Kapitel 15
- Jordans p.o.v.-
Ich verfolgte das bunte und ausgelassene Treiben im Wasser und es fiel mir schwer aufgrund meiner Verletzung brav am Rand sitzen zu bleiben. Trotzdem genoss ich es den anderen zuzusehen und wenigstens ein klein wenig das Gefühl zu bekommen, dass es aufwärts ging und wir das Schlimmste bereits hinter uns gelassen hatten. Wir waren aus Ironmans Fängen geflohen und, bis auf ein paar kleine Schrammen und meinen verletzten Arm, ziemlich glimpflich davongekommen. Jetzt hier zu sein, ein Bad zu genießen und sich schon mit dem Heimweg beschäftigen zu können, zauberte ein stummes Lächeln auf meine Lippen. In Gedanken nahm ich bereits eine warme Dusche und legte meinen geschundenen Körper in ein frisch gemachtes und nach Sommer duftendes Bett.
Mit geschlossenen Augen ließ ich die Sonne auf mein Gesicht scheinen und mich ganz von ihrer Wärme durchfluten, steckten meine Beine doch bis zu den Knien im eiskalten Wassers dieses Bergsees.
Wie sehr ich mir doch wünschte, die Augen einfach wieder zu öffnen und zu bemerken dass die letzten Tage ein simpler Alptraum gewesen waren und, dies hier nicht nur eine Verschnaufpause von dem war was wir durchlebt hatten.
Und auch war die ganze Geschichte noch nicht ausgestanden. Zwar hatten wir uns von Ironman und seinem Gefolge befreien können aber wir steckten immer noch in den Rocky Mountains, Gott weiß, wie weit entfernt von der nächsten Straße und der damit verbundenen, Sicherheit versprechenden Zivilisation.
Mein Lächeln verschwand, denn auch wenn sich immer noch der Kampfgeist und auch die Beruhigung befreit zu sein, in mir breit gemacht hatten, so begannen sich die noch vor uns stehenden Probleme wie dunkle Wolken vor das bereits überstandenen zu ziehen.
Manchmal würde ich gerne wissen, an welchen Ort du entschwindest wenn du dieses Gesicht aufsetzt
Nicks Stimme holte mich aus meinen Trance-ähnlichen Zustand zurück und automatisch zogen sich meine Lippen wieder zu einem Lächeln hoch.
Die Sonne glitzerte auf der gekräuselten Wasseroberfläche und reflektierte sich in Nicks ohnehin strahlend blauen Augen.
Ich hab nur ein wenig vor mich hingeträumt antwortete ich.
Er schwamm noch etwas näher zu mir und ich konnte seine Hände spüren wie sie sich um meine Knöchel legten. Sein Lächeln dass er mir von unten zuwarf war für mich sogar noch wärmer als die Strahlen der Sonne. Er legte den Kopf schief und kniff die Augen leicht zusammen damit die Sonne nicht zu sehr hinein stechen konnte. Wo Keyla und A.J. abgeblieben waren, hatte ich nicht mitbekommen, abgesehen davon dass die Aussicht die sich mir bot vollkommen für mich ausreichte.
Wir haben es geschafft, Jo, du brauchst dir keinen Kopf mehr zu machen. Bald sind wir wieder zu Hause und niemand wird dir mehr etwas tun
Ich seufzte und hob den Blick um nicht mehr mit Nicks Augen konfrontiert zu sein.
So sehr ich mir wünschte dass seine Worte wahr wären, so wusste ich doch dass es egal war wo ich mich befand. Absolute Sicherheit gab es nie. Nicht zu Hause, nicht auf der Arbeit und auch nicht im Urlaub.
Zwei Dinge davon hatte ich schon am eigenen Leib erfahren.
Nick war besorgt, das wusste ich. Um A.J. ebenso wie um Keyla und mich, aber ich wusste auch dass er uns nicht alle beschützen konnte.
Allein die Tatsache jedoch, dass er es versuchte ließ ihn in meinen Augen von Tag zu Tag wertvoller werden.
Dein Optimismus ist einfach nicht unterzukriegen , oder? entgegnete ich schmunzelnd und Nick stützte seine Hände neben mir ab und zog sich aus dem Wasser. Warum sollte er auch? lachte er Es ist ein herrlicher Tag, die Sonne scheint und umgibt eine einzigartige Natur, ich bin frisch gebadet und... mittlerweile saß Nick neben mir. Das kristallklare Wasser ran in einzelnen Tropfen über seine Brust und ich musste mich dazu ermahnen nicht allzu auffällig auf seinen durchtrainierten Körper zu starren.
Und...? hakte ich deshalb interessiert nach und suchte wieder den Blick seiner Augen.
und... er stand auf, balancierte über die nassen Steine zu den fein säuberlich zusammengelegten Kleiderstapeln und zupfte A.J.s T-shirt hervor um sich damit abzutrocknen.
Ich schüttelte grinsend den Kopf und konnte nicht fassen dass er sich einfach an A.J.s Kleidung verging.
Allerdings wartete ich immer noch auf eine Antwort seinerseits, was sein so betontes Und denn einläuten würde. Ich zog also die Augenbrauen hoch und nickte auf den freien Platz neben mir.
Ich warte Nick, du wolltest doch noch etwas sagen oder?
Nick nickte, zog sich, mittlerweile wieder halbwegs trocken, an und kam zu mir zurück gestelzt. Mit einem süffisanten Lächeln auf den Lippen ließ er sich neben mir nieder, legte mir einen Arm um die Schulter und ließ sich erneut ziemlich viel Zeit um mir zu antworten.
also...ich bin frisch gebadet und habe wohl die angenehmste und schönste Gesellschaft die ich mir vorstellen kann er zwinkerte mir verschmitzt zu und ich spürte wie eine peinliche Röte auf meine Wangen trat, was Nick nur dazu brachte noch amüsierter zu grinsen.
Er schaffte es mit diesem kleinen, nicht sonderlich glaubwürdig hervorgebrachten Kompliment tatsächlich dass ich begann meine Contenence zu verlieren.
Ein Blick in seine Augen genügte und ich wusste nicht mehr wo mir der Kopf stand.
Seit meinem Erlebnis in der Bar vor einigen Wochen, hatte ich es immer wieder vermieden mit einem Mann auch nur ansatzweise alleine zu sein. Bei Nick jedoch fühlte ich mich sicher und geborgen. Schon in der vorigen Nacht hatte ich seine Wärme und seine körperliche Anwesenheit schier gebraucht.
Etwas das ich mir vor einigen Tagen noch nicht einmal hätte vorstellen können.
Verwirrt wie ich nun war, schaffte ich es nicht eine Erwiderung auf seine Schmeichelei von mir zu geben.
Unstet suchten meine Augen einen Punkt an dem ich sie ohne schlechtes Gewissen lassen konnte aber bevor ich diesen Ruhepunkt ausmachen konnte, legte sich Nicks Zeigefinger unter mein Kinn und zwang meinen Blick sanft wieder zu sich.
Du reagierst als hättest du noch nie im Leben ein Kompliment bekommen witzelte er, seine Lachfältchen verschwanden jedoch als ich meinen Blick krampfhaft versuchte auf den Boden zwischen uns zu lenken und mein Ausweichmanöver mehr schlecht als recht verbarg.
Doch...schon versuchte ich mich aus der Affaire zu ziehen auch das ohne rechten Erfolg.
Wieder hob sein Zeigefinger mein Kinn an und ich musste ihm wohl oder übel in die Augen blicken.
Es scheint dir unangenehm zu sein, oder? Verzeih mir aber ich kann das nicht verstehen.
Seine Finger wanderten von meinem Kinn hinauf an meine Schläfen und strichen einige Strähnen aus meiner Stirn.
Noch einmal atmete ich tief durch bevor ich mir erlaubte in seine Augen zu sehen. Dieses Blau...noch nie hatte ich solch blaue Augen gesehen, bei nichts und niemanden dem ich jemals in die Augen hatte sehen dürfen. Es war nicht der Farbton ansich, nicht die Nuance sondern die Art wie es glitzerte, wie es anscheinend den Weg bis hinab in seine Seele säumte.
Ich spürte wie mein Herz anfing zu rasen, auch meine Lunge begann den Sauerstoff schneller aus der Luft zu filtern. Gestern Nacht war seine Nähe so anders gewesen, ohne falsche Hintergedanken und einfach nur Schutz spendet, jetzt allerdings bereitete sie mir eine Mischung aus Unbehagen und dem Wunsch nach mehr Intensität
Warum kannst du es nicht verstehen?
Ich neigte den Kopf ein kleines Stück um auf betont galante Art mitzuteilen dass mich seine so sanfte Berührung aus dem Konzept brachte.
Nick zog seine Beine vor den Körper, lehnte seine Arme auf die Knie und blickte hinaus auf den See.
Weil du wirklich das hübscheste Mädchen bist, dass ich seit langem kennengelernt habe.
Nun wurde Nick in meinen Augen noch unglaubwürdiger.
Als wir uns kennengelernt hatten, war ich bis auf die Haut durchnässt und von oben bis unten mit Schlamm bedeckt. Ich hatte nur eine Möglichkeit gehabt mich frischzumachen und das war bereits ein paar Tage her und auch war dies mehr eine Katzenwäsche gewesen als alles andere.
Zwar hatte ich seit gewisser Zeit keinen Spiegel mehr gesehen aber allein der Blick an meinem Körper hinab veranlasste mich dazu seine Aussage in Frage zu stellen. Meine Kleidung war verdreckt und auch war ich mir im Klaren darüber dass ich nicht gerade nach Chanel Nummer 5 duftete. Das Haar war strähnig und meine Gesamtkonstitution war nicht das was man das blühende Leben nannte.
Ich hob erneut den Blick, diesmal jedoch mutiger.
Warum sagst du sowas Nick? Brauchst du Ablenkung die du dir auf diese Art und Weise von mir erkaufen willst?
Aufgeschreckt durch meinen brüsken Ton schüttelte er den Kopf.
Nein!? Ich mag dich einfach und... als du mich gestern Nacht so flehend angesehen hast da...Er wandte den Kopf ab und stand auf.
Hör zu Jo, ich weiß nicht was dir solche Angst gemacht hat aber ich glaube zu wissen, dass es nicht unsere momentane Situation war und als du dich an mich gedrängt hast, deine Augen mich so verletzlich angesehen haben, da wollte ich dich einfach nur beschützen und dich nie wieder loslassen. Als ich es dann geschafft hatte dich zum Schlafen zu bringen, deine Ängste wenigstens für ein paar Stunden zu vertreiben, habe ich dich angesehen und du warst das Schönste was ich je gesehen habe. Es stand keine Angst in deinem Gesicht, kein Schmerz und keine Befürchtungen. Du hast mir selbst im Schlaf vertraut nach all dem was ich in zuvor noch in deinen Augen gesehen hatte. Und wenn ich dir sage, dass ich dich hübsch finde, dann... er verschränkte, anscheinend bei seiner kleinen Ansprache unsicher geworden, die Arme vor der Brust und drehte sich nun gänzlich von mir weg, nahm mir jegliche Möglichkeit seinen Gesichtsausdruck bei seinen Worten zu sehen.
dann sag ich das weil ich es so meine und nicht weil ich dich dazu bringen will mich mit was weiß ich abzulenken.
Vorsichtig und darauf bedacht meinen verletzten Arm nicht zu belasten stand ich auf und legte ihm meine gesunde Hand auf die Schulter, während sich meine Wange an seinen Rücken schmiegte.
Es tut mir leid, Nick, ich wollte dir nichts unterstellen, ich könnte es darauf schieben von dieser ganzen Geschichte verwirrt zu sein, aber es ist mehr als das. Deine Nähe verunsichert mich, weil ich sie mir wünsche und weil ich mich danach sehne, dass du sie mir gibst. Sanft schob ich meinen Arm um seinen Körper und augenblicklich legte sich seine warme Hand drauf, mir signalisierend dass er sie mir freiwillig gab und zwar egal wann ich sie brauchte.
Ich weiß nicht was du in deinem Leben schon durchmachen musstest aber ich könnte niemals etwas tun, das dich verletzt. Niemals. Zaghaft drehte er sich in meiner Umarmung um und sah mir mit diesem wundervollen Blau in die Augen. Seine Arme legten sich vorsichtig um mich und ich merkte wie das Zittern in mir zunahm, äußerlich wie innerlich.
Ganz langsam senkte sich sein Kopf zu mir hinab. Ich wusste dass er vorhatte mich zu küssen und ich schloss die Augen um mich diesem Moment hinzugeben. Aber es war schwerer mich fallenzulassen als ich gedacht hatte. Zu viele Gedanken wirbelten mit einem Schlag in meinem Kopf herum und es war nicht nur die angenehme Vorstellung seiner Lippen auf meinen.
Ich tat mein Bestes alles zu verscheuchen was mir schon wieder Angst zu machen drohte und für einen Moment gelang es sogar und dann spürte ich den weichen Druck seiner Lippen, wie seine Hand an meinem Rücken mich zart streichelte und dass auch er das Zittern seiner Finger nicht verbergen konnte.
Nick war meine Insel.
In dem ganzen Wirrwarr, dem ganzen Schmerz und der ständigen Angst die wir durchlebten, war Nick mein sicherer Ort, der alles andere um mich herum in Vergessenheit brachte und mich daran erinnerte dass es immer etwas gab wofür es sich lohnte durchzuhalten.
Ich brauchte mir nicht vorstellen, dass ich woanders war, denn ich war es bereits. Ich war bei ihm und das Gefühl dass mich bei diesem Kuss durchströmte, schien alle Wunden dieser Welt heilen zu können.
Meine Hand vergrub sich in seinem noch feuchten Haar und der Kuss gewann an Intensität, als auf einmal ein ohrenbetäubender Knall die Luft zerschnitt.
Nick und ich fuhren auseinander und ich konnte nicht verhindern dass ein lauter Schrei meine Kehle verließ. Panisch schaute ich von Nick zu der Richtung aus der der Schuss gekommen war und all meine Alpträume waren mit einem Mal wieder da.
Ironman stand nur wenige Meter von uns entfernt am Rand des Sees, hielt seine geladene Waffe auf uns und lachte heiser. Sofort zog Nick mich hinter sich und ich erlaubte mir einen schnellen Blick zum See hinaus, in der Hoffnung dass egal wo A.J. und Keyla im Moment steckten sie schlau genug waren auch dort zu bleiben.
Nick sondierte Ironman der nun langsam aber sicher auf uns zukam. Ich bemerkte dass er humpelte und sein rechtes Bein leicht nachzog. Seine Verfolgungsjagd war wohl auch nicht sonderlich glimpflich abgelaufen. Einen Moment erfreute ich mich bei der Vorstellung dass ihm etwas zugestoßen war, bis seine harte Stimme zu uns herüber schwang.
Scheint ganz so als hätte ich mir die Falsche ausgesucht, unsere liebe Jo scheint Körperlichkeiten wohl eher zugetan zu sein. er lachte rau und das Geräusch erinnerte mich an ein defektes Radio das stöhnend knackte.
Wo ist denn der Rest dieser illustren Runde? Ich finde dieses Wiedersehen sollten wir vollzählig miteinander feiern.
Hinter Nicks Rücken ergriff ich dessen Hand und er schob mich Stück für Stück zurück. Aber es würde nichts helfen. Wir saßen in der Falle, hinter uns schnitt uns der See den Weg ab und vor uns hatte Ironman den einzigen Ausweg versperrt
Wir haben uns getrennt brachte Nick wirklich glaubwürdig hervor und Ironman legte den Kopf schief.
Das war mehr als dumm von euch, aber nun gut. Eine Geisel ist immer noch besser als keine, oder nicht, Mister Carter?
Ich werde freiwillig mit Ihnen mitgehen, wenn sie mir versprechen dass Jordan nichts geschieht
Nick war wirklich ein Held, wenn auch ein ziemlich dummer. Ich schüttelte panisch den Kopf um ihm zu zeigen dass ich von dieser Idee keineswegs angetan war und auch für Ironman schien das keine Option darzustellen.
Freiwillig? Jungelchen, du hast gar keine andere Wahl. Entweder du kommst mit oder du stirbst. Und glaube ja nicht dass ich dich nicht erschießen würde, weil ich mit einem Toten kein Geld machen kann.
Nick wurde wohl schlagartig bewusst dass Ironman recht hatte, denn ich merkte wie er die Schultern hängen ließ.
Dann bitte ich Sie darum!
Das schallende Gelächter dass daraufhin folgte war markerschütternd, Nick nutzte die Geräuschkulissen um sich zu mir zu wenden und mir Spring ins Wasser wenn ich es dir sage ins Ohr zu flüstern.
Aber Ironman war nach wie vor ein aufmerksamer Zeitgenosse und abrupt verstummt sein brutales Organ und peitschend schlug ein weiterer Schuss nur einige Zentimeter neben uns in Wasser und das Wasser spritze bis zu unseren Gesichtern hinauf. Ich zuckte zusammen und der Griff von Nicks Hand wurde fester.
Und jetzt Schluss mit den Späßen, wir haben noch einen weiten Weg vor uns, wenn ich also bitten darf Der Hüne wedelte mit seiner Waffe in seine Richtung und Nick atmete noch einmal tief durch bevor er sich einen Ruck gab und begann auf Ironman zuzugehen.
Hab keine Angst drang seine Stimme gedämpft zu mir.
A.J und Keyla werden uns wieder hier raus holen.