Kapitel 11
-Jordans p.o.v.-

Was zuviel war, war zuviel. Und auch wenn Nick versuchte mich davon abzuhalten, so hatten A.J. und ich spätestens jetzt eine stille Übereinkunft getroffen, dass wir nicht einfach tatenlos zu sehen würden, bis es vielleicht noch so weit kam, dass Ironman Keyla vor unser aller Augen vergewaltigte.
Ich nickte ihm stumm zu und als Kenneth und die anderen abgelenkt durch ihre Grölerei, die sie angesichts dieses geschmacklosen Schauspiels gestartet hatten, ihre Waffen ablegten um anfeuernd in ihre Hände zu klatschen, sprangen wir gleichzeitig auf.
A.J. warf sich Ironman auf den Rücken während ich mir einen der brennenden Holzscheite schnappte und in einem Anflug von geistiger Umnachtung damit versuchte, die anderen drei Entführer davon abzuhalten wieder zu ihren Pistolen zu greifen.
Nick konnte nicht anders, jetzt musste er sich ebenfalls einmischen. Er trat an meine Seite und grabschte eilig nach einer der Waffen während er die anderen in die Dunkelheit ausserhalb des Feuers schmiss.
A.J. hingegen mühte sich immernoch mit Ironman ab, gegen den er nicht wirklich eine reele Chance hatte. Mit Leichtigkeit hatte Iron Man ihn von sich herunter geschüttelt und mit einem Tritt gegen die Schläfe setzte er ihn kurzfristig ausser Gefecht. Wieder wendete er sich Keyla zu und meine Sicherungen brannten nun endgültig durch.
Ich entriss Nick die Waffe die er aufgesammelt hatte, warf den brennenden Holzscheit achtlos zu Boden und es schien als würde das Geräusch, dass das Entsichern der Waffe verursachte noch meilenweit zu hören sein. Abrupt ließ Ironman Keyla los, die sofort zu A.J. robbte und ich legte beide Hände an die glänzende Waffe.
„Fass sie noch einmal an und ich töte dich, du mieses Schwein.“
Ironman schien einen Moment nicht recht zu wissen wie er darauf reagieren sollte. Er war nicht so dumm, die Gefahr die nun von mir ausging zu unterschätzten. Sein Blick suchte den seiner Männer, die immer noch wie zu Salzsäulen erstarrt hinter mir standen und von einem recht nervösen Nick zurückgehalten wurden, der den Holzscheit an sich genommen hatte und nun damit vor ihnen herumfuchtelte, als wolle er ein wildes Tier in Schach halten.
„Mädchen, du weisst doch gar nicht wie man damit umgeht. Was willst du denn tun? Mich wirklich töten? Das würde ich mir an deiner Stelle gut überlegen.“ Ironman machte einen Schritt auf mich zu und ich wich vor ihm zurück.
Mein Gesicht war feucht von den Tränen die ich nicht müde wurde zu weinen, meine Nase lief und alte tief in mir verdrängte Bilder kämpften sich an die Oberfläche.
Ich würde es nicht zulassen. Ich würde nicht zulassen dass er Keyla noch einmal anfasste. Mein Zeigefinger legte sich an den Abzug und krümmte sich gefährlich.
„Bleib wo du bist.“
Ein süffisantes Lächeln erschien auf Ironmans Gesicht aber mir entging nicht das Funkeln seiner Auge dass trotz seiner ansonsten furchtlosen Fassade so etwas wie Angst ausstrahlte.
Keyla hatte A.J. mittlerweile wieder auf die Beine geholfen und ich ließ meinen Blick nur kurz zu ihr herüber schweifen.
„Schnappt euch die Rucksäcke“ wies ich sie an, bevor ich immer weiter zurückwich, nun auch die anderen Entführer in mein Visier nahm und sie mit einem Wink der Waffe dazu aufforderte sich zu Iron Man zu gesellen. Nick trat hinter mich und leise hörte ich seine Stimme, die sanft an mein Ohr drang.
„Gib mir die Waffe, Jo...“
Aber ich schüttelte vehement den Kopf. Nie zuvor hätte ich gedacht dass ich einen anderen Menschen töten könne, aber jetzt schrie alles in mir danach zu sehen wie eine Kugel Ironmans Leib zerfetzte.
Aus den Augenwinkeln konnte ich sehen wie Keyla und A.J. sich die Wasserflaschen schnappten sie eilig in einen der Rucksäcke stopften und sich ebenfalls immer weiter von Schein des Feuers entfernten.
Nick jedoch wich nicht von meiner Seite, seine Stimme wurde beschwörerisch.
„Bitte...Jo...gib mir die Waffe“
Aber ich konnte nicht, es schien als würde ich nichts anderes mehr sehen als Ironman wie er Keyla drangsalierte und sie küsste und den erschrockenen Ausdruck ihrer Augen.
Nick legte seine Wange an meine und ich spürte seine Lippen an meinen Ohr als er begann leise zu flüstern.
„Er ist es nicht wert, komm gib mir die Waffe, es wird dir nichts passieren, sie können nichts machen. Wir werden jetzt einfach verschwinden ... komm, vertrau mir.“
Ein Schluchzen schüttelte mich, meine verkrampften Finger lösten sich langsam von der Waffe und Nick nahm sie mir aus den Händen. Weinend fiel ich auf die Knie und sofort war Keyla an meiner Seite und wiegte mich sanft hin und her. A.J. hatte das Klebeband ausgemacht und machte sich nun daran Kenneth und die anderen zu fesseln. Um Ironman jedoch machte er einen weiten Bogen. Dieser Kerl war einfach unberechenbar und es hätte mich nicht gewundert wenn er sogar kugelsicher war.
Keyla zog mich auf die Beine und ließ mich einen kurzen Moment allein damit sie A.J. helfen konnte. Ich schlang die Arme um mich und versuchte das stete Zittern meines Körpers unter Kontrolle zu bringen. Das Feuer warf bizarre Schatten auf diese Szenerie und plötzlich vernahm ich eine blitzschnelle Bewegung von Ironman.
Wir hätten sie nach zusätzlichen Waffen untersuchen sollen, nun hielt Ironman eine weitere Pistole in der Hand und zielte damit direkt auf Keyla. Nick war zu überrascht um noch schnell genug zu reagieren, er riss seine Waffe in die Höhe und mein Herzschlag setzte aus. Ich schrie laut auf um Keyla zu warnen und bemerkte erst jetzt dass der Lauf der Waffe sein Ziel neu visiert hatte. Ein immenser Schlag traf meine rechte Schulter und riss mich herum.
Hart prallte ich auf den Boden und ein schneidender Schmerz durchfuhr meinen Körper. Ich hörte einen weiteren Knall dann begann sich die Welt um mich herum aufzulösen.
Ich hörte Schreie, weitere Schüsse. Ich spürte wie sich etwas warmes über meinen Arm ergoss und von meinen Fingerspitzen tropfte, dann sah ich Keylas warme Augen über mir. Ich sah wie sich ihre Lippen bewegten aber ich verstand nicht ein Wort von dem was sie sagte. Das Geräusch meines wie wild schlagendes Herzens war alles was ich wahrnehmen konnte.
Neben Keylas Gesicht trat nun A.J.s besorgte Miene und sanft strich er über meine Wange. Ich kniff die Augen zusammen. Ich verstand nicht was passiert war, hörte nicht was sie sagten.
Keyla weinte und zog meinen Kopf in ihren Schoss. Langsam beruhigte sich mein Herzschlag und wurde beängstigend langsam und der Schmerz der durch meinen Körper gezuckt war fing an stetig wie ein Pulsschlag in meinen Adern zu hämmern.
Die erste Benommenheit wich einer stumpfen Erkenntnis. Ironman hatte mich getroffen. Keyla nahm mein Gesicht in ihre Hände und ihre Tränen tropften von ihrem Kinn, langsam baute sich auch die Geräuschkulisse wieder auf und ich musste leise wimmern.
„Shhht, mein Schatz...“flüsterte Keyla leise und ich versuchte mich aufzurichten. Aber mein rechter Arm antwortete ziemlich schmerzhaft darauf ihn einsetzen zu wollen.
Mein Blick ging hinüber zum Lagerfeuer. Kenneth und die anderen sassen immer noch gefesselt darum aber ich konnte Ironman nirgends ausmachen.
Nick kam zu uns hinüber. „Er ist weg. Es wird Zeit dass wir von hier verschwinden.“
Er sah zu mir herunter und biss sich hart auf die Unterlippe. Er überlegte einen kurzen Moment, riss dann einen Teil seines T-shirts ab, kniete sich neben mich und hantierte ausserhalb meiner Sichtweite an meinem Arm herum und erneut durchfuhr es mich heisskalt vor Schmerz aber ich biss die Zähne aufeinander.
Dann scheuchte er Keyla sanft von meiner Seite und meine Augen wurden groß, ich wollte nicht auf ihre Nähe verzichten, war sie doch alles was mir noch geblieben war.
Aber Nick schob nun seine Arme unter mich und hob mich hoch. Ich lehnte meinen Kopf an seine Brust und atmete tief durch. Dann setzten wir uns stumm in Bewegung, liesen das Lager und den Schimmer des Lagerfeuers hinter uns und wanderten in die Dunkelheit.

Kapitel 12