Kapitel 9
~Jordans P.o.V.~
Mit festen Schritten war Ironman in unser Zimmer getreten. Beinahe hätte ich mich vor Angst an dem Stück Käse verschluckt an dem ich gerade knabberte, als er auch schon mitten in unserem spärlichen Frühstück stand.
Mit einem leichten Tritt hatte er A.J.s Kaffeetasse umgestoßen und funkelte uns nun wütend von oben herab an.
Alle aufstehen, SOFORT! dröhnte er und gab uns nicht einmal genügend Zeit von alleine auf die Beine zu kommen, da er Nick bereits mit einem Griff in dessen Haare nach oben zog und ihn grob in Richtung Tür stieß, wo ihn der quietschende Kenneth, mit der Waffe im Anschlag bereits erwartete.
Wir anderen beeilten uns zu ihm zu kommen um Ironman keinerlei Grund zu geben, seine Wut noch weiter Herr über sich werden zu lassen. Wir wurden in der Küche zusammen getrieben und standen nun Rücken an Rücken in der Mitte des Raumes. Meine Hand wanderte an Keylas Seite hinab, bis ich ihre Hand zu fassen bekam und drückte sie sanft.
Ironman war aus unserem Zimmer getreten und marschierte nun heftig atmend die Küche ab. Meine Augen ließen ihn keine Sekunde los und mir graute es vor dem was er nun sagen würde. Er raufte sich die Haare und schien eindeutig ziemlich sauer zu sein. Er war schon unter normalen Umständen ein wahrlich ungenießbarer Mensch aber ihn so wütend zu sehen, ließ mir das Blut gefrieren. Die Adern an seinem Hals pulsierten sichtbar und sein Stiernacken hatte eine dunkelrote Farbe angenommen die sich bis zu seinem Haaransatz zog.
Abrupt hielt er in seiner Wanderung inne, entriss Kenneth die geladene Waffe und rammte sie förmlich in die zarte Haut von Keylas Hals. Augenblicklich hatte ich das Gefühl als würde ihre Hand in meiner versuchen die meine zu zerdrücken, ich selbst war so überrascht dass ich einem Moment brauchte um diesen Druck zu erwidern. Ironman kam gefährlich nah an Keyla heran und es schien als wären selbst die Adern in seinen Augen geschwollen.
Ich hätte nicht übel Lust, dich hier und jetzt zu erschießen zischte er und ich konnte sehen wie kleine Schweißperlen auf Keylas Stirn traten.
Ich musste etwas tun, ich konnte doch nicht zulassen, wie dieser Psychopath meine beste Freundin vor meinen Augen tötete während ich hilflos daneben stand. Ich wollte gerade meine freie Hand heben als ich merkte wie Nick sie ergriff und leicht den Kopf schüttelte. Keyla wich immer weiter vor Ironman zurück der sie mit seinem Blick fest im Griff hatte.
Es hat mir schon immer geholfen mich abzureagieren indem ich jemanden töte. Du hast allerdings Glück, dass du ein solch hübsches Ding bist ..., er grinste dreckig und ließ die Waffe langsam ihren Hals hinab gleiten. Deutlich konnte ich das heftige Heben und Senken von Keylas Brustkorb wahrnehmen und nun drückte ich Nicks Hand ebenso fest wie Keyla die meine. Das kalte, stumpf glänzende Metall der Waffe, wanderte zwischen ihren Brüsten hindurch und presste sich dann hart in ihre Seite. Ich hielt krampfhaft die Luft an und schloss für einen kurzen Moment die Augen.
Marv? Es wird Zeit, wir müssen los vernahm ich Quietsche-Kens Stimme und erleichtert stellte ich fest, dass Ironman sich nur noch ein letztes Mal Keyla näherte bevor er die Waffe sinken ließ, sie in hohem Bogen zu Kenneth warf und sich wieder vor uns postierte.
Also, wir werden nun einen kleinen Spaziergang unternehmen. Ich ERWARTE dass ihr euch alle an unsere Anweisungen haltet. Wer es nicht tut, wird auf der Stelle erschossen, ohne die Möglichkeit zu haben sich heraus zu reden.
Der Typ der neben Kenneth stand holte vier prall gefüllte Rucksäcke hinter der Tür hervor und reichte jedem von uns einen davon. Als ich meinen bekam, ächzte ich kurz unter dem Gewicht bevor ich einen Schritt nach vorne tat um mir dieses Ungetüm auf den Rücken zu schnallen.
Da sich so ziemlich all unsere Vorräte in diesen Rucksäcken befinden, werdet ihr sicher verstehen, dass wir sehr auf dieses Gut achten werden und es von daher nicht für nötig halten euch zu fesseln, ihr werdet ohnehin kaum schnell genug sein
Ich warf einen kurzen Seitenblick zu Keyla, die immer noch schwer atmete und strich ihr kurz über die Wange.
Alles okay? flüsterte ich leise und sie antwortete mit einem eher apathischen Nicken darauf, bevor sie sich ihren eigenen Rucksack aufsetzte.
Also dann, Abmarsch. Ironman winkte uns zu sich und schnell kristallisierte sich die Formation die wir wohl den gesamten Weg beibehalten würden, heraus.
Kenneth und einer der anderen bildeten die Vorhut, während Ironman und der vierte im Bund die Nachhut übernahmen. Ich kam mir wie ein menschlicher Packesel vor, als wir uns in Bewegung setzten und das Haus hinter uns ließen.
Die aufgehende Sonne stach in meine Augen und durch die Schwüle die in der Luft lag, war ich mir sicher dass wir heute einem heißen Tag entgegen sahen. Es hatte die ganze Nacht nicht aufgehört zu regnen und so glitzerten auch jetzt noch einzelne Regentropfen auf den Bäumen die den Vorhof des Hauses zierten. Ich konnte einige Vögel singen hören, aber neben diesem Gespräch herrschte nur das dumpfe Stampfen von acht Fusspaaren die über den Waldboden wanderten.
Keyla und ich gingen schweigend nebeneinander her, als A.J. zu uns aufholte und Keyla besorgt ansah.
Hey ... ich werde nicht zulassen, dass diese Typen einer von euch etwas antun. Er zwinkerte Keyla aufmunternd zu, aber ich hatte das Gefühl dass ihre intensive Begegnung mit der geladenen Waffe, ziemlich viel ihres Optimismuses getilgt hatte.
Was wirst du tun? Wirst du dich für mich erschießen lassen? antwortete sie verbissen und A.J. legte ihr behutsam einen Arm um die Schulter.
Soweit wird es nicht kommen.Wir verhalten uns ruhig und geben ihnen keinen Grund sich aufzuregen und wenn sie denken wir spuren ... er beugte sich etwas zu Keyla hinüber und flüsterte so leise dass ich es nicht verstehen konnte.
Keyla schüttelte mit großen Augen den Kopf. Du hast doch gesehen, dass es egal ist ob wir uns ruhig verhalten oder nicht. Sie werden immer etwas finden, was sie in ihren Augen dazu berechtigt uns zu erniedrigen.
A.J. zog sie noch ein kleines Stückchen weiter zu sich, seine braunen Augen trafen ihre und er wurde ernst.
Vertrau mir ..., sein Blick ließ sie nicht los und komischerweise fühlte ich mich nun fehl am Platz.
Ich ließ mich ein Stück zurückfallen und ging neben Nick her. Er drehte sein Gesicht zu mir und mir fiel zum ersten Mal sein wirklich sympathisches Lächeln auf. Wie konnte er trotz allem noch lächeln? Ich merkte jedoch, wie dieses freundliche Gesicht, mich dazu brachte mich ein wenig zu entspannen.
Hey sagte er leise und ich nickte.
Hey antwortete ich knapp.
Schön dich zu sehen scherzte er und ich verzog leicht das Gesicht.
Als hätte ich eine andere Wahl entgegnete ich lapidar und schob meine Daumen unter die Gurte des Rucksacks dessen Schwere mich immer weiter zu Boden zu drücken schien.
Jetzt ist endlich Schluss mit dieser Tuschelei herrschte Ironmans Stimme über uns hinweg und mit wenigen Schritten war er bei Nick und mir angelangt und riss uns grob auseinander.
Geht hintereinander und haltet verdammt nochmal eure Klappen, wir sind hier nicht auf einem Kaffeeklatsch.
Ebenso wie er uns beide getrennt hatte, trennte er nun auch Keyla und A.J. Wir fügten uns und begaben uns wieder hintereinander, um wie auf eine Perlenkette gefädelt eine gerade Linie zu bilden.
Die Hitze wurde mit jedem Meter den wir hinter uns brachten unerträglicher. Auf meiner Haut hatte sich ein lückenloser Schweißfilm gebildet und meine Haare klebten mir im Gesicht. Ich hatte schon vor Stunden aufgegeben sie wieder an ihren Platz zurückzubringen. Es hatte sowieso keinen Sinn. Meine Füsse schmerzten, denn die nagelneuen Boots, die ich extra für diesen Urlaub gekauft hatte, waren bei weiten nicht eingelaufen.
Erst gegen Mittag schienen unsere Entführer ein Erbarmen mit uns zu haben. Während die Sonne im Zenit stand, erreichten wir einen kleinen Lagerplatz, der an einem schmalen Fluss lag. Dankbar ließ ich mich auf einen umgekippten Baumstamm nieder und wartete gar nicht darauf ob ich das Okay dafür erhalten würde. Zu sehr schmerzte mein Rücken von der schweren Last die ich bestimmt schon seit fünf Stunden mit mir herumtrug, zudem hatte ich das Gefühl, als würde Blut meine Schuhe füllen.
Zum Glück sagte weder Ironman noch einer der anderen etwas und es schien als wären sie ebenso froh über diese Rast wie wir. Keyla setzte sich neben mich und nachdem sie ihren Rucksack abgestellt hatte, beeilte sie sich die Schnürsenkel ihrer Schuhe zu lösen und aus ihren ebenfalls neuen Schuhen und Socken heraus zu kommen. Wie ich es vermutet hatte waren ihre Zehen blutunterlaufen und an ihren Fersen hatten sich dicke Blasen gebildet die bereits aufgescheuert und wund waren. Mit einem mulmigen Gefühl tat ich es ihr gleich und entledigte mich ebenfalls meiner Wanderstiefel. Der Anblick unterschied sich nicht wesentlich von dem Keylas und wir schenkten uns einen bemitleidenden Blick.
Nick trat zu uns und mit einem Rumms ließ er den Rucksack von seinen Schultern rutschen und auf den Boden auftreffen. Erst dann blickte er auf unsere geschundenen Füsse und konnte es nicht verhindern, dass sein Gesichtsausdruck dabei leicht angeekelt war. Ich konnte es ja verstehen.
Das sieht nicht gut aus meinte er knapp.
Es tut auch scheisse weh antwortete Keyla während sie einige Flusen von den offenen Stellen ihrer Haut pflückte.
Auch A.J. ließ sich nun stöhnend neben uns nieder und machte in etwa das selbe Gesicht wie Nick als er unsere Füsse sah. Er beugte sich leicht über Keylas linken Fuss, den sie auf ihr rechtes Knie gelegt hatte und schüttelte den Kopf.
Das muss desinfiziert werden ... warte.
Er stand wieder auf und half Keyla auf die Beine. Vorsichtig stützte er sie und brachte sie zu dem kleinen Fluss der plätschernd durch die Bäume floss. Nick sah mich nur an, zuckte dann mit den Schultern und ehe ich mich versah hatte er mich auf die Arme genommen und trug mich an das seichte Ufer.
Ich musste leise schmunzeln. Welch ein Service
Tja, wenn man mit Nick Carter unterwegs ist, bekommt man das volle Programm er zog kurz die Nase kraus und setzte mich dann behutsam auf dem Boden ab.
Keyla hatte sich ihre Jeans bereits bis zu den Knöcheln hochgekrempelt und watete in dem eiskalt aussehenden Wasser. Ihrem Gesicht nach zu urteilen war dies keine angenehme Sache. Daher zögerte ich bevor auch ich ins Wasser ging. Das Ufer war flach und so konnten wir ohne Probleme einige Meter in den Fluss hineingehen. Das kalte Wasser brannte und kühlte zugleich. Ich war mir nicht wirklich sicher ob dieses zwar nicht dreckige aber keineswegs sterile Wasser das richtige für unsere Wunden war. Aber es war zehnmal besser als in diesen Schuhen zu stecken.
Nick und A.J. hatten sich am Ufer postiert und sahen uns lächelnd zu. Hätte ich im Hintergrund nicht unsere Kidnapper ausmachen können, so hätte dies wirklich etwas von Urlaub gehabt. Viel zu schnell kam Ironman dann auch ans Ufer.
Genug gebadet. Bleibt wo wir euch sehen können.
Auch wenn er immer noch mit einem harschen Ton sprach so hatte die Hitze seine Wut anscheinend verdampfen lassen und wie uns geheissen wurde, entstiegen wir dem kühlen Nass. Augenblicklich nahm Nick mich wieder auf die Arme und ich legte meine Arme um seinen Hals.
Daran könnte ich mich glatt gewöhnen kicherte ich und er setzte mich wieder zurück auf den Baumstamm.
A.J. hatte sich wohl etwas von seinem Freund abgeguckt und so trug er nun Keyla vorsichtig zurück zu uns. Die Rucksäcke waren bereits von unseren entführern ausgepackt worden und zu meiner Überraschung gab es sogar etwas zu essen für uns.
Naja ... trockenes Brot und Käse, aber jeder von uns erhielt eine kleine Wasserflasche die ich in fast einem einzigen Zug leerte. Auch Keyla hatte innerhalb von Sekunden die gesamte Flasche leergetrunken, schien jedoch immer noch durstig zu sein. Mit einem sanften Lächeln auf den Lippen, reichte A.J. ihr seine noch halbvolle Flasche und nickte ihr zu. Da begriff ich dass es uns durchaus schlimmer hätte treffen können. Wenn schon entführt dann doch wenigstens mit zwei Menschen wie Nick und A.J..