Kapitel 14
Keylas p.o.v.
Wir waren wieder unterwegs. AJ ging voran, ich folgte knapp dahinter und Jo und Nick bildeten die Nachhut. Mir tat alles weh. Angefangen bei meinen Füßen, die immer noch wund waren, über meine Muskeln, die so viel Bewegung nicht gewohnt waren, bis hin zu jeder Faser meines Körpers, der vehement gegen die Nächte auf hartem Untergrund protestierte.
Das Gedanken- und Gefühlschaos in mir blendete ich allerdings nach und nach aus. Ich war mir nicht sicher ob ich in der Lage gewesen wäre auch nur noch einen Schritt zu tun, wenn ich mir wirklich bewußt gemacht hätte, in welcher Lage wir uns befanden. Wir waren entführt, misshandelt und verletzt worden, hatten nach einer Schießerei die Flucht ergriffen und waren jetzt mutterseelen allein unterwegs in den Rocky Mountains.
Mal abgesehen davon, dass ich mir so unseren Urlaub ganz bestimmt nicht vorgestellt hatte, zerrten all diese Ereignisse an meinen Nerven. Die Angst war mein ständiger Begleiter. Ich erwartete hinter jedem Busch und hinter jedem Baum das Gesicht von Ironman zu sehen. Sein schmutziges Grinsen, die kalten Augen und seine riesigen Hände, die mich packten und mit sich zerrten.
Hinzu kam, dass keiner von uns genau wußte, wo wir uns eigentlich befanden und wie wir wieder zurück kommen sollten. Mein Orientierungssinn war gleich Null und ich wußte, dass es Jordan ähnlich ging. Was die Jungs betraf, war ich mir nicht ganz sicher, aber wirklich zuversichtlich stimmte es mich auch nicht, dass wir keinem erkennbaren Weg folgten und immer wieder gezwungen waren, eine Route bergauf zu nehmen. Der Wald machte es unmöglich sich einen Überblick zu verschaffen und so trotteten wir einfach immer weiter geradeaus und hofften, auf so etwas wie eine Straße zu treffen.
AJ wurde vor mir merklich langsam, so dass ich gezwungen war, zu ihm aufzuschließen.
Hey, sagte er freundlich lächelnd, als ich ihn schließlich erreicht hatte.
Selber hey, gab ich zurück und vermied es dabei ihn anzusehen.
Wie fühlst du dich?
Ganz gut eigentlich, log ich und marschierte tapfer weiter.
Wirklich? Also mir tut alles weh und dieser Wald macht mich irgendwann wahnsinnig.
Tja, gab ich einsilbig zurück und zuckte mit den Schultern.
Ehrlich gesagt
, setzte er an, verstummte dann aber wieder.
Ich konnte noch nicht einmal genau sagen, was mich an ihm so nervös machte, aber ich hatte auch keine große Lust, es heraus zu finden. Also schwieg ich weiterhin, hielt den Blick auf den Boden gerichtet und setzte unermütlich einen Fuß vor den anderen.
Geht es dir wirklich gut? fragte er dann noch einmal.
Ja, alles bestens, gab ich leicht genervt zurück.
Du machst aber nicht den Eindruck.
Was erwartest du denn? fragte ich leicht aufgebracht. Jo ist verletzte, wir haben keine Ahnung wo wir uns befinden und in welche Richtung wir laufen und
, ich biss mir auf die Unterlippe. Eigentlich lag mir so etwas wie und deine Nähe macht es auch nicht gerade besser auf den Lippen, aber diesen Satz schluckte ich noch rechtzeitig hinunter.
Und du würdest am liebsten so viel Abstand wie möglich zwischen dich und mich bringen, stimmts?
Konnte er etwa Gedanken lesen? Ich schwieg, was er wohl als Schuldeingeständnis wertete.
Was habe ich dir getan?
Nichts.
Was ist es dann?
Nichts.
Ich hörte ihn neben mir frustriert seufzen.
In Ordnung, sagte er dann und beschleunigte seinen Schritt, bis er wieder ein Stück vor mir lief.
Innerlich mußte ich über mich selbst den Kopf schütteln. Was tat ich hier eigentlich? War unsere Situation nicht schon schlimm genug, auch ohne dass ich mich in Diskussionen mit diesem Mann vertrickte, der objektiv betrachtet wirklich äußerst nett und zuvorkommend war? Nicht zu vergessen, dass er mich von Ironman befreit hatte.
Ich hörte Schritte hinter mir und gleich darauf trat Jo in mein Blickfeld. Nick überholte uns und gesellte sich gleich darauf zu AJ.
Hey Süße, alles klar? fragte Jordan, während sie neben mir herlief. Ihren verletzten Arm hatte sie in eine provisorische Schlinge aus Nicks Gürtel gelegt und sie versuchte ganz offensichtlich, ihn während des Laufens nicht zu bewegen.
Alles bestens, brummelte ich.
Das sah eben aber nicht so aus.
Ach, ich weiß auch nicht. Der Typ macht mich einfach total kirre.
AJ? Wieso?
Keine Ahnung. Ich habe einfach keine Lust, nur weil wir gezwungen sind hier miteinander auszukommen so zu tun, als würde ich ihn mögen.
Du magst ihn also nicht, stellte Jo fest.
Nein, ich mag ihn nicht.
Bisher hatte ich aber nicht den Eindruck.
Wie meinst du das?
Naja, ihr habt miteinander geredet und euch doch
nun ja
gut verstanden. Er hat sich sogar für dich auf Ironman gestürzt ohne über die Konsequenzen nachzudenken. Findest du nicht, du bist etwas zu hart zu ihm?
Ich bin überhaupt nicht hart zu ihm, begehrte ich auf. Aber ich muß mich auch nicht unbedingt mit ihm unterhalten wenn ich das nicht will, oder?
Hey, sie fasste mich am Arm und zwang mich so stehen zu bleiben. Die beiden Jungs liefen unbeirrt weiter, was ein nervöses Kribbeln in meiner Bauchgegend auslöste. AJ ist nicht Dave. Sagte sie und mein Herz machte einen erschrockenen Satz in meiner Brust.
Das hat doch damit gar nichts zu tun, entgegnete ich und funkelte sie böse an.
So, hat es nicht? Dann erklär mir das.
Was soll ich dir denn da erklären? Ich
fühle mich einfach nicht wirklich wohl in seiner Nähe. Ich mag es nicht, dass er mich dauernd ansieht und ich kann dieses nette Getue von ihm nicht ertragen.
Jo seufzte verhalten und ihre Hand wanderte unbewußt zu ihrer verletzten Schulter.
Ist bei dir alles in Ordnung? fragte ich alarmiert.
Lenk jetzt nicht vom Thema ab, sagte sie milde lächelnd.
Ich lenke doch gar nicht ab, ich will nur wissen
Keyla, unterbrach Jordan mich. Hör mir zu. Mag sein, dass AJ dir egal ist oder dir sogar auf die Nerven geht, aber ich bitte dich, es wenigstens zu versuchen.
Was zu versuchen? fragte ich mit gerunzelter Stirn.
Mit ihm auszukommen. Ich glaube, er kann einen guten Freund gebrauchen. Wir alle können das. Und wenn wir vier nicht zusammenhalten, dann werden wir niemals zurück nach Hause kommen und
, sie schluckte sichtlich und das Kribbeln in meinem Bauch steigerte sich zu einem anhaltenden Flattern, von dem mir ganz schlecht wurde.
Mach dir keine Sorgen, sagte ich sofort. Das
wird schon alles wieder
denke ich.
Sie warf mir lediglich einen milden Blick zu und das Lächeln tauchte auf ihrem Gesicht wieder auf.
Ich kenne dich Key. Ich weiß, dass du nichts ohne Grund tust. Du bist der liebste Mensch, der mir jemals begegnet ist und du kommst normaler Weise mit jedem irgendwie aus. Und ausgerechnet mit AJ soll das anders sein?
Ich warf einen Blick hinter mich, wo AJ und Nick in einigem Abstand standen und darauf warteten, dass wir unsere Diskussion beendeten. Und auch wenn ich es nicht gerne zugab, so vermittelte mir ihre Anwesenheit doch ein gutes Gefühl. Ich hatte noch nie wirklich einen Beschützer gebraucht, doch im Moment sah dies leider ganz anders aus.
Nick war ein toller Kerl. Vielleicht etwas verrückt, aber nett. Außerdem kümmerte er sich rührend um Jo, was alleine schon 100 Pluspunkte wert war.
AJ hingegen
sein Wesen war so tief, dass ich die Abgründe darin nicht ausloten konnte und das machte mir Angst. Mein Blick traf auf seinen und er brachte ein schiefes Lächeln zustande.
Ich kann dir nichts versprechen, sagte ich leise und wandte mich wieder Jo zu. Aber ich werde es versuchen, in Ordnung?
Sie wartete einen Moment mit ihrer Antwort, in der sie mich aufmerksam musterte.
In Ordnung, nickte sie schießlich, legte mir dann einen Arm um die Schulter und schob mich vorwärts.
Die Jungs setzten sich ebenfalls wieder in Bewegung und ich war froh, dass ich mich jetzt nicht mit ihnen unterhalten mußte. Ich wollte einfach noch eine Weile in der Nähe von Jo bleiben und mir einreden, dass alles gut werden und wir demnächst auf Hilfe stoßen würden.
Wir stießen in den nächsten drei Stunden weder auf eine Straße noch auf ein menschliches Wesen. Noch dazu herrschte selbst im Schatten der Bäume eine unerträgliche Hitze, meine Beine wurden immer schwerer und der Schweiß rann mir in Strömen über das Gesicht und den Rücken hinunter. Ich wollte nach Hause. Jetzt sofort!
Wartet mal, sagte Nick plötzlich, hob eine Hand und legte den Kopf leicht schräg.
Ich lauschte ebenfalls in den Wald hinein und war mir erst nicht sicher, was ich dort hörte. Ein Rauschen hatte sich zu den normalen Waldgeräuschen hinzugesellt. Es war stetig und gleichmäßig und klang im ersten Moment so, als befänden wir uns in der Nähe einer Autobahn.
Autos? fragte Jordan in diesem Moment mit hoffnungsvoll aufgerissenen Augen.
Nein, widersprach Nick kopfschüttelnd, drehte sich einmal um sich selbst und marschierte dann querfeldein in den Wald hinein.
Was hat er jetzt wieder vor? stöhnte ich, da ich mir nicht sicher war ob meine Kräfte für eine weitere Klettertour ausreichen würden.
Das darfst du mich nicht fragen, entgegnete AJ kopfschüttelnd, verschwand aber anstandslos hinter Nick im Wald und Jordan und mir blieb nichts anderes übrig, als ihnen zu folgen.
Wir sahen schon von weitem, dass der Wald sich vor uns lichtete und Sonnenstrahlen wie göttliche Finger in das Dämmerlicht zwischen den Bäumen brachen. Leider konnten wir dadurch nicht erkennen, was hinter der Baumgrenze lag. Das Rauschen wurde mit jedem Schritt lauter und ganz langsam begriff ich, auf was wir uns da zu bewegten.
Die letzten Meter stolperten wir hastig aus dem Waldrand hinaus und sahen uns gleich darauf einem breiten Flußbett gegenüber. Zu meiner Rechten erhob sich eine massive Felswand von der Wassermassen in einem Vorhang aus Gischt in die Tiefe stürzten. Sie sammelten sich darunter in einem breiten, kreisrunden Becken, bevor sie sich durch Felsspalten einen Weg flußabwärts suchten. Das Rauschen des Wasserfalls und das Plätschern des Flusses hatten uns hierher geleitet und augenblicklich überkam mich der dringende Wunsch, mich in die kühlen, nassen Fluten zu stürzen.
AJ und Nick waren bereits ein Stück den Fluß hinauf gegangen und ließen nun die Rucksäcke erleichtert zu Boden gleiten. Jo strahlte neben mir wie ein Weihnachtsbaum, fasste nach meiner Hand und zog mich mit sich zu den Jungs hinüber.
Eine Runde schwimmen bevor wir weiter wandern? fragte Nick grinsend und zog sich bereits sein T-Shirt über den Kopf.
Pass auf, das wird lustig, flüsterte Jo neben mir grinsend, während sie weiter meine Hand hielt.
Mittlerweile stand Nick nur noch in seinen Boxershorts vor uns und auffordernd grinste er uns an.
Mach du nur, sagte Jo und machte eine auffordernde Geste mit der Hand ihres unverletzten Arms.
Nick zuckte mit den Schultern, balancierte vorsichtig am Ufer und tauchte einen Fuß in das Wasserbecken. Er zuckte kurz zusammen und ich vermutete, dass das Wasser hier eiskalt war. Doch entweder war ihm das egal, oder er wollte sich nicht vor uns Mädchen blamieren, denn er holte einmal tief Luft, stieß sich ab und landete mit einem lauten Platschen im Wasser.
Keine Sekunde später tauchte er prustend und nach Luft schnappend wieder an der Oberfläche auf. Sein entsetztes Gesicht begleitete dabei sein lautes Heulen. Uaaaaah!! Kalt! Kalt! japste er und begann mit hektischen Schwimmbewegungen.
Jordan und ich begannen zu kichern, während Nick wie ein wahnsinnig gewordener Frosch durch das Becken pflügte.
Ich werde ihn mal retten, bevor er wie ein Stein unter geht, meldete sich AJ zu Wort und als wir nun zu ihm hinüber sahen, setzte mein Herz für einige Schläge aus bevor es mit doppelter Geschwindigkeit weiter schlug. Er hatte sich ebenfalls seiner Kleider entledigt und ich starrte nun auf seine nackte Brust und den ansprechend muskulösen Bauch darunter. Eine feine Linie dunklen Haares verlief von seinem Bauchnabel nach unten und verschwand unter dem Bund seiner Shorts. Mir wurde abwechselnd heiß und kalt und ich schluckte ein paar Mal trocken.
Mach nur, hörte ich Jordan neben mir sagen, die scheinbar völlig unbeeindruckt von AJs Körper geblieben war.
Vorsichtig tastete er sich an den Rand des Wassers, setzte sich dann auf einen flachen Felsen und lies die Beine ins Wasser baumeln.
Oh Fuck ist das kalt, reif er und zog sofort seine Füße zurück. Nick! rief er dann seinem Freund zu, der sich bereits auf der anderen Seite des Wasserbeckens befand und dort auf der Stelle schwamm. Du bist echt nicht mehr ganz dicht. Das Wasser ist schweinekalt.
Wenn du erst einmal drin bist gehts, rief Nick zurück und warf dann einen Blick zu dem Wasserfall hinauf.
Schon klar, hörten wir AJ murmeln, dann ließ er seine Füße wieder ins Wasser sinken und begann damit, seine Arme, den Oberkörper und sein Gesicht mit dem kalten Wasser zu benetzen.
Dann holte er noch einmal tief Luft und stieß sich mit den Armen ab. Mit einem wesentlich leiseren Platschen verschwand er im Wasser, tauchte gleich darauf prustend wieder auf und begann mit gezielten, kräftigen Schwimmstößen zu Nick hinüber zu schwimmen.
Die sind echt nicht ganz dicht, bemerkte ich kopfschüttelnd aber immer noch grinsend.
Fällt dir das erst jetzt auf? lachte Jordan und ging ein paar Schritte weiter, während sie mich an der Hand hinter sich herzog.
Bei den Kleiderstapeln der Jungs hielt sie schließlich an und lies sich erleichtert seufzend auf einen breiten, flachen Felsen nieder.
Irgendwie sieht es ja verlockend aus, bemerkte ich, während ich mir mit dem Ärmel meines T-Shirts den Schweiß aus dem Gesicht wischte.
Na dann auf in die Fluten, entgegnete Jordan.
Ich weiß nicht. Ich befürchte, das ist mir dann doch einige Grad zu kalt.
Feigling, grinste sie.
Hey, lachte ich und hätte sie gerne in die Seite geboxt, aber ihr verletzter Arm hielt mich davon ab.
Du hast doch Nick gehört. Wenn man erst einmal drin ist, ist es gar nicht mehr so schlimm, bemerkte sie.
Ich seufzte. Ja, ich wollte unbedingt in dieses kühle Wasser steigen, allerdings müsste ich mich dafür meiner Kleider entledigen. Ich focht einen stummen Kampf mit mir selbst aus, doch schließlich gewann die Vorstellung, dass ich nach einem Bad in den Fluten wieder richtig sauber und erfrischt sein würde.
Kommst du mit? fragte ich Jordan, während ich bereits meinen Gürtel öffnete.
Nein, sie schüttelte den Kopf. Ich glaube nicht, dass das meinem Arm so gut tun würde. Aber ich setzte mich an den Rand und schaue euch zu. Du mußt mir nur helfen, meine Hosen aufzukrempeln.
Das kriege ich hin, nickte ich, ging vor ihr in die Hocke, öffnete die Schnürsenkel ihrer schweren Wanderschuhe und zog sie ihr aus. Die Socken folgten gleich danach. Dann krempelte ich die Hosenbeine bis zu ihren Knien hinauf und blickte dann von unten zu ihr auf.
So genehm Prinzessin? grinste ich.
Bestens, nickte sie.
Schnell entledigte ich mich nun ebenfalls meiner Schuhe, Strümpfe, Jeans und T-Shirt und stand zum Schluß nur noch in meiner schwarzen Unterwäsche in der glühenden Sonne.
Na dann komm, sagte ich, zog Jordan an der Hand in die Höhe und gemeinsam balancierten wir vorsichtig über Stock und Stein an den Rande des Wasser, wo wir uns nebeneinander nieder ließen.
Gott tut das gut, stöhnte Jordan neben mir, als sie ihre geschundenen Füße in die kalten Fluten tauchte.
Hm, bestätigte ich, nicht sicher, ob ich mich tatsächlich in dieses Eiswasser hinab lassen konnte.
Ich sah hinüber zu AJ und Nick, die lachend und johlend dabei waren, sich gegenseitig im Wasser unterzutauchen. Sie wirkten zumindest nicht mehr so, als würde ihnen die Kälte des Wassers etwas ausmachen.
Wie AJ zuvor rieb ich meine Arme, Beine, die Brust und das Gesicht mit dem kalten Wasser ein, dann sah ich noch einmal zu Jordan hinüber.
Wenn ich nen Herzinfarkt kriege, mußt du mich retten.
Klaro, nickte sie ernst.
Also gut. Luft anhalten, Hände auf den warmen Fels stützen und mit einem beherzten Satz ins Becken.
Als das Wasser über mir zusammen schlug hatte ich augenblicklich das Gefühl, eine harte Faust umschließe mein Herz. Gott war das kalt!
Nach Luft schnappend tauchte ich wieder auf und begann sofort mit hektischen Schwimmbewegungen das Becken zu durchschwimmen. Je weiter ich kam, umso angenehmer wurde das Wasser. Mein Körper begann überall zu prickeln, die Kühle linderte die Schmerzen und ich hatte das Gefühl, das endlich jemand diesen Nebel aus meinem Gehirn vertrieben hatte, der dort schon viel zu lange festsaß.
Ich drehte mich auf den Rücken und winkte Jordan zu, die am Rand saß und mich breit lächelnd beobachtete.
Hey, du hast dich also auch hier rein getraut, hörte ich Nick plötzlich direkt neben mir. Erschrocken zuckte ich zusammen und wäre dabei beinahe untergegangen.
Nick lachte meckernd, als ich zappelnd versuchte, mich über Wasser zu halten.
So schreckhaft? fragte nun auch AJ, der auf meiner anderen Seite aufgetaucht war.
Unbewußt machte ich zwei kleine Schwimmzüge, um aus seiner Reichweite zu kommen. Das Bild seines nackten Körpers ließ mich einfach nicht los und zu wissen, dass er mit diesem meinem unter der Wasseroberfläche ganz nahe kam, machte es nicht wirklich besser.
Ich gehe mal nach Jo sehen, verkündete Nick, drehte sich herum und begann mit langen, kräftigen Schwimmzügen ans Ufer zurück zu schwimmen.
Blieben also nur noch AJ und ich.
Ich werde mir mal den Wasserfall aus der Nähe ansehen, verkündete ich und hoffte, dass er mir nicht folgen würde.
Ich komme mit.
So viel dazu.
Nebeneinander durchschwammen wir das Becken, während wir uns immer weiter dem gewaltigen Rauschen näherten, mit dem das Wasser aus zwanzig Metern Höhe in die Tiefe donnerte.
Etwas abseits davon hielt ich an und klammerte mich an einem Felsen fest, während ich fasziniert zu den Wassermassen aufstarrte. Das Rauschen war hier beinahe ohrenbetäubend laut und verschluckte sämtliche Nebengeräusche.
Bin gleich wieder da, hörte ich AJ in mein Ohr brüllen, dann tauchte er auch schon ab und war verschwunden. Was hatte er nun wieder vor?
Je länger ich auf die Wasseroberfläche starrte, aber keinen AJ entdecken konnte, desto unruhiger wurde ich. Vielleicht war er von den Wassermassen nach unten gezogen worden, oder hatte doch noch wegen der Kälte einen Herzschlag erlitten, oder
AJ? brüllte ich, obwohl selbst mir klar war, dass er mich über das laute Rauschen hinweg nicht hören konnte.
Vorsichtig tastete ich mich näher an den Wasserfall heran. Die Gischt benetzte mein Gesicht und nahm mir die Sicht, während die ersten dicken Wassertropfen auf mein Haupt fielen.
AJ? versuchte ich es erneut, mittlerweile leicht panisch.
Ich versuchte weiter in den Wasserfall hinein zu tauchen, doch der Wucht des Wassers hatte ich nichts entgegen zu setzten. Als würde jemand mit einem Hammer auf meinen Arm einschlagen.
Ich versuchte zurück zu weichen, kam aber nicht von der Stelle, sondern wurde nur noch weiter in den eisenharten Vorhang aus Wasser hinein gesogen. Ich schlug hektisch mit Füßen und Armen, schluckte Wasser und wurde schließlich unter die Wasseroberfläche gedrückt.
Scheiße! Scheiße! Scheiße!
Plötzlich packte mich etwas am Arm und zog mich mit ungeheurer Kraft nach oben. Nach Luft schnappend kam ich prustend wieder an die Oberfläche.
Alles in Ordnung? hörte ich AJ, dessen Stimme dumpf von den Felswänden widerhallte.
Ich konnte nicht antworten, da ich immer noch dabei war wieder Luft in meine Lungen zu pumpen und mir das Wasser aus dem Gesicht zu wischen.
AJ zog mich weiter in die Höhe und schließlich hockte ich hustend auf Händen und Knien neben ihm auf einem Felsvorsprung, während das Wasser wie ein dichter Vorhang vor uns in die Tiefe rauschte.
Wir befanden uns in einer Höhlung hinter dem Wasserfall, das Rauschen hämmerte laut in meinem Schädel und ich begann leicht zu zittern.
Hey, AJ hatte sich neben mich gesetzt und strich mir das nasse Haar aus dem Gesicht. Alles in Ordnung? fragte er erneut.
Erst als ich sicher neben ihm auf meinem Hosenboden saß fand ich meine Sprache wieder.
Was hast du dir dabei nur gedacht verdammt, fuhr ich ihn an und schlug ihm nicht sehr sanft auf die Schulter. Erst hinterher fiel mir auf, dass diese nackt war und als hätte ich mich verbrannt, zog ich meine Hand zurück.
Ich habe doch gesagt, ich bin gleich wieder da, entgegnete er sanft.
Gleich ist ein dehnbarer Begriff, giftete ich ihn an. Du hättest tot sein können!
Und das hätte dir etwas ausgemacht? fragte er nur halb im Scherz.
Ich sparte mir eine Antwort und verschränkte stattdessen die Arme vor meinem zitternden Körper.
Es tut mir leid, hörte ich ihn sagen, was mir lediglich ein beleidigtes Schnauben entlockte.
Wirklich, fügte er bekräftigend hinzu und dann spürte ich, wie sich ein kalter Arm um meine Schultern legte.
Ich war unfähig mich zu rühren. Mein gesamter Nacken prickelte und das kam ganz bestimmt nicht von dem kalten Wasser. In mir spannte sich alles an, während tief in mir ein aufgeregtes Kribbeln einsetzte.
Komm schon, hörte ich seine Stimme erneut und spürte, wie er mich noch ein Stück näher zu sich heran zog.
Ich
, setzte ich an und drehte den Kopf in seine Richtung.
Keine gute Idee.
Sein Gesicht war meinem ganz nah, kleine Wassertröpfchen glitzerten in seinen langen Wimpern und ich konnte sehen, wie sich seine nackte Brust unter seinen regelmäßigen Atemzügen hob und senkte. Unfähig auch nur noch ein Wort heraus zu bringen starrte ich ihn wie eine göttliche Erscheinung an, während sich in meinem Unterleib eine feuchte Wärme ausbreitete.
Plötzlich zuckte seine Zungenspitze hervor, als er sich blitzschnell über die Lippen leckte und in diesem Moment setzte mein klarer Verstand vollkommen aus. Ohne dass ich etwas dagegen tun konnte beugte ich mich zu ihm hinüber und presste meine kalten Lippen auf seine.
Er schien im ersten Moment überrascht und zuckte kurz zusammen, doch bevor ich mich zurück ziehen konnte wurde ich von seinem fester werdenden Griff gestoppt und seine Lippen erwiderten mit Nachdruck meinen Kuß.
Hungrig saugte er an meiner Unterlippe, während sich seine freie Hand auf mein Knie legte. Ich konnte nicht anders. Meine Arme schlangen sich um seinen Nacken und zogen ihn noch ein Stück weiter zu mir heran, bis seine glatte Brust meine, vom kalten Wasser immer noch aufgerichteten Brustwarzen berührten.
Er stöhnte leise auf, während sich seine Zunge besitzergreifend in meinen Mund schob. Wie zwei Ertrinkende klammerten wir uns aneinander fest während der Kuß immer intensiver wurde bis ich das Gefühl hatte, mein gesamter Körper stehe ich prickelnden, süßen Flammen.
Ich spürte plötzlich seine Finger, die federleicht über meinen Rücken strichen und dabei eine heiße, brennende Spur auf meiner Haut hinterließen. Gleich darauf machte sich eine leicht zitternde Hand an dem Verschluß meines BHs zu schaffen und ungeduldig streifte ich mir die Träger über die Schultern während meine Lippen die seinen keine Sekunde verließen.
Als er den Kopf beugte und meine nun entblößte Brust sanft küsste, zog ich seinen dunklen Haarschopf noch etwas näher zu mir heran. Seine Lippen umschlossen heiß meine Brustwarze und ich warf den Kopf in den Nacken während ein leiser, heiserer Schrei über meine Lippen sprudelte. Als seine Hände an den Seiten meines Körpers entlang strichen und mich ohne Umschweife auf seinen Schoß zogen, war ich bereits der Meinung innerlich zu verglühen.
Augenblicklich konnte ich spüren, wie erregt er war und nichts und niemand hätte mich in diesem Moment aufhalten können. Ich wollte ihn tief in mir, wollte eins werden mit dieser Naturgewalt, die nun meine Pobacken mit festem Griff umschloss. Ich wollte IHN verdammt noch mal!
Ein lauter Knall ließ uns mitten in der Bewegung erstarren.
Was war das? flüsterte ich heiser, wenn ich mir auch nicht sicher war, ob AJ mich über das Rauschen des Wassers überhaupt hören konnte.
Dann zerriss Jordans Schrei das anhaltende Brüllen des Wasserfalls und grenzenloses Entsetzten machte sich in mir breit. Ich mußte zu ihr. Sofort!