Kapitel 15
Als C.J. am nächsten Morgen erwachte, fühlte sie sich wie gerädert, draußen war es noch dunkel und es war auch noch niemand zu ihr ins Zimmer gekommen um sie zu wecken. Sie schien also noch vor dem Zeitplan erwacht zu sein und froh darüber, erst einmal ein paar Minuten für sich selbst zu haben, richtete sie sich auf und stützte ihren hämmernden Kopf in ihre Hände.
Es war gestern eindeutig zu viel des Guten gewesen. Sie schlug die Decke beiseite und unter ihren Füßen kitzelten die feinen Schlingen des dichten Velourteppich als C.J. ihre Beine über den Bettrand schwang. Ein herzhaftes Gähnen schob sich aus ihrem Innersten nach draußen und sie schleppte ihren noch nicht wirklich wachen Körper ins Bad, wo sie das Licht anknipste und sich vor den Spiegel stellte.
Schnell wendete sie den Blick jedoch wieder ab, da dass was ihr Spiegelbild ihr zeigte nicht für die frühen Stunden geeignet war. Wahrscheinlich hatte sie nicht mehr als drei Stunden Schlaf gehabt und das konnte man an den dunklen Ringen ablesen wie in einem Buch.
Was gestern alles geschehen war, lag wie in einem dichten Nebel verborgen in ihrem Gedächtnis, aber sie fühlte sich noch nicht fit genug um jetzt danach zu graben, sie wusste nur dass A.J. hier gewesen war... A.J. Sie fuhr sich mit der Hand über das Gesicht und bemerkte erst jetzt dass sie sein Hemd trug. Warum allerdings, das wollte ihr trotz verzweifelten Versuchen nicht mehr einfallen. Sie seufzte tief. Es würde nichts ändern, wenn sie es wüsste. Geschehen war geschehen und wenn sie sie sich nicht durch anzügliches Verhalten bei ihm blamiert hatte, so hatte dies bestimmt ihr hoher Alkoholpegel für sie erledigt.
Sie drehte den Duschhahn auf, zog das Hemd aus und faltete es gewissenhaft zusammen um es in eine ihrer Taschen zu stecken. Sie wollte es behalten, als Erinnerung an einen Menschen der es für eine gewisse Zeit geschafft hatte durch ihre Fassade hindurch zu sehen und der einige Tage durchgehalten hatte, bevor ihn das was er sah abgeschreckt hatte.Sieh es ein, C.J. murmelte sie leise zu sich selbst.
Du bist zum Alleinsein verdammt damit stieg sie unter die Dusche und ein weiterer Tag in ihrem selbst gebauten Gefängnis begann.
Mit jedem Tag wurde die Tour stressiger und C.J. unmotivierter. Aber sie bemühte sich, durchzuhalten und auf Knopfdruck ihr Programm abzuspielen, zu lächeln und der Star zu sein, zu dem man sie gemacht hatte. A.J. und die Jungs beobachtete sie nur heimlich aus der Ferne. Sie bemühte sich nicht alleine auf den Gängen zu sein und immer die Zeiten abzupassen, von denen sie wusste, dass die Jungs und besonders A.J. beschäftigt waren und sie nicht Gefahr lief sich mit ihm konfrontiert zu sehen.
Sie tat was man von ihr verlangte und zumindest Paul schien sie damit besänftigt zu haben, aber ihr entgingen die besorgten Blicken nicht die Mick und Margot sich immer wieder zu warfen.
Aber sie hatte keine Lust sich damit zu beschäftigen. Die ersten paar Tagen nach ihrem Totalausfall hatte sie es sogar geschafft trocken zu bleiben, was allerdings nicht daran lag, dass sie es nicht versucht hatte, aber ihr Körper revoltierte sobald sie nur den Geruch von Alkohol wahrnahm und so kämpfte sich C.J. in ihren Augen ziemlich tapfer durch die nächste Woche, bis sie es schaffte ihren Magen mit Mixgetränken langsam wieder an die ihr Vergessen schenkende Flüssigkeit zu gewöhnen. Sie verbrachte die Abende auch nicht mehr in den jeweiligen Hotelbars sondern allein in ihrem Zimmer, sie trank solange bis sie einschlief wo auch immer sie sich zur Ruhe gebettet hatte. Es war ihr egal ob dies auf einem Stuhl oder auch direkt auf dem Boden geschah. Hauptsache sie war am nächsten Tag wieder in der Lage dazu zu funktionieren. Denn mehr als starres Funktionieren war es nicht mehr.
Sie wusste schon lange nicht mehr das wievielte Konzert sie gab, für welche Zeitung gerade das letzte Interview stattgefunden hatte oder in welcher Stadt sie sich befand. An ihrem ersten konzertfreien Tag, hatte sie sich auf schnellstem Wege zu einem Arzt begeben und sich die ihr von A.J. abgenommenen Tabletten ersetzen lassen. Damit gelang es ihr sogar streckenweise wieder so etwas wie ein Hochgefühl zu empfinden und an diesen Tagen konnte sie es gar nicht erwarten auf die Bühne zu kommen, an Schlaf war an diesen Tagen jedoch nicht zu denken und so war der Kater am nächsten Morgen für sie kaum auszuhalten, so dass sie die Einnahme dieser Präparate einschränkte und sie nur nahm wenn sie sich nicht mehr anders zu helfen wusste.
Sogar die eigentlich von ihr heißgeliebten Shoppingtouren in den größeren Städten ließ sie aus. Die Kraft und Konzentration die sie noch in der Lage war aufzubringen reichten gerade einmal für die straff organisierten Termine aber nicht noch dafür sich mit sich selbst zu beschäftigen. Seit Tagen hatte sie auch ihr Songbook nicht mehr angefasst, sie war weit davon entfernt sich inspiriert zu fühlen. Sie hatte sich freiwillig Scheuklappen aufgesetzt die sie nur noch darauf blicken ließen die Tour möglichst lebend zu überstehen, obwohl sie sich an den Abenden, wenn der Alkohol einmal wieder in zu mächtigen Strömen geflossen war und sie zusammengekauert neben der Toilette saß, nicht mehr sicher war, dass sie das schaffen würde.
Bald war die Tour im Staate New York beendet und sie würden sich nun nach Pennsylvania begeben. Das bedeutete nach dem Konzert eine mehre Stunden andauernde Fahrt im Tourbus und C.J. verfluchte diese Fahrt bereits innerlich. Schließlich würde sie im Bus nicht alleine sein können. Mick, Paul, Margot und einige anderen würden mit von der Partie sein und das bedeutete dass sie selbst wohl kaum die Chance bekommen würde, sich zu betrinken. Das bedeutete, dass sie sich direkt nach dem Konzert in ihre Koje verziehen würde, die Whiskyflasche fest an sich gepresst und versuchend so schnell wie möglich erlösenden Schlaf zu finden.
Als ihre Show beendet war und es an der Zeit war dass die Jungs auf die Bühne mussten, beeilte sich C.J. in ihren Bus zu kommen. Paul erwartete sie bereits in dem luxuriös ausgestatteten Vehikel und C.J. verdrehte die Augen. Sie ging schnurstracks an ihm vorbei und holte sich eine Flasche Mineralwasser aus dem Kühlschrank, fläzte sich dann wenig damenhaft auf die weiche Ledercouch, legte die Beine auf den farblich passenden Couchtisch und schraubte die Flasche auf.
Sag was du zu sagen hast Paul, aber beeile dich ich bin müde und will schlafen
Paul drehte sich zu ihr, verschränkte die Arme vor der Brust und setzte sich seine Brille zurecht.
Achte auf deinen Ton, Chrissy, ich bin nicht irgendeiner deiner Lakaien. brüskierte er sich und C.J. seufzte angesäuert.
Entschuldige, ich vergaß, dass ich der Lakai von uns beiden bin und du der Sklaventreiber
Paul atmete tief durch und setzte sich dann ihr gegenüber hin.
Ich wollte dir nur sagen dass es an der Zeit ist eine neue Single zu veröffentlichen, ich habe mich bereits für T-Shirt entschieden, wenn du Einwände hast, dann ist es jetzt an der Zeit sie zu äußern, in Pennsylvania haben wir noch zwei Tage Zeit bevor die Tour weitergeht und ich habe in dieser Zeit den Dreh für ein Video gesetzt. Ich habe mich bereits um alles gekümmert, einen Regisseur engagiert und auch das Konzept für das Video habe ich bereits ausgearbeitet, mit diesen lästigen Einzelheiten musst du dich also nicht beschäftigen.
C.J. schüttelte den Kopf, wie konnte Paul auch nur annehmen, dass es hier um sie ging und sie sich vielleicht über ein klein wenig Mitspracherecht gefreut hätte.
Ganz wie du sagst, Paul, war's das dann oder möchtest du mich noch vor weitere Tatsachen stellen, bei denen dich meine Meinung sowieso nicht interessiert?
Christina...ich mache das nur, weil du zur Zeit einfach nicht zurechnungsfähig bist. Ich habe dir das Script in deine Koje gelegt vielleicht möchtest du es dir vor dem Schlafen noch einmal durchlesen
Ich bin also nicht zurechnungsfähig murmelte C.J., die Lippen bereits an den Flaschenhals gelegt.
Na dann sei froh wenn ich beim Videodreh nicht vollständig Amok laufe damit stand sie auf und verzog sich in ihre Kabine. Den Whisky hatte sie vorsorglich bereits am Nachmittag unter der Decke versteckt und warm lullte sie die Flüssigkeit ein, bis ihre Lider so schwer wurden, dass sie einschlief.
Sie schlief unruhig, niemand schien Rücksicht darauf zu nehmen, dass sie Schlaf brauchte und ständig schwirrten laute, lachende Stimmen durch den Bus. Unruhig wälzte sich C.J. hin und her, bis sie genug davon hatte und wutentbrannt die Decke bei Seite schlug und aufstand um nach zu sehen wer hier mitten in der Nacht nicht ruhig sein konnte.
Zu ihrem Entsetzen erblickte sie jemanden in der Mitte der anderen den sie hier nicht erwartet hatte.
Zwischen einem gutgelaunten Mick und einer leise kichernden Margot saß A.J.
Abrupt wurde die Runde ruhig als sie C.J. bemerkten und A.J. dreht sich zu ihr und lächelte warm.
Gut geschlafen, Hun?
C.J. war zu verdattert um irgendetwas erwidern zu können. Was machte A.J. in ihrem Bus und warum hatte sie niemand vorgewarnt? Jetzt hatten sie die vergangene Zeit alles getan um ihm nicht über den Weg zu laufen und jetzt hatte sie keine Möglichkeit mehr im aus dem Weg zu gehen, der Bus war zwar groß aber die Fahrt zu lang als dass sie sich die ganze Zeit zurückziehen konnte.
Wa..was mahachst du denn hier? brachte sie schließlich stotternd hervor und Mick räusperte sich, nickte dann Margot zu und die beiden verabschiedeten sich leise in ihre eigenen Kojen.
A.J. hingegen klopfte beinahe zärtlich auf den Platz neben sich und nur widerwillig ging C.J. zu ihm hinüber.
Wir haben uns so lange nicht mehr gesehen und ich habe mir gedacht dass es doch egal ist in welchem Bus ich mitfahre, schließlich haben wir alle das gleiche Ziel, oder nicht?
sagte er sanft und C.J. begann sich immer unwohler zu fühle. Er wollte sie sehen? Hatte sie sich doch nicht so peinlich aufgeführt wie sie gedacht hatte?
Ich dachte nicht, dass du mich nach dem Abend...begann sie aber A.J. wiegelte sofort ab.
Dass ich dich nach dem Abend an dem du dich um den Verstand getrunken hast und kurz vor dem Verlust deiner Muttersprache gestanden hast wiedersehen wollte? Chris, du bist nicht das erste Mädchen dass ich hab kotzen sehen. Ich gebe zu, dass sind nicht gerade die Moment die ich bei dir favorisiere, aber in der Zeit in denen du klar bist, bist du eine wundervolle Gesellschaft, die ich sehr schätze.
C.J. nickte lediglich, sie wusste nicht was sie darauf sagen sollte. Sie fühlte sich auch nach dieser Aussage noch nicht wirklich befreit von ihrem Unwohlsein.
Zudem hab ich gehört dass du ein neues Video drehen wirst und ich war schon immer sehr an der Arbeit anderer Künstler interessiert. Da ich nicht die Möglichkeit habe in der Zwischenzeit nach Hause zu fliegen, würde ich mich freuen, wenn ich bei deinem Videodreh dabei sein dürfte. Natürlich nur wenn du nichts dagegen hast fuhr er fort und C.J. gab nur ein leises hm von sich.
A.J. lächelte in gab ihr einen spielerischen Kinnhaken.
Du brauchst dich für nichts zu schämen, in der Nacht warst du nicht auf der Spitze aber das ist okay, hey ich war gerne für dich da und jetzt denk nicht mehr dran, ja?
Danke murmelte C.J. Danke für alles