Kapitel 5
-Jordans p.o.v.-
Das Klebeband klebte unangenehm auf meinen Lippen und die Handfesseln schnitten sich tief in die Haut meiner Gelenke. Zu atmen war nur schwer möglich und als ich auch noch mitbekam was mit Nick und anschliessend mit Keyla passierte, hatte ich das Gefühl ersticken zu müssen.
Wir hatten soeben einen Mord mitansehen müssen, waren in gewisser Weise verantwortlich für den Tod dieses Mannes und hinzu kam die Erkenntnis, dass wir es nicht mit einfachen Entführern, sondern mit eiskalten Killern zu tun hatten, die selbst vor einem Polizistenmord nicht zurückschreckten.
In meinem Kopf begann sich alles zu verschieben und zu drehen, bis ich keinen einzigen klaren Gedanken mehr fassen konnte. Panik stieg in mir hoch und machte es mir unmöglich mich ruhig zu verhalten. Ich wollte schreien, die Angst hinauslassen aber das Tape auf meinem Mund verhinderte dass ich auch nur einen Ton herausbekam. Tränen stiegen in mir auf und unterdrückt begann ich zu schluchzen, der Kloss in meinen Hals wurde steitg größer und erschwerte mir das Atmen immer mehr.
Durch die Fesseln war es mir nicht einmal möglich näher an Keyla heranzukommen, deren unmittelbare Nähe mich mit Sicherheit beruhigt hätte.
Und so schloss ich die Augen in purer Verzweiflung über unsere Situation und betete zu Gott er möge dem schnell ein Ende bereiten.
Ich weiss nicht mehr, wie lange ich weinend und völlig apathisch in die Dunkelheit gestarrt hatte, als der Wagen wieder begann unwegsames Gelände zu befahren so dass wir alle 4, die ja gefesselt auf dem Metallboden des Vans lagen, heftig durchgeschüttelt wurden.
Ich spürte Knie die sich in das Fleisch meines Oberschenkel bohrten und wie ich selbst mit dem Kopf immer wieder gegen menschliche Körperteile stiess.
Dann rollte der Wagen langsam aus und wieder war die Angst im hinteren Teil des Wagens spürbar.
Ich riss die Augen weit auf um jede Veränderung auch ja mitzubekommen und als die Ladeklappen geöffnet wurden blendete mich das Licht dass dadurch hineinfiel.
Schnell jedoch konnte ich mich wieder daran gewöhnen, denn aufgrund des immer noch anhaltenden Regens, war es ein eher graues und nicht allzu stechendes Licht.
Jemand packte nach meinen Füssen und zog mich recht unsanft aus dem Wageninneren heraus. Wie ein Stück zusammengerollter Teppich wurde ich gegen die Aussenseite des Vans gelehnt, damit ich trotz der Fesseln eigenständig stehen konnte und innerhalb von Sekunden waren meine gerade trocken gewordenen Klamotten wieder bis auf die Haut durchnässt.
Der Mann der mich hinausbefördert hatte zog nun auch auf die gleiche Weise Keyla aus dem Van heraus um sie ihn ähnlicher Position neben mich zu stellen. Wir blickten einander mit weit aufgerissenen Augen an, bevor auch Nick und A.J. den Weg zu uns fanden. Fein säuberlich nebeneinander aufgereiht standen wir nun im prasselnden Regen am Van und hatten nicht die geringste Ahnung, was nun mit uns geschehen würde.
Augenblicklich schossen mir Bilder von Erschiessungskommandos durch den Kopf und ich konnte die Tränen erneut nicht daran hindern aus mir hervorzuquellen.
Der große Mann, mit dem eisernen Gesicht bezog Aufstellung vor uns und ich war mir sicher dass er nun seine Waffe ziehen würde um uns zu erschiessen.
Aber nichts dergleichen geschah. Er musterte uns lediglich und begann dann mit tiefer Stimme zu sprechen.
Aufgrund des Regens und der ungeplanten Gäste die sich netterweise noch zu uns gesellt haben... er warf Keyla und mir einen bedeutungsschwangeren Blick zu. ...müssen wir unser Programm ein klein wenig umstellen. Ich hoffe Sie sind nicht allzu enttäuscht darüber.
Er schmunzelte amüsiert und ich fragte mich wie er in dieser ganzen Farce noch seinen Sinn für schlechten Humor hatte behalten können.
Ich werde ihnen nun die Fussfesseln abnehmen, damit sie eigenständig zu ihrer heutigen Übernachtungsmöglichkeit gehen können. Wie Sie sicher bereits bemerkt haben, besitzen wir geladene Waffen und scheuen uns nicht, diese auch zu gebrauchen. Ich rate Ihnen also, um ihrer eigenen Sicherheit willen, sich ruhig zu verhalten und keineswegs den Versuch einer Flucht zu starten.
Seine eiskalte Anweisung liess mir das Blut in den Adern gefrieren. So drückte sich kein Kleinkrimineller aus, dieser Mann hatte Ahnung von dem was er tat auch wenn ich mir noch nicht sicher war, was das überhaupt sein sollte.
Haben mich soweit alle verstanden? hakte er nach und jeder von uns versuchte ein zaghaftes Nicken zu Stande zu bringen.
Dann trat er, anscheinend zufrieden mit unserer Kooperation nach vorne und schnitt jedem von uns das Klebeband durch, das sich um unsere Füsse befunden hatten.
Aber sie schienen alles bestens durchorganisiert zu haben, denn nun banden sie uns in einer Reihe an einander fest, was eine Flucht unmöglich machte. Mit gebundenen Händen und mit drei anderen Geiseln verkettet konnten wir keinesfalls davon ausgehen, dass uns eine Flucht gelingen würde.
Alle Entführer versammelten sich nun vor dem Van, drei von ihnen mit ihrer Pistole im Anschlag als die Stimme des Eisernen wieder ertönte.
Abmarsch
Zwei der Kidnapper bildeten die Vorhut und stiessen A.J. der ganz vorne stand unsanft an, damit er sich in Bewegung setzte.
Erst jetzt nahm ich mir die Zeit, mich genauer umzusehen. Wir befanden uns wieder in einem weitläufigen Waldstück, jedoch war die Kulisse der Rocky Mountains nun zum Greifen nah.
Wir befanden uns unmittelbar am Fusse dieses Gebirges und damit, wenn wir nicht gerade am Nationalpark waren, in einer absolut menschenleeren Gegend.
Die Entführer legten ein wahnsinnig hohes Tempo an den Tag und mir fiel es schwer Schritt zu halten.
Immer wieder wurde ich grob zurück in die Reihe befördert, wenn ich zurückfiel und trotz aller Umstände war ich dankbar als wir unser offensichtliches Ziel erreicht hatten.
Auf einer kleinen Lichtung tat sich eine Art Ferienhaus auf. Es schien seit Jahren verlassen, denn der Bereich vorm Haus war völlig zugewachsen und auch die Treppen und der Anstrich hatten schon einmal wesentlich bessere Zeiten gesehen.
Die Fenster waren vernagelt und nur die Türe die ins Haus hinein führte schien in der letzten Zeit eine Reperatur erhalten zu haben.
Mir wurde schlagartig bewusst, dass diese ganze Sache wirklich bis aufs kleinste Detail durchgeplant war und auch dass Keyla und ich bestimmt nicht zu diesem Plan gehörten.
Wieder stieg die Angst in mir auf.
Wir waren in eine geplante Entführung geplatzt und damit zu Zeugen - zu unerwünschten Zeugen wie uns der Mann vorhin deutlich zu spüren gegeben hatte - geworden
Lästige, unwichtige Zeugen ... wenn es diesen Männern um Lösegeld ging, so konnten wir ausschliessen am Leben gelassen zu werden, denn weder Keyla noch ich verfügten über Ressourcen die für die Entführer von Interesse sein konnten.
Unsere Viererkette wurde ins Innere des Hauses, das trotz des äusseren Scheins bewohnt zu sein schien, verfrachtet und in einen annähernd leeren Raum gebracht in dem lediglich zwei Feldbetten standen.
Die Fesselverbindung zwischen uns wurde durchschnitten und auch die Handfesseln wurden uns abgenommen, aber da der Anführer der Bande, ich vermutete zumindest dass er es war, wohl noch kurz unsere ungeteilte Aufmerksamkeit haben wollte, wurde uns gedeutet die Klebebänder dort zu belassen wo sie waren.
Sie befinden sich nun in unserer rustikalen Herberge, natürlich haben sie Kost und Logis frei, solange sie sich an die Hausregeln halten. Regel Nummer 1:Kein Schreien, obwohl sie hier draussen sowieso niemand hören wird. Regel Nummer 2: Keine Fluchtversuche, die Ihnen im Übrigen ebenso wenig gelingen werden und Regel Nummer 3: keine Fragen, eine recht einfache Regel wenn sie mich fragen
Damit drehte er sich um und trat aus der Tür, bevor er sich noch einmal kurz zu uns umdrehte.
Und nun sollten sie sich aneinander gewöhnen, sie werden noch einige Zeit miteinander vebringen
Die Tür fiel ins Schloss und wurde von aussen verriegelt.
Ich griff sofort an das Klebeband und riss es mir mit einem Ruck von Mund um endlich wieder tief durchatmen zu können. Beinahe wurde mir von soviel Sauerstoff schwindelig und ich rutschte an einer der Wände hinunter um mich auf den Boden zu setzen.
Keyla liess sich wortlos neben mir nieder und ergriff meine Hand. Ich schloss die Augen und liess das beruhigende Gefühl ihrer Nähe auf mich wirken. Als ich die Augen wieder öffnete sassen uns Nick und A.J. gegenüber. Sie waren in einem absolut desolaten Zustand und komischerweise fragte ich mich ob ich genau so schlimm aussah. Mir tat jeder Knochen im Leib weh und ich war mir auch im Klaren darüber in welcher Verfassung meine Kleidung sein musste.
Als ich die beiden nun so ansah, wie sie wie zwei kleine Häufchen Elend vor uns sassen, platzte mir der Kragen.
Sicher, sie waren allem Anschein nach genauso unschuldig hier hinein geraten aber ich war mir sicher, dass die Entführung einzig und allein auf die Beiden gemünzt war.
Ich will endlich wissen was hier passiert Flüsterte ich in einem harschen Ton, denn ich war nicht scharf darauf gegen Regel Nummer 3 zu verstossen.
A.J. der seine Ellbogen auf seinen Knien abgestützt hatte, fuhr sich durch sein fahles, müdes Gesicht und schüttelte dann den Kopf.
Ich habe nicht die geringste Ahnung ...
Das war in keinster Weise eine befriedigende Antwort für mich und ich steigerte mich immer mehr in meine aufwallenden Emotionen hinein.
Ihr müsst doch wissen was diese Kerle von euch wollen. Das sie nicht an Keyla und mir interessiert sind, war gerade ja wohl deutlich genug echauffierte ich mich weiter und hatte große Mühe meine Lautstärke unter Kontrolle zu halten.
Nick blitzte mich wütend an.
Wir haben es doch schon tausend Mal gesagt, wir haben keine Ahnung warum wir hier sind, wir würden es selbst gerne wissen.
Keyla drückte leicht meine Hand und ihre Stimme war ruhig.
Süsse, es bringt jetzt nichts uns gegenseitig anzumachen ... wir sitzen im selben Boot, wir sollten zusehen, dass wir uns arrangieren.
Ich schnaubte lediglich und lehnte den Kopf an die Wand in meinem Rücken und ich wurde nur von einem einzigen Gedanken beherrscht ... nicht schon wieder.