Kapitel 9
So ein Mist, fluchte Sasha leise, während sie ein weiteres Papiertuch unter den kalten Wasserstrahl des Flughafenwaschraums hielt und danach über den großen, braunen Kaffeefleck auf ihrem T-Shirt rieb. Ihr Blick wanderte dabei ganz automatisch zu Sophia hinüber um sich zu vergewissern, dass diese immer noch ruhig und friedlich in ihrem Kinderwagen schlief.
Welch Ironie des Schicksals, dachte sie erneut. Von allen sechs Milliarden Menschen auf diesem Planeten musste sie ausgerechnet Nick Carter über den Weg laufen. Und damit nicht genug, hatte er sie auch noch angerempelt, so dass sie noch nicht einmal unerkannt an ihm hatte vorbeihuschen können.
Eigentlich hatte sie nur den Vertrag für ihren Mietwagen verlängern wollen. Nachdem das Geld ihrer Mutter wie versprochen auf ihrem Konto eingegangen war, konnte sie sich dies und einige weitere Nächte in dem heruntergekommenen Hotel leisten. Leider hatte sie hierfür persönlich vor dem Sixt-Schalter erscheinen müssen. Und gerade als sie der Meinung war, nun alle Formalitäten erledigt und für die nächsten ein bis eineinhalb Wochen Ruhe zu haben, rannte dieser Idiot in sie hinein.
Ihr war beinahe das Herz stehen geblieben, als er sich herumdrehte und sie ihn erkannte. Er sah noch genau so aus wie damals auf der Tour. Sein blondes Haar war vielleicht ein bisschen kürzer, stand ihm aber nach wie vor in allen Himmelsrichtungen vom Kopf ab, während ihm die Ponyfransen in die Stirn fielen und in seinen meerblauen Augen glomm immer noch dieser kindliche, aufgeregte Funke, der ihn einfach unwiderstehlich machte.
Sie hatte damals eine Weile hin und her überlegt, welcher der beiden Backstreet Boys sich besser für ihren Plan eignete. Dabei berücksichtigte sie sowohl den Charakter der beiden, als auch das Alter. Und das sprach in diesem Fall eindeutig für Nick. Der damals neunzehnjährige hätte sich sicherlich wesentlich weniger Gedanken um Schwangerschaft, Vater sein und Verhütung gemacht als Alex, der damals bereits 22 und damit nur drei Jahre jünger war als Sasha. Der Abstand von sechs Jahren zwischen Nick und ihr selbst erschien ihr noch heute viel zu groß. Da war kein Raum für Gemeinsamkeiten oder gleiche Denkweisen. Doch im Endeffekt hatte Alex Sasha die Entscheidung abgenommen, als er sich neben sie auf den Barhocker fallen ließ und sie mit bereits schwerer Zunge und rauer Stimme ansprach. Eine bessere Gelegenheit, so hatte sie damals gedacht, würde wohl nicht mehr kommen. In diesem Moment war aus einer harmlosen Gedankenspielerei ernst geworden und noch heute grübelte sie manchmal darüber nach, wie sich ihre Situation von damals bis heute entwickelt hatte.
Sie beendete ihre Reinigung, die leider nur dazu geführt hatte, dass ihr Shirt jetzt nicht nur voller Kaffee sondern auch noch klatschnass und kalt war und trat dann einige Schritte vom Spiegel zurück. Aufmerksam musterte sie ihre müden Augen in dem schmalen Gesicht. Ob Nick sie wieder erkannt hatte? Wohl kaum. Und was machte er überhaupt hier? Konnte es sein, dass Alex ihn angerufen und um Verstärkung gebeten hatte? Nein, das konnte sie sich auch nicht vorstellen. Das ergab keinen Sinn. Oder?
Zu allem Überfluss hatte sie sich auch noch tatsächlich mit Nick zum Mittagessen verabredet. Was sie dabei geritten hatte, konnte sie allerdings beim besten Willen nicht sagen. Irgendwie hatte sie sich vollkommen überrumpelt gefühlt, auch wenn dies eine ziemlich dürftige Ausrede war. Und dann ... nun ja ... war es einfach mit ihr durchgegangen. Die Vorstellung, ein nettes Essen mit einem Menschen einzunehmen, der tatsächlich an ihr und ihrer Gesellschaft interessiert war, hatte irgendetwas ganz tief in ihr berührt. Das letzte Treffen dieser Art schien auf jeden Fall Jahrmillionen zurück zu liegen. Mal ganz abgesehen davon, dass sie sich aus Kostengründen, seit sie sich in Florida befand, von nichts anderem als labberigem Toastbrot und Marmelade ernährte.
Und zu guter letzt hatte Nick Sophia registriert, da war sie sich ganz sicher. Trotzdem wollte er sich mit ihr treffen. Er wusste also, dass er sich mit einer Frau verabredete, die gleichzeitig Mutter eines Kindes war und machte trotzdem keinen Rückzieher. Das war seltsam, noch dazu, wo Nick sich als berühmte Persönlichkeit höchstwahrscheinlich seine Dinner-Partnerinnen aus einem breiten Spektrum an Telefonnummern aussuchen konnte. Wie sie es drehte und wendete ... die ganze Geschichte blieb ihr ein Rätsel.
Schließlich wandte sie sich seufzend von ihrem Spiegelbild ab und verließ, den Kinderwagen vor sich herschiebend, den Waschraum. Als sie das geschäftige Flughafenterminal betrat, betete sie inständig, dass sie Nick nicht noch einmal über den Weg lief, was natürlich vollkommener Blödsinn war. Schließlich hatte sie sich mit ihm in einem Anfall geistiger Umnachtung verabredet und würde ihm somit unweigerlich wieder gegenübertreten müssen. Doch nicht heute und nicht hier. Hoffte sie zumindest.
Während sie also die luftige Halle ohne nach rechts oder links zu sehen und mit eiligen Schritten Richtung Ausgang durchquerte, versuchte sie sich gedanklich irgendwie abzulenken. Leider hörte sie nun das Telefongespräch von heute Morgen überdeutlich in ihrem Kopf. Alex hatte sie zu einem Abendessen bei sich zu Hause eingeladen und auch wenn er seine Mutter als eigentlichen Grund vorschob, so hoffte sie doch tief im Inneren, dass er sich langsam an den Gedanken gewöhnte, dass er Sophias Vater war und demnach die Gelegenheit beim Schopfe packen würde, seine Tochter kennen zu lernen.
Sie versuchte dabei das Übelkeitsgefühl in ihrem Magen zurück zu drängen, das ihr unmissverständlich klar machte, dass dieses Essen ja, der gesamte Aufenthalt in Flordia eigentlich nicht das war, was sie sich wünschte. Aber wie schon so oft fragte das Leben nicht danach, was sie sich erhoffte. Es schritt einfach mit jeder Sekunde weiter voran und wenn Sasha nicht davon begraben werden wollte, musste sie wohl oder übel auf der Welle des Schicksals mitschwimmen, ob ihr dies nun passte oder nicht.
Im Grunde war es schon verrückt, was sie alles hatte unternehmen müssen, um überhaupt bis hier her zu kommen. Eigentlich hatte sie vorgehabt, Alex bei ihm zu Hause in Los Angeles aufzusuchen. Dass ihre Wahl schließlich auf Florida gefallen war, hatte mehrere Gründe.
Zum einen war es unmöglich gewesen, seine Adresse in L.A. heraus zu bekommen. Wahrscheinlich hätte sie dies besser erledigten können, wenn sie in Kalifornien aus dem Flieger gestiegen war, aber darauf wollte und konnte sie sich nicht verlassen. Nicht, wenn sie ein sechs Monate altes Baby bei sich hatte. Denises Adresse heraus zu bekommen war da schon wesentlich einfacher gewesen und nachdem sie im Internet gelesen hatte, dass Alex Weihnachten, Silvester und vermutlich auch seinen Geburtstag Mitte Januar hier verbringen würde, war ihre Entscheidung gefallen. Mal ganz abgesehen davon, dass ein Flug nach Florida nur halb so lange dauerte, wie einer nach Los Angeles.
Zum anderen war ihr im Nachhinein die Vorstellung, Alex bei seiner Mutter an zu treffen und mit ihr vielleicht einen kleinen, weiblichen Beistand bei ihrer Unternehmung an der Seite zu haben, äußerst verlockend erschienen. Eine Frau und Mutter, da war sich Sasha sicher, hatte eher Verständnis für ihre Lage. Wenn sie sich jetzt die Einladung zum Abendessen ansah, hatte sie mit dieser Vermutung wohl auch richtig gelegen. Vielleicht gelang es ihr ja so, eine Verbindung zwischen Alex und Sophia herzustellen, auch wenn ihr alleine die Vorstellung eine glühende Faust in den Magen rammte.
Alex versuchte seine Nervosität zu verbergen, während er am Küchentisch seiner Mutter saß und ihr beim Zusammenlegen seiner Wäsche zusah. Doch die Anzeichen seiner inneren Unruhe waren so offensichtlich, dass er ihr wahrscheinlich nichts vormachen konnte. Seine Hände suchten dringend nach einer Beschäftigung und da sie hierfür nicht wie sonst eine Flasche Jack Daniels und ein Glas zur Verfügung hatten, fummelten sie abwechselnd an der Tasse Tee, die vor ihm stand und deren Inhalt langsam kalt wurde, an seinen Lederarmbändern, am Saum seiner Jeans und an imaginären Staubflusen auf seinem Hemd herum.
Er wartete auf Nick und während er es auf der einen Seite kaum erwarten konnte seinen langjährigen Freund wieder in die Arme zu schließen, wurde einem anderen Teil in ihm ganz schlecht wenn er daran dachte, dass sich Nick zukünftig in diese Vaterschaftsgeschichte einmischen würde. Am liebsten wäre ihm gewesen, wenn er die Tatsache, dass eine fremde Frau urplötzlich vor seiner Tür gestanden hatte und behauptete, er sei der Vater ihres Kindes, einfach hätte verschweigen können. Immer wieder versuchte er sich zu sagen, dass bei dem Test nichts anderes herauskommen konnte, als dass er nicht der Erzeuger dieses Babys war. Die Handhabung eines Kondoms war ihm im Laufe der Jahre in Fleisch und Blut übergegangen und er war sich beinahe sicher, dass er daran auch noch in einem Zustand vollkommener, geistiger Abwesenheit gedacht hätte. Mal ganz abgesehen davon, dass selbst seine sexuellen Fähigkeiten begrenzt waren. Selbst wenn er Sasha damals getroffen hatte, so war er doch ihrer Aussage zu Folge so dermaßen betrunken gewesen, dass er unmöglich noch in der Lage gewesen sein konnte mit ihr zu schlafen.
Nein, er war sich vollkommen sicher. Nie im Leben war Sophia sein Kind.
Du solltest aufhören darüber nachzudenken, holte ihn die Stimme seiner Mutter zurück in die Wirklichkeit.
Leichter gesagt als getan, brummte er.
Ich weiß. Aber es bringt dich nicht wirklich weiter. Bis wir in sechs Wochen das Ergebnis des Tests haben, kannst du überhaupt gar nichts tun. Du quälst dich doch nur.
Sie hatte mit ihrer Arbeit innegehalten und blinzelte ihn nun über den Rand ihrer Brille hinweg an.
Aber Verdrängung ist auch keine wirkliche Alternative, oder? sagte er, zog seine Teetasse zu sich heran und begann sie in seinen Händen hin und her zu drehen.
Nein, natürlich nicht. Aber wenn du jede Sekunde des Tages darüber nachgrübelst, ob du sie nun kennst, ob ihr miteinander geschlafen habt und ob Sophia tatsächlich deine Tochter ist, wirst du irgendwann durchdrehen.
Du meinst, ich werde wieder anfangen zu trinken, korrigierte er sie und obwohl sie damit nicht wirklich weit von der Wahrheit entfernt lag, so schmerzte doch der Gedanke, dass sie ihm dies immer noch zutraute.
Es würde mich zumindest nicht wundern, nickte sie und bohrte damit den Pfeil noch tiefer in sein Herz. Du bist noch ein ganzes Stück davon entfernt ein wirklich entspannter, trockener Alkoholiker zu sein, das weißt du, oder?
Ja, Mom, das weiß ich. Aber es macht es nicht wirklich besser, wenn du mir das immer wieder vorhältst, entgegnete er leicht gereizt.
Ich halte dir das doch nicht vor, rief sie entsetzt, trat nun von ihrem Bügelbrett zurück und kam zu ihm um den Tisch herum. Ich bin wirklich unglaublich stolz auf dich, sagte sie dann, während sie sich auf den Stuhl neben ihm sinken ließ und ihre warme Hand auf seine verspannte Schulter legte. Das weißt du hoffentlich auch. Ich mache mir einfach Sorgen um dich. Du sitzt hier und hibbelst herum und ich kann in deinen Augen dein Verlangen nach einem ordentlichen Schluck Alkohol sehen. Nun sag mir welche Mutter es ertragen kann, ihren Sohn so leiden zu sehen, hm?
Ich leide nicht Mom. Mir geht es gut, beeilte er sich zu sagen und fühlte sich wieder einmal schuldig, dass er seine gesamte Umgebung in dieses totale Chaos gestürzt hatte. Klar bin ich nervös. Ich finde die Idee nach wie vor einfach schwachsinnig, dass Nick hierher kommt um mir das Händchen zu halten.
Tja, du hättest ihm einfach klipp und klar sagen sollen, dass du nicht möchtest, dass er kommt, stellte seine Mutter fest, bevor sie ihm noch einmal zärtlich über den Kopf strich und sich dann auf ihrem Stuhl zurücklehnte.
Guter Plan, nickte Alex ironisch. Aber du kennst doch Nick. Wenn der sich was in den Kopf gesetzt hat, kann ihn nichts und niemand stoppen.
Und du glaubst nicht, dass ein kleiner Teil von dir sich darüber freut, dass du bald diesen Chaoten an deiner Seite hast? lächelte Denise mit einem Augenzwinkern.
Najaaaa ... ein bisschen vielleicht, gestand Alex zähneknirschend.
Na also. Dann genieß doch einfach die Zeit, die ihr zusammen habt und mach dir über den Rest nicht mehr so viel Gedanken. Du solltest dich ein bisschen mehr auf dich konzentrieren, danach schauen, was du dir von deinem Leben wünschst, wo du gestanden hast, wie weit du schon gekommen bist und wo du in etwa hin willst.
Das versuche ich ja, seufzte Alex aber wenn ich anfange darüber nachzudenken, fällt mir unweigerlich das Baby ein und ... , er verstummte, weil er den restlichen Satz, in dem das Wort Angst vorgekommen wäre, nicht laut aussprechen wollte.
Das verstehe ich, aber ... , setzte seine Mutter an, dann begann sein Handy in der Hosentasche zu vibrieren.
Selten war er so erleichtert gewesen, in einer Unterhaltung gestört zu werden, doch dieses Gefühl verflüchtigte sich augenblicklich als er auf sein Display sah und erkannte, wer ihn anrief.
Er bemühte sich, bestens gelaunt zu klingen, als er sich schließlich meldete.
Hey mein Hase, grinste er in den Hörer und registrierte dabei das befriedigende Lächeln seiner Mom, bevor sie aufstand und sich wieder dem Wäscheberg zuwandte.
Hallo mein Schatz, hörte er Nickis Stimme aus dem Hörer und augenblicklich schienen all seine Probleme zu einer unwichtigen Kleinigkeit zusammenzuschmelzen.
Wie geht es dir? fragte er, erhob sich von seinem Stuhl, schlenderte hinaus in den Flur und hinüber ins Wohnzimmer, wo er sich gemütlich in eine Ecke des ausladenden Ledersofas fallen ließ.
Mir geht es gut, entgegnete Nicki. Das Shooting läuft einigermaßen. Ausnahmsweise haben sie mal keinen Idioten von Fotografen geschickt.
Das hört sich doch gut an, lächelte Alex und hätte im Moment alles darum gegeben, wenn er seine Freundin wenigstens für ein paar Sekunden hätte in den Arm nehmen können.
Doch sie war weit weg, auf irgendeiner karibischen Insel, wo sie für einen exklusiven Modekatalog posierte. Augenblicklich sah er sie vor sich: Ihr langes, glattes, beinahe schwarzes Haar wehte in einer sanften Briese, ihre olivfarbene Haut schimmerte im strahlenden Sonnelicht, während sie bis zu den Knien in den heranrollenden Wellen des Ozeans stand und mit einem breiten Lächeln auf ihrem erotischen Kirschmund in die Kamera lächelte.
Du fehlst mir, hörte er sie sagen und sein Traumbild verflüchtigte sich abrupt.
Ich weiß mein Hase. Du fehlst mir auch sehr, sagte er und drückte sich den Hörer noch etwas fester ans Ohr. Als könne diese Geste wenigstens einen kleinen Teil der Entfernung überbrücken.
Und ich mache mir Sorgen, fuhr sie fort.
Worüber?
Um dich.
Auch das noch. Erst seine Mom und jetzt auch noch Nicki. So langsam hatte er es satt sich immer verteidigen zu müssen. Er hatte doch mit dem ganzen Scheiß aufgehört, wieso ...
Du hast dich seit drei Tagen nicht bei mir gemeldet, hörte er sie weiterreden.
D-Das stimmt ... , stammelte er. Tut mir ehrlich leid. Irgendwie ... ich weiß auch nicht ... ich bin wohl etwas zu tief in mein eigenes Ich abgetaucht.
Das ist ja auch nicht schlimm, beeilte sie sich zu sagen und er konnte nur immer wieder über ihr grenzenloses Verständnis und Vertrauen staunen. Es ist nur ... na ja ... geht es dir wirklich gut? Du weißt, wenn du irgendetwas auf dem Herzen hast, kannst du es mir immer sagen.
Augenblicklich erschien das Bild von Sasha und ihrem Baby vor seinem geistigen Auge und er schluckte. Wenn er Nicki jetzt sagte, dass alles bestens lief, log er sie ganz bewusst an, wenn er ihr aber von dem ganzen Mist erzählte, würde sie sich sicherlich endgültig von ihm trennen. Er war schon einmal kurz davor gewesen, sie zu verlieren. Damals hatte er sich in seinem Alkoholrausch noch eingebildet, bestens ohne sie auskommen zu können. Doch bereits nach zwei Stunden ohne sie, war er ihr hinterher gerannt und hatte sie auf Knien um Verzeihung angefleht. Was sollte er also tun?
Hey, du bist so still, kam es vom anderen Ende der Leitung, während er im Hintergrund fremdes Stimmengemurmel ausmachen konnte.
Mach dir keine Sorgen Nicki, sagte er also und schloss dabei beschämt die Augen. Mir geht es prima. Naja ... ein bisschen verwirrt manchmal noch und ... nun ja ... beschämt ... wegen ... na ja ... , er verstummte.
Ich weiß, hörte er ihre helle, verständnisvolle Stimme, die ihm beinahe wie eine sanfte Berührung vorkam.
Und zu allem Überfluss, fuhr er fort, als ihm endlich etwas einfiel, mit dem er sie ablenken konnte kommt heute Nick hier an.
Was? Wieso denn das? entgegnete sie überrascht.
Mist. Von einer Tretmine zur nächsten und das mit offenen Augen.
Uhm ... er macht sich ebenfalls Sorgen um mich, wie scheinbar die halbe Welt und außerdem haben ihm seine Geschwister alle für das Weihnachtsessen abgesagt.
Oh nein! Das ist ja gemein, ereiferte sie sich sofort. Sie hatte schon immer eine Schwäche für Nick gehabt. Irgendwie gefiel ihr der Spinner, wenn Alex auch nicht genau sagen konnte, warum dies so war. Wahrscheinlich hatte das eher etwas mit Welpenschutz denn mit erotischem Interesse zu tun. Ehrlich, wenn ich diese Biester irgendwann in die Finger bekomme werde ich ihnen mal ein paar Takte erzählen, fuhr Nicki aufgebracht fort. Kann doch nicht sein, dass sich Nick seinen süßen, kleinen Hintern aufreißt um sie alle wieder zusammen zu bringen und sie einfach absagen.
Süßer, kleiner Hintern? fragte er schmunzelnd.
Natürlich nicht so süß und klein wie deiner, kicherte sie.
Na das will ich aber auch hoffen!
Ehrensache.
Ich liebe dich, hauchte er und fühlte, wie sein Herz heftig zu klopfen begann und seine Magenwände anfingen zu kribbeln.
Ich liebe dich auch mein Schatz, entgegnete sie und er konnte ihre Sehnsucht aus jeder einzelnen Silbe heraushören.
Dann überleg dir das doch noch einmal mit Weihnachten, sagte er hoffnungsvoll und setzte sich aufgeregt aufrecht hin.
Nein, das geht nicht. Das haben wir doch schon besprochen, hörte er sie sagen und die Enttäuschung überflutete augenblicklich sein gesamtes Denken.
Er seufzte laut und anhaltend und schüttelte dann den Kopf. Ich weiß ja, dass es schwierig ist das Shooting, deine Familie und mich unter einen Hut zu bekommen, aber ganz ehrlich ... ich bin an dem Abend verloren ohne dich.
Hey, du hast immerhin deine Mom UND Nick an deiner Seite. So schlecht geht es dir also gar nicht.
Das ist nicht das Selbe und das weißt du, gab er mit vorgeschobener Unterlippe zurück.
Ja, das weiß ich. Aber es muß leider fürs erste reichen. Vielleicht schaffe ich es zu Silvester. Sie können uns ja schließlich nicht ewig hier im Paradies festhalten, oder?
Wollen wir es hoffen, seufzte er.
Hey. Du weißt hoffentlich, dass ich viel, viel lieber bei dir in deinen Armen wäre als hier mit diesen abgemagerten Supermodels und einem Fotografen, der immer Kinder zu uns sagt.
Gegen seinen Willen musste Alex schmunzeln. Ja, das weiß ich.
Gut, das beruhigt mich.
In diesem Moment klingelte es an der Tür und mit einem Schlag war Alex Nervosität wieder da.
Ich glaube, ich muß Schluß machen, quetschte er hervor, während er hörte, wie seine Mutter durch den Flur in Richtung Haustür ging. Das wird bestimmt Nick sein und wie ich ihn kenne, verstehe ich gleich mein eigenes Wort nicht mehr, wenn er hier erstmal eingelaufen ist.
Er hörte Nickis glockenhelles Lachen am anderen Ende der Leitung. Na gut, dann begrüß ihn mal anständig und richte ihm liebe Grüße von mir aus.
Werde ich tun, nickte Alex, während Nicks lautes Organ bereits durch das Haus schallte.
Ich liebe dich, sagte Nicki gerade und er versuchte sich wieder ausschließlich auf ihre liebe Stimme zu konzentrieren.
Ich liebe dich auch mein Hase. Und du fehlst mir. Sei anständig. Bis bald, ja?
Ja, bis bald.
Sie hauchte einen Kuß in den Hörer, den er schmatzend erwiderte, dann schnitt ihm das Klicken, als sie auflegte, mitten ins Herz. Doch er hatte noch nicht einmal Zeit sich seines Schmerzes richtig bewusst zu werden, denn in diesem Moment tauchte ein strahlender Nick im Durchgang zum Wohnzimmer auf, breitete grinsend die Arme aus und rief Hey Buddy. Die Kavallerie ist eingetroffen.
Ja, das höre und sehe ich, nickte Alex, bevor er sich schwerfällig von der Couch erhob und seinen Freund in die Arme schloss.
Ab jetzt würde er keine ruhige Minute mehr haben. So viel war sicher. Und seltsamer Weise freute er sich in diesem Moment unglaublich darüber.