview“, plappere ich einfach weiter. Ich habe meine gute Laune wieder zurück und freue mich einfach nur, dass ich die nächsten zwei Tage wirklich frei habe. Ich muss überhaupt nichts machen und kann die ganze Zeit mit meinen zwei Engeln verbringen.
„Na ja, ich werde dann mal wieder gehen. Nick kommt ja in ein paar Minuten auch nach Hause und Preston wird bald wieder Hunger haben“, verabschiede ich mich.
„Bye, Sam“, meint auch Brian.

„Hey, Nick“, begrüße ich meinen Schatz, als dieser in die Küche tritt.
Er gibt mir einen dicken Kuss und lässt sich auf einen Barhocker nieder. Ich bin gerade dabei das Abendessen zu kochen. Preston liegt in seinem Babysafe und mustert seine Umgebung.
„Wie war dein Tag?“, frage ich: „Du siehst müde aus.“
„Er war wie immer. Anstrengend aber schön. Wie lief dein Interview?“
„Super wie immer. Es hätte überhaupt nichts gebracht, sich das Turnier anzusehen“, gebe ich zurück.
Preston fängt auf einmal zu weinen an. Nick nimmt ihn heraus und wiegt ihn zärtlich hin und her. Aber er hört nicht auf.
„Er wird wohl Hunger haben. Für den kleinen Mann ist es schon wieder Zeit“, meine ich: „Pass du mal aufs Essen auf, während ich ihn stille?“, frage ich.
Nick nickt nur und übergibt mir unseren schreienden Sohn.
Sobald er mit Trinken beschäftigt ist, ist er wieder glücklich und zufrieden.
Nick steht nun am Herd und nimmt sich den Nudeln an.
„Sam, ich muss mal mit dir reden“, beginnt Nick da. Warum kann ich Gespräche die so anfangen, nicht ausstehen?
„Jetzt guck mich nicht so an. Es ist ja nichts schlimmes. Ich hatte nur ein paar neue Ideen für meine Tauschule“, redet er weiter.
„Willst du einen zweiten Tauchlehrer einstellen?“, frage ich.
„Nein, ich habe mir überlegt, dass ich für die Schüler, die bald ihren Schein machen, an einem Tag einen Tauchgang machen könnte. Was hältst du davon?“
„Willst du jetzt meine ehrliche Meinung?“, frage ich nach.
„Natürlich.“
„Ich finde es nicht gut. Nick, wie viel willst du denn noch machen? Wir sehen uns ja kaum noch. Du bist den ganzen Tag in der Schule. Gut, ich habe auch meinen Job, aber trotzdem. Wir sehen uns ja nur noch am Abend und da sind wir beide meistens so fertig, dass außer Fernsehen nicht mehr viel drin ist. Und sonntags wenn es dumm läuft, dann haben wir den Sonntag auch nicht Zeit, wenn ich bei auswärtigen Sachen arbeiten muss. Und da finde ich es echt nicht gut, wenn du dir noch zusätzlich Arbeit aufhalst.“
„Aber das ist ja nicht Arbeit. Mir macht so was echt Spaß.“
„Das ist meine Meinung. Ich finde es nicht gut. Aber ich kann dich auch nicht daran hindern, es zu tun. Du lässt dich davon sowieso nicht mehr abbringen, egal was ich sage“, meine ich.
„Stimmt“, gibt Nick nur zurück und dann ist das Thema auch schon wieder vom Tisch. Es macht einfach keinen Sinn da noch länger drüber zu reden.
Preston hat sich auch satt getrunken und somit erhebe ich mich wieder. Ich übergebe Nick seinen Sohn, um mich selbst wieder um unser Essen zu kümmern. Doch kaum hat Nick Preston auf dem Arm, fängt dieser wieder lauthals zum Weinen an. Ich werfe Nick nur einen flüchtigen Blick zu. Nick versucht alles, um seinen Sohn wieder zu beruhigen, doch er hat keinen Erfolg. Schließlich nehme ich ihm Preston ab. Ich habe keine Mühe, ihn wieder zu beruhigen.
Ich blicke Nick nun ernst an, der sich wieder auf den Barhocker gesetzt hat: „Und das Endergebnis deiner vielen Arbeit sieht man ja hier. Dein Sohn fremdelt, wenn du ihn auf dem Arm hast.“
Nick schaut mich unfassbar sein. In seinen Augen liegt ein trauriger Schimmer. Ich nehme Preston wieder auf den Arm und gehe zu Nick hinüber. Ich wuschle ihm durch seine blonden Haare.
„Nimm’s nicht so schwer. Das ist nur eine Phase. Das kann morgen schon wieder vorbei sein.“
„Oder auch nicht“, gibt Nick zurück. Zärtlich streiche ich über seine Wangen.
„Wir müssen unser gemeinsames Familienleben einfach besser organisieren“, meine ich.
„Ich weiß nur nicht, wie das gehen soll.“ Nick blickt mich verzweifelt an. Mein armer Schatz.
„Ich werde mit meinem Chef reden und ihn bitten, mir zu sagen, wo und wann ich gebraucht werde. Das wird sich ja irgendwie organisieren lassen, dass ich das schon ungefähr ein oder zwei Wochen vorher weiß. Dann kannst du deine Tauchschüler danach abstimmen und somit müssen wir Preston auch nicht ständig zu Sylvie rüber geben. Ihr macht das zwar nichts aus, aber so ganz wohl fühle ich mich nicht dabei. Und die Wochenenden versuchen wir so gut wie möglich eben gemeinsam zu verbringen. Wir kriegen das schon wieder hin“, meine ich zuversichtlich.
Nick blickt mich nur skeptisch an.
„Das wird schon wieder. Das Essen ist fertig“, füge ich noch hinzu. Ich lege Preston wieder zurück in seinen Babysafe und stelle dann die Töpfe auf den Tisch.

„Woran, glauben Sie, liegt Ihre heutige Niederlage?“, frage ich Brian, nach seinem Spiel.
„Das ist eine gute Frage. Ich kann es nicht wirklich sagen. Wir haben heute einfach nicht die nötige Leistung erbracht und die Bulls waren einfach in besserer Form, als wir selbst und auf uns besser vorbeireitet. Je länger die Saison andauert, desto genauer kann man die Stärken und Schwächen der Gegner erkennen und gezielt dagegen vorgehen, genauso gegen ihre Taktik.“
„Ok, Mr. Littrell. Dann danke ich für Ihr kleines Interview”, meine ich. Brian lächelt noch einmal in die Kamera und dann ist unsere Arbeit hier erledigt.
Brian geht zu seinen niedergeschlagenen Spielern zurück und auch ich mache mich auf den Nachhauseweg.
Es war schon ein seltsames Gefühl, Brian auf einmal zu interviewen. Schließlich war es das erste Mal, dass seine Mannschaft verloren hatte. Es war ein wirklich schlechtes Spiel gewesen, aber die Heats haben eben versucht, das beste aus der Situation zu machen. Aber die Bulls waren einfach zu gut.
Gedankenverloren gehe ich zu meinem Auto. Zum Glück ist mir heute wenigstens Lauren erspart geblieben. Die konnte heute leider nicht kommen, aus welchen Gründen auch immer.
„Hallo Sarah“, werde ich plötzlich aus meinen Gedanken gerissen. Ich drehe mich um und neben mir steht eine hübsche Blondine. Ich stocke einen Moment: „Julia?“, frage ich dann nach. Die junge Frau nickt nur strahlend.
„Wie geht es dir?“, frage ich ziemlich verwirrt: „Und was machst du überhaupt in Miami. Ich denke du bist damals mit deinen Eltern nach San Francisco gezogen.“
„Das ist auch richtig so. Aber jetzt hat es mich wieder nach Miami gezogen. Ich habe es hier schon immer geliebt. Es ist so traumhaft schön hier und jetzt habe ich ja auch mein eigenes Häuschen hier. Eigentlich wollte ich ja schon früher zurückkommen, aber ich habe es nicht vorher geschafft. Jetzt verbringe ich noch die restlichen Winterwochen hier“, redet sie los.
Ich kann nur nicken. Dann zieht sie ihre Autoschlüssel aus ihrer Handtasche. Jetzt erst bemerke ich den roten Sportflitzer, der neben meinem Auto steht. Ich folge Julia dann in Richtung Auto.
„Und was machst du dann hier?“, frage ich weiter.
„Ich wollte nur Brian mal wieder sehen. Leider hatten wir noch keine Zeit, zu reden, aber das kommt bestimmt noch. Bis dann.“
Ich kann Julia nur nachgucken, wie sie davon fährt. Langsam steige ich ein und fahre ebenfalls von der Halle weg nach Hause.
Ich kann es nicht glauben, dass ich gerade Brians Exfreundin getroffen habe. Ich bin total fertig und ich habe auch kein gutes Gefühl bei der Sache. Heute ist einfach ein beschissener Tag.
Ich muss unbedingt so schnell wie möglich mit Brian darüber reden. Ich kann es echt nicht glauben, dass Julia wieder hier ist und dann auch noch zu einem von Brians Spielen kommt.
Aber zu Hause muntert mich Nick und Preston erst mal wieder etwas auf. Die beiden nehmen mich ganz schön in Anspruch und somit komme ich erst am Abend dazu, mit Brian zu reden. Sylvie macht Phyllis gerade fürs Bett fertig und somit kann ich ungestört mit Brian reden.
„Brian, du wirst nicht glauben, wen ich heute getroffen habe“, beginne ich ohne groß um den heißen Brei zu reden.
„Doch. Julia“, gibt er ganz ruhig zurück und blickt mir direkt in die Augen.
„Du hast die auch gesehen?“
„Sie war wohl kaum zu übersehen. Sie hat die ganze Zeit zu mir rüber geguckt.“
„Ich hab sie erst auf dem Parkplatz gesehen. Eigentlich hat sie mich ja gesehen und mich angequatscht, sonst hätte ich sie wohl nicht mehr erkannt.“
„Du warst damals ja auch noch ziemlich klein. Und sie hat sich auch in all den Jahre ziemlich verändert.“
„Sie sieht sehr hübsch aus“, meine ich.
Brian nickt nur.
„Brian, wie kannst du da nur so ruhig bleiben?“, frage ich nach.
„Sam, es ist doch kein so ein großes Drama. Du brauchst dir um nichts Sorgen zu machen. Ich war zwar mit Julia über zwei Jahre zusammen und es war auch schrecklich, als sie Schluss gemacht hat, nur weil sie aus Miami weggegangen ist, aber ich bin jetzt mit Sylvia zusammen und bin glücklich mit ihr. Ich habe kein Problem mit Julia. Wir haben uns im Frieden getrennt.“
„Trotzdem habe ich kein gutes Gefühl bei der Sache. Du solltest wenigstens mit Sylvia darüber reden.“
„OK, mache ich, wenn dich das beruhigt.“
„Ja, das tut es. Noch mal so einen Streit zwischen euch beiden, stehe ich nämlich nicht durch. Mehr wollte ich auch gar nicht. Gute Nacht Brian“, verabschiede ich mich von meinem großen Bruder und gehe dann wieder nach Hause.

Sylvias pov.
Ich lege meine kleine Maus in ihr Bettchen und decke sie gut zu.
„Daddy kommt auch noch gleich und liest dir eine Geschichte vor“, meine ich leise. Ich gebe Phyllis einen Kuss auf die Wange: „Schlaf gut, Kleines.“
Ich gehe die Treppen wieder hinunter. Aus dem Wohnzimmer höre ich Stimmen. Ich weiß, dass Sam da war, aber das ist definitiv nicht ihre Stimme. Außerdem hat vorher jemand geklingelt, als ich Phyllis noch gebadet habe.
Ich trete ins Wohnzimmer und stocke erst mal, als ich eine junge Frau auf unserem Sofa sitzen sehe. Neben ihr ist Brian. Die beiden scheinen sich ja prächtig zu amüsieren. Mir versetzt dieses Bild sofort einen Stich. Dennoch schlucke ich mein Misstrauen erst einmal hinunter.
„Brian, deine Tochter will noch von die ihre Gute-Nacht-Geschichte hören“, meine ich. Ich bleibe in einiger Entfernung vor dem Sofa stehen und blicke die beiden einfach nur an.
„Guten Abend“, meine ich höflich. Die junge Frau erstarrt, als sie mich sieht.
„Du hast eine Tochter?“, fragt sie an Brian gewandt.
„Ja, das habe ich. Und einen Sohn.“ Brian kommt auf mich zu und legt mir einen Arm um die Schulter.
„Das ist übrigens Sylvie, meine Frau und das ist Julia, meine Exfreundin.“
Ich setze mein falsches Lächeln auf. Mir entgeht das Funkeln von Julias Augen nicht. Sanft löse ich mich aus Brians Umarmung und gebe der Fremden die Hand. Am liebsten hätte ich sie angeschrieen, was sie hier zu suchen hat und Brian sofort zur Rede gestellt. Aber ich halte meinen Ärger zurück. Auch Julia lächelt mich nun an, aber ich weiß, dass sie es genauso wenig ernst meint, wie ich selber.
Wieso ist sie hier und was hat sie dann zu suchen. Warum hat Brian mir nicht schon früher von ihr erzählt? Sobald sie wieder weg ist, werde ich ihn zur Rede stellen. Ich hoffe nur, dass das bald sein wird, weil ich nicht weiß, wie lange ich mich beherrschen kann.
„Liebling, kannst du nicht Phyllis heute die Geschichte vorlesen?“, fragt Brian und guckt mich lächelnd an. Eigentlich passt mir das gar nicht. Am liebsten würde ich nicht mehr von Brians Seite weichen. Früher wäre mir das egal gewesen, aber mein Vertrauen zu Brian hat seit dem One-Night-Stand einen Knicks bekommen. Woher soll ich wissen, dass er nicht noch einmal schwach wird, noch dazu bei so einer Schönheit? Ich zögere, aber gerade zum richtigen Zeitpunkt fängt Phyllis zu weinen an.
„Klar, mache ich das“, meine ich. Ich drehe mich um und schaue meinen Ehemann eindringlich an. Hoffentlich hat er meinen Blick verstanden.
Dann gehe ich die Treppen zu Phyllis Zimmer hinauf und kümmere mich wieder um unsere kleine Tochter.
Als ich wieder in Phyllis’ Zimmer komme, sitzt sie in ihrem Bett und sieht mich auffordernd an, als ob sie mir sagen möchte: „Hey Mom, wo ist Dad? Er soll mir doch was vorlesen.“
„Ach Maus, schau mich nicht so an. Daddy hat gerade Besuch und kann dir jetzt nichts vorlesen. Du musst dich heute wohl oder übel mit mir begnügen“, meine ich und setze mich mit ihrem Lieblingsbuch an ihr Bett.
Nach der Hälfte von „Der Bär, der fliegen lernen möchte“ ist Phyllis auch schon eingeschlafen und hält ihren Pinguin fest umklammert. Sie ist einfach zu süß und ich bleibe noch einen Moment bei ihr sitzen.
Jetzt hier bei meiner kleinen Tochter zu sitzen, gibt mir ein unglaublich gutes Gefühl. Ich fühle mich richtig gut als Mom und bin überglücklich. Und gleichzeitig fühle ich mich gerade richtig schlecht, weil ich einfach nicht weiß, was Brian und diese Julia da unten gerade machen. Ich dachte schon, ich würde mich nie wieder so schrecklich fühlen. Ich kann nicht glauben, dass er diese Frau in unser Zuhause lässt. Wir sind eine glückliche Familie und können Störenfriede nicht gebrauchen. Phyllis und Lani sollen eine glückliche und schöne Kindheit mit Mutter und Vater unter einem Dach verbringen. Wie soll ich denn jetzt auf diese Frau da unten reagieren? Früher wäre das problemlos gegangen, aber jetzt? Aber ich kann hier jetzt nicht mehr untätig rumsitzen. Ich will wissen, was die beiden da unten machen.
Als ich ins Wohnzimmer komme, sitzt Brian allein auf dem Sofa und schaut sich eine Sportsendung an. Ok, wie soll ich ihn drauf ansprechen?
„Brian, was wollte diese Frau hier?“, frage ich ihn ganz direkt, als ich mich neben ihn setze.
„Julia? Sie wollte sich nur mit mir unterhalten. Wir haben uns lange nicht mehr gesehen. Stört dich das etwa?“, fragt er mich, ohne wirklich von seiner Sportsendung aufzublicken.
„Um ehrlich zu sein, ja. Brian, warum bringst du diese Frau in unser Haus?“
Brian sieht mich kurz an, dann schaltet er den Fernseher ab: „Ich habe diese Frau, wie du sie bezeichnest, nicht in unser Haus gebracht. Sie hat geklingelt, ich hab aufgemacht und sie dann reingebeten.“
„Wenn du dich über mich lustig machen willst, dann sag es ruhig. Ich finde das nämlich überhaupt nicht lustig. Kaum hat sich unsere Beziehung nach DEINEM Ausrutscher wieder etwas normalisiert, bringst du die nächste Schönheit hier her. Das kann doch nicht dein Ernst sein.“
Brian sieht mich lange an, bevor er etwas sagt. Bin ich zu weit gegangen? Ich unterstelle ihm doch schon fast den zweiten Seitensprung. Aber es ist doch klar, dass ich ihm noch nicht ganz vertrauen kann. Was denkt er denn? Das ich das jetzt alles wieder vergessen habe, nur weil wir nach langer Zeit wieder miteinander geschlafen haben?
„Deiner Aussage zur Folge nehme ich an, dass du mir immer noch nicht ganz vertraust“, meint Brian irgendwann und sieht mich etwas enttäuscht an.
„Ist das denn so überraschend für dich? Ich versuche mein Vertrauen zu dir ja wieder aufzubauen, aber das geht nicht von heute auf morgen. Vor allem, wenn du laufend Blondinen triffst.“
„Jetzt hör aber auf! Was heißt denn hier laufend?“
„Na ja, dein Seitensprung und jetzt Julia“, meine ich und blicke zu Boden.
„Weißt du was? Wenn du mir wieder vertraust, dann reden wir noch mal drüber. Ansonsten endet das nur noch im Streit.“

Sarahs pov
„Morgen Süße“, begrüßt mich Nick, als ich ihn verschlafen anschaue.
„Morgen Honey“, gähne ich noch im Halbschlaf: „Muss erst mal mein Bärchen durch knuddeln“, meine ich und drehe mich halb auf Nick drauf.
„Hast du denn gut geschlafen? Schließlich ist heute dein großer Tag!“, fragt mich Nick nach einem zärtlich Guten-Morgen-Kuss. Ja, heute ist mein großer Tag. Ich bin heute Spielkommentator des Basketballspiels
Miami Heat gegen die New York Knicks. Ich bin schon etwas nervös, schließlich kommentiere ich das erste Mal ein Spiel und ich weiß ganz genau, dass wenn ich es versaue, mir Lauren das ewig auf die Nase binden wird. Ich muss also geradezu perfekt sein.
„Ich bin noch ein bisschen verschlafen, aber sonst....“, meine ich, aber Nick unterbricht mich: „Gegen deine Müdigkeit könnte man ja was tun!“ Und ehe ich darauf etwas erwidern kann, fängt Nick an, mich zärtlich zu küssen. Langsam ziehe ich Nick sein T-Shirt aus und küsse sanft seinen Hals. Es fühlt sich wunderschön an, endlich mal wieder so nah bei ihm zu sein. Er streicht mir zärtlich über meine Seiten und Gänsehaut breitet sich auf meinem ganzen Körper aus. Es ist unglaublich. Ich sehe in Nicks blaue Augen und bin hin und weg. Als er mich anlächelt, schmelze ich unter seinen warmen und geschmeidigen Händen dahin. Als er in mich eindringt und mich leidenschaftlich küsst, passe ich mich seinem Rhythmus an und es ist einfach der reine Wahnsinn.
„Du bist das Beste, was mir je passiert ist“, flüstert Nick. Als Antwort darauf, küsse ich ihn leidenschaftlich.
„Du bist auch das Beste, was mir je passiert ist“, flüstere ich, als ich mich ganz nah an Nick kuschele.
„Na das will ich ja schwer hoffen“, meint er nur lächelnd, während er seine Arme um mich schlingt und mich dadurch näher zu sich heran zieht.
Keine fünf Minuten später hören wir Preston durch das Babyphon weinen.
„Bleib nur liegen, ich mach das“, meint Nick, als ich mich aufraffen möchte und klettert aus unserem Bett. Ich kuschele mich wieder in die Decke, aber nicht lange, denn bald darauf kommt Nick wieder mit Preston auf dem Arm und meint: „Mein Kumpel hier hat höchstwahrscheinlich Hunger. Und außerdem möchte er sicher noch mit uns weiter kuscheln.“
„Na dann gib mir mal den süßen Fratz“, lache ich und strecke die Arme nach meinem Bärchen aus.
„Guten Morgen mein süßer Schatz! Heute hast du aber lange geschlafen!“, begrüße ich ihn, als er in meinen Armen liegt und mich mit großen Augen anschaut. Nick liegt inzwischen auch schon wieder neben mir und krault zärtlich meinen Arm. Wie schön, ein richtig schönes Familienerlebnis. Ein paar Minuten später nuckelt er auch schon an meiner Brust, nachdem ich ihn genug abgebusselt habe. Während Preston sich an mich schmiegt und sich fleißig satt trinkt, sehe ich ihm lächelnd dabei zu. Ich bin überglücklich.
„Du bist süß“, meint Nick und küsst mich zärtlich, „Ich hab dich gerade ein bisschen beobachtet....Du gehst in deiner Mutterrolle richtig auf!“
Dann küsst er mich wieder. Die Saugkraft lässt so langsam nach und Preston streicht mit seinen kleinen Händen über meine Haut. Nick und ich kuscheln uns wieder unter die Decke und legen Preston zwischen uns. Es ist wunderschön und am liebsten würde ich noch ewig so liegen bleiben. Aber ich muss heute ein Basketballspiel, dass live übertragen wird, kommentieren.

Sylvies pov.
„Und jetzt sehen Sie das Spiel Miami Heat gegen die New York Knicks mit Sarah Carter als Kommentator“, meint der Nachrichtensprecher, als auch schon das Basketballfeld im Fernseher erscheint. Nick und ich sitzen gemeinsam auf der Couch. Preston liegt in Nicks Armen und sieht gebannt auf den Fernseher. Lani liegt in seinem Babysafe und Phyllis krabbelt, so weit sie zwischen Nick und mir kommt, herum.
„Sam muss doch tierisch nervös sein, oder nicht? Also ich wäre das schon, wenn mich die ganzen Vereinigten Staaten hören könnten, wie ich ein Spiel kommentiere“, meine ich und blicke gebannt auf den Fernseher. Dafür bewundere ich Sam wirklich. Ich könnte das nie im Leben.
„Nervös war sie schon, aber das ist ja genau das Richtige für sie“, meint Nick und streicht zärtlich über Prestons Kopf, „Der Nervenkitzel gefällt ihr doch und andere Leute zu unterhalten noch viel mehr. Kein Wunder, dass Brian und Sam Geschwister sind.“
Ja, da hat Nick recht. Brian und Sarah Littrell sind die perfekten Unterhalter und Sam hätte gar keinen besseren Job bekommen können. Wir schweigen eine Weile und verfolgen das Spiel und Sams Kommentare. Sie macht das wirklich gut und ich bin sehr stolz auf sie. Sam scheint wohl eine der Wenigen zu sein, die Karriere und Familie gut unter einen Hut bringt. Eine richtige Managerin.
„Sag mal Nick, hat dir Sam schon von Julia erzählt?“, frage ich meinen Bruder auf einmal.
„Nein, nicht wirklich. Wer ist das? Eine neue Konkurrentin von Sam, die sie jetzt auch noch ins Aus boxen will?“, fragt Nick lachend.
„Nein, das ist Brians Ex.“
„Was?“, fragt Nick entsetzt und sieht mich sofort an.
„Ja, Julia ist Brians Exfreundin. Er war zwei Jahre mit ihr zusammen, aber dann ist sie mit ihrer Familie nach San Francisco gezogen.“
„Und warum ist sie jetzt wieder hier?“, fragt mich Nick. Er ist ganz offensichtlich etwas geschockt.
„Das weiß keiner so genau. Sie hat hier ein Häuschen und hat Miami vermisst.....und Brian. Sie will anscheinend nur ein paar Wochen hier verbringen. Glaub mir, ich bin richtig froh, wenn die blöde Kuh hier wieder weg ist.“
„Das glaub ich dir sofort. Hast du denn mal mit Brian darüber geredet? Also über Julia, meine ich“, fragt Nick, während Preston mit Nicks Finger spielt.
„Ja, natürlich. Aber es ist nicht besonders gut gelaufen, würde ich sagen. Ich habe ihm mehr oder weniger einen zweiten Seitensprung vorgeworfen.“
Nick sieht mich tadeln an: „Es ist ja verständlich, dass du ihm noch nicht wieder zu 100% vertrauen kannst, aber ihm einen zweiten Seitensprung vorwerfen? Sylvie, ich bitte dich. Das geht nun echt etwas zu weit.“
Ja, ich glaube Nick hat Recht.

Heute ist das letzte Heimspiel der Miami Heats und dann beginnt die Saison erst wieder im Oktober. Ich bin froh, wenn das heutige Spiel vorbei ist. Dann hört für Brian erst mal der ganze Stress mit herumreisen auf und er ist bei uns zu Hause. Brian und diese Julia haben sich zwar nicht mehr getroffen, aber ich bin immer noch ein bisschen misstrauisch. Ich bin mir einfach nicht sicher, ob er mir wirklich treu bleibt. Ich meine, ich weiß dass er mich liebt, aber trotzdem. Ich kann auch nichts dagegen tun. Und wenn man sich Julia anschaut, muss man ja wohl oder übel zugeben, dass sie wirklich ausgesprochen hübsch ist.
„Hi Nick!“, begrüße ich meinen Bruder, als er mir die Tür öffnet.
„Sylvie, schön dich zu sehen. Mit dir hätte ich jetzt nicht gerechnet.“
„Nick, ich wollte dich eigentlich um einen Gefallen bitten. Ich....Kannst du vielleicht auf Phyllis und Lani aufpassen? Ich muss kurz weg und kann die beiden da schlecht mitnehmen“, frage ich ihn.
„Ja klar, geb mir die beiden einfach“, meint er und wendet sich an Phyllis: „Wir werden eine Menge Spaß haben, stimmt’s?“

Das letzte Viertel dieses Spiels neigt sich den letzten Minuten zu. Wie es aussieht, gewinnt Miami. Ich höre Sams Stimme durch die Halle. Sie macht das toll. Sie kann wirklich stolz auf sich sein.
Als das Spiel zu Ende ist, warte ich, bis Brian in der Nähe der Umkleiden ist. Ich weiß genau, dass diese Julia auch wieder da sein wird und jetzt werde ich dem ganzen hier ein Ende bereiten. Kaum bin ich in der Nähe der Kabinen, höre ich auch schon Brians Stimme. Ich riskiere einen Blick auf ihn und sehe, dass er sich tatsächlich mit Julia unterhält. Es ist einfach unglaublich. Er redet mit ihr, obwohl er genau weiß, dass ich eifersüchtig bin. Das ist einfach unglaublich und so dreist. Na warte, denen zeig ich es jetzt. Ich will gerade losstürmen und mich zu einer Furie verwandeln, als ich Brian sagen höre: „Julia, es tut mir wirklich leid, aber ich will wirklich nichts von dir. Es tut mir leid, wenn du das gedacht hast, aber ich bin glücklich verheiratet. Ich habe zwei Kinder und eine wundervolle Frau. Ich habe schon einmal einen Fehler begangen und damit meine Ehe leichtfertig aufs Spiel gesetzt. Ich möchte diesen Fehler nicht noch einmal begehen, deswegen wäre ich dir sehr dankbar, wenn du mich....in Ruhe lassen würdest.“
Das darf nicht wahr sein. Wie konnte ich Brian nur unterstellen, dass er mich mit der nächsten Blondine wieder betrügen würde? Ich bin ja so ein Dussel. Ich möchte hier so schnell wie möglich weg, denn ich möchte nicht, dass Brian mich hier sieht und mitbekommt, dass ich ihn belauscht, viel mehr, ihm hinterher spioniert habe. Ich will gerade um die Ecke verschwinden, als ich meinen Namen höre: „Sylvie, was machst du denn hier?“
„Hi mein Schatz! Ach weißt du, ich wusste, dass ihr gewinnen werdet und deswegen bin ich her gefahren, um dir zu eurem Sieg zu gratulieren“, stottere ich und küsse ihn schnell, um ihn abzulenken.
„Und jetzt die Wahrheit, Sylvie“, meint Brian und sieht mich eindringlich an. Ja, okay, dann eben die Wahrheit. Wir müssen ja sowieso darüber reden.
„Okay,....ich bin hier, weil ich wissen wollte, was zwischen dir und dieser Julia läuft. Aber dann habe ich euer Gespräch mitbekommen und wollte jetzt abhauen, weil ich...“
„Weil du gehört hast, dass ich meinen Seitensprung bereue und dich nie wieder betrügen werde?“
„Ja, genau und weil ich einfach ein Dummchen bin, zu glauben, du würdest dir so einfach die Nächste schnappen.“
„Und dafür liebe ich dich, Sylvia. Und ich sage es dir jetzt noch einmal. Ich liebe dich und nur dich. Es war damals ein großer Fehler, diesen Seitensprung zu begehen, aber das wird mir nicht noch einmal passieren. Ich habe dich damals sehr verletzt und das tut mir unendlich leid. Ich weiß nicht, wie ich das je wieder gut machen kann. Du bist das Beste, was mir je passiert ist und ich möchte, dass du das weißt.“
Dann küsst er mich und es ist wie bei unserem ersten Kuss. Ich fühle die Schmetterlinge im Bauch und habe das Gefühl, gleich in Ohnmacht zu fallen. Es ist einfach wunderschön und ich möchte dieses dunkle Kapitel in unserem Leben einfach nur noch vergessen.
„Und was machen wir jetzt?“, fragt Brian, nachdem wir uns wieder lösen.
„Keine Ahnung“, gebe ich zurück. Ich weiß es wirklich nicht. Ich hab heute mit allem gerechnet, nur nicht mit dem hier.
„Haben wir das jetzt ein für alle mal geklärt?“, fragt Brian und sieht mich eindringlich an.
Ich nicke: „Ja, das habe wir. Endgültig.“
Darauf ergreift Brian meine Hand und zusammen laufen wir aus der Halle.
Wir fahren gemeinsam nach Hause, denn da möchten wir beide jetzt am liebsten sein mit unsren beiden Kindern.
„Sam hat einen klasse Job gemacht, nicht?“, frage ich.
„Ja, das macht sie doch immer.“
„Stimmt. Aber ich bin ja mal richtig gespannt, wie das mit Lauren weitergeht. Die Frau platzt doch bald vor Eifersucht.“
„Da hast du völlig recht, aber davor platzt wohl eher Sam vor Wut.“
Ich kann mir ein Grinsen nicht verkneifen. Brian trifft mit seinen Worten den Nagel auf den Kopf. Die beiden können sich absolut nicht ausstehen. Ich lehne mich seufzend in meinem Sitz zurück.
„Alles klar mit dir?“, fragt Brian und mustert mich kurz.
„Klar doch. Mir geht es super. Bist du jetzt froh, dass deine erste Saison vorbei ist?“
„Es ist mein Job. Ich mache das gerne. Ich werde die Jungs schon vermissen, aber ich freue mich auch soo doll auf dich und unsere zwei kleinen Mäuschen. Jetzt habe ich wirklich Zeit für meine Family. Das Training ist ja jetzt erst mal eine Weile nicht, dass sich alle ein wenig ausruhen können und ich muss nicht jedes zweite Wochenende irgendwo hinfliegen.“
„Bist du mit deiner Leistung zufrieden?“, frage ich noch weiter nach.
Brian wirft mir einen belustigten Blick zu.
„Was hast du? Das war doch jetzt ein ganz normale Frage.“
„Ja schon...aber ich glaube du lässt dich zu sehr von Sam und ihrem neuen Job beeinflussen. Solche Fragen höre ich doch eher aus ihrem Mund als aus deinem.“
„Na ja, mich interessiert das eben, was du über die Leistung von deiner Mannschaft denkst und über deine Leistung. Da hast du dich ja noch nie so direkt geäußert. Und jetzt ist alles entschieden“, antworte ich.
„Ich bin eigentlich schon zufrieden.“
„Aber?“
„Nichts aber.“
„Doch, das klang gerade nach einem großen aber. Oder was heißt dann hier eigentlich?“
„Ich bin mit der Leistung, die ich oder die die Mannschaft erbracht hat zufrieden. Dafür, dass die in der letzten Saison um ein Haar abgestiegen wären, ist ein 7. Platz jetzt nicht schlecht. Um auf das eigentlich oder auf das „aber“ zu kommen: Ich denke, dass wir hätten auch besser sein können. Das Spiel heute haben wir nur knapp gewonnen, obwohl wir hätten locker gewinnen müssen. Und die Niederlage bei der einen oder anderen Mannschaft hätte auch nicht sein müssen.“
„Du bist viel zu ehrgeizig.“
„Erstens bin ich doch zufrieden und zweitens braucht man einen gesunden Ehrgeiz, um im Sport weiterzukommen.“
Dem kann ich nichts mehr hinzufügen. Brian hat recht, dass ein bisschen Ehrgeiz ja eigentlich nicht schadet.
Brian parkt das Auto in der Garage und ich hole unsere Kinder von Nick wieder ab. Nick ist ganz schön ins Schwitzen gekommen, weil Lani Hunger hat und nach seiner Flasche verlangt.
Ich beruhige meinen Schatz etwas, als ich ihn in Empfang nehme. Ich rede noch kurz mit Nick und bringe ihn in Beziehung zu Brian, Julia und mir up to date und gehe dann wieder zu Brian, der es sich schon in der Küche gemütlich gemacht hat.
Sobald ich den Raum betrete, begrüßt er Phyllis ausgiebig und gibt mir einen sanften Kuss auf die Stirn. Dann nimmt er mir Lani ab und kümmert sich um ihn.
Während er Lani füttert, habe ich Phyllis auf dem Schoß, die selig an einem Keks knabbert.
Ich bin so unheimlich glücklich nun. Es sieht so süß aus, wie Brian auf der Eckbank sitzt und Lani in seinem Arm liegt. Lani saugt an seiner Flasche und hält währenddessen Blickkontakt zu seinem Dad. Auch Brian lässt seinen kleinen Sohn nicht aus dem Augen. Er mustert ihn die ganze Zeit.
Ich freue mich schon so auf die kommenden Wochen, in denen ich Zeit mit meinen drei Engeln verbringen kann. Brian wird jetzt viel mehr Zeit für uns haben. Vielleicht können wir ja kleine Unternehmungen machen oder sonst was. Ich strotze im Moment nur so vor Glück.

Sarahs pov
Ich bin ja so aufgeregt. Heute darf ich zum ersten mal meine eigene Show machen. Sie wird auch noch live übertragen. Oh Mann, wenn ich da auch nur einen Fehler mache, bin ich vielleicht meinen Job los. Ich bin schon den ganzen Tag ziemlich nervös. Nick hat zwar versucht, mich zu beruhigen und abzulenken. Aber er hatte nicht wirklich Erfolg.
Und dann bin ich auch tatsächlich auf Sendung. Kaum zu glauben aber wahr. Ich kommentiere die letzten Sportereignisse und dann ist auch schon Werbung. Es läuft echt gut und ich bin total entspannt. Mir macht das hier total viel Spaß. Das Fernsehen ist genau das richtige für mich!
In der Werbung habe ich ein paar Minuten Zeit, mich zu erholen. Ich blicke in das anwesende Publikum. Plötzlich erkenne ich den einen Typen wieder. Ich habe ihn schon oft bei Spielen gesehen, bei denen ich da war, um sie zu kommentieren oder um die Spieler zu interviewen. Er ist mir schon oft aufgefallen und wir haben auch schon einige Worte miteinander gewechselt.
Dann ist die Werbung wieder zu Ende und ich muss wieder arbeiten. Den Rest der Show schaffe ich auch noch ohne Probleme.
Deswegen bin ich auch total happy, als ich nach Hause komme.
Ich falle Nick in die Arme und begrüße ihn.
„Nick, es war einfach phantastisch. Alles hat geklappt und es war einfach super. Mir macht das total viel Spaß. Viel mehr als das interviewen oder kommentieren“, schwärme ich total begeistert.
„Du warst auch echt gut!“, meint Nick. Natürlich hat er sich die Show angesehen. Er hat deswegen extra frei genommen. Dafür liebe ich meinen Schatz einfach.

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